Nr. 94 40. Jahrgang
Ausgabe A fr. 47
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Berliner Volksblatt
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Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Donboff 2506-2507
Sonntag, den 25. Februar 1923
Kampf gegen Geheimorganisationen.
Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3
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Das Kriegsproblem.
Man spricht davon, was werden soll, wenn Frankreich Am Sonnabend waren sämtliche Oberpräsidenten ausgestellt im Ausführung der Note vom 14. Februar 1923" und den Krieg ertlari. Es muß auf diese tragische Frage die etwas trivial flingende Antwort erlaubt sein:" Dann ist Preußens in Berlin zu einer Gigung unter persönlicher Let verlangt vom Arbeitnehmer die Einhaltung einer sehn ftündigen es auch noch fol" Frankreich führt Krieg gegen die wehrtung des preußischen Arbeszelt unter Leitung und Kontrolle der Franzosen . Am lose deutsche Republit, ohne ihn erklärt zu haben, die Kriegsbleibt und daß in dieser Pariser Gerüchte.
Minister Severing hat die Oberpräsidenten erneut die be. Schluß wird ausdrücklich bemerkt, daß die Entschädigungserflärung wäre nur ein Geständnis, daß der berühmte§ 18 der
stimmte Weisung erteilt, im ganzen preußischen Staatsgebiet jeden Versuch einer Bildung von Formationen oder Orga. nisationen illegaler Art mit allen gefeßlichen Mitteln zu unterbrüden. Diese Anweisung zu wiederholen, war zurzeit um so dringender notwendig, als die Orgesch und andere Rechtsverbände infolge des franzöfifch- belgischen Einbruchs im Westen Deutschlands die Zeit für gefommen er achteten, militärische Ausbildungsspielereien zu inszenieren, wobei einzelne Angehörige der Reichswehr allzu willig Helfersdienste leisteten.
Der Reichsdevisenfonds.
Beziehung teine Gewähr gegeben wird.
Die Agentur Radio erzählt, daß in Berlin die Nebernahme der Regierung durch den Prinzen Mag von Baden oder durch Dr. Wir bevorstehe. Außerdem will sie wissen, daß die hollän Benn dische Regierung eine Vermittlungsaktion eingeleitet habe. die Meldung von ber holländischen Bermittlung ebenso richtig ift wie die vom Regierungswechsel in Berlin , dann darf man sie getroft zum übrigen legen.
Neutralitätspflicht der Bischöfe.
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Straßburg , 24. februar.( Mtb.) Wie die Republique meldet, hat der Bifchof von Straßburg , Ruch, der während des Krieges Rorpsgeiftlicher eines franzöflichen Armeekorps war, elnen päpstlichen Berwe: erhalten, weil er fich feinerzeit für die von der franzöfifchen Regierung verfügten Retorflonsmaßnahmen gegen Deutschland erklärt hat, die bald wieder zurückgenommen worden find.
Zusatzabkommen zum Rapallo- Vertrag.
lage darstellt, und daß das Wort von der„ friedlichen Aktion" nur ein mißlungener Täuschungsversuch mar. Indem Frank reich einen bewaffneten Ueberfall auf friedliches deutsches Land unternahm, hat es eine feindliche Handlung begangen, der Deutschland mit neuen Methoden des gewaltlosen Widerstands begegnet. Eine Kriegserflärung Franfreichs wäre nichts als ein Versuch, Deutschland von ei.m Feld, auf dem es widerstandsfähig ist, auf ein anderes abzudrängen, auf dem ihm die Niederlage, gewiß ist. Nachdem diese Tai. fache sogar von dem militärischen Mitarbeiter der Kreuz zeitung ", dem General v. 3 mehl, bestätigt und unterstrichen worden ist, wird es niemand mehr der Sozialdemokratischen Partei übelnehmen tönnen, wenn sie sich jedem Gedan ten an attiven Widerstand mit allen Kräften widerlegt
50 Millionen Dollar innere Anleihe. WIB. meldet: In der heutigen Kabinettsfihung wurde der Entwurf eines Gefehes über die Beschaffung von Mitteln zur Bildung Im Fall einer Kriegserklärung wäre also der französischen Es soll eine SchatRegierung nur zu antworten, daß Deutschland nicht daran eines Deoifenfonds angenommen. anweljungsanleihe in Höhe von 50 Millionen Dollar nadenke, den geplanten Mord dadurch völferrechtlich zu legiti zur Ausgabe gelangen, damit das Reich einen jederzeit greifbaren mieren, daß es auch seinerseits die Kriegführung aufnahme. Borrat an Devisen gewinnt, deffen es zur Stühung der Währung Ein Krieg, der von beiden Seiten mit den alten Mitteln der bedarf. Auf diefe Weise sollen die in der Privatwirtschaft Mostan, 23. Februar.( DE.) Der Rat der Bolkskommiffare hat Bernichtung geführt wird, ist für Deutschland von vorhandenen Devisen, soweit sie nicht für laufende Verpflichtungen ein mit Deutschland getroffenes Bufagablommen zu Bunti 1 des vornherein verloren, an seinem Ende steht die niegebraucht werden, im allgemeinen Jntereffe dienstbar gemacht wer- Rapallo - Bertrages bestätigt. Danach erkennen die Bertragschließenden derlage und ein Diftatfrieden des Siegers, den teine der. den. Der Inhaber von Devisen erhält damit die Möglichkeit, die die Entscheidungen der Brifengerichte in den Jahren 1914-18che Devisen in ein gleichwertiges Papier umzutauschen, das vor den De- gegenseitig an. Die Handelsschiffe, die zu Beginn des Krieges fich in che Regierung unterschreiben tann. Wir wür visen den Vorteil hat, daß es beleihbar ist. Die Einzahlung feindlichen Häfen befanden und beschlagnahmt wurden, find gegen den also durch die Annahme der französischen Kriegserklärung foll In ausländischen Devilen oder ausländischen Noten erfolgen, feitig auszuliefern, Joweit fie fich im Besi des anderen Staates und durch den Versuch eines bewaffneten Widerstandes unent. die Einzahlung in amerikanischen Dollars ift nicht zur Bedingung ge- befinden. Sollte ein Schiff in den Bei einer dritten Macht rinnbar in die Situation hineinsteuern, der zu entgehen das macht; es werden unter entsprechender Anrechnung auch andere hoch übergegangen fein, fo behält sich der betreffende Bertragspartner vor, Biel aller unserer bisherigen Bestrebungen gewesen ist. die Rückgabe von diesem dritten Staat zu verlangen; die beiden Auf der anderen Seite würde eine französische Kriegs. wertige Baluten geleiflet werden können. Bertragschließenden unterstüßen gegenseitig diese Forderungen. Alle Schadenersaßforderungen für Beschlagnahmen werden annulerflärung, die von Deutschland nicht mit bewaffnetem Wider liert. Das Bufahabtommen bedarf feiner weiteren Ratifizierung ftand beantwortet wird, die Lage Franfreichs nur noch viel und tritt fofort in Straft. chwieriger gestalten. Denn, was immer gesagt werden mag, die Welt fönnte es auf die Dauer nicht ertragen, daß gegen ein friedliches, in friedlicher Gesinnung verharrendes Bolt mit Massenmord und Zerstörung vorgegangen wird. Die Nichtaufnahme des Krieges durch das deutsche Volk würde auf alle Fälle den ganzen Borgang materiell weniger verlustreich und politisch aussichtsvoller gestalten als seine Aufnahme. Denn so richtig es ist, daß Deutschland einen Kampf um Sein oder Nichtsein fämpft, so flar ist auch, daß Deutschland diesen Stampf ohne Hilfe von außen nicht beſtehen kann- am allerwenigsten dann, wenn er mit Waffengewalt entschie den werden sollte. Und an Waffenhilfe für Deutschland denkt. teine auswärtige Macht.
Frankreichs Kohlenraub.
Effen, 24. februar. Bom Bahnhof Brintrop haben die Franzosen u. a. 16 Lokomotiven, 1 Personenzug mit 9 Ba.
Todeeurteil gegen einen Lenin - Attentäter. Die Militärabteilung des Oberften Gerichtes in Mostau bat einen gen, 88 Bagen mit Roble und Rots und 4 mit Bri ehemaligen Oberstleutnant& weshew'sti zum Tube fetts, fomie viele andere Wagen mit Grubenholz, Brettern, urteilt. Er war im Jahre 1921 im Auftrage der damals in Warschau Lort usw. abgeschleppt. Außerdem haben sie aus den Werkstätten tätigen Slawintow. Gruppe nach Mostau gekommen, um ein alle Handwertszeuge und Geräte herausgeholt und die Schränke Attentat auf Lenin auszuführen, hatte indessen in Moskau aus der Arbeiter zerschlagen. Beamte und Arbeiter haben in größerer Gründen, die bei der Gerichtsverhandlung ungeflärt blieben, auf die Sahi, teilweise mit zweiftündiger Friſt, ihre Wohnungen verlassen Unter dem Reitpeitschenregiment.
müssen.
Röln, 24. februar.( WTB.) In Rheydt find drei Bebientete, der Rangiermeister Koch, der Betriebsaffiftent Ber melsfirchen und der Betriebsassistent Brahm verhaftet und ihnen
Ausführung feines Blanes perzichtet( und doch Todesstrafe! Reb.) und sich der Spionage zugewandt; er ist Anfang 1922 beim Grenzübertritt verhaftet worden, tonnte jedoch erst viel später über geführt werden.
Traueraufmarsch der Wiener Arbeiter. Wien , 24. Februar.( Elgener Drahtbericht.) Heute nach 12 Millionen Mart Lohngelber abgenommen wormittag wurde vom Baumgartner Rafino im 13. Stadtbezirt( Hietzing ) den Sie wurden von den Franzosen in Richtung München - Bladbach der von monarchistischen Mordbuben erfchoffene Genoffe Birneder München- Bladbachmittag abtransportiert. In der 2. Klasse eines Militärzuges befanden fich zu Grabe getragen. An der Bahre hielt vor den Vertretungen der amelan Retten gefellette 3ivilift en in Begleitung von franzöfifchen Offizieren. In Gerolstein wurden sämtliche Bediensteten Stadtverwaltung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften aufgefordert, ihre Dienstwohnungen zu räumen. Bei der sowie den Abordnungen der Großbetriebe Genoffe Karl Seit den Reichsdirektion Trier wurde die Kleidertalle mit allen Stoffen Nachruf. Darauf setzten sich die Arbeitermaffen, die das Todesopfer ausgeräumt, anscheinend um französische Eisenbahner damit auszu- der Terroristen geleiteten, in Bewegung. Ihre Stärfe mag daraus entnommen werden, daß der Marsch zu dem unweit entfernten Baumgartner Friedhof um 4 Uhr begann, die letzten Reihen aber erst um 7 Uhr an dem frischen Grabe vorüberzogen. Oftara.
rüsten.
Nach einer Meldung der Könischen Zeitung" aus Geffenfirchen wurden gestern abend plötzlich der Polizeirat Hammer, der Stadt ingenieur mörig und der Stadtverordnete her desoft aus der franzöfifchen Gefangenschaft in Redlinghausen en ti affen mit der Angabe, daß die Franzosen nicht wußten, aus welchen Gründen die Berhaftungen erfolgt seien.
Hoffentlich sagt dies alles der gegenwärtigen deutschen Reichsregierung auch ihr eigener Berstand. Auf alle Fälle aber soll die Welt wissen, daß die sozialdemokratifche Arbeiterschaft Deutschlands sich auf alle Fälle weigern würde, einen Weg zu betreten, auf dem schon der erste Schritt in den Abgrund führt. Und mit dieser Feststellung wird zugleich auch der französischen Regierung jede Möglichkeit genommen, der Welt vorzufügen, daß sie durch einen nicht vorhandenen deutschen Kriegswillen zur Kriegserklärung gezwungen worden sei.
Will ferner die deutsche Regierung die Politif des gewaltsamen Widerstandes nach außen folgerichtig betreiben, so muß fie auch im Innern die Konsequenzen daraus ziehen. Ste darf feine privaten Borbereitungen gestatten, die als Rüftung gegen die stärkste Militärmacht der Welt lächer beunruhigend find. Sie muß den Mut haben, auf das Lob der lich, aber als Drohung gegen das eigene unbewaffnete Bolt extremen Rechten zu verzichten, und fte muß offene Augen dafür haben, was thr, wenn sie das nicht tut, auf der anderen Seite verloren geht.
Die Wiener Mordtat fällt auf das Konto der Geheimorganisation Oftara", tie die Schwarzgelben zum Schuß ihrer 70- Männer- BerOffenburg. 24. Februar.( WTB.) Der Adjutant bes Chefs der peitschen, Totschlägern, Knüppeln usw. ausgerüsteten Bande, ein Offenburg , 24. Februar. ( WTB.) Der Adjutant bes Chefs der fammlung aufgeboten hatten. Den Leiter diefer mit Pistolen, Draht französischen Befaßung Bergeade, der in einer Brivatwohnung ein früherer Oberleutnant Szabo, und fast alle 16 seiner Begleiter an quartiert war, vermißte dieser Lage seinen Rompaß. Er erfuhr zu jenem Abend, darunter auch Arbeitslof e, die wohl durch die Not fällig, daß während seiner Abwesenheit ein Arbeiter in feinem zu Berräten ihrer Brüder geworden sind, hat man verhaftet, Bimmer etwas ausgeführt hatte. Darauf begab er sich an die und mehrere von ihnen haben zugegeben, daß fie gefchollen Arbeitsstätte des Mannes, erklärte ihn für verhaftet und führte haben. Sie behaupten natürlich, bebroht worden zu fein- aber der ihn auf das Zimmer. Dort stellte er ihn in eine Ede, hielt ihm Umstand, daß sie von der Straßenbahn herab schlugen und schoffen, den Revolver auf die Brust und verlangte von ihm, indem er während die unbewaffneten Arbeiter auf der Straße standen oder ihn mit der Weifung fort, innerhalb einer halben Stunde den Kom- fich bewegten, genügt zur Erkenntnis der Wahrheit. passes. Als der Arbeiter seine Unschuld beteuerte, ließ ihn der Offi- Während der zweijährigen Herrschaft der Sozialdemokratie ift Bier eine Stunde lang in der Ede stehen. Darauf schichte er es in Wien niemals zu irgendwelchen politischen Rörperverlegun. ihn mit der Beifung fort, innerhalb einee halben Stunde den Rom gen gefommen; feitdem aber die christlichsozial - großdeutsche ReAn eine militärische Attion'dentt in Deutschland ein paß wieder herbeizuschaffen, andernfalls er verhaftet und vor das gierung nicht nur den Staatsbankrott und die Beamten, sondern Striegsgericht gestellt würde. Am anderen Tage stellte sich heraus, vor allem den„ Margismus und die Republik abbaut, bäufen vernünftiger Mensch. Das Ziel des deutschen Widerstandes baß ein zwölfjähriger Knabe zufällig in das Zimmer gekommen war fich die reaktionären Gewalttätigkeiten zohester Art immer mehr. if, als Gleichberechtigter mit Frankreich über eine vernünftige wirtund den Diebstahl ausgeführt hatte. Der Oberbürgermeister hat Diese Ostara" war es auch, die in der letzten Zeit das ahnungslose schaftliche Lösung des Reparationsproblems zu verhandeln, wobel wegen dieses Borfalls beim Kommandeur Protest erhoben, die Be- Bublifum der Vorträge von Dr. Magnus Hirschfeld und Bro- wir uns darüber klar fein müssen, daß Deutschland sicherlich schwere ftrafung des Täters und Genugtuung für den Arbeiter verlangt. feffor Nicolai urplöglich mit ihren Mordwerkzeugen und mit wirtschaftliche Caften auf sich zu nehmen haben würde.
Mainz , 24. Februar.( Eig. Drahtbericht.) Hier wurde das Stuhlwürfen von der Galerie bearbeitete.
Muster eines Anstellungsvertrages der französischen Feldeisenbahn- Der Zustand eines zweiten Benoffen, den die Oftaraftrolche Unterfommission für die Einstellung deutscher Eisenbahner mit be- niebergeschoffen hatten, wird zurzeit als nicht mehr lebensgefährlich mertenswerten Bestimmungen aufgefunden. Der Anstellungsvertrag betrachtet.
Bernunft auch bei pofitischen Gegnern anzuerkennen ist eine angenehme Bflicht. Darum verzeichneten wir mit derselben Genugtuung, mit der wir das militärische Gutachten des Generals v. 3mehl wiedergaben, auch eine Aeußerung des Geheimrats Bücher, des Geschäftsführers des Reichsver bandes der deutschen Industrie, die auf einer Frankfurter Tagung getan wurde, und wiederholen sie:
Herr Bücher hat recht. Die guten Leute und schlechten Musikanten, die schreien, daß es jetzt mit den Reparationszahlungen, der Erfüllungspolitit", ein für allemal ein Ende haben müffe, merfen gar nicht, daß sie damit nur das Spte!