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Kr.lZH 40.�ahcgang Musgabe A Nr. 65 Bezugspreis: Für den Monat März SSV» 9L voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland . Danaig. Saar - und Memelgelnct sowie Oesterreich vnd Luxemburg 7SW) M.. für das übrige Ausland SSVO M. Postbezugs»«« reibleibend. Postdestellungen nehmen an Belgien . DSnemart, England, Eftland. Finnland . Frank- reich. Holland. Lettland . Luxemburg . Oesterreich, Schweden . Schweiz , Tscheäioslowaiei und Ungarn . DerVorwärts� mit der Sonntag«. b-ilageBoll und Keil", der Unter- ballungsbeilagsScimroclt" und der Beilage..Siedlung und Kleingarten� erscheint vochentäglich zweimal, Evnntag» und Montags einmal« reltgramm-Adressei «Sozialdemotrat Berlin'

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�entralorgan der Vereinigten Sozialdemokrat! fchcn Partei VeutleKlands

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Deutsche Note an Amerika .

W a s h i n g k o n. IS. Mörz.(Eca.) Das Staaisdeparte- meni bestätigt, daß der deutsche Äotschasker eine Note über- reicht hat, die die deutsche Auffassung über die R u h r f r a a e darlegt. Offiziell wird erklärt, daß diese Note keine Ar/fforderung zu einer Vermittlung enihalte und daß Deutschland die vereinigten Staaken um keine Antwort ersucht. Man fügt hinzu, daß die amerikanische Regierung keinerlei Schritte unternehmen und auf die Note nicht antworten wird. London ,!?. März. lEP.) wie derDaily Expreß " zu wissen glaubt, befinden sich gegenwärtig Zt nierhändler der beut- scheu Regierung in den verschiedenen europäischen Hauptstädten, um Propaganda für eine für Deutschland günstige Lösung der Reparolionssrage zu machen. Es schlage die Einberufung einer internationalen Sachver ständigen- konferenz vor, um die Zahlungsfähigkeit Deutschlands festzu- stellen. Einer der bekanntesten deutschen Großindustriellen habe außerdem in den letzten Tagen in den Londoner Finanz- und In- dustrlekreisen die Sache Deutschlands verteidigt. Keine Vermittlung, sondern direkte Vorschläge. Paris , 17. März.(WTV.) Der diplomatische Berichterstatter der Agence havas erfährt aus autorisierten Kreisen, die französische Regierung bleibe bei ihrer früher eingenommenen Haltung und werde unter den gegenwärtige» Umständen jedes vermttte- lungsangebot als unfreundliche Handlung betrach­ten. Sie sei auch entschlvsien, Sondieruugsversuche, die seitens mehr oder minder berufener Vermittler aus neutralen oder alliierten Län­dern etwa bei ihr unternommen würden, nicht zu berücksichtigen. Sie werde nur unmittelbare amtliche Vorschläge, die von der deutschen Regierung kämen, in Erwägung ziehen. FranzösischeVorbedingungen". Pari», 17. März.(Cca.) Di« Gerüchte über Versuche Deutsch- lands, Verhandlungen einzuleiten, häufen sich in der französischen Presse in ganz auffallendem Maße. So wird aus Washington über «inen angeblichen Schritt des deutschen Botschafters bei der amerikanischen Regierung berichtet, um Wiederaufnahm« der Verhandlungen mit Frankreich Zu ermöglichen, ohne dem Prestige der beiden Länder zu schaden. Dies« Meldung ist heute abend das Thema einer ganzen Reihe scheinbar Inspirierter Leit- ortitel der französischen Presse, die in sensationeller Weise«ine Art Programm der Vorbedingungen für evtl. VerHand- lungen entwickeln. Am besten zum Ausdruck kommt dieser Gedanke in einem Leitartikel desTetrxs". Dieser stellt vier Bedingungen auf, die erfüllt werden müßten, bevor Verhandlungen zustande- kommen könnten. Dann fährt derTemps" fort: Wie können olsdann Verhandlungen eingeleitet werden? Dies wird sich einfach gestalten, wenn erst einmal der Tag gekommen sein wird, an dem die deutsche Regierung den ausrichtigen Wi l l e n hat, zu b e, a h l e n. DerTemps" beschäftigt sich dann mit der Rolle der Reparationskommission. Bekanntlich sind bei den ftanzössschen Politikern hinsichtlich der Stellung der Reparationskommission bei evtl. Verhandlungen verschiedene Met- nungen vorhanden. D«Temps" schließt sich der Ausfassung an, daß die Reparationskommission, die den alliirrtm Regierungen die freiwillige Nichterfüllung Deutschlands mitgeteilt hat, sich selber für den Augenblick aus dem Spiel gesetzt hat. Auf Grund dieser Mit- teilung der Reparationskommission sei die Reparationsfrage in die Hände der rcspettiven Regierungen gelegt worden. Lediglich Belgien und Frankreich hätten sich daraufhin entschlossen, vorzugehen. Italien Hobe zwar Ingenieure in das Ruhrgebiet entsandt, aber man kann nicht behaupten, daß es sich als Teilnehmer an den Sanktionen betrachtet und sich verpflichtet erachtet, sie aufrecht- zuerholten. England habe offen feine Neutralität erklärt, j wenn fetzt Deutschland Vorschläge zu machen habe, so könne es diese nur offiziell und direkt an die beiden Regierungen richten, deren Truppen das Ruhrgebiet besetzt halten. Den Regierungen und( nicht der Reparalicnstommission habe Deutschland seine Vorschläge vorzulegen. Wenn dann Frankreich und Belgien im Besitz dieser Vorschläge find, dann werden sie den alliierten Mächten,! die Gläubiger Deutschlands find, davon Mitteilung machen, und zweifellos auch den Veteinigten Staaten. Sie werden. diesen Dorschlägen dann ihre Meinung und ihre Absichten hinzu- fügen. Wenn die deutschen Vorschläge für eine ernsthafte Diskussion geeignet sind, dann wird hierbei jede Regierung die Rolle spielen. die der Friedensvertrag vorsieht. Die Reparationskommission wird alsdann über diejenigen Fragen beraten, die unter ihre Kompetenz fallen. Was die weiteren Verhandlungen und die Aufhebung der Sanktionen betrifft, so kann dies« Frage nur durch direkte VerHand-, lungen zwischen den interessierten Regierungen gelöst wurden.

Die Ruhrkoaferenz in Hamm . Der Reichspräsident, der ReichswirtschaftSminister Dr. Becker, Reichsarbeitsminister Dr. BraunS, der preußische Minister deS Innern S e v e r i n g und der preußische Handelsminister S t e r i n g begaben sich gestern abend nach Hamm zu Besprechungen mit Vertretern der Arbeiterschaft, der Unternehmer und der Behörden im Ruhrgebiet . Die Morütat von Huer. Französisches Eingeständnis Stadt und Bevölkerung unschuldig. Buer , 17. März.(MTB.) Oberbürgermeister Zimmer- mann und Sparkassendirektor Pöppinghau«, die als Geiseln festgehalten wurden, sind gestern abend freigelassen worden. General Laignelot in Recklinghausen eröffnete ihnen, die Unter- suchung in der Angelegenheit der Ermordung der beiden franzö- fischen Offiziere hätte ergeben, daß die Stadt und die Bevölkerung kein verschulden treffe. Die Spuren führten nach der Schutz- Polizei. Die mutmaßlichen Täter seien gefaßt, es handle sich um den Kriminalpolizeibeamten Purchhoff und den Elektro« Monteur Wittershagen. Beide seien auf dem Weg zum Gefängnis in Recklinghausen in der Nähe eines kleinen Wäldchens zwischen Buer und Westerholt bei einem Fluchtversuch von stanzösi- scheu Genharmen erschossen worden. Die weiteren franzö­ sischen Ermittlungen seien dadurch sehr erschwerst würden aber sortgesetzt. Diese französische Darstellung ist«in Mu st er stück franzö- sischer Verdrehungskunst und ein Zeichen der hilf- lose st en Bertegen Heist Einmal sagen die Franzosen , die Mörder seien in den Reihen der Schutzpolizei lu suchen, und melden in demselben Atemzuge einen Kriminalbeamten und einen Zivilisten, die zur Schupo in keinerlei Beziehung stehen, als Täter. Das Alibi des Herrn Burchhoff ist einwandfrei fest- gestellt. Der Kriminalbeamte hat sich am Mordtag dauernd im Stadtteil Buer-Erle aufgehalten, der vom Tatort mehrere Kilo- meter entfernt ist. Nach eidlichen Feststellungen hat der Beamte von abends 9 Uhr bis um 11 Uhr in der Wirtschaft Forsthof in Buer-Erl« mit mehreren Beamten Skat gespielt. Der Monteur Wittershagen hat von der Mordtat erst am Morgen darauf erfahren. Wie erinnerlich, wurde der Kriminalbeamte von den Franzosen festgenommen, weil et von landfremdem Gesindel de- nunziert worden war, nachdem er sie abends nach dem Melassen der Wirtschaft zur Ruhe gewlesen hatte. Wittershagen wurde ver- haftet, weil er das Unglück hatte, mit Burchhoff in demselben Hause zu wohnen und dieser sich bei ihm vor den französischen Häschern versteckt hatte. Es ist unrichtig, wenn die Franzosen de» haupten, die beiden seien bei eine,» Fluchtversuch in einem Wäldchen unweit Buer erschossen worden. Tatsache ist vielmehr, daß beide auf dem Platze hinter dem Rathau» durch Kolbenschtäge und Gewehrschüsse in bestialischer Weise hingemordet worden sind. Die Anwohner des Rathausplatze» bezeugen die, einwandfrei. Trotzdem Fortsetzung der Repressalien. Buer , 17. März.(WTB.) Der verhaftete Direktor de» Gymnasiums, Oberstud'.endirektor Prof. Weber und Gtudienrat Reibüter sitzen noch in Haft. Die Verkehrseinschränkungen werden nach w!« vor mit aller Schärfe durchgeführt. Seit einer ganzen Woche sind sämt- liche Eases und Wirtschaften geschlossen. Die Zeitungen sind immer noch verböten. Bezeichnend ist, daß das Zeitungsver- bot unter folgenden Bedingungen aufgehoben werden soll. Die Buerschen Zeitungen werden verpflichtet,«ine Erklärung des Generals Laignelot zu bringen, in der dl« Entrüstung darüber zum Ausdruck gebracht wird, daß von deutscher Seit« behauptet werde, die Täter seien in den Reihen der französischen Besatzung zu suchen. Sie sollen weiterhin Erklärungen von deutschen Zougen veröfsent- lichen, die in striktem Gegensatz zu den eidlichen Aussagen stehen, die diese Zeugen vor dem Untersuchungsrichter gemacht haben. Falls die Zeitungen sich weigern, diese Erklärungen zu veröffenttlchen, sollen sie dauernd verboten bleiben. Vorläufig ist das Er- scheinen sämtlicher Zeitungen unter dem fadenscheinigen Grunde untersagt, daß ein«(l) Luersche Druckerei sich geweigert Hab«, Bei- leidskarten für die Franzosen zu drucken. Durch diese Maßnahme soll offenbar der Buerschen Presse die Möglichkeit genommen werden. über die Mordtat und die durch nichts begründeten französischen Repressalien zu berichten. Die Erregungder Bevölkerung ist nach wie vor äußerst groß. Das Fehlen der Zeitungen steigert diese noch. Man ist allgemein erbittert darüber, daß eine friedliche Bevölkerung für eine Mordtat büßen muß, an der sie nach dem eigenen Geständnis des Generals Laignelot völlig unbeteiligt ist.

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Hoffnung aus Gräbern. Zum 1�. März. Die Vorkämpfer der bürgerlichen Freiheit, die im Friedrichshain ruhen, wären längst vergessen, wenn nicht die Berliner Arbeiter all die Jahre der kaiserlichen Re- oktion hindurch das Andenken an sie aufrechterhalten hätten. Jahrzehntelang war die Märzfeier vomLudergeruch der Revolution" umwittert, und der vorsichtige Bürger machte einen weiten Bogen um die Stätte, wo der Polizeileutnant mit der Schere stand und staatsgefährliche Kranzschleifen abschnitt. Abrücken ist auch bis heute die Parole der Beffersituierten ge- blieben, wie die jüngsten Vorgänge im Berliner Rathaus ge- zeigt haben. Und doch war es ein sehr bürgerlicher Mann, der Staatsrechtslehrer Rudolf G n e i st, der in seiner Schrift über dieBerliner Zustände" 1849 dem phrasentrunkenen aber tatfürchtigen Bürgertum die bitteren Worte ins Gesicht rief:Es ist recht verdienstlich, seine patriotische Begeisterung in einer Adresse, in einer Beifall klatschenden Versammlung oder bei einem Festmahl zu betätigen aber für eine Mei- nung st erben, ist auch etwa s." Für die Wahrheit, die in dielen Worten liegt, hat die Berliner Arbeiterschaft stets tiefes Verständnis gehabt, und darum hat sie jahraus jahrein denen Kränze gewunden» die am 18. März 1848 für ihre Heber- zeugung gestorben find. Was bis vor fünf Jahren nur der Traum einer Ber- gangeicheit schien, ist im November 1918 als ein schweres Erbe auf die Schultern der deutschen Arbeiter gefallen: die deutsche demokratische Republik . Von ihnen aus den Trümmern des Zusammenbruchs geschaffen, vor drei Jahren zum erstenmal gegen einen reaktionären Gewaltstoß erfolgreich verteidigt, hält sie sich inmitten unsäglicher Schmie- rigkeiten aufrecht, weil der Wille der arbeitenden Massen sie bejaht. Vermöchte sie auch nur einen Tag zu leben ohne ihn? Drei Vierteljahrhunderte, die seit der Märzrevolution vergangen sind, haben noch niemals in Deutschland eine bürgerliche Partei als Schöpfer deutscher Schicksale an der Arbeit gesehen. In diesen drei Vierteljahrhunderten ist aber die sozialistische Arbeiterbewegung geworden und gewachsen, hat sie mühsam, tastend ihren Weg gesucht, hat sie Fehler begangen und korrigiert und sich aus jedem Sturz wieder erhoben. Stets hat sie dabei besessen, was dem beut- scheu Bürgertum fehlte, den unzerstörbaren Glauben an sich selbst, die Zuversicht, daß ihr Wollen und Streben dereinst die Zukunft des deutschen Volkes und der ganzen Menschheit ent- scheiden werde. Und diese Zuversicht hat sie auch stets mit den Vorkämpfern der Freiheit im Jahre 1848 verbunden, sie fühlt instinktiv, daß nur dort schöpferische Kraft vorhanden ist, wo auch der Entschluß besteht, einer selbstgewählten Sache bis in den Tod treu zu sein. Daß die Sache der Demokratie, die nur lebendig erhalten werden kann in sozialistischem Geiste, innerpolitisch von den bürgerlichen Parteien aus die Sozialdemokratie überge- gangen ist, das ist eine Tatsache, die allen Blicken längst offen liegt. Außenpolitisch ist aber die Sache der Demokratie in Europa von Frankreich auf Deutschland über- gegangen, diele Tatsache ist erst in den letzten Iahren und Monaten immer klarer geworden. Im Jahre 1848 ging noch der Anstoß zur deutschen Märzrevolution von der sranzö- fischen Februarrevolution aus, die den Königs- thron der Orleans zerbrach und die Republik wiederaufrichtete. Seitdem hat die sranzösifch» Geschichte auf jedem Blatt gc- lehrt, daß eine Republik der bloßen republitanischen Formel und Phrase, eine Vourgeoisrepublik, eine schlechte Hüterin demokratischer Tradittonen ist. Dieses Frankreich von heute, das von nationalistischem Vourgeoisgeist beherrscht ist und in dem bisher die sozialistische Stimme der internationalen Gerechtigkeit ungehört verhallt, schändet die Republik . Aber was die sozialistischen Arbeiter an Rhein und Ruhr in ihrem heroischen Widerstand gegen militaristische Gewalt leisten, erhebt und erhöht die Republik . Denn die sittlichen Kräfte, die dort zum erstenmal, seit Weltgeschichte geschrieben wird, wach geworden sind, konnlen nur unter dieser Staats- form geweckt werden. Es ist kennzeichnend für den geistigen Horizont unserer Nationalisten, daß ihnen jedes Verstänonis für diese tiefen Zusammenhange fehlt. Sie, die doch aus der Geschichte wissen müßten, daß die Wiederaufrichtung der Monarchie in Frank- reich immer wieder mit nationalen Zusammen- brüchen geendet hat wie jede Ueberhcbung der Gewalt nach außen und innen schließlich zum Zusammenbruch führt, Ile verstehen auch heute nichts anderes, als nach außen und nnen ein ödes Gewaltregiment zu predigen, und ihr Sinn ist darauf gerichtet, alles zu zerstören, worauf vernünftigerweise die Hoffnung auf eine bessere Zukunft begründet werden kann.

Heule 2 Llhr MaffenkNdgebung imMedrichchain