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flbenöausgabe cmaaamBaaKrmmmsBuammaama Nr. 262« 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 130

Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: sw. SS, Linden strotze 3 Fernsprecher: Dönhoff 292 29S Tel.-A0reffe: Sozialdeinokra« Berlin

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preis 150 Mark

Donnerstag 7. Juni 1923

Verlag und Anz eig enadlcilung DeschSftszeit S S Uhr Verleger: vorwörto-verlag GmbH. Berlin sw. öS, Lindenstratz« s Zernsprecher: Dönhoff 2506-2502

Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifcben Partei Deutfch lande

Die leipziger Zusammenstöße.

Leipzig , T. 3um.(Eigener Drahtberichl.) Aach der gestern in den Spälnachmittagsstanden vom Gewerkschaftstariell und der VSPD. auf dem Augusiusplah veranstalteten Demonstration kam es leider zu blutigen Zufammenstöhen zwischen unkontrollierbaren Landen, die schon den ganzen Tag über die Stadt beunruhigten, und der Polizei. Während der Veranstaltung war die Polizei nach und nach zurückgenommen worden bis in den Eingang der Ritter­sirahe. Die Menge drängle jedoch vom Augusiusplah schrittweise nach, so dah sie ebenfalls nach längerer Zeit den Eingang der Ritter- sirahe erreichte. Den andauernden Forderungen, die Polizei noch weiter zurückzunehmen, konnte nicht stattgegeben werden, vielmehr wurde mit Bestimmtheit erklärt, dah die Polizei diese Stellung unter allen Umständen halten werde. Daraus erschienen von der BSPD. eine gröhere Anzahl Ordner, denen es etwa drei Viertel- stunden lang gelang, die Menge zurückzuhalten. Die Ordner wurden jedoch beschimpft, bedroht und tätlich angegrisfen. Angesichts dieser Lage wurde von den Ordnern der Menge mindestens zehnmal erklärt, dah, wenn die Bedrängung nicht aufhöre, sie sich zurückziehen und der Polizei freie Bahn lassen mühten. Mehrere Redner, darunter auch Führer der SPD. , versuchten vergeblich, die Menge zum Zu- rückgehen nach dem Auguslusplatz zu bewegen. Ihnen wurde all- gemcH» entgsgengsufen:»W ir find nicht VSPD.- und nicht SPD. - Leute, wir machen unsere eigene Aktion!" Unter starkem Druck wurde versucht, die Ordnerkette in der Mfte zn sprengen. Schlichlich konnten die Ordner sich nicht mehr halten, erklärten aber nochmals, dah sie unter diesen Verhält- nisten abzichen mühten, um der Polizei freie Hand zu geben. Doch alle Warnungen wurden mit Iohlen und Schreien erwidert und in den wind geschlagen. Runmchr traten die Ordner zur Seite, und die pollzei, auf die die Rlenge zustürmte, griff mit Gummiknüppeln ein und räumte die Straß« bis zum Augusiusplah. während dieser Vorgänge war vom Augusiusplah bereit» ein Schuh gefallen. Auch wurden die Polizeibeamten und die Redner mit Stöcken und anderen Gegenständen beworsen. Doch die Polizei reagierte aus all dies nicht. Roch dem vorrücken wurde der Augusiusplah zunächst durch eine polizeikette abgesperrt. Hieraus übernahmen wiederum Ordner die Absperrung und die Polizei zog sich wieder in die Ritterstrahe zurück. Die Ordner konnten jedoch die stürmisch nachdrängende Menge nicht halten, so dah dieselbe bald wieder in der Ritterstrahe stand, hier erklärten nunmehr die Ordner endgültig, daß sie ihre Tätigkeit einstellen und alles weitere der pollzei überlasten. Die pollzei rückte erneut vor und räumte die Strohe bis zum Augusiusplah. Dort wurde sie mit einem Hagel von Steinen über- schüttet, so dah sie sich etwa 20 Meter zurückzog, um sich zu sammeln. Zu dieser Zeit wurde auch das grohe Schaufenster von Bamberger und herh eingeworfen und teilweise geplündert. Von der Menge wurden Steine in großen Masten von dem in der Pflasterung be­findlichen Zuhweg am Postgebäude herangeschleppt und die Polizei damit und mit Glasstücken der zertrümmerten Scheibe beworsen. Zu diesem Zeitpunkt fielen abermals etllche Schüsse au» der Menge. Die Polizei griff nunmehr im Sturmschritt, und zwar wiederum mit Gummiknüppeln an. wurde aber mit einem solchen tzagel von Steinen, Glasslücken und anderen Gegenständen über­schüttet. dah die Beamten in spontaner Rolwehr ihre Pistolen zogen und feuerten. Runmehr räumte die Meng« flucht­artig den Plah, woraus da» Schiehen eingestellt wurde. Die Zahl der Toten und Verwundelen läht sich zurzeit noch nicht genau feststellen. Soweit bisher bekannt geworden ist, sollen 5 b i s 6 T o t e und 23 Verwundete zn verzeichnen sein. Die pollzei hat lS Verwundete, darunter einige Schwcrvcrwundete.

Ein Polizeibeamter wurde durch den Rücken in die Lunge gestochen und ist seinen schweren Verlehungen bereits erlegen. Das Polizei- Präsidium erläßt heute eine Bekanntmachung, wonach aus Grund des § 123, 2 der Reichsverfassung alle Demonstrafionen und Versamm­lungen unter freiem Himmel verboten werden. Im Stadtverordnetenkollegium wurde gestern abend einstimmig ein Antrag der VSPD. angenommen, wonach vom Reich die sofortige Verdoppelung der Unter st ühungssähe für Erwerbslose und die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Unkerstühnng gefordert werden soll. Der oberschlesische Streik. Beuthen , 7. Juni. (TU.) Ueber die Streitlage wird weiter be- richtet, dah in den gestrigen Nachmittagsstunden die Belegschaften des Ostfeldes und des Hermannschachtes der Känigin-Luise-Grube in Hindenburg in den Ausstand getreten sind. Auf der Kastelenkv- grübe ist die Zahl der Arbeitswilligen größer geworden, so daß am Donnerstag die Arbeit dort wieder aufgenommen werden dürfte. Im übrigen lehnen die Führer der Gewerkschaften auch weiterhin den Streit ab, so daß er als wilder Streik bezeichnet werden muh. Die Arbeitgeber sind mit den Gewerkschaften in paritätisch« Berhand- lungen«ingetreten, um in den nächsten Tagen den Arbeitswilligen einen Sonderzufchuh mit Rücksicht auf die täglich größer werdende Teuerung zu zahlen.(Unsere Leser wisten, dah wir die Meldungen von MTB. und TU. stets nur mit Vorbehalt wiedergeben. So ist zu der gestrigen Meldung über den Streik in Hagen -Schwelm , den TU. als einen kommunistischen Streit hinstellt, zu bemerken, daß er von den Gewerkschaften geführt wird. D. Red.) Erwerbslosenüemonftration in Weimar . Weimar , 7. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Wie in allen größeren Städten Thüringens und Sachsens fand auch in Weimar gestern eine Erwerbslosendemonstration statt, an der das Gewerk« schast-tartell offiziell beteiligt war. Im strömenden Regen versammelten sich die Erwerbslosen nachmittags vor dem Volks- Haus und zogen dann zum Marktplatz. Vor dem Rathaus sprach ein Redner, der die Gründe zur Demonstration klarlegt« und die Forderungen der Erwerbslosen vertrat. Ein« ziemliche Erregung bemächtigte sich der Demonstranten, als es von der Stadtverwattpng abgelehnt wurde, die Redner vom Balkon des Rathauses aus sprechen zu lassen. Die Demonstranten nahmen eine vorgebracht« Resolution einstimmig an. Bedauerlicherweis« und zum Schaden der Erwerbslosen selbst lieh man es geschehen, daß zweifelhafte Element«, die größtenteils unorganisiert und in der Arbeiter, oder Gewerkschafts- bewegung bisher noch ganz unbekannt sind, sich zu Wortführern machte». Einer der Radaubrüder versuchte die Massen zu p r o v o. zieren. Zum Glück nahm ihn niemand ernst. Leider hat er der Demonstration selbst jedoch sehr geschadet. Wie diese Leute die Sache der Erwerbslosen zu vertreten ver- stehen, zeigt« sich am Abend im Volkshaus, als unser Genosse Re- dakteur L o h m a n n di« in einem Zimmer versammelten Erwerbs- losen aufsuchte, um sich die aufgestellten Forderungen und die an- genommene Resolution im Wortlaut geben zu lasten. Jene Zweifel- hasten Elemente, an ihrer Spitze ein gewister Weiße, stürzten sich auf ihn und versuchten ihn niederzuschlagen. Genost« Lohmann trug Verletzungen im Gesicht und an der Hand davon. Die Sache wäre gefährlich ausgelaufen, wenn nicht ander« Genossen dazwischenge- sprungen wären. Die organisierte Arbeiterschaft, ganz gleich ob KPD. oder VSPD. lehnt jene Elemente ab und findet für den Vor- fall nur lebhafte Entrüstung.

Das Ergebnis üer Hrüjseler Konferenz. Ein Sieg Poincar6s. Paris , 7. Juni. (TU.) Als wesentliches Ergebnis der gestrigen Brüsseler Konferenz wird von den heutigen Morgcnblättern fest- gestellt, daß die von den Belgiern ansänglich herbeigewünscht« An- Näherung an England zunächst nicht zustmntekommen werde und daß es dem französischen Ministerpräsident«» gelungen sei, die bei- gischen Minister zu seinem Standpunkt zu bekehren. Dieser Sandpunkt lautet: Die französisch« Regierung sei bereit, mit den belgischen Sachoer ständigen einen Plan zu besprechen, der in Paris ausgearbeitet wurde, und die von Brüssel bezüglich der Re- paration erteilten Anregungen auszugreisen. Sie sei ferner bereit, mit England und Italien in Besprechungen einzutreten, sobald die Grundlag« zu einer Unterhaltung wirtlich gewonnen sei. Doch halte sie es für notwendig, diese Grundlage festzustellen. Vor allem müßten sich Frankreich und Belgien zunächst darüber verständigen. Diesen Gesichtspunkt fetzte Poincare gestern in Brüstel seinen bel- gischen Kollegen auseinander. Mllet betont, daß d« Konferenz, abgesehen von einem neu erzielten Einvernehmen zwischen den beiden Regierungen, folgendes Gut« gehabt habe. Erstens wiste man jetzt, was man unter der Forderung Frankreichs und Belgiens , das Ruhrgebiet erst nach dem Eingehen deutscher Zahlungen zu räumen, genau zu verstehen habe. Der belgische Standpunkt sei, daß die beiden Länder ohne Nachteil die Ruhr räumen können, sobald die eigentlichen französisch- belgischen Zahlungen zu Ende gingen, d. h., falls den französisch - belgischen Reparationen vor Beendigung der von Deutschland samt- lichen Alliierten gesckiuldeten Zahlungen eine Priorität zuerkannt werde. Diese Auffassung wurde von den beiden Verbündeten rück- haltlos angenommen. Anderseits wurde im Hinblick auf die For- derung nach Einstellen des passiven Widerstande» festgestellt: Deutschland muß zu dem-rnus quo ante vom 1. Januar 1923 zurückgehen, ohne daß di« von den Franzosen und Belgiern

getroffenen Mahnahmen im Ruhrgebiet eine Aenderung erfahren. Deutschland müsse alle Voraussetzungen zurückziehen, durch die es den Widerstand gegen den Bersailler Verlrag sowohl hinsichlich der Reparationen, wie auch im Hinblick auf da» besetzte Gebiet organi- sierte. Der Schlüflelpnnkt der Lage. London , 7. Iuni. (WTV.) Der Finanzberichicrstatter der .Times" führt aus: Sollte Deutschland einen Plan vorbringen, der substantielle Garantien biet«, so würde Belgien sehr froh sein, sich vollkommen au» dem Ruhrgebiel zurückziehen zu können. In seiner Abneigung gegen das Ruhrunternehmen teile Belgien die Ansicht Großbritanniens . Aber es stimme mit Frankreich in der Weigerung überein. die Frage der Zurück- zichung zu rrmägen, wenn nicht angemessene Alternativ- Garantien gesunden würden und bevor tatsächliche Iah- lungen von Deutschland gemacht wären.

Zefte Sörse. In Berliner Finanzkreisen herrscht die Meinung vor, daß bei den gestrigen Brüsseler Besprechungen P o i n c a r e sich als der Stärkere erwiesen habe und daß Belgien vorläufig, wenn auch mit Widerwillen, im Schlepptau der französischen Politik bleiben werde. Die außenpolitische Lage gilt deshalb als ij h r er n st. Die Unruhen in Leipzig und die umsichgreifende Streik- und Lohnbewegung in anderen Teilen Deutschlands lasten auch die innerpolitische Lage noch immer in trübem Licht« erscheinen. Am Devisenmarkt setzt sich deshalb die Aufwärts bewegung der Kurse noch weiter fort. Gegen 1 Uhr wurde der Dollar mit 7 9 3 00 gehandelt. Die feste Tendenz der Devisen beeinflußt natürlich mich den Effektenmarkt. Man konstatiert hier mit einer ge- wissen Genugtuung, daß gestern die großen Derkaufsordres des Publikums glatt Aufnahme gefunden hotten. Besonders gesucht waren heute Valutapapiere, Elektro-, Schiffahrt- und Petroleumwerte.

der druck.

Zum Brüsseler Kommuniqus. Am Tage vor der Ueberreichung des deutschen Memo­randums hat sich Herr P o i n c a r 6 nach Brüssel begeben, um mit seinem Ruhrverbündeten vertrauliche Unterhaltung zu pflegen. Als ihr Ergebnis wurde eine Erklärung in die Well gesandt, die in der Morgenausgabe dieses Blattes abge- druckt ist. Es ist nicht unsere Aufgabe zu untersuchen, mit welchem Grade von Willen oder Widerwillen die belgische Regierung dieser Erklärung zugestimmt hat. Wir können lediglich die menschenfreundliche Absicht verzeichnen, die in ihr. zum Ausdruck kommt,den Druck zu verschärfen und Deutschland zur raschen Erfüllung seiner Derpflichtungen zu zwingen". Es wäre eitel Renommisterei, wenn wir behaupteten, daß wir den Druck, der von Paris her ausgeübt wird, nicht spürten. Das Elend der breiten Masten, ihre begreifliche Erregung, die Straßenaufläufe, die blutigen Zusammenstöße sprechen eine zu laute Sprache. Wird der Druck verstärkt, so wird das Elend noch schlimmer werden, es wird noch mehr Tote geben. Böl- kische und kommunistische Pbantasten, französische Agenten vom Schlage des Oberstleutnant Richert, schließlich verbrecherische Abenteurer, die auf eigenen Machtgewinn und Beute aus- gehen, werden in vereinter Anstrengung und im Kampfe unte:- einander nzehr Unheil stiften, als man sich heute noch voc- stellen kann. Das Reich zittert in seinen Grund- festen, und alle, die am Ausbruch des Chaos interessiert sind, warten mit der Uhr in der Hand, bis sich das von ihnen«r- sehnt« Ereignis vollzieht. In diesem Augenblick, in Unkenntnis der bevorstehenden deutschen Vorschläge oder schon in ihrer Kenntnis, das wäre noch schlimmer tönt über Brüssel das Kommando aui* Paris :»Druck verstärken!" Wir müssen trotzdem in aller Ruhe überlegen, was die Brüsseler Erklärung diplomatisch bedeutet. Sie bedeutet: daß sich die französische Regierung für die bevorstehende Aus- einandersetzung mit ihrem Gegenspieler England so stark wie möglich machen will und daß sie sich zu diesenk'Zweck ihre: belgischen Vasallen aufs neue zu versichern sucht. Die diplomatische Entwicklung führt, wie es scheint, im Kreislauf nach Paris Anfang Januar zurück. Die damalige Konferenz sollte vollbringen, was seit dem Waffenstillstand noch nie gelungen war, nämlich die Verbündeten deo Weltkriegs in finanziellen Fragen unter e i n e n H u t z u b r i n g e n. Da dies nicht gelang, ging die französische Regierung zur eigenmächtigen Aktion über und bezog die Ruhrstellung. Die Ruhraktion war ein politisch kopfloses Unternehmen. Bis heute ist ihr Ziel in Phrasennebel verhüllt geblieben, bis heute weiß auch in Frankreich niemand genau, was eigent- lich an der Ruhr und mit welchen Mitteln es erreicht werden soll. Rur wenn es der Zweck des Unternehmens war, Deutsch- land möglichst nahe an dieAnarchie heranzuführen und es möglichst ganz zu zertrümmern, kann die Wahl der Mittel als einigermaßen zweckmäßig betrachtet werden. Davon ab- gesehen war es weder möglich, aus der Ruhraktion eine direkt: Befriedigung der französischen Gläubigerinteressen zu sichern, noch auch eine durchführbare Reparationsregelung zugunsten Frankreichs zu erzwingen und wirklich durchzuführen. Selbst die vollständigste Kapitulation Deutschlands hätte nur einen leeren Prestigeerfolg bedeutet, aber nicht mehr. Die Kapitulation, das war ein neues Versailles. Aber in Versailles war es den Verbündeten eben auch nicht gelungen, unter sich darüber einig zu werden, was Deutschland zahlen soll, wie die Zahlungen erfolgen und verteilt werden, wie die interalliierten Schulden geregelt werden sollen. Auch n a ch der Kapitulation konnte Frankreich nicht einfach allen diktieren und allein das Geld einstecken, das es aus Deutschland herauspreßte. Auch dann war es gezwungen, sich mit seinen Verbündeten aus dem Weltkrieg auseinanderzusetzen. Es hätte damit gar keinen finanziellen Erfolg erreicht, sondern nurdenpolitischen, auf der Konferenz der Alliierten als die Macht erscheinen zu können, die zum zweitenmal diesmal allein Deutschland den Fuß auf de« Nacken gesetzt hatte. Wenn das deutsche Volk sich zu einem solchen Experiment nicht hergegeben Hot und nicht hergeben will, so müssen das alle verständigen Menschen in der Welt, auch in Frankreich , begreifen. Auch diejenigen Kreise des deutschen Volkes, die der Meinung sind, daß eine ehrliche Verständigung der Völker die größten Opfer lohnt, können in der gegen- wärtigen Politik Frankreichs keine Spur des Willens zu einer solchen Verständigung erblicken und richten dementsprechend ihre Stellung ein. Auch sie müssen es aufs stärkste empfin- den, daß sich Paris beeilt hat, dem neuen Friedensschritt Verlins mit einer neuen Kriegserklärung zuvorzukommen. Aus Prestigegründen und um ihre Stellung auf der kom- Menden Reparationskonferenz der Weltkriegsverbündeten zu stärken, möchte die französische Regierung zuvor noch eine Kapitulation Deutschlands erzwingen. Aber da sich die Konfe- renz nicht mehr lange hinausschieben läßt man spricht von Ende Juni ist keine Zeit mehr zu verlieren und darum soll der Druck verstärkt werden". Es ist notwendig, daß die breitesten Masten des deutschen Volkes, daß vor allem auch die deutschen Arbeiter dies« Dinge vollkommen klar sehen. Die internationale Ver- siändigung auf vernünftiger und erträglicher Grundlage, das ist der Rettungshafen. Wie weit die Fahrt zu ihm ist und wie stürmisch sie sein wird, weiß keiner. Aber alles komm�