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Nr.285 40.Jahrgang Ausgabe A fr. 141
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Times" vor:
Donnerstag, den 21. Juni 1923
Beginnende klärung.
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Der nationale Morast.
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Die Urteilsverfündung im Hochperratsprozeß Fuchs Machhaus ist auf den späten Termin vom 9. Juli In einem interessanten Bericht des Londoner Korrespon nisation des Widerstandes zurückgezogen hat. Die Belgier find vertagt worden. Die Deffentlichkeit aber braucht nicht so lange denten der„ Frankfurter Zeitung " heißt es, daß die englische geneigt, dann sofort die militärische Besehung einzuschränken und Zeit, um fich ein Urteil über die Dinge zu bilden, die dieser Politik in der europäischen Frage schon lange nicht so flar Verhandlungen zu beginnen. Brozeß schauerlich enthüllt hat. Db Fuchs und die übrigen gewesen sei mie in diesem Augenblid. Die lebten telegraphi- Deckt sich der hier gekennzeichnete Standpunkt mit dem kleinen Schächer auf der Anklagebant nach dem Antrag des schen Meldungen aus London bestätigen diese Auffassung. der französischen Regierung, fo find die gestern von uns er Staatsanwalts zu langfristigen Zuchthausstrafen verurteilt Das Ziel der englischen Politik geht offensichtlich dahin, sa ch örterten Auslaffungen des Pariser Temps" verständlich. werden oder nicht, kann höchstens für die Einschätzung der soliche Verhandlungen auf der Grundlage der deut- lleber die Mängel der Ausführungen des offiziösen französi genannten Volksgerichte noch Interesse haben, von politischem schen Vorschläge, zugleich aber auch unter Berücksichtigung schen Organs haben wir uns bereits geäußert. Zu derselben Belang ist es nicht. des belgischen Planes der Jahreszahlungen und des eng Frage schreibt der Sozialdemokratische Parlamentsdienst": Hochwichtig aber find- politisch betrachtet die durch lischen Januarplanes, herbeizuführen. Die Hauptschwierigkeit Ist Frankreich , wie der„ Temps " behauptet, tatsächlich davon vierzehntägige Verhandlung gebrachten Aufklärungen und besteht gegenwärtig darin, in der Frage des passiven durchbrungen, daß eine Kapitulation Deutschlands nicht in seinem Enthüllungen. Man kann vielleicht zunächst darüber staunen, Widerstandes eine Mittellinie zwischen dem französischen Interesse legt, dann könnte ihm doch nichts angenehmer sein als daß die in Wirklichkeit Bayern beherrschende Clique der und dem deutschen Standpunkt zu finden. Hierzu liegt folgen in eine fachliche und aufrichtige Erörterung eines Baffenstill. vaterländischen" Verbände diese Bloßlegung des nationalen der Situationsbericht des Pariser Berichterstatters ber ftandes auf Gegenseitigteit einzutreten. Der„ Temps " Moraftes geduldet hat, den eine dreijährige Reaktionszeit in als maßgebendes Organ der französischen Oeffentlichkeit könnte fich an unaufgeklärten Verbrechen. Ueber der Ermordung des als maßgebendes Organ der französischen Deffentlichkeit könnte fich Bayern hat heranfaulen laffen. München ist doch sonst reich Man wünsche in Paris den Zeitpunkt einer Zufammentunft insofern ein Verdienst um den Frieden in Europa erwerben, wenn zwischen Boincaré und Baldwin schneller herbeizuführen. er auf unsere Formulierungen über den Waffenstillstand Klipp und Mordes, über der Beseitigung wohl eines Dugend Personen, Genoffen Gareis, über der Botbereitung des ErzbergerMan sei der Ansicht, daß alles beseitigt werden müßte, was die Her flar antwortet und damit in der Tat den Beweis liefert, daß die der völkischen Feme zum Opfer fielen- es sei nur erstellung eines Einvernehmens mit Großbritannien verzögere. Der Frankreich die Berständigung will. Eine Verständigung tann nicht innert an die Namen Baur und Hörnlein-, liegt noch heute französische Franten falle. In den besten Banttreifen sei über den Weg eines Dittats erfolgen, sondern ergibt sich nur durch ein ungelüfteter Schleier. - Wenn hier etwas ans Tageslicht ftets angenommen worden, daß die Franzosen wohl in ber Bage Abmachungen auf Gegenseitigkeit, die erträglich sind und dann auch fam, so mußten besondere Gründe vorliegen. wären, den Franken bis Mitte Juli vor Schwankungen zu bewahren, innegehalten werden. Soweit die Frage des passiven wider. daß er aber nach dieser Zeit außer Kontrolle geraten würde, wenn standes in Betracht kommt, haben wir die Möglichkeit der Lösung teine Regelung in Aussicht stehe. Das Fallen des Franken in den in Karen Formulierungen gehalten, die sowohl der einen wie der letzten Tagen scheine darauf hinzuwmeifen, daß diefer fritische Augen anderen Seite Zugeständnisse bringt und damit im wahren Sinne Slid vielleicht früher tommen werde, als erwartet worden sei. Weiter des Wortes auf eine Berständigung hinauslaufen." sei es flar geworden, was sich auch immer in Belgien ereigne, die französische Regierung nicht länger auf bie por be halflofe Unterstügung Belgiens rechnen tönne. Die Ruhrpotiit wie sie sich feither entwidelt habe, fei von den bel gischen Ministern im Januar niemals in Aussicht genommen worden, und es sei nach ihrer Ansicht wesentlich, daß irgendwelche Ergebnisse gezeitigt würden. Die belgische Forderung fönne in Frankreich nicht unberücksichtigt gelaffen werden. Nichts habe die Franzosen seit dem Waffenstillstand so sehr berührt, wie die Möglichkeit der Abson. derung Belgiens . Ein weiterer wichtiger Fattor fei das wachsende Gefühl in Frankreich , daß ein neuer Bruch mit Paris , 20. Juni. ( Ec.) Der belgische Botschafter Baron Baiffter Großbritannien nicht wieder gut zu machen fein tönnte. d'Hestron erschien heut morgen am Quai d'Orsay, um in erster In demselben Bericht wird weiter die Frage des passiven dieser Gelegenheit fand ein Gedankenaustausch mit den Vertretern Linte an einer Stzung der Botschaftertonferenz teilzunehmen. Bei nicht mehr große Truppenmassen an der Ruhr zu unterhalten, mündliche Mitteilungen über die auf ben englischen Fragebogen Widerstandes behandelt. Poincaré halte es jetzt für möglich, des französischen Auswärtigen Amtes statt, wobei der Botschafter sondern sich mit einem kleinen Besagungsforps zu begnügen. mündliche Mitteilungen über die auf den englischen Fragebogen Diese neue französische Auffassung in der Ruhrbesehung werde nach London gesandte Antwort der belgischen Regierung machte. Diese neue französische Auffassung in der Ruhrbefehung werde Eine Abschrift des Wortlautes der belgischen Antwort ist der wahrscheinlich die Möglichkeit in sich schließen, aus der gegenwärtigen Sadgaffe herauszufommen. Wenn Deutschland franzöfifchen Regierung anscheinend nicht übergeben worden. sich bereit zeigen werde, den passiven Widerstand aufzugeben, werde auch Frankreich bereit sein, seine Truppen aus der Ruhr zurückzuziehen und alles zu vermeiden, was fih gegenwärtig einer normalen Produktion entgegensete. Diese Auffassung des Pariser Times"-Rorrespondenten wird bestätigt durch folgende Auslassung des Echo de Paris":
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Boincaré habe ein ziemlich umfangreiches Programm vorbe reitet, das nicht weniger als zehn Bunfte enthielt. Dieses Brogramin sei auf belgischen Wunsch start zusammengestrichen worden. Frankreich ist jetzt damit einverstanden, daß der passive Bider stand als aufgegeben betrachtet werden soll, wenn die Reichs regierung ihre Berordnungen und Inftruftionen für die Orga
Hier liegt in der Tat der Schwerpunkt der gegenwärtigen Situation. Nichts tönnte die Klärung, die in London und Brüssel angestrebt wird, so sehr fördern und einen Ausweg aus der Sadgasse weisen, als eine flare, ungmetdeutige Stellungnahme der französischen Regierung zu der Frage eines Waffenstillstandes, der die berechtigten Interessen der beiden Kontrahenten berücksichtigen würde.
Noch keine Lösung der belgischen Kabinettskrise.
Brüffel, 20. Juni. ( EE.) Die Regierungsfrise hat auch heute noch teine Lösung gefunden. Der König fette seine Besprechungen mit den Parteiführern heute ebenfalls fort. Es heißt jetzt, daß wahrscheinlich ein Geschäftsministerium unter der abermaligen Leitung von Theunis gebildet werden würde, deffen vornehmste Aufgabe die Lösung der Reparationsfrage und des Militärproblems, das mit der Ruhrbefeßung eng zusammenhängt, wäre. Zur Sprachen frage liegt offenbar noch teine Stellungnahme irgendeiner parteilichen Seite vor. Im allgemeinen werden die Aussichten auf eine baldige Lösung der Krisis sehr pessimistisch beurteilt.
gestellt, der am Donnerstag die Billigung des Bundesausschusses finden dürfte.
Diese Gründe find tiefe Bertlüftungen im Lager der völfifchen Putschisten selber, die fich ja, wie der Prozeß vielfach gezeigt hat, in ständiger Mordbereitschaft mit dem schußfertigen Revolver in der Gefäßtasche gegenüberstanden. Das Bort fige Rolle in dem Sinne, daß jeder dieser Helden, sobald er ,, umlegen" spielt in dem Sprachschat jener Kreise eine gewalsich mit einem anderen entzwelt hatte, darauf drang, daß der andere umgelegt" wurde. Bei der moralischen Qualität dieser Führer ist es an sich tein Wunder, daß maßloser Ehrgeiz, angeborenes Intrigantentum, frankhaftes Mißtrauen einzelner fortwährend folche Spaltungen schufen. Aber darüber hinaus zeichnet sich ein prinzipieller Gegensatz zweier Richtungen ab: die eine, bie bayerisch separa tistische, ist nur von bayerischen Interessen beherrscht. Ihr Ziel ist ein von Deutschland losgerissenes, selbständiges Bayern , allenfalls vergrößert um die deutschösterreichischen und findet bei Frankreich . Diese Richtung ist nur die Nachbarländer, also ein binnenländischer Kleinstaat, der naturgemäß Anlehnung an eine Großmacht braucht und sie sucht feindlichen bayerischen Separatismus. Die andere Richtung gradlinige Fortsetzung des niemals ganz erloschenen reichsfeindlichen bayerischen Separatismus. Die andere Richtung Bayern nur als Mittel zum Zweck, Bayern soll das Zentrum dagegen, großenteils von Nichtbayern geführt, betrachtet einer Gegenrevolution in ganz Deutschland bilden, von Bayern aus foll die nationale Diftatur" über das Reich, mit dem Diktator Ludendorff an der Spize, errichtet werden. 3wischen beiden Richtungen tobt der Kampf.
Fuchs und Machhaus haben der ersten, der bayerischpartitularistischen Richtung angehört. Sie wollten dem Kronprinzen Rupprecht auf den Thron verhelfen, die nationale Diftatur in Bayern errichten und sich im übrigen von dem„ bolfchemistisch verseuchten Norden" absperren. An diesen Plänen hatte die andere Partei, der es auf ein einheitlich reaktionäres Deutschland antam, naturgemäß fein Interesse. Im Gegenteil, fie mußte diese Pläne als störend empfinden. Deshalb ließ fie der Ausdruck aus der Verbrechersprache ist hier wohl berechtigt die Separatisten ,, hochgehen", nachdem sie ihnen scheinbar die Hand gereicht und sie nach Weise echter Provofateurspizel durch Zusage von hilfsbereiter Unterstützung in ihrem Treiben ermutigt und bis zur äußersten Kühnheit ge= bracht hatte.
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Tagung des Parteiausschusses. Am Mittwoch trat der Parteiausschuß zur Besprechung Auch die Beratungen über eine neue Stüßungsaktion der verschiedener Fragen in Berlin zusammen. Er beschloß auf Mart werden fortgesetzt. Die Forderungen der So- Freilich ,,, hochgegangen" find mur ein paar unbedeutende Borschlag des Parteivorstandes, den Parteitag nicht mehr zialdemokratie zur Hemmung des Marksturzes an die und heillos fompromittierte Figuranten dritter Ordnung. in diesem Jahre abzuhalten, sondern ihn auf Anfang nächsten Regierung haben ihren Eindruck nicht verfehlt. Schon hat sich Fuchs, Machhaus und der Rechtsrat Kühles waren durch ihre Jahres zu verschieben und als Auftakt für die im Juni das Kabinett veranlaßt gesehen, die Erhöhung eines Not intimen Beziehungen zu dem französischen Agenten Richert stattfindenden Reichstagswahlen gelten zu lassen. Bis zuschlages auf die Ausfuhrabgabe und eine Kürzung der und die direkte Annahme französischer Unterstügungsgelder dahin dürfte voraussichtlich auch die Programmtom Freilisten anzukündigen. Im wesentlichen handelt es sich bei heillos kompromittiert, mochten sie die Folgen ihrer unvormission ihre Arbeiten abgefchloffen haben, so daß sich der den übrigen Beratungen darum, ob und wie es möglich ist, fichtigkeit ausbaden! Deswegen find aber durchaus nicht alle, Parteitag dann mit den neuen Statuten und dem neuen eine Einschränkung des Devisenverkehrs vorzunehmen. Die die fich heute mit sittlicher Entrüstung von diesen entlarvten Programm der vereinigten Bartei befaffen fann. Außer der Neuauflage einer Dollaranleihe ist vorläufig nicht beab- Schurken abwenden, untadelige Ehrenmänner. O nein! Um Besprechung einiger organisatorischer Fragen beschäftigte sich fichtigt. Die speziellen Beratungen über diesen Bunft haben nur einen Zug zu nennen: die„ nationalen" Führer, die Fuchs, der Parteiausschuß am Nachmittag mit der politischen Lage. den Zwed, Bersäumtes nachzuholen. Bekanntlich verpflichteten Machhaus und Kühles nachher verrieten, haben sich nicht im Hermann Müller hielt das einleitende Referat zur Außen sich die Banten, von der Dollaranleihe 50 Millionen Gold- mindesten besonnen, das an sie weitergeleitete Franzosengeld und Innenpolitik. Der Parteiausschuß stellte sich ein mütig mart zu übernehmen, die jedoch bisher nur zu einem ganz für den Ausbau ihrer Berbände zu verwenden. Die fläg hinter die Dom Parteivorstand und der geringen Teil eingezahlt sind. Die Regierung, versucht deshalb liche Ausrede des Kapitänleutnants Rautter, daß man diese Reichstagsfrattion eingenommene Haltung jeßt, ben restlichen Betrag von 45 Millionen Goldmart fofort franzöfifchen Gelder als„ Beutegelder" betrachtet habe zu den schwebenden politischen Fragen. zu erhalten. Ausrede, die übrigens von der Deutschen Zeitung" nachdrüdlich gebilligt wird, zeigt nur, daß in jenen Kreisen, die so gern von deutscher Ehre und deutschem Heldengeist reden, auch für schmutzigste Geldtransaktionen das moralische Mäntelchen gefunden wird.
Dringliche Beratungen.
Der deutsche Botschafter in Rom ist vom Auswärtigen Amt beauftragt worden, anläßlich der Aetnatatastrophe der Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hatte am italienischen Regierung das Beileid des Reichspräsidenten und der Mittwoch eine Besprechung mit der Regierung über die Ein- Reichsregierung sowie die warme Anteilnahme des deutschen Volkes führung der wertbeständigen Löhne. Am Freitag werden auszusprechen.
fämtliche Spikenorganisationen der Gewerkschaften zusammen- Der Prozeß gegen Tillefsen und Genoffen wegen verfuchber Be
treten, um den Verfuch zur Ausarbeitung eines einheitlichen freiung des Oberleutnants zur See Boldt und Dittmar aus dem Vorschlages zu machen. Der AfA- Bund hat bereits einen Leipziger Untersuchungsgefängnis ist endgültig auf den 10. Juli vor Borschlag unter Beteiligung von Sachverständigen fertig. Idem Leipziger Schöffengericht anberaumt worden.
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Doch diese Schmußerei mögen die nationalen Helden mit ihrem Gewissen ausmachen. Hier handelt es sich um die wichtigere Frage, wer hinter Fuchs und Machhaus gestanden hat und sich, ohne sich selbst so weit vorzuwagen, ihre Vermittlungsdienste an Richert gern hat gefallen lassen. Denn so verrückt waren auch die Fuchs, Machhaus und Kühles nicht,