Nr. 299 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 148
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Freitag, den 29. Juni 1923
Cuno vor dem Provinziallandtag.
Barmen, 28. Juni. ( BTB.) In der heutigen Schlußßigung des so fest wir in der Rheinlandfrage stehen, so wenig auf der anderen Rheinischen Provinziallandtages gab Dr. Men Seite irgend etwas unterlassen werden soll, was mit dem Bestand, nig im Namen der Fraktionen des Zentrums, der Arbeitsgemein- der Einheit und der Souveränität des Reichs vereinbar ist und schaft und der Sozialdemokratie folgende Erklärung ab: mit der wirtschaftlichen Zahlungsfähigkeit im Einklang steht, um Grausam ist der Drud, der auf dem Rheinland fastet. Mitten dadurch Ruhr und Rhein frei zu machen.( Bravo !) Wenn aus im Frieden ist ein friedliches, wehrloses Bolt, das ureigene Kuitur Anlaß von Aeußerungen, die ich vor wenigen Tagen in Königsberg fein eigen nennt, getnechtet und entrechtet. Bahllose gemacht habe, die Rede davon war, daß in dieser besonnenen aber Männer und Frauen, die nichts als ihre Pflicht dem Vaterland festen Politik irgendeine Schwankung eingetreten fei, so trifft dies und dem Gewissen gegenüber tun, werden aus der Heimat aus in feiner Weise zu. Wir haben die Hoffnung, daß die einzige Waffe, gewiesen, von Haus und Hof vertrieben oder schmachten in schmäh- die wir in der Hand haben, die Waffe des paffiven wider licher Gefangenschaft. Sie haben sogar ihre Liebe zum Vaterland standes, uns auch zu einer Lösung bringen wird. In der Frage mit ihrem Blute besiegeln müssen. Unbarmherzige Gewalt= haber, die feine Schomung fennen, tönnen trog aller Qualen diefen starten Mut und die Treue der Rheinlande nicht ins Wanken bringen. Der Rheinische Provinziallandtag, die aus dem freiesten Wahlrecht der Welt hervorgegangene Vertretung des rheinischen Boltes, erhebt vor aller Welt erneut
einer
besonnenen und festen Haltung
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Von der Lohntheorie zur Tat!
Bon S. Aufhäuser.
Die Erörterung neuer, der Geldentwertung angepaẞten Lohnmethoden ist in den letzten Wochen und Tagen auffällig in die Breite gegangen. Wenn es nur darauf ankäme, erafi wissenschaftlich zu prüfen, welches Inderverfahren den höchsten Grad von Vollkommenheit aufzuweisen hat, dann könnten schließlich diese Untersuchungen auch noch einige Monate fortgefeßzt werden. Es kommt aber einzig und allein darauf an, daß sofort etwas geschieht. Die Sicherung der Wertbeständigkeit des Lohnes ist nunmehr aus dem Stadium theoretischer Diskussion heraus in die Tat umzusetzen. Durch die fachlichen Vorarbeiten ist das Problem durchaus soweit geklärt, daß schon in den ersten Wochen des Monats Juli das neue Lohnsystem verwirklicht werden könnte, wenn bei den Unternehmern und auch bei der Reichsregierung der in der Lösung der außenpolitischen Wirren und in jener Frage ist gute Wille vorhanden ist. Sollte er aber fehlen, dann ist die Reichsregierung mit der preußischen Regierung und den Rees höchste Zeit, die wissenschaftliche Diskussion durch die ergierungen der Länder einig. Sondermeinungen, wie fie forderlichen organisatorischen Mittel für die Durchsetzung notder Leiter eines Landes in den letzten Tagen geäußert hat, werden Einspruch gegen diese Gewalttaten und ihre Bedrüder. zum Ausgleich gebracht werden. Aber eins ist notwendig, wenn wendiger Forderungen zu ersetzen. Ihren Opfern fagen wir heißen Dank.( Alseitige Zustimmung.) Sie im Kampf gegen den hereingebrochenen Feind täglich Schweres Dem verstärkten Drud fegen wir die Einigteit, ber Gewalt und Schwerstes erdulden müssen, wenn es Ihnen manchmal zu das Recht und der Bernichtungsabsicht den Willen zur Frei schwer wird und wenn Sie aus Ihrem deutschen Empfinden heraus heit entgegen. Dieser Dreitlang deutschen Willens und deutscher ich sagen: Es kann nicht mehr in Ruhe ertragen werden!, dann Hoffnung eint uns in unserem Kampf und in unserer Abwehr. bedenken Sie, daß Unbejonnenheiten irgendwelcher Art die Lösung Der passive Widerstand ist aus dem Bolke geboren und des konflikts nicht bringen werden. Wir müssen besonnen im lebt in den Massen. Die Rheinländer werden diese unsere Waffe Rahmen des passiven Widerstandes bleiben und wir müssen die lebt in den Massen. Die Rheinländer werden diese unsere Waffe nicht niederlegen, bevor Necht und Freiheit der deutschen Waffe des Geistes, die einzige Waffe, die wir gegenüber der Waffe Rheinlande gesichert sind. Darin wissen wir uns einig mit unseren Bolfsgenossen in Westfalen , Baden, Heffen und in der Pfalz . Wenn fich auch in der inneren Politik auf wirtschaftlichem und futurellem Gebiet unsere Auffassungen trennen, in einem sind wir einig:
der Gewalt haben, anwenden bis es zum guten Ende tommt. Aber noch ein weiteres. So wenig es zu unbesonnenheiten kommen darf, ebensowenig ist ein Anlaß zu Kleinmut und Schwäche vorhanden Es würde schwerer sein, das zu ertragen, was eintreben würde, wenn Sie die Waffe des passiven Widerstandes aus der Hand gäben.( Sehr richtig!) Auf dem Weg, den wir beschritten haben, ist doch wenigstens ein fleiner Schritt vorwärts getan.
Eine rheinische Frage gibt es für das rheinische Bolt nicht. ( Allseitige stürmische Zustimmung.) Auch in die Form unserer Zugehörigkeit zum Deutschen Reich als ureigenster Angelegenheit lassen wir uns nicht von fremden Völkern hineinreden. Die offen zu Tage liegenden Bestrebungen Frankreichs beweisen, daß diese Lockerung Barmen, 28. Juni. ( WTB.) Vor der Erklärung, die im Namen des staatsrechtlichen Verhältnisses der Rheinproving zu Preußen der Fraktionen des Zentrums, der Arbeitsgemeinschaft und der eine Lösung der Bande bedeutet, die uns mit der deutschen Republik Sozialdemokratie abgegeben wurde, hatte ein kommunistischer verbindin. Mit Freimut und Entschiedenheit sprechen wir es aus: Der Frieden der Welt, die Zukunft der europäischen Kultur und Wirtschaft verlangt, daß Deutschlands ehrlicher Wille zur Arbeit, zum Wiederaufbau und zur Wiederherstellung durch Gewalt nicht zu nichte gemacht wird. Die Welt wird nicht zum Frieden kommen, che nicht Frieden und Freiheit einkehren am deutschen Rhein ! ( Lebhafter Beifall.)
Abgeordneter eine Erflärung abgegeben, in der die Entschlossenheit auch feiner Partei zur Abwehr der Pläne des franzöfifchen imperialismus auf das Rheinland Ausdruck fand.
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Nach der Kundgebung des Provinziallandtages nahm der Reichsfanzler noch an einer Bersammlung des Eisen- und StahlwarenIndustriebundes in Elberfeld teil. Er versicherte der Wirtschaft, daß die Regierung fie nicht verlassen würde, und der Vorsitzende erflärte, darüber sehr erfreut zu sein. Die Wirtschaft wisse, daß sie Opfer bringen müsse.
Was hat die Regierung zu tun? Soweit es sich um die allwöchentliche Beröffentlichung der für einen be weglichen Teuerungsfaktor erforderlichen Meßziffern handelt, sind die Vorarbeiten des reichsstatistischen Amtes soweit vor= geschritten, daß hier kaum noch Schwierigkeiten bestehen, um schon mit Beginn des Monats Juli den Lebenshaltungsindex in verbesserter und beschleunigter Form zu veröffentlichen. Die weitere Frage, ob die allwöchentliche Inderziffer der Lebenshaltung mit dem Großhandelsinder fombiniert werden soll, oder eine andere Ergänzung zum Lebenshaltungsinder vor genommen wird, durch die eine nach der Veröffentlichung noch zu erwartende Teuerung mit berücksichtigt wird, dürfte gleichfalls in den allernächsten Tagen die eine oder andere technische Lösung finden. Damit muß aber dann zunächst diese Inderdiskussion ihren Abschluß finden.
Bon der Regierung muß weiter erwartet werden, daß sie die Anwendung ihrer amtlichen Inderziffern für die einzelnen Tarifverträge obligatorisch, d. h. durch Gesez anordnet. Es wird Sache des Reichstags sein müssen, dem Reichsfabinett, das sich bisher in allen Tonarten ausgeschwiegen hat, die Zunge zu lösen. Vor allem wird auch der Reichsfinanzminister öffentlich eine bündige Erklärung zu geben haben, ob für die Reichsarbeiter und die Beamten das System des wertbeständigen Lohnes eingeführt werden soll oder nicht. Wenn einer seiner Vertreter bei den Vorberatungen erklärt hat, daß die Einführung wertbeständiger Löhne abzulehnen sei, weil sie den Zusammenbruch der Mark mit sich bringe, dann ist die Zeit allmählich zu ernst geworden, um auf solcher Grundlage noch allzu lange weiter zu verhandeln. Die Lohnund Gehaltsempfänger haben feine Lust mehr, bei der Aufrechterhaltung einer fiftiven Währung das alleinige Opfer zu bilden, während im gesamten Kapitalverkehr längst nicht mehr nach Papiermart gerechnet wird. Die
Reichskanzler Dr. Cuno, der der Sigung beiwohnte, hielt im Anschluß an die Erklärung eine Rede, in der er u. a. ausführte: Mit Einmütigkeit in der Abwehr der fremden Gewalt vom Rheinlande weiß sich die Reichsregierung eins. Ich kann nur immer wiederholen, was von mir 223 Jahre Gefängnis für Eisenbahner. bei jeder Gelegenheit erklärt wurde, was ich auch heute wiederhole Im Verlauf der Bersammlung teilte dann Oberregierungsrat und was hier öffentlich und feierlich nochmals dokumentiert sei, Treine mit, daß bis zum 16. Juni folgende Strafen über weil man es nicht oft genug aussprechen kann: daß die Rheinlande Eisenbahner im befeßten Gebiet verhängt worden sind: 223 und ihre Zugehörigkeit zum Reich und zu Preußen unangetastet Jahre 8 Monate 10 Tage Freiheitsstrafe, 148 558 200 m. und bleiben müffen und daß keine irgendwie verfchleierte Form der 250 Fr. Geldstrafe. Die Zahl der Verurteilten betrug 124, Arbeiter, Angestellten und Beamten der öffentlichen Betriebe 2innerion, mag fie internationale Gendarmerie oder neutrale Oberaufsicht heißen, für uns diskutabel ift.( Bravo !) Es gibt deshalb von denen 70 auf das altbesezte Gebiet und 54 auf das neubesetzte müssen in den nächsten Tagen erfahren, ob das Reich, soweit feinen Kompromißweg, ben wir in dieser Frage betreten entfielen. Von den Freiheitsstrafen entfielen auf das altbesetzte es Arbeitgeber ist, mit gutem Beispiel vorangehen will, fönnen.( Bravo !) In dieser Auffassung ist sich die Reichsregierung Gebiet 173 Jahre 9 Monate 7 Tage Gefängnis und 30 Jahre oder ob man sich auch in den öffentlichen Betrieben erst einig mit den Regierungen der deutschen Länder. Ich freue mich Zwangsarbeit, auf das neubesetzte 49 Jahre 11 Monate 3 Tage durch politischen und gewerkschaftlichen Druck bequemen wird, und danke dem preußischen 3nnenminister dafür, daß er Gefängnis. In dem gleichen Zeitraum feien ausgewiesen 6879 Be- allmählich in eine Revision bewährter Grundsäge" einzubei Eröffnung dieser Tagung dem Worte und dem Sinn nach in amte und Arbeiter, davon 4392 aus dem altbesetzten und 2487 aus treten. gleicher Weise zu Ihnen gesprochen hat. Die Politit, die die Reichs dem neubesetzten Gebiet. Bon Familienangehörigen seien regierung schon vor Eintritt in die Ruhrattion begonnen hat, die Was tann die Zentralarbeitsgemein= fie sicher und in geradliniger Entwicklung während der Ruhr aus dem altbesetzten Gebiet 11 691, aus dem neubesetzten 5214, ausschaft tun? Die Zahl berer, die noch Hoffnungen auf die attion fortgelegt hat und die sie auch in Zukunft in den außen- den Wohnungen seien im altbesetzten Gebiet 16 281, aus dem neu- Bentralarbeitsgemeinschaft setzen, ist nicht im Wachsen politischen Fragen innehalten wird, gibt Ihnen die Gewähr, daß, befeßten 6285 vertrieben. begriffen. Die Zentralarbeitsgemeinschaft hat in den letzten Monaten gerade in der Lohnfrage ihr größtes Fiasko erlebt. Theunis übernimmt die Kabinettbildung. blid, ganz losgelöst von ihrer ganz umstrittenen historischen Die Zentralarbeitsgemeinschaft könnte aber in diesem AugenCondon, 28. Juni. ( WTB.) Kenworthy fragte im Unter- Brüssel, 28. Juni. ( Eca.) Theunis hat sich heute abend Entwicklung, einfach die Aufgabe einer Zentraltarifgemeinschaft haus den Premierminister, ob eine Antwort seitens der franzö- 6.30 Uhr zum König begeben, um ihm mitzuteilen, daß er die Bil- übernehmen. Sie müßte die thr angeschlossenen Organisatiofischen Regierung auf die letzte britische Note über die deutschen dung des Kabinetts übernimmt. Diesem Schritt Theunis' wat nen dazu verpflichten, schon vor dem Intrafttreten einer geReparationen und die Besetzung des Ruhrgebiets eingelaufen fei, eine Bertrauenserklärung der Rechten und der liberalen fetzlichen Regelung, d. h. sofort die Anwendung des neuen welches der Charakter der Antwort sei und ob sie dem Parla- Cinken vorausgegangen. amtlichen Inder durch besondere Klauseln in allen jetzt abzument unterbreitet werden wird. Baldwin erwiderte, er könne schließenden Tarifverträgen sichern. Es fann aber nicht ihre augenblicklich seiner Antwort vom 21. d. m. nichts hinzufügen. stellten Händlerkreise zu stellen, die sich bemühen, für die neue Lohnregelung irgendeinen Dollar- oder Goldinder ausfindig zu machen, damit auch bei dieser Gelegenheit wieder einmal gespielt und am Arbeitslohn gewonnen wer= den tann.
Anfragen im Unterhaus.
Kenworthy fragte, ob der Premierminister eine Information Temps" gegen Friedensappell des Papstes. Aufgabe fein, fich etwa in den Dienſt jener spekulativ einge
habe, wann er die Antwort erwarten fönnte, Baldwin er- Paris 28. Juni.( TU.) Der Brief des Papstes wird vom widerte: ich fürchte, ich fann es nicht sagen; ich werde mich sehr Temps" mit unverhüllter Erbitterung besprochen. Das Blatt freuen, eine Antwort zu erhalten. Das Parlamentsmitglied John fagt, daß man leicht erkennen könne, wer diese Intervention bewirkt Ward fragte den Bremierminister, ob feine Aufmerksamkeit ge habe. Weiterhin schreibt das Blatt, daß der Papst bei der Beurte lenkt worden sei auf den Staatsprozeß, der augenblicklich in lung der französisch- deutschen Beziehungen zwei Punkte übersehen München verhandelt merde, in dem gewisse bayerische Bürger be- habe: 1. die Tatsache, daß Deutschland für den Ruhrkrieg riesige schuldigt würden, mit der französischen Regierung fonspiriert zu Summen ausgebe, während seine Gläubiger auf Bezahlung warhaben, um einen bayerischen Sonderstaat zu schaffen; ten und das deutsche Volt eine gesunde Währung braucht; 2. das ferner, ob er von den in Frankreich im Umlauf befindlichen Ge- Unrecht, das die privilegierten deutschen Klassen begehen, die sich der rüchten gehört habe, daß die britische Regierung die franzöfifche bei politischen Lage bedienen, um Reichtümer aufzuftapeln, die dem ihren Versuchen, das Deutsche Reich zu zerstückeln, unterstütze, Steuerfistus entzogen werden. Zum Schluß weist der" Temps" und ob er beabsichtige, irgendeine Erklärung über diese Frage abzu- darauf hin, daß dieser Brief in Frankreich den Streit über die geben? In einer schriftlichen Antwort teilte Mac Neill hierauf diplomatischen Beziehungen zum päpstlichen Stuhl wiemit: de Antwort auf die beiden ersten Teil der Anfrage lautete der aufrühren werde. Jedenfalls erleichtere er nicht die Stellung bejahend, aber die in dem zweiten Teil erwähnten Behaup- derjenigen Franzosen, die für die Aufrechterhaltung dieser Beziehun tungen feien vollfommen unbegründet. gen eintreten.
Eine Entspannung der Lage tönnte die 3entralarbeitsgemeinschaft aber nur erleichtern, wenn sie statt des Auftürmens aller möglichen technischen Schwierigkeiten mit der den deutschen Arbeitgebern sonst nachgerühmten Firigkeit ein 3entralab tommen für die sofortige und einheitliche allgemeine Einführung der erwähnten Inderklausel herausbrächte. Als reiner Dikutierklub würde die Zentralarbeitsgemeinschaft entbehrt werden können.
Was wird von den Gemertschaften ver= I an gt? Die Spigengewerkschaften haben, obgleich die Lohnbewegung vorwiegend Angelegenheit der einzelnen Berufsverbände ist, nach dem letzten fatastrophalen Marksturz eine