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Abendausgabe

Nr. 422 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 212

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Preis 150000 M.

Vorwärts

Berliner Dolksblatt

Montag

10. September 1923

Verlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr

Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenffraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502

Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands

Poincarés Antwort an Stresemann.

keine Versöhnung und fein Ende sein.

Peris, 10. September. ( WTB.) Wie Havas meldet, hat die Schäden, die von Deutschland verursacht worden find, bare Stillſtände eintreten, aber es wird keine Verständigung, Ministerpräsident Boincaré gestern bei ber Einweihung des von Deutschland wieder gutgemacht werden. Wenn Deutsch Striegerdenkmals in Damvillers eine Rede gehalten, in der er u, a. fagte: Wir würden sicherlich Verrat üben an dem letzten Willen dieser Gefallenen, wenn wir nicht heute von Deutschland

die vollständige Reparation der Schäden

unsinnige Summen verbraucht,

land diese elementarsten Grundgeseße der Moral in vier Jahren Weil eine flare Antwort auf diese Schicksalsfragen not­des schmählichen Zusammenbruchs erfannt bätte, hätte es sich die wendig ist, ist die Absicht der deutschen Regierung, eine vielen Enttäuschungen erspart. Deutschland selber hat die wirt. internationale Diskussion über sie herbeizuführen, schaftliche Not geschaffen, die es heute zu Boden drückt, Deutschland zu billigen. Es ist ebenso zu billigen, daß die deutsche Regic­felber hat sich in jene entnervende Unsicherheit gebracht, rung in dieser Diskussion den Standpunkt der Verständigung die die Inflation, das Ginfen der Mark und das Steigen der Preise vertreten und ihre Absicht befunden will, die brennenden herbeiführte. Probleme zur endgültigen Lösung zu bringen, sei es auch um den Preis großer Opfer von deutscher Seite. Die Entscheidung hängt jedoch nicht von Deutschland allein, sie hängt auch von Frankreich ab und in zweiter Linie von den übrigen Alliierten, ohne deren Zustimmung ein deutsch - französisches Abkommen nicht in Kraft treten kann.

Seit längerer Zelt häfte es produffive Steuern einführen und einziehen können, feine Finanzen und seine Währung stabiil­fleren und feine Produffien regulieren und nach und nach seine Berpflichtungen uns und den Alliiecten gegenüber erfüllen fönnen.

verlangen würden, die es hier und in so vielen anderen Gemeinden Frankreichs angerichtet hat. Jetzt ist es mehr als vier Jahre her, daß der Friede unterzeichnet worden ist, und wir warten noch immer darauf, daß Deutschland leistet, was es uns schuldig ist. Es hat uns nicht nur durch seine Ausflüchte als schlechter Schuldner gezwungen, felbft Bfänder zu ergreifen, sondern es ist auch durch die Haltung, die es nach unserem Einrüden ins Ruhrgebiet an= genommen hat, für seine eigenen Interessen verhängnisvoll gewesen. Es het, statt uns in loyaler Weise die Lieferungen anzubieten, die Jetzt beginnt es sich von der Wirklichkeit Rechenschaft abzulegen, aber es an uns auszuführen in der Lage war, statt sich mit uns zu ver- heute noch gibt es sich, wie es scheint, einigen 31fufionen hin. fiändigen, wie wir das von ihm verlangten, um die regelmäßige Die Bedingungen, die wir öffentlich gestellt haben, an benen Leistung dieser Lieferungen sicherzustellen, nicht zu rühren ist, fönnen nicht umgestürzt werden. Sie find wiederholt von den franzöfifchen Kammern bewilligt worden. um einen Widerstand zu organisieren, ber, wie es glaubt, une ents hängt weder von ber gegenwärtigen noch von einer anderen Re gierung ab, fie abzuändern. Die Deutschen , die glauben, daß der mutigen mußte, über den wir aber nach und nach triumphiert haben französische Ministerpräsident anspruchsvoller ist als sein Land, und die feinen Sturz wünschen, machen eine sehr falsche Rech­ung auf, bie ihnen zweifellos durch die Ideen eingegeben morden feinen Herzog und feine Knechte, wir sind eine freie Demokratie. ist, wie sie unter dem Kaiserreich üblich waren. Bei uns gibt es Bei uns ist eine Regierung, wie sie auch immer sein möge, nur der Dolmetscher des souveränen Voltes. Es hat aber das Boit niemals entschiedener seinen Willen gehabt. Ich habe das tönende Echo des Willens all die Tage hören können nicht nur in den zerstörten Gebieten, sondern auch gestern am anderen Ende Frankreichs in der treuen und patriotischen Bretagne , die mir bei meiner Durchreije überall einen so eindrucksvollen Empfang bereitet hat.

und der von selbst zusammenzubrechen beginnt. Wenn der Reichswirtschaftsminister von Raumer oder der deutsche Finanzminister versichern, daß es für Deutschland eine finanzielle Heilung nur nach dem Ende des Kampfes im Ruhrgebiet gibt, jo barf man ihnen also die Antwort geben, daß wenn dem so ist, sie diese Heilung in der Hand haben.

Sie müffen nur noch aufhören, Milliarden von Mark ins Ruhr­ gebiet zu werfen,

um die Arbeiter zum Streit zu ermutigen. Sie brauchen nur no der Bevölkerung die Freiheit zu geben, ihren eigenen Neigungen zu folgen. Diese Bevölferung wünscht nur zu arbeiten und sich mit uns wegen der Lieferungen, die uns gefchuldet werden, zu ver ständigen. Ich höre allerdings, deß der neue Reichstanzter uns jebt endere Pfänder vorschlägt als das Ruhrgebiet und die Eisen bahnen der befezten Gebiete. Aber mix sieben es por, etwas in der Hand zu haben, als einer Sache nachzulaufen. Die Garantien, von benen man spricht, würden der allgemeinen Hypothet auf jämtttchen Betz der deutschen Staaten, die der Bersailler Bertrag den Altierten

gibt, nichts hinzufügen.

Wir ziehen die positiven Pfänder vor, die wir in der Hand haben, und werden sie nicht gegen generelle Pfänder freigeben. die vielleicht auf dem Papier ausgezeichnet wären, deren Ertrag uns aber entgehen würde. Bir wollen Realitäten und wir werden erst abziehen, wenn wir

bezahlt find.

Reichskanzler Dr. Stresemann erklärt nachdrücklich, daß ein erges Zusammenwirken zwischen den einander er gänzenden Industrien Deutschlands und Frankreichs eine ausgezeichnete Einleitung zur Regelung der Reparationen und zu einem endgültigen Friedensftatut wäre. Schon im Dezember vori hen Jahres hatte der damalige Reichskanzler Dr. Cuno mir durch feinen Botschafter Verhandlungen mit den deutschen Industriellen anbieten laffen, um Abmachungen mit den französischen Industriellen vorzubereiten, und es trifft allerdings zu, daß die Industrien der beiden Länder, da Deutschland Kohlen und wir Eisenerze fördern eines Tages ein Interesse daran haben werden, sich miteinander zu verständigen. Aber die Franzosen , die an diesen wirtschaftlichen Unterhaltungen am meisten interessiert sind, haben begriffen, daß fie, bevor sie an deren Borbereitung gehen, der französischen Re­gizrung Zeit laffen müssen, bezüglich des Reparationsproblems Sicherheiten und Ergebnisse zu erlangen. Die Frage, die alle anderen beherrscht, die Frage, die in erster Linie alle unfere Sorgen erfordert, ist in der Tat die des Wiederaufbaus unserer aerstörten Gebiete.

Wenn wir sehen, daß Deutschland auch richtig entschloffen ift, diese Fragen zu regeln und uns für unsere Sicherheit etwas anderes als Bersprechungen zu geben, dann werden wir ohne Voreingenommenheit die Möglichkeit ins Auge fassen, wirt. schaftsperträge abzuschließen.

Der Ton hat sich geändert und das ist troh allem ein Fortschrift. Uber das Cied ift fast das gleiche geblieben.

Es wäre finnlos, verschweigen zu wollen, daß diese Dis­fuffion durch die unerträgliche Lage, in der sich die Bevölke­rung der besetzten wie der unbefeßten Gebiete befindet, für Deutschland besonders dringlich geworden und daß die Ent wicklung der nächsten Zeit mit den allerschwersten Gefahren für die deutsche Republit verbunden ist. Bir stehen vor dem Fels und neben dem Abgrund, nur durch Weiterschreiten fann festgestellt werden, ob es nicht vielleicht doch einen Weg gibt, der an dem Abgrund vorbeiführt.

Das Echo in Frankreich .

Wenn

Paris , 9. September. ( Eca.) In hiesigen politischen Kreisen steht man in der heutigen Rede Poincarés, die auf die Stuttgarter Rede Stresemanns antwortet, feinen Abbruch, sondern im Gegen teil eine Fortsegung der Unterhaltung mit Deutschland . Poincaré sich bisher über die Aeußerungen Stresemanns, wenigstens was ihren Inhalt anbetrifft, in negativem Sinne geäußert hat, fo hebt man andererseits hervor, daß Poincaré an verschiedenen Stellen Angaben darüber gemacht hat, auf welchen Bahnen sich feiner Meinung nach die deutschen Angebote bewegen müssen, wen fle für rantrei annehmbar werden sollen. Zwar lehne Poincaré die Ersetzung der Lokalpfänder durch Zentralpfänder ab, aber er jage an zwei Stellen seiner Rede deutlich, daß Frankreich auf Grund Don Zahlungen das Ruhrgebiet räumen würde und daß er feine Bersprechungen, sondern Reali Die Reden, die Herr Poincaré am gestrigen Sonntag täten münsche. Poincaré brüde alfo in vorsichtiger Form die gehalten hat, bringen feine Veränderung der politischen gleichen Gedanken aus, wie sie in zahlreichen offiziellen Aeußerun. Situation. Wie von ihm anders nicht zu erwarten war, hält gen der franzöfifchen Regierung in der legten Zeit wiedergegeben der französische Ministerpräsident mit großer Zähigkeit an worden find, daß nämlich die Räumung des Ruhrgebiets nicht in der Auffaffung fest, daß er das widerrechtlich gegen den Willen der Frage der Pfänder, sondern in der Frage der 3 ahlun feiner Berbündeten genommene Pfand folange behalten müffe, gen begründet fei.

Was Frankreich will, das ist, bezahlt zu werden. es hat nach den Mitteln gegriffen, um diese Bezahlung zu erhalten. Frankreich erwartet, daß man ihm Genugtuung gibt. Nicht Frant reich ist es, das weichen wird,

bis wir bezahlt find". Es ist hier schon wiederholt Der Temps" meint in einer Besprechung der Nede Poincarés, gesagt worden, daß diese Formel dehnbar und vieldeutig ist. daß die widersprechenden Nachrichten, die in der letzten Zeit aus Sie fann bedeuten, daß Frankreich nach Erhalt gewisser für Berlin eingelaufen seien und die bald von Borschlägen an Frank­Deutschland erschwinglicher Abschlagszahlungen das Ruhr reich und Belgien , bald von der unveränderten Fortfehung des gebiet räumen wird, fie fann aber auch bedeuten, daß Frank paffiven Widerstandes wissen wollen, in Frankreich übergangen reich im Ruhrgebiet bleiben wird, bis Deutschland eine End- worden seien. Poincaré habe lediglich die Absichten Frankreichs summe, die es nach menschlichem Ermessen überhaupt nicht zum Ausdruck zu bringen gehabt. Für die Art und Weise, wie er bezahlen kann, vollständig bezahlt haben wird: die Zahlungs - dies getan hat, fet es nicht ohne Bedeutung, daß er die ungeheuren forderung wäre dann nur ein Vorwand, um sich an Ruhr Schwierigkeiten fennt, in denen die deutsche Regierung sich bewege. und Rhein dauernd einzurichten.

Boincaré habe seiner Antwort an Stresemann entsprechend der Es liegt im Interesse Deutschlands und der ganzen Welt, Umgebung, in der er seine Rede gehalten habe, einen bedauerlichen daß über die wirklichen Absichten Frankreichs fo bald wie Atzent gegeben, der feinen Ausführungen nicht die Festigkeit nehme. möglich Klarheit geschaffen wird. Handelt es sich um er- fie aber von jedem unfruchtbarem Spott fernhalte. Der Bauer, schwingbare Abschlagszahlungen und knapp bemessene Räu- fchreibt der Temps", will seine Erde beadern. Er will säen und mungsfristen auch für das alt befehte Gebiet- dann ernten. Bon französischer Seite stehe also einem gerechten müssen die alleräußersten wirtschaftlichen Anstrengungen ge- uebereintommen, bei dem alle Alliierten auf ihre Rechnung macht werden, um die Befreiung der befeßten Gebiete, die tämen, nichts im Wege. Die Ereignisse hängen von Deutschland ab. anders nicht durchzusehen ist, auf diesem Wege fo rasch wie Boincaré habe festgestellt, daß der Ton der deutschen Regierung möglich zu erreichen. Macht aber Frankreich die Räumung sich geändert habe. Dies fet ein Fortschritt, aber es sei notwendig, von unerfüllbaren Forderungen abhängig und zeigt es die daß man die Borte ändere. Absicht, sich im alt- und neubefeßten Gebiet dauernd festzu- Paris , 10. September. ( Mtb.) Das Journal des Debats " hält setzen, dann wird niemand glauben, daß auf dieser Grund das Gerücht von einem bevorstehenden deutschen Verhand lage eine wirkliche Verständigung zwischen Deutschland und tungsangebot nach wie vor für sehr wahrscheinlich, Frankreich erzielt werden könne, dann fann es im fortge- erffärt aber, daß jeber deutsche Schritt in diefer Richtung zwecklos fetzten Ringen der beiden Bölfer höchstens Erschöpfungs- fet, wenn er nicht von der Erftärung begleitet wird, daß der passive pausen, aber feinen Abschluß geben, dann können sich viel Widerstand bedingungslos aufgegeben wird. Frankreich müffe, bevor leicht die Formen des Kampfes ändern, können schein- es mit Deutschland verhandeln könne, zunächst einen Beweis des

Dollar 52 bis 54 Millionen.

guten Willens Deutschlands haben. Sei dieser Beweis des guten Willens erbracht, dann sei die franzöfifche Regierung bereit, jeben. deutschen Borschlag wohlwollend in Erwägung zu ziehen. Die Journée Industrielle" tonstatiert mit großer Befriedigung,

Aber dann möge Deutschland beginnen, sein Berhalten zu ändern und endlich seinen guten Willen zu zeigen! Dann möge Deutsch­ land auf Borwände und Zweideutigkeiten verzichten! Dann möge Die heutige Börse wurde beherrscht van der Erwartung der Er­Deutschland fich ein für allemal entschließen, ernsthafte An. strengungen zu machen und sich in die Bage au verfeben, feine eigniffe, die bie nächsten Tage möglicherweise bringen werden und daß die wirtschaftliche und finanzielle Zerrüttung in Deutschland dem Schulben zu bezahlen! Bisher stellen wir nicht fest, daß seine von den Entscheidungen, die demnächst getroffen werden müssen. Die Separatismus im Rheinland nur förderlich sein könne. Schulben zu bezahlen! Bisher stellen wir nicht fest, daß seine Rede Poincarés wird nicht allzu pessimistisch aufgenommen, Das Blatt verspricht sich von der Rettungsaktion des Kabinetts Absichten fich in sehr fühlbarer Weife geändert haben, benn man glaubt, daß fie vielleicht immerhin zur Anknüpfung Stresemann teinen Erfolg. Infolgedessen müsse das Rheinland un­weiterer Aussprachen führen könne. Ein anderer Umstand fehlbar und schneller als man es vielleicht erwartet, Frankreich in die wirft ungünstiger für die Bewertung der Mark: Das Hinaus Arme fallen. Das Blatt richtet an die Regierung die Mahnung, Wenn die deutsche Regierung sich einmal damit beschäftigen würde, aägern der praktischen Lösung der Währungsfrage und rechtzeitig alle Borbereitungen für diesen Augenblick zu treffen, wenn die Korrespondenz von Thiers mit dem Grafen Saint- Ballier und Ausgabe der Galdnoten, nachdem die Anfündigung diefer mit rechtzeitig alle Borbereitungen für diesen Augenblick zu treffen, wenn fie nicht großen Schwierigkeiten aller Art und insbesondere einem mit Manteuffel nachzulesen, dann würde sie es besser begreifen, dazu beigetragen hat, die Papiermart mehr zu entwerten, hält man neuen Konflikt mit England sich aussehen wolle. wie eine Nation, die die beste Absicht hat, sich von ihren Verpflich an der Börse für unverständlich. Infolgedessen murde der Dollar, tungen zu befreien, sich betragen fann und muß. Deutschland der in den Morgenstunden zwischen 45 bis 50 Millionen geschwankt steht am Kreuzweg, wenn es sich retten will, so hatte, in den Mittagsstunden wieder etwas fester mit 52 bis ist dazu noch 3eit. Wenn es weiter bei seinen Methoden bleibt. 54 miffionen bewertet. Diese Kurse wären jedoch bedeutend Paris , 10. September. ( Eca.) Die Berfiner Melbung über den dann wird es Katastrophen auf sich herabziehen, für die wir nicht überschritten worden, wenn die neue Devisenverordnung die Beschluß des Reichswirtschaftsrats, die Kosten für den verantwortlich sein merden. Spefulation innerhalb und außerhalb der Börse nicht einstweilen zur passiven Widerstand einzuschränken und streng überwachen zu laffen, Paris , 10. September. ( WTB.) Bei der Einweihung eines Burückhaltung gezwungen hätte. So ist der Bedarf heute etwas haben hier große Sensation hervorgerufen. Ist in diesem Ariegerdenkmals in Haudainville hielt Ministerpräsident Poincaré geringer, doch bleibt die Bewertung der Devisen unverändert jest. Beschluß das Ende des passiven Widerstandes und darüber hinaus

Um den passiven Widerstand.