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Abendausgabe

Nr. 536 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 270

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Vorwärts

Berliner Dolksblatt

40 Milliarden M.

Donnerstag

15. November 1923

Berlag und Anzeigenabteilung:

Geschäftszeit 0-5 Uhr

Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502

Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Die Absichten der Ruhr- Industriellen.

Ein Schlag gegen die Arbeiter.- Förderung der rheinischen Abfallbewegung.

Gelsenkirchen , 15. November. ( TU) Auf den Zechen ist rechtliche Verhältnis mit den Belegschaftsmitgliedern der Kölnischen Zeitung " und der Kölnischen Volkszeitung", geffern folgende Betanntmachung an die Belegschaften ange­schlagen worden:

Bei der völligen Erschöpfung der Betriebsmittel, bei der Unge­flärtheit der zukünftigen Absatzmöglichkeiten und der trofflofen Lage des Verkehrs, bei den schweren, uns von den Besagungsmächten ge­stellten Bedingungen ist es heute nicht zu übersehen, ob und inwiz­weit in Zukunft ein Betrieb möglich ist. Wir sind daher zu unserem Bedauern gezwungen, unserer gesamten Belegidaft zum 30. november zu fündigen. Soweit die heute vorhandene Beschäftigungsmöglichkeit sich wirtschaftlich aufrechterhalten läßt, wird der Betrieb weitergeführt.

Abbruch der Düsseldorfer Berhandlungen. Paris , 15. November.( TU.) Aus Düsseldorf wird zu den gestrigen Verhandlungen zwischen der Micum und den Industriellen nachstehendes Rommunique mitgeteilt:

Die Vertreter des Grubenverbandes wurden gestern nachmittag von der Micum empfangen in der Absicht, die Besprechung der drei strittigen Buntte des Abkommens fortzufetzen. lleber 18 andere Bunfte rein technischen Charakters war befanntlich eine Verständi gung bereits am Montag erzielt worden. Die deutschen Delegierten haben, nachdem sie bei Ausgang der Situng um eine befinitive Ante wort für 6,30 Uhr gebeten wurden, schriftlich erwidert, daß sie den Wortlaut der einen der strittigen Buntte annehmen, sich aber im Hinblick auf den zweiten Bunft gezwungen sehen, ihrer Regierung und ihren Beauftragten Bericht zu erstatten. In der Antwort ist auf den britten Bunft feinerlei Anspielung gemacht worden. Unter diesen Umständen halten die verbündeten Behörden es für& wed los, die Aussprache über die geplanten Bereinbarungen, deren Mostlaut fie für abgemacht halten, fortzusetzen angesichts der Tat. sache, daß die Verhandlungen bereits seit vier Wochen andauern und die ftrittigen Punkte den deutschen Delegierten bereits seit dem 5. Rovember befannt sind. Sie haben daher befchloffen, die Ber handlungen als abgefchloffen anzusehen.

Dazu führen die französischen Blätter scheinbar offizios aus, baß das Kommunique der Micum feineswegs ben Abbruch der Berhandlungen bebeute. An den Deutschen sei es nun, entweder ja ober nein zu sagen.

lösen. Sie wollen dann in der Hoffnung, daß die Not der Arbeiterbevölkerung ihnen behilflich sein wird, zu passender Beit die Betriebe wieder öffnen für diejenigen, die sich bereit erklären, den Forderungen der Unternehmer nach verlängerter Arbeitszeit usw. zu entsprechen.

Es ist ein offenes Geheimnis, daß gewisse Unternehmer freise solche Pläne verfolgen, felbft auf die Gefahr hin, deß fie Loslösung des Rhein und Ruhrgebiets aus feinem bisherigen staatsrechtlichen Berband bedeuten. Es ist weiter befannt, daß derartige Unternehmertreise ent schlossen auf dieses Ziel eines selbständigen Rhein und Ruhrstaates hinsteuern. Bu sozialer Rückständigkeit gesellt sich bei diesen Unternehmern eine vollständige Ber neinung jeder vaterländischen Gesinnung und Verpflichtung, allein das engste nackte Profitinteresse ist für sie maßgebend.

Durch das Vorgehen der Unternehmer, das in seiner Ent­wicklung und in seinem Ziel flar vor Augen liegt, werden die rechtlichen Grundlagen, wie sie der Tarifvertrag und das sonstige geltende Recht geben, nicht beseitigt. Die Wahrung dieser Rechte werden sich die Gewerkschaften por allen Dingen angelegen fein laffen. Darüber hinaus werden fofort die Reichs- und Staatsregierungen vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie den volksverderbenden Plänen dieser Unternehmerschichten in irgendeiner Weise Vorschub leisten oder sie mit allen Mitteln bekämpfen wollen.

Die Gewertschaften werben alle geeigneten Mittel er greifen, um die Abfichten der Unternehmer zunichte zu machen. Für die ungeheuerlichen Folgen des Vorgehens der Unter­nehmer, das in feinen Wirkungen gar nicht abzuschätzen ist. tragen biese die volle Berantwortung.

die auf die folgenschweren Entscheidungen, die über Ruhr und Rhein getroffen werden müssen, hinweisen und die Einstellung der Zahlungen ins befeßte Gebiet fordern. Der Grundgedanfe dieser Ausführungen ist, daß man die Bevölkerung des Rhein­landes jetzt ihrem Schicksal überlassen müsse, um das Stamm land" am Leben zu erhalten. Damit wird offen ausgesprochen, was schon seit Wochen von den Führern der Schwerindustrie ebenso wie von ihren deutschnationalen Gesinnungsgenossen angestrebt wird und was als Hauptbestandteil der von den Rechtsparteien proflamierten neuen Außenpolitik angesehen werden muß.

Es ist unverkennbar, daß das Stresemannsche Rumpf­fabinett dieser Babanquepolitit, die den innersten Wünschen der Schwerindustrie entgegenkommt, Borschub leistet. Der neue Reichsinnenminister Dr. Jarres hat es in seiner bereits erwähnten Ansprache an seine Beamten offen ausgesprochen, daß man sich mit einem vorübergehenden Ber­lust des Rheinlandes merde abfinden müssen. Diese An­schauung entspricht anscheinend auch den Auffassungen der großen Mehrheit der Reichsregierung. Es ist nicht ganz ge­hauung entspricht anscheinend auch den Auffassungen der heim geblieben, daß wochenlang vor den Besprechungen mit dem Fünfzehnerausschuffe der besetzten Gebiete zwischen Re­gierung und Industrie Verhandlungen geführt wurden, deren Tagesordnung sehr viel Aehnlichkeit mit den vom Reichs­arbeitsminister Brauns seit Mai propagierten Auffassungen hatte. Am Dienstag verhielten sich die Mitglieder des Fünf­zehnerausschusses gegenüber diesen Auffassungen noch durch aus ablehnend. Es hat aber den Anfchein, daß sowohl vom Rabinett wie von der rheinischen Schwerindustrie ein solcher Druck auf die Deffentlichkeit ausgeübt werben soll, daß jeder Widerstand gegen die Bläne der Brumpofitifer eingestellt wird. Bekanntlich begründet bas Kabinett feine Haltung mit Die obenstehende Buschrift beleuchtet blighell die Gefahren, finanziellen Schwierigkeiten, die es ihm unmög durch die das rheinische Proletariat jest bedroht ist. Die Lage lich machten, meiterhin Beiträge ins Ruhrgebiet abzuführen. ist furz die, daß die Auseinandersehung zwischen den Ruhr mir verkennen diese Schwierigkeiten gewiß nicht, glauben aber industriellen und den Franzosen jetzt reftios auf dem Rüden nicht, daß von der Sperrung der Beiträge an die Erwerbslosen der Arbeiterklasse ausgefochten werden soll. Es ist gewiß und Sozialrentner, also an die Wermsten der Armen im Ruhr­nicht zu bestreiten, daß die rheinische Industrie sich in einer gebiet das Wohl und Wehe des deutschen Reichshaushalts ab­Denn folange Trillionen nach Sahr­Schweren Lage befindet und daß heute noch ein beträchtlicher hängt. Teil der Bechen nicht voll beschäftigt ist. Aber immerhin find Bayern geschickt werden können, das noch eine Million gewisse Unternehmungen auf Grund ihrer Bertragsabschlüffe Goldmart zur Unterstütung irregulärer mit der Micum" in der Lage, die Belegschaften weiter ar- Banden erübrigt, fann der Hinweis der Reichsregierung auf beiten zu laffen. Außerdem ist nicht von der Hand zu weifen, die finanzielle Rot bes Reiches bei der jegigen Maßnahme daß ein wesentlicher Teil der gemischten Betriebe Geldreserven gegenüber dem Ruhrgebiet nicht ernst genommen werden. hat, die bei gutem Willen die Aufrechterhaltung des Betriebes Für den Bergbau machten die Unternehmer am 2. No- ermöglichen. Wenn die Unternehmer jegt trotzdem sämtliche vember in Berlin erstmalig die Mitteilung, daß sie die Bieber Arbeiter, Angestellte und Beamte auf das Pflaster werfen einführung der Vortriegsarbeitszeit für notwendig hielten, um wollen, so läßt sich das nur aus politischen Gründen rationsfommiffion hat dem Leiter der Kriegslastencommission mit die Produktion zu steigern und zu verbilligen. Bei der Belastung erklären. Man will damit dreberlei Ziele verfolgen: Erstens geteilt, daß die Reparationsfommission sobald als möglich die Beauf­des Ruhrbergbaues durch die Forderungen der Besagungs- foll durch die Schaffung einer ungeheuren Arbeitslosenarmee tragten der Reichsregierung in der Frage der deutschen Zahlungs­mächte sei an eine Fortführung der Betriebe nicht ein Drud aufbie Franzosen ausgeübt werden. Zwei- fähigkeit sowie über die Note vom 2. November, in der das Berliner zu denken, wenn die Produktion nicht erheblich vertens foll durch die Steigerung der allgemeinen Notlage die Stabinett sich zur Finanzierung der Naturalleistungen außerstande er­billigt werden könnte. Das fei nur zu erreichen durch Arbeiterschaft fo zermürbt und gefügig gemacht werden, daß Kärt, vernehmen möchte. Der Zeitpunkt dieser Bernehmung wird längere Arbeitszeit und Entlassung von vielfie der Einführung der alten Arbeitsftlaperei permutlich erst nach Rückkehr des Staatssekretärs Fischer aus Berlin leicht 30 Broz der Arbeiterschaft! Die Arbeiter- teinen Widerstand entgegensetzt. Drittens soll durch die Ber: festgelegt werden, man spricht indessen davon, daß schon Ende vertreter nahmen diese Erilärung zur Kenntnis, lehnten aber schärfung der Schwierigkeiten im Ruhrgebiet ein Drud auf biefer Woche die Bernehmung stattfindet. eine Berhandlung darüber ab, bevor sie nicht mit der Reichs- die Reihsregierung ausgeübt werden, damit diese den regierung über die ganze Lage im Industriegebiet Rücksprache jeparatistischen Plänen der rheinischen Industrieherzöge feinen genommen hätten. Diese Aussprache mit der Reichsregierung Widerstand entgegenseit. fand am 2. November abends statt, trug aber zur Klärung der

Aus Bergarbeiterfreifen wird uns geschrieben: Die Schwerindustrie fchickt sich auf der ganzen Linie an, mit allen Mitteln die Borkriegs3t stå noe auf wiri­schaftlichem Gebiete wiederherzustellen. Metallindustrie und Bergbauunternehmer haben ihre Forderungen auf 23 ieder einführung der Bortriegsarbeitszeit usw. ben Gewerkschaften unterbreitet.

"

Der letzte Bunft, der politisch am bedeutsamsten ist, wird Sachlage nicht bei. Am 5. November famen die Unternehmer durch die Haltung der Unternehmerpreffe besonders in den bei Berhandlungen im Ruhrgebiet auf die Frage zurüd. Die Bordergrund gerückt. Wolffs Bureau verbreitet Auszüge aus Arbeitervertreter wünschten eine schriftliche Uebermitt lung dessen, was die Unternehmer forderten. Mit einem Schreiben vom 6. November, das bei einer Organisation am 9. November, beim Bergarbeiterverband am 10. November einging, wurde dieser Forderung entsprochen.

Verdoppelte Devisenkurse.

Gine Goldmark= 600 Milliarden.

Anhörung der deutschen Vertreter.

Paris , 14. November.( TU.) Der Generalsekretär der Repa­

England und die Separatistenbewegung. Proteft gegen die Förderung der Abfallbewegung. Paris , 15. November. ( WTB.) Der englische Botschafter Lord Crewe hatte gestern nachmittag eine Unterredung mit Poincaré , in deren Verlauf er eine Note seiner Regierung be­treffend die separatistische Bewegung in den befeßten Gebieten über­reichte. Das Foreign, Office" haite bekanntlich jüngst die Auf­mertfamfeit der französischen Regierung auf die Folgen juristischer Art gelenkt, die die Separatistenbewegung für die Gültigkeit des Friedensvertrages haben fönnte, wenn Staaten sich vom Deutschen Reiche loslösen würden. Die französische Regie­rung hatte geantwortet, baß in den Artikeln 27 und 29 die Alliierten

Poincaré feinerseits überreichte Lord Creme eine Note, in der er über die Haltung der franzöfifchen Befehungsbehörde im Rheinland und besonders in der Pfalz Auskunft erteilt, deren Ver­halten er als unparteiisch gegenüber der separatistischen Bewegung bezeichnet.

Am heutigen Geburtstage der tentenmart wandte sich das Am 11. November ersuchten die Unternehmer um neue Verhandlungen über diese Frage in einer für den Intereffe der Berliner Börsenkreise fast ausschließlich denjenigen 12. November angefegten Besprechung. Weil die Gewerf Fragen zu, die mit der Einführung des neuen Zahlungsmittels in schaften an diesem Tage durch andere Konferenzen verhindert den Verkehr im Zusammenhang stehen. Es veríautet, daß es in der feine Garantien für die Grenzen des Reichs übernommen hätten. waren, fand die Besprechung am 13. November abends im geftrigen Gigung beim Finanzministerium, die sich in der Hauptsache In der heutigen Antwortnote beharrt die englische Regierung auf mit der Feststellung eines Einführungsturses für die ihrer These, die sie in sehr langen Ausführungen juristisch be­Bureauhaus in Essen statt. In der Verhandlung mit den Unternehmern tam es aber Rentenmart beschäftigte, außerordentlich lebhafte Debatten zwischen gründet. zur Besprechung dieser Fragen gar nicht. Zunächst wurden den Vertretern der verschiedenen Wirtschaftstreife, der Deutschen Beschwerden der Arbeitnehmer über die Nicht- Rentenbant und ber amtlichen Stelle gegeben habe. Es fidere bereits durch, daß ein Kompromiß zuftante gelommen ausführung von Schiedssprüchen usw. besprochen. Dann machten die Unternehmer die Mitteilung, daß fie am fei, menach der Einführungsturs auf 600 milliarben 15. November die gesamten Angestellten und Bapiermart festgelegt werden sollte. Da das Berhältnis ber Arbeiter des Ruhrgebietes fündigen würden, Rentenmart zum Dollar das gleiche fein foll wie bas her Golbmart vielleicht mit Ausnahme des Gebiets Hamm und einiger in der Borkriegszeit, so redmete man heute von vornherein damit, Bechen , die noch gesicherten Absatz hätten. Sie feien zu dieser daß der Dollarturs foweit gefteigert merden würde, wie es einer Maßnahme gezwungen, weil fie finanziell völlig am Ende Goldmartparität von 600 milliarden entspricht. In mären und meil Berlehrs- und Abfahrerhältniffe feinen Aus- Crwartung biefer Maßnahme beeilte man fich, um nur möglichst blick in die Zukunft ermöglichten. Für die Besprechung, der große Räufe in Goldanleihen und Dollaffchaganweisungen unter Forderungen der Unternehmer wurde ein neuer Termin anzubringen. Auch im amtlichen Devisenverkehr wurden außerordent gefeßt. Die eigentliche Absicht der Unternehmer, lich große Anforderungen geftellt. Die Reidysbant nahm die er über die fie in dieser Besprechung feine Andeutung machten, wartete Berdoppelung der amtlichen Kurse vor, wobei ist für alle Arbeitnehmer flar: fie wollen das bestehende auf die wichtigsten Devisen nur 1 Broz. augeteilt wurde.

N

Wie in Bayern .

Eniferslautern, 15. November. ( WTB.) Wie aus der Pfalz ge meldet wird, wurben seitens des französischen Kreisdelegierten die Freie Preffe", der Pfälzische Bolksbote", die Pfälzische Bresso", die Pfälzische Boltszeitung" in Kaiserslautern , der ,, Kurier" in Neu­ stadt und die Pirmasenser Zeitung" auf je drei Tage verboten wegen der Berbreitung einer Nachricht des Neustädtischen Ruriers", daß die Franzosen die Separatisten in Neustadt entwaffnet hätten. Das Berbot wird damit begründet, baß diese Nachricht unrichtig fei.