Abendausgabe
Nr. 258 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 130
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Vorwärts
Berliner Dolksblatt
5 Goldpfennig
50 Milliarden
Dienstag
3. Juni 1924
Beclag und Angetgenabtetleng Gefchäftszett 9-5 oz Berleger: Borwärts- Betieg 6nts. Berlin Sm. 68, Cinbenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2006-2507
Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands
Notschrei der besetzten Gebiete.
Während man in Berlin kuhhandelt, geht das Rheinland zugrunde!
Der Oberpräsident der Rheinproving, Reichsminister a. D. dem Hitlerputsch galt, nämlich, daß man einen Fuchs, hat nachstehendes Telegramm an den Reichs präsidenten gerichtet:
Kahr brauche, um Hitler faltzustellen. Diese Meinung hat sich schon in Bayern als verhängnisvoll erwiesen, und Millionen Deutsche tönnen zurzeit angesichts der furcht wenn sie auf das Reich übertragen würde, so würde sie zwei baren Geldnot nicht leben und nicht sterben. Lebig- fellos noch viel größeren Schaden stiften, ganz besich die Hoffnung auf badigste Lösung des Reparationsproblems fonders im Hinblick auf die außenpolitische Lage. Es kann häff den gänzlichen zusammenfall der Wirtschaft auf. fich im besten Falle natürlich nur um eine perfönliche Mit fehnsüchtigem Bertrauen erwartet die Bevölkerung des befehten Meinungsäußerung des Generals handeln, dem irgendeine Gebietes das umgehende 3 ustandekommen einer Regie- amtliche Befugnis nicht zusteht, in die politischen Verrung, die auf der Grundlage des Programmes der Parhandlungen einzugreifen. teien der Mitte die bevorstehenden, für Deutschlands Zukunft entfcheidenden Berhandlungen führen soll. Die Bevölkerung des Rheinlandes würde es un verständlich finden, wenn parteipolitische Erwägungen die Lösung der entfehlichen Krise auch nur um einen weiteren Tag verigieben würden. 3 ustände wie im Jahre 1923 würden die Rheinlande nicht noch einmal fiegreich überwinden. Die Erbitterungift um jogrößer, weil man auf der anderen Seife mertliches Einlenten fieht, das man nicht durch parteipolitische Halsstarrigteit von Boltsvertretern, die Rheinlands Bedeutung und Not offenbar nicht richtig würdigen, zerschlagen wiffen möchte.
Als Leiter der bedrängten Rheinprovinz mit fieben Millionen Menschen erhebe ich warnend und beschwörend in letter Stunde meine Stimme. Wir haben bisher alles Ceiden für das Baterland gern ertragen, aber man foll mit unserer Liebe zum Baterland eine Experimente machen.
Fuchs, Oberpräsident der Rheinproving.
Der große Unbekannte.
Das Telegramm des Oberpräsidenten der Rheinproving zeigt fchlaglichtartig die Gefahren auf, in die bas meite befeßte Gebiet und damit das ganze Deutsche Reich durch das Kuhhandeln der bürgerlichen Barteien um bie Regietung ge stürzt ist. Das wochenlange Berhandeln hinter den Kulissen muß auch den letzten Versuch des Reiches im Inlande wie im Auslande zerstören. Die Sehnsüchte tleiner parlamentarischer Kreise nach mehr oder minder großem Einfluß bei der Regierungsbildung wirkt um so niederdrückender, als das eine große Problem der Gegenwart, die Bereinigung der Reperationsfragen auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens, geradezu nach Erledigung schreit.
Das schwankende Berhalten der Bolkspartei; das nachgerade ja schon sprichwörtlich geworden ist, hat allerdings in neuester Zeit das Entsegen auch solcher Kreise hervorgerufen, die sonst sehr nüchtern über diese politischen Dinge zu urteilen pflegen. Gegenwärtig schwirren in Berlin Gerüchte umber über das Eingreifen außerparlamen tarischer Stellen in die Verhandlungen der Parteien untereinander. Die B. 3. am Mittag" läßt sich von beson derer parlamentarischer Seite" über die Kulissenschieberei be
Aber wenn schon die politischen Parteien etwa auf diese persönliche Meinung des Generals oder einer ähnlichen außer parlamentarischen Stelle reagieren sollten, so muß mit dop peltem Ernst darauf hingewiesen werden, daß jede Beteiligung Deutschnationaler an der Regierung die Gefahren für das beseste Gebiet und damit für das ganze Reich außerordentlich verschlim. mern würde, von denen der Oberpräsident der Rheinproving in feinem Telegramm an den Reichspräsidenten so eindrucksboll gesprochen hat.
Dreifte Forderungen und Verfähleppungsmanöver.
Kurz vor Redaktionsschluß wird uns aus dem Reichstag nachstehende Darstellung des Nachrichtenbureaus des BD3.
übermittelt:
#Bom Reichstag gingen heute vormittag die Berhandlungen zwischen den Fraktionen im Sinne der Bildung eines großen Bürgerblods weiter. Während die Frationen versammelt blieben, hielten die Parteiführer Besprechungen miteinander und mit dem Reichskanzler ab.
frage im Sinne der Hamburger Erklärung Sergt. Die vierte Bebingung geht dahin, daß bei der Besetzung der Ministerposten auf die Stärte der Fraftionen unbedingt Rüdficht genommen wird. Schließlich fordern die Deutschnationalen, daß die deutschnationale Fraffion des Preußischen Landtags vor Abgabe der Erklärung der Reichsregierung sich im Befihe von befriedigenden Erflärungen über die Umstellung in Preußen befindet.
Um 2 behauptet man im Reichstag allgemein, daß die Berhandlungen mit den Deutschnationalen nunmehr als endgültig gefcheitert zu betrachten seien. Bei den Mittelparteien herricht über die deutschnationalen. Forderungen und ihre Veröffentlichung große Erregung. Man erwartet, daß nunmehr der Reichskanzler Marg mit der Bildung eines Kabinetts der Mitte feinen Augenblid mehr zögern werde.( Das schließt natürlich nicht aus, daß in einer halben Stunde schon wieder neue Berhandlungen beginnen. D. Red. d. Vorwärts".)
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Eine Viertelstunde später: Die Deutschnationalen erklären den Bericht des Nachrichtenbureaus für nicht authentisch. Sie laffen ihn förmlich dementieren!)
Macdonald gegen Tirpit.
Condon. 3. Juni. ( WEB.) In Beantwortung einer Frage Wedgewood Benns im Unterhause, ob die Regierung irgendwelche Vorstellungen bei der deutschen Regierung darüber erhoben habe, daß die Ernennung des Admirals v. Tirpi zu einem hohen Regierungsamte von den Allierten übel aufgenommen werden würde, erklärte Macdonald: 3ch fann Herrn Benn versichern, daß mir nicht verabsäumt haben, das zu tun, was wir jowohl in dieser als auch in anderer Hinsicht für unsere Pflicht halten.
Die deutschnationale Reichstagsfraktion fiellte für ihre Beteili. gungen eine Reihe von Jorderungen auf, die den Gegenstand Zu dieser Meldung erfahren wir, daß am vergangenen der Erörterung bildeten. Sie verlangten zunächst, daß in die zu Freitag die Botschafter Englands und der Vereinigten erwartende Brogrammede des Reichstanziers nicht eine Formu Staaten von Nordamerifa im Auswärtigen Amt erschienen Tierung aufgenommen wird, die von einer toutinuierlichen sind und Besprechungen mit Bertretern des Auswärtigen Torfführung der auswärtigen Politik spricht. Die Deutschnationalen Amtes gehabt haben. Derartige Besprechungen sind jedoch fordern weiter die Aufnahme eines paffus über die riegs- nach diplomatischem Gebrauch immer streng pertrau= fhulbfrage(!) fowie die Aufnahme der Aufmertungs. Itch.
Wirtschaftsnot und Reichsregierung.
Eine große Anfrage der Sozialdemokratie.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat foeben die Die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, die Spitzenfolgende Interpellation über die durch die Wirtschafts- organisation des vereinigten Unternehmertums, hält ihre Unterper frise heraufbeschworenen Gefahren für die notleidende Be- bände zu einem pölferung eingebracht:
fyftematischen Borgehen für die Beseitigung der Tarifverträge
richten und formuliert gewisse Mitteilungen in folgende mere Arbeitslosigkeit heraufzuführen. Benn auch die und des staatlichen Schlichtungswesens an. Ste reist zur Boykottie.
Fragen:
ung der Schlichtungsausschüsse an und läßt lieber die Betriebe So tragen diese Kreise die stärkste Schuld am ProduktionsrückReiches und die Not des deutschen Volkes werden ausgenutzt zur
Aufs neue droht fich die Krise zu verschärfen und eine 1. Wer war der große außerparlamentarische Unbekannte, bei rahme des Gutachtens der Sachverständigen, so muß die Aufmert. fchließen als fidy ihnen nicht genehmen Tarifverträgen zu fügen. Krebitfrise nur beseitigt werden fann durch die schleunige AuDem am Sonntag in einer Besprechung Scholz- Hergt der abgeriffene famfeit ber Regierung doch darauf hingelenft werden, daß die Faden von neuem gefnüpft wurde, so daß die am Sonnabendmittag r dittnappheit für die Induustrie vergrößert morden gang und an der Schädigung der deutschen Wirtschaft. Die Not des mit Emphase verbreitete Entschließung der Bolkspartei Alles ift ist durch die ausgedehnte Rreditgemährung im Betrage zu Ende- unsere Rolle als ehrlicher Mafler ist ausgespielt!" plöß von 800 millionen Goldmart an die Sandwirtschaft, die zum lich zurüdgenommen wurde? 2. Was steht in dem Brief, den die Deutschnationalen Kreditnot der Industrie ist weiter verschärft worden durch die Kredit. sunde deutsche Volkswirtschaft aber ist unvereinbar mit der Aus. von dem leider nur eine dürftige Inhaltsangabe an die Deffentlich gerechtfertigter Weise die Spannung zwischen dem Diskontsaz der Borausseßung für den Wiederaufbau unserer Wirtschaft ist
an
feit gelangte? Wenn wir recht berichtet sind, war darin die Rede dapon, daß die deutschnationale Forderung nach einem Wechsel im Außenministerium nur eine hypothetische" gewesen sei, baß die Aenderung der Außenpolitik teine Kursänderung, sondern nur eine Menderung ber methoden- was man sich darunter vorzustellen hat, ist offenbar Geheimnis der beteiligten Unterhändler! 3. Ift in diesem Briefe nicht auch die Behauptung enthalten, die Deutschnationalen hätten den Rücktritt des Außenministers nicht gefordert? Nimmt man etwa auf deutschnationaler Seite an, daß auf Dr. Stresemann aus den eigenen Reihen genügend Druck ausgeübt werden könne, um ihn nicht nur zum Rücktritt das wäre sachlich durchaus möglich, sondern auch dazu zu veranlaffen, daß er damit die Berantwortung für die Folgen, d. h. für den Einbrud eines Kurswechsels gegenüber bem Ausland, dem er als Grponent bes bisherigen Kurses galt, übernähme?
Reichsbant und den Sätzen auf dem Goldmarkt ausnüßen.
Bolitit der deutschen Wirtschaftsführung. Der verderbliche Einfluß Die Gefahren für die Wirtschaft werden gesteigert durch die der Inflationszeit ist noch nicht überwunden. Dies hat die Aus dehnung der gewiffenlosen Frankspekulation in erschredendem Maße bewiesen. Durch fie ist die deutsche Volkswirtschaft um mehrere genauen Raltulationsmethoden ist noch nicht erfolgt, das Streben hundert Millionen Goldmark geschädigt worden. Die Rückkehr zu nach Rationalisierung der Betriebe ist kaum noch vorhanden. Deshalb
verschärft sich aufs neue die Abjatzkrije.
Beseitigung des Schuhes der Arbeitskraft, zum Abbau der Sozial. politik, zur Unterhöhlung der Stellung der Gewerkschaften. Eine ge lieferung der fchaffenden Boltsträfte an private Ausbeutung. Die heute mehr denn je der
Schutz der Arbeit, des wertvollsten Gutes der Nation. Angesichts dieser voltsschädigenden Tätigkeit der sozialen Re
aftion fragen wir die Regierung: 3ft fie bereit.
Erstens: In Uebereinstimmung mit den Erklärungen der eng lischen Regierung das Washingtoner Abkommen über den achtstündigen Arbeitstag fofort zu ratifizieren?
Zweitens: Die vom Reichstag wiederholt gefaßten Beschlüsse auf. Beschaffung von Arbeitsgelegenheit auszuführen, und die zu derfelben Frage vorliegenden umfassenden Vorschläge der Gewerkschaften zu beachten?
Drittens: Gegen die von der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände organisierten Widerstand und gegen die offene Gefeßessabotage zum Zweck der Beseitigung der Tarifverträge und der staatlichen Schlichtungsorgane entschiedene Abwehrmaßnahmen zu treffen?
Die Ausfuhr deutscher Waren ist durch eine unumschränkte Monopolund Kartellwirtschaft gelähmt. Sie schüßt die rückständig ften Betriebe und verhindert die zur Steigerung der Grport fähigkeit nötige taufmännisch technisch rationelle Betriebsweise und Die Gerüchte, von denen mir sprachen, bezeichnen Ronkurrenzfähigkeit. Im Inland werden die Absahmöglichkeiten den großen außerparlamentarischen Unbekannten etwas burd; unerhörten Lohndruck und das dadurch bedingte Schwinden der Viertens: Die Schlichtungsausschüsse anzuweisen, die Ber näher. Es wird davon gesprochen, daß General v. Seedt, Kaufftaft weiter Bevölkerungsschichten aufs schwerste beeinträchtigt. längerung der Arbeitszeit über acht Stunden uur bei der Chef der Heeresleitung, feine persönliche Meinung Immer aufs neue unternimmt die Industrie, insbesondere die zwingendem Nachweis volkswirtschaftlicher Notwendigkeit und nur zu diesen Dingen geäußert habe. Sie soll ungefähr dahin Schwerindustrie, ihre fozialreaktionären Borstöße. Führende Schmerson Fall zu Fall für verbindlich zu erklären? Ist sie bereit, gehen, daß in nächster Zukunft wieder putfchistische Er industrielle des befesten Gebietes schredten nicht banor zurüd, die die dem entgegenstehenden Ausführungsbestimmungen zur Arbeits hebungen zu erwarten feier ob von rechts oder links Silfe des Generals Degoutte zur Beseitigung des Achtstundentages zeitperordnung sofort zurückzuziehen, um so mehr, da diese mit dem bleibt dahingestellt und daß schon aus diesen Gründen die nachzusuchen. Durch Etillegung der Betriebe, durch Aussperrung, Geiste und dem Wortlaut der Verordnung zum Teil unvereinbar Beteiligung der Deutschnationalen an der also durch Sabotage der Produktion, suchen fie ihre un find? Regierung unumgänglich sei. beschräntie Vorherrschaft wiederherzustellen und die Cast Diese Gerüchte, auf die sich augenscheinlich die B. 3." der Reparationsregelung auf die breiten Maffen abzuwälzen. In ftüßt, wollen weiter wiffen, daß General v. Seedt ungefähr fchäriftem Klaffentamp baut das Unternehmertum Löhne und Ges, auf dem Standpunkt angelangt sei, der in Bayern vorhälter immer mehr ab und verlängert die Arbeitszeit
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Fünftens: Bon den Befugnissen der Verordnung über das Kartellgericht Gebrauch zu machen und das Reichs mirischaftsministerium anzuweifen, beim Sartellgericht die Klage ef flofung preisverfreuernder Kartelle einzuleiten angle fitenfore