Nr.358 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 183
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Freitag, den 1. August 1924
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Einigung über das Schiedsgericht. Kriegserklärung der Scharfmacher
Heute Einladung an Dentschland?
Wandelgängen der Kammer entfaltet.
Morgen Einladung an Deutschland ? Paris , 31. Juli. ( WIB.) Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas in London glaubt vorausfagen zu können, daß morgen die Einladung an die deutsche Regierung zur Beteiligung an der Londoner Konferenz ergehen werde. Dieser Beschluß werde nach feiner Ansicht in der Sigung gefaßt werden, die morgen vormittag 10,30 Uhr die Führer der Delegation in Downing Street abhalten werden. In Condon nehme man an, daß die deutschen Delegierten am Montag zu Berhandlungen bereit fein werden.
der
Die deutschen Arbeitgeberverbände wünschen für ihre Zustimung zum Sachverständigengutachten einen sozialen Burgfchaft ihre Kämpfe um die Lebenshaltung und das Kulturniveau einstellt und sich ohne Widerrede und Widerstand dem Diktat der Unternehmer in der Lohnfrage und der Arbeitszeitfrage unterwirft. Es ist für sie eine Selbstverständlichkeit, daß die Lasten der Erfüllung und des verlorenen Krieges allein von den Arbeitern getragen werden müssen. Sie wollen desBedrückung der deutschen Arbeiter machen, um sich selbst zu halb das Sachverständigengutachten zu einem Instrument der entlasten.
Condon, 31. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Die Krise der zu der auch Loucheur gehört, eine lebhafte Tätigkeit in den frieden höchst einseitiger Natur. Sie wollen, daß die ArbeiterKonferenz erscheint nunmehr infofern überwunden, als die erste kommission am Donnerstag nachmittag den französischen Borfchlag über die Feststellung der deutschen Berfehlungen einstimmig angenommen hat. Bevor dieser Beschluß gefaßt worden ist, zogen bie englischen Vertreter ihren Abänderungsantrag zurüd. Aus dieser Tatsache ist zu entnehmen, daß der Rat der Sieben sich am Mittwoch mit der Angelegenheit befaßt hat und Herriot wahrscheinlich für die Zusicherung der Annahme feines Borschlages 3ugeständnisse anderer Art in Aussicht stellte. Als die erste Kommiffion auseinander ging, beglückwünschten sich die franzöfifchen und brifischen Delegierten zu dem Erfolg ihrer Anstrengungen. Da die zweite Kommiffion ihre Arbeiten bereits seit fast einer Woche a b geschlossen hat und ihr Bericht in der letzten Bollfihung schon verabschiedet wurde, hat nur noch die dritte Kommission, die sich mit der Transferfrage befaßt, ihre Entscheidungen zu fällen. Die Schwierigkeiten, die hier überwunden werden müssen, find nicht allzu groß. Diese Auffaffung wird auch von den Sieben vertreten, die am Donnerstag nachmittag um 4% Uhr nach dem Abschluß der ersten Kommission im Unterhause zusammentraten und sich u. a. mit der Einladung Deutschlands befaßten.
Paris , 31. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) In der dritten Kom. mission haben die englischen Sachverständigen sich gegen die von Frankreich verlangte Ausdehnung des Schiedsgerichtsverfahrens auf die Naturalleistungen und die Barüberweisungen ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung ist nunmehr den Delegationschefs überlassen
worden.
Nach einer Havas- Meldung foll in den Kreisen der Konferenz die Bagelam Donnerstag morgen sehr zuversichtlich beurteilt worden san. Ueber been Zeitpunkt der Berufung der deutschen Delegation ist allerdings auch bis zur Stunde noch fein bestimmter Befahluß gefaßt worden.
London , 31. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Der Erfolg der im ersten Ausschuß der Konferenz erzielten Bereinbarung hängt noch davon ab, ob der dritte Ausschuß ebenfalls zu einer Verständigung gelangt, da dieser Ausschuß noch einen Teil des französischen Kom promißvorschlages zu prüfen hat und da dieser Vorschlag nach französischer Auffassung ein unteilbares Ganzes bildet. Der dritte Aus schuß beriet bis spät abends über den ihn betreffenden Teil des fran zösischen Vorschlags, wonach das Schiedsgerichtsverfahren auch auf die Sachleistungen ausgedehnt werden soll, falls Differenzen zwischen den Alliierten und Deutschland über die Sachleistungen nach dem Jahre 1930 entstehen. Ebenso wünscht Frankreich schiedsgericht. liche Entscheidungen bei Meinungsverschiedenheiteen zwischen Deutsch land und dem Uebertragungskomitee. Die Aussichten auf Einigung auch im dritten Ausschuß werden als günstig angesehen.
Die Räumungsfrage.
Paris , 31. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Der Sonderforre. fpondent des Intransigeant" melbet feinem Blatt, daß die fran zösische Forderung, die Besehung der Zone von Köln über den 10. Januar 1925 auszudehnen, nicht nur bei der englischen Regierung auf nachdrücklichen Widerstand stoße, sondern auch die Belgier die Absicht, das Ruhrgebiet erst im Berlaufe von zwei Jahren zu räumen, aufs entschiedenste betämpften. Bel gien beabsichtige, feine Truppen so bald wie möglich zurückzuziehen. In den Kreisen der alliierten Regierungen in London nehme neuerdings der Gedanke greifbare Gestalt an, unmittelbar nach der Boll versammlung des Bölterbundes im September, d. h. spätestens im Oftober, eine neue Alliiertenkonferenz zur Lösung der Sicher heitsfrage einzuberufen. Dieser Konferenz werde wahrscheinlich auch die bisher ungelöst gebliebene Frage der Kontrolle der strate gisch wichtigen Eisenbahnen bzw. die von Frankreich gewünschte Einstellung von 4000 französischen und belgischen Eisenbahnern vorbehalten bleiben. Die, französischen Sachverständigen hätten den Eindruck, daß England in dieser Frage jedes Zugeftändnis
ablehne.
Die militärische Ruhrbesehung ist selbst von Poincaré nur mit der Notwendigkeit begründet worden, die Sanktionsingenieure, Zollbeamten usw. zu schüßen. Wenn diese mit der wirtschaftlichen Räumung verschwinden, hat also die militärische Besehung nach ihrer offiziellen französischen Zweckbestimmung fein Daseinsrecht mehr.
Die
London , 31. Juli. ( Eca.) Der Bariser Korrespondent des soziaListischen„ Daily Herald" meldet, daß in Pariser politischen Streifen eine allgemeine Mißstimmung über die Schwierigkeiten und die langsamen Fortschritte der Londoner Konferenz herrscht. Die Mißstimmung wird noch vergrößert durch die Preffecampagne gegen Herriot . Im Mittelpunkt dieser Campagne stehe Briand , der nunmehr offen auf den Kampfplatz getreten sei. Er fündigt an, daß das Kabinett Herriot in flirzester Zeit erlebigt sein werde. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so dürfte Briand die größten Aussichten haben, Nachfolger Herriots zu werden. In den Jepten Tagen hat die teine, aber sehr einflußreiche Briand- Gruppe,
Paris , 31. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Auf der am Donnerstag abend im überfüllten Saal des Trocadero von der sozialistischen Partei und von dem Gewerkschaftsbund veranstalteben Gedenkfeier zum zehnten Todestag von Jaurès sprachen u. a. für die italienische Bartei Turati, für Belgien Bandervelde, für Frankreich Léon Blum , für die französischen Gewerkschaften Jou haug und für die deutsche Sozialdemokratie Paul Lobe . Genosse Löbe führte wurde, u. a. folgendes aus: in seiner Rede, die wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen
geheiligten Boden betrete, so erfüllt sich damit die Sehnsucht meines Wenn ich zum erstenmal diesen durch große Freiheitsfämpfe Lebens, dn bem Drt zu weilen, von dem die Proklamation ber Menschenrechte in die zivilisierte Welt ging. Das erftemal hoffte ich als junger Handwerksgefell nach Paris zu kommen, es fam aber nicht dazu. Das zweitemal, im Trauerjahr der Menschheit, 1914, wollten wir hier bei Euch den Kongreß der Internationale abhalten. und dabei rechnete ich darauf, den Mann wiederzusehen, dem heute unser Andenten gilt, Jean Jaurès , den auch wir deutsche Sozialdemokraten als einen guten Franzosen, einen großen Sozia liften, einen edlen Menschen mit dem Herz voller Güte erklären. Bum erstenmal sah ich Jaurès bei dem Internationalen Sozialisten fongreß in Kopenhagen . Ergriffen und erschüttert standen wir alle, Franzosen und Deutsche , Engländer und Dänen, zu feinen Füßen, als er, der tapitalistischen Herrschaft zugewandt, mit einem Blid auf das Heer der Menschen ausrief:" Wehe Euch, wenn dieser Wall sich gegen Euch erhebt!" Was Jean Jaurès für Frankreich und den Sozialismus war, haben Berufenere in diesen Tagen ins Gedächtnis gerufen. Ich will nur sagen, was uns als Deutsche , als deutsche Sozialdemokraten, an ihm groß und unvergeßlich erscheint.
Ich sagte, Jaurès war ein guter Franzose.
Weil er sein Bolt liebte, haßte er den Krieg. Kann denn überhaupt jemand sein Land und sein Bolt lieben, der für den Krieg eintritt? Jaurès , der Menschenfreund, der Friedens freund, wurde getötet und mit ihm der Frieden, die Menschlichkeit. Entweiht lag das Menschentum am Boden, gebeugt, entwürdigt, zertreten.
Der Krieg befreite weder die einen noch die anderen, weder die Sieger noch die Besiegten von den Retten des Rapitalismus. Die Welt hat nicht genau genug verfolgen können, was bei uns in Deutschland nach dem Krieg vorging. Sie sah nur das Augenfällige, den politischen Zusammenbruch des alten Regimes. Aber parallel mit der politischen Befreiung ging die Verstärkung der wirt fchaftlichen Abhängigkeit, gesteigert durch den außen politischen Drud. Poincaré hat dafür gesorgt, daß unsere Rapitalisten den sozialen Gegensatz versteden können hinter den Gegensatz zur Entente.
Nun fieht es so aus, als ob der große demokratische Sieg vom 11. Mai, als ob Eure fluge außenpolitische Taktik diese Beriode abschließt und die Befriedung Europas beginnt. Da mit würde die Bahn frei für die sozialistischen Kämpfe der Zukunft; denn, was jekt in London beschlossen wird, ist vielleicht Befriedung, aber auch eine internationale Verknüpfung des Ka. pitals. Das Proletariat sieht, baß es dem Weltkapitalismus gegen übersteht.
Je internationaler das Kapital, um fo infernationaler unser Kampf.
Freilich in dem hohen Sinn, wie Jaurès den Internationalismus auffaßte: als ein friedliches Nebeneinander stolzer, ftarfer und
blühender Nationen.
Als die Schredensbotschaft von Tode Jaurès ' zu uns drang, sprach eine innere Stimme zu mir: Begrabe deine off nungen auf Paris , du wirst nicht den Tag erleben, wo der deutsche Sozialiſt nach Frankreich geht und Hände sich brüderlich ihm entgegenstreden. Und doch, eher als der fühnfte Gedanke es er warten fonnte, ist
der fünfflich gezüchtete unnatürliche Haß zurückgedrängt. In dieser feierlichen Stunde möchte ich die Hand eines jeden von Euch ergreifen und sagen: Laßt uns ein helles Haus für die Völker Europas bauen und laßt uns gemeinsam des großen Toten gedenken! Laßt uns rufen: Brüder, es lebe das Werf von Jean Jaurès !"
einigung deutscher Arbeitgeberverbände herausgegeben werDiesem Zwecke dienen zwei Schriften, die von der Berden. Die eine, die bereits erschienen ist, behandelt„ Die Lohnpolitik der deutschen Arbeitgeber", die andere, deren Erscheinen bevorsteht, Die Arbeitszeitfrage in Deutschland ", beides Programm und Berteidigungsschriften der sozialen Reaktion in Deutschland . Mit diesen Schriften will die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände nicht nur auf die deutsche Deffentlichkeit wirten, sie will vielmehr den Sachverständigen und den Ententeregierungen einreden, daß die Durchführung der Gutachten nur möglich sei, wenn die deutschen Unternehmer durch feine Borschrift des Gutachtens gehemmt würden, die deutschen Arbeiter bis zum Weißbluten auszubeuten.
Tatsächlich enthält das Gutachten der Sachverständigen Arbeiter wirksam werden müffen, damit gleichzeitig auch gegen Bestimmungen, die als Schutzbestimmungen für die deutschen . eine leberlastung des deutschen Boltes mit Reparationsverpflichtungen. Wenn alle Steuerkräfte Deutschlands bis an das Maß des Erträglichen angespannt sind, wenn eine Steigerung der deutschen Leistungen nur noch zu erreichen wäre Durch die Unterschreitung der Grenzen, die das Herabfinten von Lebenshaltung und Arbeitsbedingungen der deutschen Arbeiterschaft unter das internationale Durchschnittsniveau verhindern sollen, so ist nach dem klaren Sinn des Sachverständigengutachtens die Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit erreicht.
Die deutschen Unternehmer laufen gegen diese Grenzen Sturm. Sie sind erfüllungswütiger als die Sachverständigen, heischenden Reparationsgläubiger. Sie wollen jede soziale schlimmere Feinde der deutschen Arbeiter als die Erfüllung Grenze für die deutsche Leistungsfähigkeit durchbrechen und damit praktisch das Bolt in grenzenloses Elend hineingehen laffen. Diese volksfeindliche und antinationale Haltung verbinden sie mit verlogener nationalistischer Heze gegen die deutschen Gewerkschaften:
„ Die deutsche Arbeitgeberschaft weist darauf hin, daß der jahrelange Kampf der deutschen Gewerkschaften gegen die deutschen Arbeitgeber, die unsachlich vorgebrachten Vorwürfe der Lohnbrüderei und der Ausbeutung nicht ohne Eindruck auf die ausländische Konkurrenz und die ausländischen Regierungen geblieben sind, bie in dem ihnen aus deutscher Hand gelieferten Material die Begründung für ihre Versuche finden, das Sachverständigengutachten dazu auszunuzen, die deutsche Wirt. schaft für Menschenleben unter den Einfluß der ausländischen Konkurrenz zu bringen."
müht, der deutschen Arbeitgeberschaft in aller Deffentlichkeit den Vor" Seit Jahr und Tag haben sich die deutschen Gewerkschaften bewurf eines durch unerträglich niedrige Löhne ermöglichten Dum= wurf eines durch unerträglich niedrige Löhne ermöglichten Dum pings im Export zu machen. In bem Sachverständigenbericht treten die internationalen Wirkungen diefer furzfichtigen Politit deutlich zutage."
Das Sachverständigengutachten will in der Tat ein deutsches Dumping vermeiden und eine Borzugsstellung Deutschlands auf dem Weltmarkt verhindern. Dies ziel liegt durchaus auch im Interesse der deutschen Arbeiterschaft und der deutschen Bolkswirtschaft. Das Dumping, das DON Deutschland aus in der ersten Inflationsperiode im Erport betrieben worden ist und nun durch Lohndruck und Berlänge rung der Arbeitszeit fortgesetzt werden soll, hat der deutschen Bolkswirtschaft nicht genügt, sondern nur geschadet. Es hat die Leistungsfähigkeit der deutschen Arbeiter herabgesetzt, es hat die Dumpingabwehrbewegung in den anderen Ländern hervorgerufen, und es hat vor allen Dingen zur Berlotterung der Betriebsführung in der deutschen Industrie geführt. Mit Hilfe des Dumpings haben einzelne Privatwirtschaften Riesengewinne machen tönnen aber auf Kosten der Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Der Kampf gegen das Dumping war und ist deshalb nicht nur eine sozialpolitische, fondern auch eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit.
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Die Scharfmacher im Berband der deutschen Arbeitgeber fürchten die harte Prüfung, der sie sich unterziehen müssen, wenn Deutschland auf dem Weltmarkt zu gleichen Konkurrenzbedingungen um seine weltwirtschaftliche Position kämpfen muß eine Prüfung, die zur Gefundung der Betriebsmethoden in Deutschland bitter notwendig ist. sich dem Einfluß der ausländischen Konkurrenz entziehen,
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