Me.577 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 293
Bezugspreis:
Böchentlich 70 Golopfennig, monatlid 8,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland . Danzig , Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen , Euremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat
Der Borwärts mit ber Conniegs beilage Boll unb Reit mit Sied. Jung und Aleingarten fowie der Unterhaltungsbellage Seimmelt und Frauenbeilage erfcheint
Frauenftimme
wochentäglich aweimal Sonntags und Montags einmal.
-
Telegramm- Abreffe: Begialbemotrat Berlin
Sonntagsausgabe
Vorwärts
Berliner Dolksblatt
15 Goldpfennig
Anzeigenpreise:
Die etnipa Ittge Ronpareille Beile 0,70 Goldmart. Reflamezeile L- Goldmart. Aleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 0.20 Gold. mart( auläffig awei fettgebrudte Morte). iebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche bas erfte Wort 0,10 Goldmark fedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen file zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt. burch 4,20.
Angelgen für die nächste Summer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden. fraßes, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm.
Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dinhoff 292-295 Berlag: Donboff 2506-2507
Sonntag, den 7. Dezember 1924
Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3
Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Depoitentaie Lindenstraße 3
Es lebe die Sozialdemokratie!
Die Stunde der Abrechnung hat geschlagen!
Diese Stunde haben wir ersehnt, nun ist sie da, die heilige Stunde!" So jubelten die deutschnationalen AllDeutschen Blätter", als der Weltfrieg begann.
Dieser neue Wahlkampf ist ein Unglüd!" jammerte die ganze schwarzweißrote Gesellschaft, als die Reichstags= auflösung über sie tam. Möge er ihr zum Unglüd werden, wie sie es vorausgeahnt!
Denn diese Stunde haben wir ersehnt! Nun gilt es, sie zu müßen!
Es gibt heute noch viel zu tun, es muß früh angefangen
merden!
Wie Du selber zu wählen haft, weißt Du. Du mußt Dich aber auch darum fümmern, wie die anderen, Deine Haus= genossen und Nachbarn, wählen werden.
Wieviel Frauen und Männer gibt es wohl noch in Berlin , die, trotz allen Lärms des Wahlkampfs, auch in diesem
Untergang der Lügenbrut!
eigene Niederlage vorbereiten, die wohlverdiente! Wer so tief hinuntergestiegen ist, tommt nicht wieder
Partei durch neue Hochschutzölle das Brot verteuern will!| hätten begriffen, daß Parteien, die so fämpfen, nur ihre Er wird erwidern, daß die Sozialdemokraten vaterlandslose Gefellen sind und an feinen Gott glauben, daß sie den Dolchstoß in den Rüden des siegreichen Ludendorff ausgeführt haben und schuld an der Inflation waren.
Oder frage einen Kommunisten, welchen Sinn die Rüpelszenen im Reichstag hatten, wie die Arbeiter schaft durch Putscherei die politische Gewalt erobern soll und wie seine Partei nach ihrem Siege die deutsche Wirtschaft ordnen will! Er wird in die Tasche greifen, ein paar abgegriffene Flugblätter herausziehen und wird.... Wir nehmen an, daß fich unsere Leser die Wiederholung verbitten. Für die Frage, was zum Nugen des deutschen Voltes zeigten diese Herrschaften nicht das allergeringfte Intereffe. und der deutschen Arbeiterflaffe praktisch getan werden fann, Jeder Nachttopf intereffierte sie mehr!
Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß sich die
herauf.
Die Sozialdemokratische Partei hat es nera schmäht, ihren Gegnern auf ihren Wegen zu folgen. Wenn dieser Wahlkampf der unfauberste war, der in Deutschland jemals geführt wurde, so trifft die Schuld daran ausschließlich die Gegner. In diesem Berleumdungsfeldzug war die Sozialdemokratie nur Objekt, nicht Subjekt.
8
Die Sozialdemokratische Partei hat viel zu tun gehabt, um die Lügen ihrer Gegner zu widerlegen. Man hat sie aber dadurch nicht daran hindern können, polis tische Aufklärung in die Massen zu tragen. Sie hat von den wirklichen Aufgaben der heute zu wählenden Boltsvertretung gesprochen, und sie hat dabei ihren Hörern nüchtern und ernst die Wahrheit gefagt.
Augenblick noch nicht wissen, ob sie wählen werden, wie sie um Ludendorff , die sogenannten„ Nationalsozialisten im Frühjahr die Initiative ergriff, um die Annahme des
wählen werden?
Durch ein letztes Wort in letzter Stunde kannst Du sie Durch ein letztes Wort in letter Stunde kannst Du sie gewinnen!
Tuft Du es nicht, so wird es der Gegner tum!
Wieviel Frauen und Männer der Arbeit gibt es wohl noch, die, ohne zu wissen, was fie tun, hingehen und ins fommunistische oder ins deutschnationale Feld ihr Kreuz machen, bloß weil ihnen ein guter Bekannter oder auch ein UnbePannter, der ihr Vertrauen zu erwecken verstand, dies in aller legter Stunde geraten hatte?
Wie viele gibt es wohl, die teine eigene Meinung, feinen eigenen Antrieb haben, sondern warten, bis sie der eine oder der andere holt?
Wieviele Hausangestellte werden heute noch deutschnational oder volksparteilich wählen, wie es ihre Herr fchaft von ihnen verlangt?
Da muß noch in letzter Stunde der Hebel angefeßt wer den. Da eröffnet sich der Initiative unserer Genossinnen und Genoffen noch ein weites Feld.
Es gibt immer noch Leute, denen es schwer fällt, eine Klingel zu ziehen und mit Fremden ein politisches Gespräch zu führen. Aber die Partei darf in der Entscheidungsstunde Don jeder und jedem verlangen, daß fie diese Scheu überwinden und ihre Pflicht tun!
Hinein in den letzten Kampf! Lügenbrut!
Untergang der
Reinigung tut not! Sieben Wochen hat der Wahlfeldzug gedauert. Ganz Deutschland stinkt von Lügen!
Etwas fo Schmugiges und Erbärmliches wie die Methoden unserer gemeinsam operierenden Gegner pon links und rechts in diesem Kampf hat Deutschland noch nicht erlebt.
Der feindliche Generalstab hat nur noch mit Gasangriffen arbeiten lassen!
Keine Zitatenfälschung zu plump, teine Lüge zu dumm, feine Verleumdung zu schmierig, als daß sie nicht in fabrit. mäßiger Massenproduktion erzeugt und trommelfeuerartig gegen die Sozialdemokratie geschleudert worden
wäre.
Was tausendmal widerlegt ist, tehrt zum tausendstenmal wieder, als ob nichts gewesen wäre. Eine totgeschlagene Lüge wird sofort durch ein Dugend neue ersetzt. Blanmäßig wird der Versuch unternommen, jede sachliche Auseinanderfegung im Reim zu erstiden
Besser fonnten unfere Gegner nicht beweisen, daß fie eben fachlich überhaupt nichts mehr zu sagen haben, daß sie jeden wirklichen Kampf mit geistigen Waffen fürchten, weil sie in ihm ihre fichere Niederlage poraussehen. Darum die Belastung des Wahlkampfs mit soviel fleinlichem Dred, soviel Streit darüber, ob diefes oder jenes fozialdemokratische Blatt vor soundsoviel Jahren dies oder jenes geschrieben, ob dieser pder jener Sozialdemokrat dies oder jenes gesagt hat und wer an den Morden des Haarmann und des Angerstein schuld hat!
Nein, das war nicht erhebend! Soviel Geistlosigkeit Dom Moralischen ganz abgesehen wirft nieberbrüdend.
-
Versuche, einen Deutsch nationalen zu fragen, marum feine Partei am 29. Auguft zur einen Hälfte mit Ja und zur anderen mit Rein geftimmt hat! Er wird Dir darauf antworten, indem er ein gefälschtes 3itat über den Frieden aus dem Vorwärts vom Jahre 1916 vorträgt.
Oder frage ihn, wie er es verantworten fann, daß seine
munisten bewegten. Hier aber ist die Zerlegung schon fo offenfundig, ihre Wirkungen sind auch im Wahlkampf als Lähmungserscheinungen so deutlich geworden, daß man die Existenz dieser besonderen Sorte beinahe schon vergeffen hat.
Butschen werden fie nicht mehr, dafür wird schon das Reichsbanner" sorgen. Lügen fönnen sie auch nicht besser als die anderen, also bleibt ihnen nichts Besonderes. Von den drei großen Inflationsblasen ist die nationalsozialistische die erste, die geplakt ist. Die betben anderen werden folgen.
Die Art, in der sie den Wahlkampf führten, ist schon ein Zeichen dafür, daß auch bei ihnen die Bersegung begonnen hat. Sie haben feine Ideen, teine Ziele und teine Führer. Monarchie, Sowjetdeutschland, Revanchefrteg, Hergt, Tirpig, Ruth Fischer , Scholem weder ernst zu nehmende Gedanken, noch ernst zu nehmende Gestalten!
Hätten sie fachliche Ziele gehabt, so hätten sie sachlich fämpfen fönnen. Und hätten sie wirkliche Führer, so hätten die dafür gesorgt, daß den Lausejungen und Sudelfrigen das Handwerk gelegt worden wäre. Birkliche Führer
IN DIESEM ZEICHEN
फ्र
ㄓ
1S.PD 1
Die Sozialdemokratische Partei war es, die Sachverständigengutachtens zu erwirken, Rhein und Ruhr zu befreien, die Stabilisierung der Währung zu sichern und damit für einen Aufstieg der arbeitenden Massen zu erträglichen Lebensverhältniffen die Grundlage zu schaffen.
Sie wird im neuen Reichstag die Kraft, die ihr heute der Wille des Boltes verleiht, nügen, um die Republik zu verteidigen, poltsfeindliche Anschläge abzuwehren und den werktätigen Menschen den Weg zu befferen Zuständen zu bahnen, Sie wird mit den Mitteln der Verfassung die praktischen Intereffen des werftätigen Boltes vertreten, und sie wird das fun in dem Bemußtsein, damit dem höchsten Ziele der Menschheit zuzustreben.
Sie haben vor sieben Wochen die Auflösung jenes Reichstags, ,, Diese Stunde haben wir ersehnt!" Millionen mit uns! der durch Gefinnungslauf und wüsten Skandal zu einem Schandfled für Deutschland geworden war, mit Jubel begrüßt. Ihr Gefühl fagte ihnen, daß die. Stunde der Reinigung und Abrechnung gefommen war. Dieses Gefühl hat sie nicht getrogen! Der heutige Tag wird es beweisen. Untergang der Lügen brut! zum Sieg!
whin
Und ob die Welt voll Teufel wär' Und wollt' uns gar verschlingen:
Vorwärts
WERDEN WIR SIEGEN!
=
Leves wilken
Doch fürchten wir uns nicht so sehr- Es muß uns doch gelingen!