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Str. 608 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 310

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Berliner Volksblatt

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Sonnabend, den 27. Dezember 1924

Geheime Waffenlager oder nicht?

Effiziöse Erklärung gegen Herriot.

Durch WIB. wird mitgeteilt: Die der französischen Preffe ge­gebene Mitteilung, wonach der französische Ministerrat bereits jetzt die Unmöglichkeit, nach dem Friedensvertrag von Bersailles die Räumung der Kölner Zone am 10. Januar vorzu­nahmen, festgestellt hat, hat in weitesten Sch chien der öffentlichen Minung Deutschlands außerordentliches Befremden und tiefste Erregung hervorgerufen.

Zu der im gleichen Konmuniqué en halfenen Mitteilung, daß von der Interalliierien Militärfontroltommiffion bislang ver­heimlichte Waffenlager.neu entdedi fein, hört WIB. von unterrichteter Seite: Es ist hier vollkommen unerfindlich, inwiefern behauptet werden kann, es fi während der Generalinspektion das Be handensein von neuen, bisher verheimlichten Waffenlagern feft­

gestellt worden.

Es fann nur immer wieder mit aller Bestimmtheit er­Märt werden, daß bei den fat 1800 Kontrollb fuchen, die bisher er­folgt find, niemals überzählige und unzuläfige Waffen, fei es bei der Reichswehr , sei es bei der Polizei, gefunden worden sind.

Ruhr- und Köln - Räumung im Mai? Paris , 25. Dezember. ( WTB.) Die französische Regierung hat gefern die vom Kabine: tsrat gebilligte Note über die Räu mung der Kölner 3one dem englischen Botschafter in Paris , Ford Crewe, als Antwort auf die englische Note zugestellt. Echo Par's" ist der Meinung, es erg be fich aus dem Inhalt der beis den Poten, daß, obschon be beiden Regierungen darüber einig feien, e Bf hung der Kölner Zone am 10. Januar nicht aufzuheben, boch eine Meinungsverfdicderheit über das einzufd lagende Ber ahren bische. Tas Kabinett von London schlage vor, um tie Sibehaltung der Befehung zu red fertigen, folle nur von den Ber. tegenheiten gefprody n werden, die man den Kontrollkommis enen berritet habe. Die englische Regierung wolle Deutschland be milen das sie sich eine Meinung noch nicht gebildet habe, und a3 sie erst Stellung nehmen werde, wenn der Schlußbericht dr Kontrollkommission vorliege. Die französische Thele sei die folgende: Auf Grund der bereits vorliegenden Telberichte könne Deutschland schon jetzt der Mißachtung der militärischen Klausen des Friedensvertrags befuldigt

den. Es sei deshalb das beste, die Botschafterkonferenz zu be. euftragen, der deutschen Regierung den Bluß zu notifizieren, die Söker Zone so lange befeht zu halten, bis de Bedingungen des Friedensvertrages erfüllt sind. Echo de Paris" ist der Ansicht, de sich leicht ein kompromiß auf fo'gonter Grundlage finden loffen werde: Man fönne den Deutschen erklären, die Kölner Zone morde im Mai gräumt, und als Kompensation werde man die gleichzeitige Räumung des Ruhrgebiets anbieten. Tas Journel" ist weniger op'imistisch und erklärt, im Augen blid förme von einem Romprom B nicht die Rede sein. Man dürfe mit Deut'dland nicht verhandeln, son ern müsse ihm die abnehmen mitteilen, die es zu ergreifen habe. Eirige Morgen­

bber wollen wiss n bis die belgische Regierung den Stand

punkt der französischen Regierung teile

Der Kammerans chuß befragt Herriot. Paris , 25. Dezember. ( WTB.) Ministerpräsident Herriot hat dem Sammerausschuß für auswärtige Argelegerheiten Kenntnis von dm Ergebnis der Generalinspettion geben. Im mer auf der Be'rred ung hat dem Journal" zufolge 2 ou cheur lärt, man müsse über das Verhalten Deutschlan's feit der Ein­tang der Befriedun grafitif d's Rabinet's Herriot Klarheit as n. Außerdem müsse man wissen, ob Teutfc land die B din ngen erfüllt hebe, die in der More vom 29. September getsilt ren. Die Kommission hat ihren Perid terftetter beerftregt, diese en Fraen dem Mriferpräsidenten Herriot zur Bantwortung zu übermit In.

Paris , 25. Dezember. ( T11.) Der 2bg. Pauiter hat vor der Rammertommiffion für auswärtige Angel grnh: iten einen

die Interalliierte Kontrollkommission festgestellt habe, nicht ge schwächt. Im Gegenteil wolle man der Armee moderne Kampf mittel geben. mittel geben. Wenn unglücklicherweise ein neuer Roiflift aus­brechen würde, dann würde die Lege eine ganz andere sein, a's man gaube. Herriot erinnert an den Vertrag von Tilsit. Damals habe man geglaubt, daß Breußen entwaffnet sei, während es tats fächlich im geheimen seine Borbereitungen getroffen hatte. Derartige Möglichkeiten feien pca ben mi itärischen Führera Frankreichs genau geprüft werden. General Nollet fei auf seinem Beste 1 gewesen. Zur Frage der Räumung der Kölner 3 one zum 10. Ja nuar bomerfte Herrict: In dieser Frage werden wir genau jo wachsam sein wie in allen anderen Fällen. Wir wollen die Ent­scheidung der Botschafterkonferenz über den Bericht der Kontroll­tommission abnarten. Die letzten Eerichte der Kommission haben Enthüllungen enthetten, tie feinen 3 weifel an der Bedeutung cuffommen lassen." der in Deutsch and verborgenen Rüstungswerkzeuge

ne ved Heute Botschafterkonferenz.

Paris , 26. Dezember. ( WTB.) Die Botschaftertonferenz tritt, wie berichtet, morgen vormittag 11 Uhr zu einer Sigung zusammen, um von dem Bericht des Militärtomifees in Ver.

failles Kenntnis zu nehmen auf Grund der von der Kontroll­femmission gelieferten Teilberichte über die Ceneralinspektion in Deutschland . Wahrscheinlich wird die Botsch fterkonferenz sich über cine ete cinigen, die nicht vor den ersten Tagen des Januar in Berlin überricht werden wird.

" Brober Unfug".

tuning Ein deutlicher Wink an die Vorgesetzten!

Nachdem die Erklärung Herriots über die Räumung von Köln und die neu en deckien verheimlichten Waffenlager" befannt geworden ist, sieht sich sogar der deutschnationale Lokal- Anzeiger" veranlaßt, von dieser Waffenverheimlichung abzurücken. Er will die Sünde wider den Geist der Vertrags erfüllung zwar nicht ganz wahr haben, aber er muß doch. dieses Zugeständnis machen:

n

Das größte Waffenlager", das aufgefunden" worden ist, das waren doch, wenn wir die Zahlen recht in Erinnerung haben, 3 wei Duhend Karobiner und vierzig Teile von M.- G.s, die irgend ein übereifriger Schwadronschef oder vielleicht auch nur Rammerunteroffizier über die reglementsmäßigen Bände hinaus als heimlichen Vorrat der Schwadron gerettet hatte. Der artiges femmt in allen Armeen vor; es ist überall ein gewiffer Stolz der einzelnen Ferma.ionen, wann sie der Aufsicht ein Schnippchen Schagen und besorgte" Mehrbestä.de mit liftigen Augenblinzeln Dertrauenswürdigen Besuchern zeigen fönnen. Unter den heutigen Umständen, wo wir unter dem D.tot schonungsloser, fein echt fenender Feinde stehen, ist es cin grober Ufuj, der den Vorgesetzten fehr energie Maßnahmen ur ich macht....

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Unser Landesverrat".

o Der Vorwärts" und der Magdeburger Prozeß.

Im Magdeburger Prozeß spielte auch der Vor­märts" eine nicht unerhebliche Rolle. Und zwar war es ge­mertem Ungeschick immer wieder auf ihn zurückkam in der rode die deutschnationale Verteidigung, die mit bemerkens­Meinung, dadurch die Gegenseite belasten zu können. Jetzt, nach Abschluß des Prozesses, stellt sich heraus, welch großen Fehler sie damit begangen hat. Denn in dem Streben, die Vertretung der Streifenden gegenüber der Regierung zu über­nehmen und ihre Forderungen zur Grundlage von Berhand­lungen zu machen, war der Borwärts" hinter dem Partei­vorstand nicht zurückgeblieben, sondern taktisch noch ein Stück vorausgegangen, dennoch wurde damals das gegen ihn eingeleitete Ver ahren wegen Landesverrat ein­gestellt! Diese Einstellung bildet heute die schärfste eine offenbare Meinungsverschiedenheit zwischen dem Magde­ritit an dem Magdeburger Urteil. Es besteht burger Schöffengericht vom Dezember 1921, bas in jeder Be­teiligung am Metalfarbeiterstreit während des Krieges den ftrafrechtlichen Tatbestand des Landesverrats gegeben sah, und dem Oberreichsanwalt vom Februar 1918, der diesen Tat­bestand nicht gegeben fah und deshalb das Berfahren ein-, ftellte.

damalige Verfahren eingeleitet worden, hatten die Sache ter Landesverteidigung nicht nur von Beginn des Krieges an mit der Feder, sondern auch draußen mit ihrer Berson vertreten, einer von ihnen war schwer verwundet, Der andere frant aus dem Felde zurückgekehrt. Vermutlich hat dieses Umstandes wegen auch die Oberste Heeresleitung, wie im Magdeburger Brozeß erwähnt wurde, den beiden ,, Landesverrätern" sagen lassen, daß sie dem gegen sie ein­geleiteten Verfahren gänzlich fernstehe. Auch sie, der man allzu großen politischen Scharfsinn wahrhaftig nicht nachlagen fonnte. hate verstanden, was das Magdeburger Schöffen­gericht nicht verstanden hat.

Die beiden Redakteure des Vorwärts", gegen die das

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Als der Munitionsarbeiterstreit ausgebrochen war und Mitglieder des sozialdemokratischen Parteivorstandes in die Streifleitung eingetreten waren, befand sich der Vorwärts" gewiß in einer eigenartigen und verwickelten Situation. Der weifrontenfrieg, den er, wie die ganze Partei, damals zu führen hatte, war in ein überaus kritisches Stadium einge'reten.

Der Borwärts" trat für die Landesverteidigung ein, um das deutsche Volk vor der Niederwerfung durch eine ungeheure Uebermacht zu schüken. Die Landesverteidigung war aber gefährdet durch die Fehler der politischen und der militärischen Führung, die hier bekämpft wurden, was viele Konflikte mit der Zensur zur Folge hatte. Wir waren der Meinung, daß der Krieg, der nun einmal da war, nicht mit einer Niederlage Deutschlands enden sollte, und daß angesichts der gegebenen Kräfteverhältnisse das Vermeiden einer Niederlage eine ganz ungeheure und gar nicht möglichen, forderten wir 1. die Sicherung einer noch aus­mehr zu überbietende Leistung war. Um diese Leistung zu er­2. Hebung der moralischen Kräfte durch Anerkennung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, 3. Auf­wand alles diplomatischen Gefchids, um noch vor der voll­fommenen Erschöpfung einen billigen Berständi­

Wir sind jaweil der Spuf der Landesverratsprozesse noch immer umgeht nicht in der Lage, öffentlich nachzureichenden Ernährung für die ganze Bevölkerung, weisen, daß die Angabe des Lokal- Anzeiger" über das größte Waffen'ager nicht ganz stimmt. Aber so weit der letzte Satz seiner Ausführungen in Frage tommt, fönnen wir ihm ausnahmsweise einmal ganz zustimmen: Dem groben Unfug der Waffenverheimlichungen sollten die miligungsfrieden herbeizuführen. tärischen Borgesetzten mit energischen Maßnahmen zu Leibe gehen. Und wir dürfen hinzu, ügen: Wenn das bisher schon immer und überall mit dem notwendigen Nachdruck erfolgt wäre, so würde dem Deutschen Reiche manche Blamage und jetzt auch die Verlängerung der Besetzung erspart geblieben sein. Aber wenn schon die Hugenberg- Bresse energische Maß­nahmen" fordert, dann werden sie hoffentlich bald ergriffen, um weiteres Unheil abzuwehren.

Sieg des albanischen Aufstands. Die Hauptstadt besetzt. Belgrad , 25. Dezember. ( Agentur Avala.) Es wird amtlich be. Pätigt, daß die Truppen 2dmed Begus Tirana nach erbittertem Widersand der Anhänger des bisherigen Ministerpräsidenten Fan Nois be'ert laten.

Bricf Herriots über die Entwaffnung Deutschlands Dorlesen. Herriot teilt dorin mit. daß er einen off ziellen B richt der Kontrollkommision noch nicht erhalten habe, daß er aber bestimmt hoffe, der Kommission Mitte Januar erschö fende Auskünfte über die deutsche Abrüstung geben zu tönnen. Aus den bereits porliegen den Meldungen gehe indessen hervor, daß Deutsch and ver­Aus Prizren wird berichtet, daß die von Bayram Tfur befch­fiebene Vorstellungen der Verbündeten über feine Abrüung un fgten Regierungstruppen im Norden Fortschritte machten und beachtet gelaffen hab: Herr et weist insbesondere auf die Ver de Linie Kulaß- Liumcuola- Bisane wieder befekten. Bersten größerung des Ceneralfabs und die Verstärkung Immerhin gla bi man nicht, daß dieser Erfolg den entscheidenden der Polizeimannichaften hin urb bauptet auferdom, Sing Achmed Rogus in Frage fellen könnte, deffen Anhänger gegen ta durch die Firma Krupp die Herstellung von Gewehren wärtig ganz Mittel- Albonien befeht helten und tie wichtig. erfolgt sei. ften Verkehrswege beherrschen. 3ogu sandte in aller File Verfärfunnen nach Norton, Glaubt Serriot denn wirklich an eine dent che Ge'ahr? Paris , 26. Tezember.( Cca.) Ministerpräsident Herriot erflärte einem Bertreter der 2zence helga", die franzöfifche Armee fei durch die neue Organisation, die sie erhalten werde, gegenüber Deutschland , dessen Haltung weiter be unruhigend sei, wie dies

Paris , 23. Dezember. ( B) Chicago Tribune" moldet aus Dura 30, die Aufstärdischen in Albanien hätten rach der Einnehme von Tirana ben su lebenslänglichen Buchhaus verurteilten Wör der eines Amerikaners in Freiheit gelegt. Der amerikanische Gesandte habe unverzüglich dagegen protefilert.

Das war die Landesverteidigungspolitik des Borwärts" und der Partei, die er vertrat. Sie wurde von den Natio= nalisten fabotiert, bis die Katastrophe hereinbrach. Er­nährung? Die Landwirtschaft leistete und lie erte nicht, was sie bei befferem. Verständnis und besserem Willen hätte leisten und liefern können! Gleichberechtigung? Sie wurde mit zähem Trotz verweigert. Hunderttausende waren draußen schon als Preußen dritter Klasse ge­fallen, und noch immer hatten die großen Herren nicht so viel Scham, ein Wahlsystem zu beseitigen, das den Soldaten nach seiner Heimfehr noch entrechtete, den Schieber aber zum Wähler erster Klaffe erhob. Berständigungs­frieden? Auf diese Forderung antwortete der heifere Schrei der Berrückten, die das Schwert notabene, das Schwert, das andere führten nicht in die Scheide stecken sollten, solange nicht Belgien , die Randstaaten, der Mond und einige umliegende Ortschaften eingedeutfcht" waren.

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Wenn wir also sagen, daß wir während des Krieges die Landesverteidigung geführt haben, so müssen wir hinzufügen, daß diefe Landesverteidigung etwas ganz anderes war, a's das, was die Ludendorff , die Tirpitz, die Claß, die Gebfattel darunter verstanden.

Nun fam der Januarstreif. Wenn er uns etwas fehr unerwünschtes war, so gewiß nicht deshalb, weil wir den nationalistischen Verderbern einer wirklichen und aussichts­reichen Landesverteidigung eine geftion mißgönnt hätten. Unerwünscht war uns der Streif deshalb, weil er feiner urspringlichen Anlage nach nur zwei Möglichkeiten zu eröffnen dien Entweder er wurde von der Militärgewalt niedergeknüppelt oder aber er verbreiterte sich so und dauerte