Einzelbild herunterladen
 

Nr.98+42. Jahrgang und Alstom

Ausgabe A nr. 50

Bezugsvreis:

öchentlich 70 Bfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland , Danzig . Saar - und Memelgebiet, Defterreich, Bitauen. Buremburg 4,50 Reidsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat.

-

Der Borwärts" mit ber Gonntags beilage Bolf und Reit mit Sied­Tung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal.

Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin

Morgenausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

10 Pfennig

Anzeigenpreise:

Die einfpaftiae. Nonparelite geile 70 fennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 20 Biensia ( auläffia awei fettgedruckte Worte). tebes weitere Bort 10 Bfennig. Stellengesuche bas ezite Bort 10 Pfennig. jedes meitere Bot! 5 Pfennig. Borte über 15 Bush­ftaben zählen für zwei Merte, Familienanzeigen für Abonnenten

Beile 30- Pfennig.

Anzeigen für die näe Rummuter müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden­ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nam.

Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Töuboff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507

Freitag, den 27. Februar 1925

Leichte Besserung im Befinden Eberts

Neue Hoffnungen der Aerzte.

Um 6 Uhr abends wurde amflich gemeldet: Das Befinden des Beichspräsidenten hat sich im Laufe des heutigen Tages mejent­lich gebessert. Der Zustand ist aber immerhin noch als ernst ju bezeichnen.

Wie wir erfahren, haben die Aerzte um 9 Uhr abends feft­gestellt, daß das Befinden des Reichspräsidenten nicht wesentlich verändert war. Man konnte jedoch die Krije noch nicht als über.

wunden bezeichnen; das wird sich erst im Laufe der Nacht erkennen

Laffen. Jedenfalls ist eine Verschlechterung nicht zu verzeichnen; ein günstiges Zeichen ist es, daß die Störung der Darmiätigkeit, die nach einer solchen Operation ganz natürlich ist, behoben iff. Bis Mitternacht war die erwartete Temperaturfteige. rung erfreulicherweise ausgeblieben und die Her3tätig.

feit andauernd normal.

Der Sozialdemokratische Preiſedienst" meldet:

Die Krise in dem Gesundheitszustand des Reichspräsidenten war am Donnerstagabend 9 Uhr noch nicht überwunden. Die behan delnden Aerzte gaben zu dieser Zeit jedoch der festen Hoffnung Ausdruck, daß es ihnen gelingen wird, den Reichspräsidenten am Leben zu erhalten. Im Laufe des Donnerstags ist gegenüber dem Gesundheitszustand in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag,

1220

Ebert zwei Stunden lang in Lebensgefahr [ webte, eine wesentliche Besserung eingetreten.

Die gestern, Donnerstag, mittags erst Wenigen bekannt gewordenen und bald mit Bligesschnelle verbreitete Nachricht, Daß bei dem franken Reichspräsidenten eine Bauchfellent zündung aufgetreten fei, hatte eine alarmierende Wirkung. Man sprach, wo fich Bekannte trafen, zunächst ausschließlich vom Reichspräsidenten, und das im Ton ernstester Besorgnis. Regierungsbeamte und Zeitungsleute wurden mit Anfragen bestürmt. Aber man merkte es den Fragern an: nicht müßige Neugier trieb fie, es war tiefe Sympathie mit der Person des Kranten, ernste Besorgnis um die Folgen einer schlimmen Wendung für die Deutsche Republik.

Aus der Fassung der amtlichen Meldung von gestern vormittag haben viele den Schluß gezogen, daß das Bor­handensein der Bauchfellentzündung schon bei der Operation

selbst bemerkt worden sei. Man erhob deshalb Vorwürfe da­gegen, daß diese doch nicht zu verschmeigende Komplitation der so gespannt horchenden Deffentlichkeit nicht gleich mitge­teilt worden ist. Indessen merden die Aerzte gewiß wohl ihre Gründe dafür gehabt haben und in diesem ernſten Stadium eines Menschenlebens hat der Arzt diktatorische Ge­malt und muß sie haben im Interesse des Kranken selbst, dem er wieder zur Gesundheit verhelfen will. Meldung überhaupt nicht erschienen; die Aerzte hatten nach Ueber den Befund von 9 Uhr abends ist eine amtliche der Bekanntgabe des 5- Uhr- Befundes die Absicht, erst heute, Freitag, vormittag wieder einen Bericht zu veröffentlichen. Daraus mußte man ihre Ueberzeugung schließen, daß in der Nacht eine entscheidende Wendung in der Krise nicht mehr zu erwarten sei. Was wir am späteren Abend erfahren und oben mitgeteilt haben, scheint diese Annahme der Aerzte durch aus zu bestätigen.

-

Noch ist die Krije nicht überwunden alles hofft, daß sie mit dieser Nacht auch schwinden und der ungestörte Ge­nefungsprozeß einsetzen wird.

Kundgebung des Reichsrats.

Die gestrige Sitzung des Reichsrats eröffnete der Reids­minister des Immern Schiele mit folgenden Worten:

Seit einigen Tagen bewegen uns alle ernfte Nachrichten über die Erkrankung des Herrn Reichspräsidenten ( die Mit glieber des Reichstats erheben sich). Der Herr Reichspräsident hat fich einer fchweren Blinddarmoperation unterziehen müssen. Wäh­rend die ersten Tage günstige Nachrichten bringen fonnten, ist doch inzwischen eine Komplitation eingetreten, die uns ernste Besorgnisje nahelegt. Ich habe joeben auf eine Anfrage die Mitteilung befam men, daß die krisis noch nicht überwunden ist. Ich fühle mich mit Ihnen eins in dem Ausdruck aufrichtiger Teilnahme und in dem Wunsche, daß der Herr Reichspräsident die Krisis überstehen und recht bald wieder der vollen Gesundheit entgegengeführt werden möchte. Ich bitte mich zu beauftragen, dies dem Herrn Reichs: präsidenten persönlich zum Ausdrud zu bringen. Die Vollmacht ist gegeben. Darauf trat der Reichsrat in die jachlichen Berhandlungen ein. Deutschland und das Arbeitsamt. andere Staaten sagen, die den gleichen Betrag wie Deutsch land zahlen und bei weitem nicht eine gleich starke Bertretung haben! Direktor Thomas antwortet den rechtsdeutschen Kritikern. Ich kenne die soziale Bedeutung Deutschlands , ich lenne feine lang Genf , 26. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Unser Kor- jährigen Traditionen auf dem Gebiete der Sozialpolitik und habe respondent hatte eine Unterredung mit Albert Thomas , mich immer bemüht, ihm einen bedeutenden Blaz im Amt zu der von einer Informationsreise nach London zurückgefehrt ist. sichern, ohne mich genau an das proportionale Verhältnis feines Thomas äußerte sich zunächst zur Ratifizierung des Washing Beitrags zu halten. Um so merkwürdiger berühren mich diese toner Abkommens über den Achtstundentag: neuen Klagen und Forderungen in einem Augenblid, wo ich Im Gegensatz zur franzöfifchen und deutschen Regierung hat die englische Regierung bisher noch keinen Beschluß veröffentlicht. Doch ist entgegen anderslautenden Nachrichten ihre Stellung burchaus nicht entschieden ablehnend. Meine Unterredungen mit den verschiedenen Kabinettsmitgliedern haben mich in meiner Meinung bestärkt, daß die englische Regierung ernstlich um die Ratifizierung bemüht ist. Die englischen Gewerkschaften stehen nach wie vor ge­schlossen ein für die baldige Ratifizierung und ihre Verhandlungen mit der englischen Regierung sind aussichtsreich.

-

-

In Frontreich ist die Ratifizierung gesichert, und ihre In­traftfegung wird lediglich von dem Entschluß Deutschlands ab­hängen, auch zu ratifizieren. Ich habe aus meinen wiederholten Be­sprechungen mit Dr. Brauns die Ueberzeugung gewonnen, daß er eine baldige Ratifizierung ernstlich anstrebt.

einen Deutschen zum Seffionschef ernannt habe und damit einem langjährigen deutschen Wunsche nachge­fommen bin.

Genau so verhält es sich mit der Sprache. Die Vorgänge auf der Internationalen Arbeitskonferenz 1922 sind bekannt. Ich er­innere an den Beschluß des Verwaltungsrats, die Möglichkeit einer Berwendung der deutschen Sprache für die Arbeiten des Amts nach zu prüfen, an den ich natürlich gebunden bin. Im übrigen hat das Arbeitsamt bei allen Veröffentlichungen die deutsche Sprache in weitestem Maße berüdsichtigt. Wir haben auch während der Inflotionsjahre, wo Deutschland teine Beiträge zahlte, alle wesentlichen Bublikationen ins Deutsche über tragen und gerade jetzt wird eine große Arbeit über das Versiche­rungswesen ins Deutsche überfeit.

Ich bin bis zur Grenze des Möglichen gegangen, innerhalb der mir vom Verwaltungsrat gezogenen Grenzen, um die Ulebertragungen ins Deutsche durchzuführen. Aber die

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3

$ 1

Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3

Der Bismarck- Skandal.

Bleichröder , die Discontogesellschaft und Bismarck .

In der Abwehr gegen das Standalgeschrei der Rechts­presse veröffentlicht Kurt Heinig im Berlag für Sozial- i wissenschaften ein Buch über die Finanzskandale des Kaiserreichs. Mit der Erlaubnis des Verlages drucken wir aus diesem Buch folgendes Kapitel ab:

3mei der ganz großen Geldmacher, die Discontos Gesellschaft und Bleichröder , gerieten Mitte der 70er Jahre ziemlich heftig aneinander. Das jührie zu ganz eigenartigen Konsequenzen. Die Bleichröder- Preffe, die zum Teil durch den von Bleichröder verwalteten Belfenfonds juh­ventioniert wurde, ließ Nachrichten durchsichern, daß die Dis invalidenfonds glänzende Geschäfte gemacht habe conto- Gesellschaft bei der Gründung des Reims­Man habe für das gute Goldfapital zu hohen Kursen schlechte Papiere von Gründungen der Disconto- Gesellschaft abgegeben. Das Invalidenfondsgesetz hatte die Anlegung der zur Verfügung gestellten drei Viertel Milliarde Gold vorgeschrie ben. Zu einer Zeit, als es die offizielle Reichsparole war, keine Zinsen zu verlieren", erschien es dem Reichstag felbfi­verständlich, daß jenes Geld in fragwürdige private Eisenbahn­prioritäten umgewandelt wurde! Es kam zu einem boden­losen Standal, well unwidersprochen behauptet wurde, daß Bismard den Befehl zum Anfauf jener Papiere erteilt habe. Es wurde öffentlich nachgewiesen, welche horrenbe Summe fauler Papiere die Disconto- Gesellschaft dem Reichsfonds ge liefert hebe. Zuletzt wurde auch dieser Lärm, weil zuvieí Leute in prominenter Stellung dabei beteiligt maren, in den Barlamentsfommissionen eritidi.

24

Die Disconto- Gesellschafts- Presse rächte sich für die Auf­dachungen der Schiebungen, die mit den Geldern, des inves liden Fonds"-wie damals spottens gejagt wurde gemacht. morden waren. Es begannen Enthüllungen über Bismard Geschäfte. Die Kreuz- Zeitung ſtand dabei im Bordergrund. Sie ging wild darauf los. Bleichröder habe schon früher für Bismardipefuliert. Und der fonservative Diest- Daber behauptete, daß Bismard durch Bleichröder an der Gründung der verrufenen Preußischen Central Bodentredit A.-G. beteiligt worden fei. In den Zeitungen wurde monatelang bis in die kleinsten Details erzählt, was Bismard alles für fabelhafte mehr oder weniger saubere Geschäfte gemacht habe.

"

Der sozialdemokratische Boltsstaat" schrieb 1876 monate­lang in jeder Nummer: Er hat noch nicht geflagt!" Und der Nationalheros, mit dem sich die Gerichte wegen der vielen Bismard- Beleidigungen, die sie zu erledigen hatten, beinahe ebensoviel beschäftigte wie mit dem Kaiser wegen der Majestätsbeleidigungen nicht. Er ließ die Borwürfe auf sich figen. Als er im der Nationalheros flagte Reichstag, wegen dieses merfmürbigen Umständes wieder ein mal angezapft, nicht mehr ausweichen fonnte, erkläre er, daß die berühmtesten Juristen ihm gesagt hätten, die Artikel über feine angeblichen Geldgeschäfte seien so geschickt abgefaßt, daß man gerichtlich dagegen nicht vorgehen fönne! Man überlege sich einmal, was heute unfere nationale Presse zu einer solchen Ausrede irgendeines republikanischen Ministers sagen würde. Sie würde von Geifer überlaufen, fie würde den vollen Beweis für ihre Anschuldigungen ge funden zu haben glauben, weil der Berleumdete eine Klage für muglos hält. Es wird einem schon fpeiübel, werin man an unsere sogenannte moralische Breise auch nur denti!

M

Der Bismard Standal warf noch monatelang seine Dredsprizer überall hin. Da die Getroffenen sich meist burch fleine Indiskretionchen rächten, so wäre es leicht, heute ein ganzes Buch der Erbaulichkeiten über das Leben der da­mais regierenden und herrschenden Gesellschaft zu schreiben.

Wenn die einen um nur noch einige fleine Szenen aus jenen moralischen Duellen zu schildern, schließlich darauf hingewiesen hatten, daß der Posten des ersten Rates im Staatsministerium, der mit dem Bor.rag beim Kaiser verknüpft war, beinahme schon traditionell von Beuten besetzt sei, die namentlich der Disconto Gesell­schaft nahe stünden oder nahe gestanden hätten, so antworteten die anderen spöttisch, daß Bleichröder für Kreuz erhalten habe.

Aber warum müssen gerade in dem Augenblick, wo wir eine Parallelbewegung zugur.ften der Ratifizierung durchführen, die auf eine Intime Busammenarbeit mit dem Internationalen Arbeitsamt gegründet ist, alle jene Schwierigkeiten wieder aufleben, die ich seit meiner Berliner Reise für überwunden hielt? Ich denke dabei an die Debatten im Hauptausschuß und im Plenum des Reichs: Arbeitsamt. Ich gestehe, daß ich über den Versuch sehr erstaunt aber, daß in einem derartigen Fall sofort ähnliche Forderungen für Das führte dann etwa wieder dahin, daß eine öffentliche Auf­

war, die Bezahlung diefer rückständigen Beiträge mit einer Vermeh rung des deutschen Personals im Arbeitsamt und der Anerkennung der deutschen als dritter amtlicher Sprache zu verbinden. Ich hätte verstehen können, wenn man diese Einwände in dem Augenblick ge­macht hätte, wo wir, im Einvernehmen mit der deutschen Regierung, den deutschen Beitrag fest setzten Aber heute, wo es fich darum handelt, eine Schuld abzutragen, deren Höhe gemeinsam und phne besondere Bedingungen festgesetzt wurde, verstehe ich diefes Borgehen nicht mehr.

Glauben Sie, daß vom Standpunti einer Berwaltung oder auch ſelbſt nur vom rein geschäftlichen Standpunkt aus eine solche Art und Weise möglich ist? Ich glaube nicht, daß die an uns geübte Stritit gerechtfertigt ist. Man wirft uns vor, daß wir Deutschland nicht die Zahl von Beamten im Arbeitsamt im entsprechenden Ber­Fältnis zu feinem Beitrag zugestanden haben. Was sollen denn

Annahme des Deutschen als offizielle Amtssprache hängt nicht von mir ab.

Diese Forderung muß vor die Konferenz gebracht werden. Ich fürchte das

schon 1922 geschah. Die Entscheidung hierüber hängt von der Ge­famtheit aller Mitgliedstaaten des Arbeitsamts ab.

Ich will Ihnen nicht verhehlen, sagte Albert Thomas zum Schluß, daß mich de underdienten Kritiken der letzten Zeit über rascht haben, aber ich bin gewiß, daß mit etwas gutem Willen

alle Schwierigkeiten irwunden werden können.

rechnung der Gewinne der Disconto Gefell. schaft erfolgte. Man wies ihr nach, daß ihre Inhaber von 1869 bis 1875 zehn Millionen Goldmark verdient hatten, daß der Berwaltungsrat ebenfalls an Tontieme zwei Millionen einzujäckeln verstanden hatte, und daß die Aktionäre rund fünfzig Goldmillionen Dividende bekommen hatten. Der fluge Miquel, der ja vier Jahre Miteigentümer der Disconto­Gesellschaft war und der dann als Don 1869 bis 1873 Vorsitzender des Verwaltungsrates im Goldfluß mitfchwamm, Genf , 26. Februar. ( WTB.) Das Bölferbunds- stedte einige Goldmillionen ein. Das genierte ihn lekretariat teilt mit, daß es eine Note der Reichsregierung er- aber nicht, dabei zugleich und dazwischen Parlamentarier zu halten hat, in der diese gegen die Fortdauer der franzöfifchen sei. Als das Zentrum ihm seine Doppeleriſtenz als Barle­Truppeub fegung im Saargebiet protestiert. Dieje mentarier und Disconto Mann vormari, erklärte er, daß er Note soll, wie das Böllerbundssekretariat mitteilt, vom Völkerbunds- die Millionen nicht als Mitschieber, sondern für tat auf seiner Märztagung geprüft werden. juristische Gutachten betommen habet

Deutscher Saarprotest.

-