Nr. 122 42. Jahrgang Ausgabe A nr. 62
Bezugsvrets:
Böchentlich 70 Bfennig, monaffich Reichsmart Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland , Danzig Saar - und Memelgebiet, Desterreich, Litauen . Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat.
-
Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Gieb. lung und Kleingarten sowie ber Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal.
Morgenausgabe
Vorwärts
Berliner Volksblatt
10 Pfennig
Anzeigenpreite:
Die einipaltige Nonpareille. geile 70 Pfennig. Reflamezeile 4, Reichsmart.„ Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( zuläffa zwei fettaedruckte Worte), fedes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erite Wort
10 Bfennia. jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Bud ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 30 Blennig.
Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm.
Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands
Verlag: Dinhoff 2506-2507
Freitag, den 13. März 1925
Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3
Postscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellichaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3
Die bürgerliche Sammlung gescheitert.
Der Loebell- Ausschuß gesprengt.
Marr- Hellpach- Jarres als Kandidaten aufgestellt.
M
deutschen Volkes und den fünftigen politischen Kurs in Deutsch land beſtimmen zu wollen. Wie einst die Kapp- Regierung, wollte er den Diktator Deutschlands spielen- aber heute wie damals war feiner da, der sich von ihm diftieren lassen wollte. Wie einst in der Kapp- Regierung hatten die Macher dieses Ausschusses einen Mann, den sie selbst für keinen wirklichen Mann hielten, und wie einst die Kapp- Regierung suchten sie
Nachdem die Demokraten befchloffen hatten, der Kandidatur| dieser Vermischung der Präsidentschaftskandidatenfrage mit| gierung maßte er sich an, den fünftigen Repräsentanten des Gehler zuzustimmen und im Zentrum bereits eine Mehrheit den politischen Plänen der Bürgerblodanhänger tritt der für diese kandidatur zu bestehen schien, fam es gestern abend im starte Mangel der Rechtsparteien an VerLoebell- Ausschuß zu einem eru sten konflikt. Den antwortungsgefühl gegenüber dem Staat und gegen äußeren Anlaß dazu gab eine Forderung des Zentrums auf eine über der Person des fünftigen Reichspräsidenten zutage. Stunde Bedenkzeit. Die schroffe Ablehnung der In der Art und Weise aber, wie die Rechtsparteien unter Benutzung des Loebell- Ausschusses dies politische Manöver durchgeführt haben, zeigt sich ihre pollendete poli. tische Unfähigkeit.
stellen.
Forderung veranlaßte Zentrum und Demokraten, den Loebell. Ausschuß zu verlassen. Der Ausschuß war damit geSprengt. Der Rest beschloß nunmehr, Dr. Jarres aufzustellen. Unmittelbar darauf beschloß der Parteiausschuß des Zentrums Nun hat sich der Ausschuß des Sammlers Loebell einstimmig, als Präsidentschaftskandidaten des Zen- glüdlich auseinandergesammelt. Wenn Lächer frams den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Marg aufzulichkeit politisch töten würde, so wären die Männer und Bar Die Demokraten beschlossen die Aufstellung von Dr. Hell. teien der Rechten, die in diesem Ausschuß den Ton angegeben haben, heute politisch mausetot. Ihre Berhandlungen vom Mittwoch waren schon bunt und lächerlich genug, und doch Die Wirtschaftspartei hat sich der kandidatur des Loebell- nichts im Vergleich zu dem, was sie gestern geleistet haben. Die trodene und nüchterne Aufzählung des Ganges der Berhandlungen vom Donnerstag ist für jeden politisch Dentenden die Quelle eines unauslöfchlichen Gelächters. Wir erzählen den Gang der Verhandlungen nach den Berichten, die die Beteiligten felbst darüber ausgegeben haben:
pach.
Ausschusses wieder angeschlossen.
Der Vertreter der Bayerischen Boltspartei ist ab gereift. Man spricht von einer Kandidatur eight
Die Sozialdemokratie wird im Präsidentschaftswahltampf getragen von dem festen Willen zur Republic. Sie will dem Deutschen Reiche einen Präsidenten geben, der ein würdiger Repräsentant des deutschen Volkes ift. Sie hat Otto Braun als Präsidentschaftskandidaten aufgestellt. Otto Braun ist der bewährte Staatsmann, dessen ruhiges Abwägen der staatlichen Notwendigkeiten, deffen unbefangener Blick für die Interessen des ganzen Boltes, dessen Pflichttreue und hingebende Tätigkeit für die wahren Interessen des Staates bis weit in bürgerliche Kreise hinein noch bis in die letzten Tage gerühmt worden ist.
Die Sozialdemokratie war nicht nur bemüht, dem Bolte als Präsidentschaftskandidaten eine würdige Persönlichkeit mit dem Formate eines großen Staatsmánnes zu präsentieren. Sie hat Wert darauf gelegt, die Aufstellung und Nominierung ihres Kandidaten in würdigen For men zu vollziehen. Ihre Beratungen haben sich weder in jenen tumultuösen, reklamehaften und im Grunde genommen wenig würdigen Formen vollzogen, wie sie bei der Nominie rung amerikanischer Präsidentschaftskandidaten üblich find, noch in jenen Formen, die wir bei den Verhandlungen der bürgerlichen Parteien in Deutschland , die im Loebell- Ausschuß zusammenliefen, in den letzten Tagen erlebt haben. Die Haltung der Sozialdemokratie war getragen von Verant wortungsgefühl gegenüber der Autorität des fünftigen Präsidenten. Denn für das Anfehen des fünftigen Präsidenten der Deutschen Republik ist nicht nur maßgebend die Macht seiner Persönlichkeit, und nicht nur die Anzahl der Stimmen, die er bei der Wahl auf fich vereint. Die Formen, in denen seine Nominierung sich voll zogen hat, und die Art, wie der Wahlkampf für ihn geführt worden ist, müssen notwendig auf sein Ansehen im Inland wie im Ausland zurückwirken. Was das leßtere anbetrifft, so ist jeder Kandidat, der auf die Stimmen der Rechts parteien zählt, von vornherein in einer ungünstigen Si tuation. Wer es auch immer sei: er ist belastet mit der Tatfache, daß die Rechtsparteien noch vor dem Tode des ersten Bräsidenten den Wahlkampf vorbereitet hatten in einer Weise, die nicht anders denn unwürdig und schmach voll be zeichnet werden kann. Und zum ersten: Wenn es auch dem Sammlungsausschuß um Herrn v. Loebell gelungen wäre, am Ende doch einen gemeinsamen Kandidaten aller bürgerlichen Parteien aufzustellen, so wäre diese Kandidatur von vornherein diskreditiert gewesen durch die Verhandlungen, die von diesem Ausschuß hinter seinen Kulissen und um ihn herum in den letzten Tagen geführt worden sind. Dieser Sammlungsversuch des Ausschusses unter dem Borsiz des Herrn p. Loebell war nicht nur un ehrlich, nicht mur un mürdig, er war fläglich und lächerlich.
Die Demokraten hatten sich gegen 15 Stimmen für die kandidatur Geßlers entschieden. Der offizielle Beschluß des Reichsparteiausschusses des Zentrums stand noch aus. Es ließ sich jedoch schon absehen, daß er in furzer Frift fallen würde. Gegen 5 Uhr nachmittags bat deshalb das Bentrum den Loebell- Ausschuß, der zu seiner entscheidenden Sigung zusammentreten wollte, um eine Stunde Bedenkzeit. Inzwischen hatte sich bei der Deutschen Bolkspartei die Stimmung sehr start gegen Geßler ge wandt. Man wollte sich nicht an die Wand drücken und Herrn Jarres nicht so schnöde in der Versenkung verschwinden lassen. Man hatte deshalb den Beschluß gefaßt, auf der Kandi da tur Jarres zu bestehen. Den De utfch nationalen war inzwischen bei ihrem Wohlwollen für die Kandidatur Geßler sehr flau geworden. Man sagt, es hätten sich schrift liche und telegraphische Vorzeichen einer Rebellion ihrer Anhänger im Lande bemerkbar gemacht.
darum nach einem wirklichen Mann aus einem anderen Lager. Es ist ja bekannt, daß die Kapp- Regierung seinerzeit die Leute, die sie krampfhaft suchte, dort genommen hätte, wo sie sie hätte haben können, gleichgültig, ob Deutsch national oder Sozialdemokrat, ob, Demokrat oder Zentrumsmann, ob Jude oder Antisemit. Wie einst die Kapp- Regierung wollte der famose Loebell- Ausschuß sein politisches Geschäft mit jedem anderen machen, nur nicht mit dem, den er zuerst auf den Schild gehoben hat. Wie in der Kapp- Regierung find die Leute des Loebell- Ausschusses durcheinandergelaufen, ohne Biel , ohne Konsequenz, ohne bewußten politischen Willen. Aus den Kreisen rund um die Kapp- Regierung ist seinerzeit das Wort gefallen, daß es dort zugegangen sei wie in einer Judenschule. Die Herren des Loebell- Ausschusses, die sich ähnlich benommen haben, haben nicht beachtet, daß, wenn man einen Bapst wählen will, man ein Kontlave veranstalten muß und nicht eine Judenschule. stalten muß und nicht eine Juden schule.
Am 29. März wird das deutsche Bolf zwischen mindestens fünf Präsidentschaftskandidaten zu wählen haben. Unter diesen Kandidaten steht Otto Braun , der Kandidat der Sozialdemokratie, weit voran. Seine politische Vergangenheit, fein der Zeit seiner preußischen Ministerpräsidentschaft gezeigt hat, Berantwortungsgefühl und feine Staatsgefinnung, die er in fprechen für ihn. Mit Stolz blickt die Sozialdemokratie zurüd auf die Amtstätigkeit Friedrich Eberts , des ersten Präsidenten der Republik . Für den ersten Bräsidenten der Republik , der aus der deutschen Sozialdemokratie hervorgegangen ist, zeugen laut alle Republikaner in Deutschland . Otto Braun ist der würdige Nachfolger Friedrich Eberts . Für ihn wirbt deshalb die Sozialdemokratie nicht nur in den eigenen Reihen, sondern im ganzen Volke..
Beim Zusammentritt des Loebell- Ausschusses waren beide Parteien über die Forderung des Zentrums nach einer Das Scheitern der Sammelkandidatur Geßler Stunde Bedenkzeit sehr ungehalten. Sie verlangten in ziem lich schroffer Weise eine sofortige Erklärung des Bentrums, ob ja oder nein. Die Zentrumsabgesandten bestanden auf ihrer Forderung. Für sie setzten sich die Bertreter der Demokraten, der Bayerischen Boltspartei und der Wirtschaftspartei ein.
Aus dieser Differenz ergab sich eine einzig dastehende Disfuffion. Man diskutierte über die Frage, ob dem Zentrum eine Stunde, d. h. 60 minuten Bedentzeit gewährt werden sollten. Diese Distusfion dauerte genau 38 minuten, nach der Uhr gezählt. Es fehlten nur noch 22 Minuten, bis die geforderte Stunde herum war. Um das Maß der Lächerlichkeit voll zu machen, war inzwischen bekannt geworden, daß der Reichsparteivorst and des 3entrums fich bereits mit 18 gegen 6 Stimmen für eine Kandidatur Geßler er lärt habe. Aber nach 38 Minuten Diskussion beschloß der Loebell- Ausschuß, die Forderung des Zentrums auf 60 Mi nuten Bedentzeit abzu weifen. Die Zentrumsvertreter weigerten sich, sofort eine Erklärung abzugeben. Die Verhandlungen wurden darauf für abgebrochen erflärt. Die Zentrumsvertreter und die Bertreter der Demokraten verließen darauf den Saal, mit ihnen aber auch die Bertreter der Bayerischen Boltspartei und der Wirtschaftspartei.
Nach diesem Ende des Loebell Ausschusses beschloß der Reichsvartetausschuß des Zentrums einstimmig, Dr. Marg als Präsidentschaftstandidaten zu nominieren. Der Rumpf- Loebell- Ausschuß nominierte Jarres.
Dieser Versuch ist gescheitert. Er hat gezeigt, daß die Rechtsparteien, die den Loebell- Ausschuß als Instrument für Der Loebell- Ausschuß hat damit sein Ende gefunden. Aus ihre Versuche zum Bürgerblos geschaffen hatten, bei diesem dem Sammelausschuß ist ein Sprengungsausschuß geworden. Sammlungsversuch wahrhaftig nicht in erster Linie im Auge Es gibt in der politischen Geschichte nur eine Erscheinung, die gehabt haben, dem deutschen Bolte einen würdigen Repräs fich mit diesem Loebellichen Ausschuß messen kann, sowohl an fentanten zu geben. Sie verfolgten damit vielmehr ein poli- Großfpurigkeit des ersten Auftretens, wie an innerer Un tisches Manöver. Sie wollten die bürgerlichen Mittelparteien fähigkeit und Lächerlichkeit. Diese Erscheinung, die der in eine Situation hineinziehen. in der sie schließlich gezwungen Loebell- Ausschuß und sein Ende wieder in die Erinnerung ruft, fein würden, sich den Plänen der Bürgerblockpolitifer zu versteht den Machern dieses Ausschusses politisch sehr nahe. Es fchreiben oder die im anderen Falle zu einer politischen Dis ist die Rapp Regierung. Dieser Poebelliche Samm treditierung dieser Barteien führen sollte, von der die Rechts- lungsausschuß ist im Grunde genommen die zweite Auf parteien fich millfommenes Angriffsmaterial erhofften. In lage der Rapp Regierung. Wie einft die Rapp- Re
Wir veröffentlichen im folgenden die wesentlichsten Meldungen der an den Verhandlungen über die Sammelkandidatur Geßler beteiligten Organisationen. Die Vorgänge von gestern nachmittag werden in den Parteiauseinandersetzungen der bürgerlichen Parteien wahrscheinlich eine Rolle spielen.
Das Vorspiel.
Bon der entscheidenden Sizung des Loebell- Ausschusses teilt die Ill. mit: Der Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei hat mit großer Mehrheit( gegen 15 Stimmen) folgende Ent schließung zur Reichspräsidenten - Kandidatur angenommen: Der Barteiausschuß bedauert, daß durch die Aufstellung einer sozialdemo fratischen Partei- Kandidatur die Möglichkeit einer republikanischen Einheitskandidatur zerstört ist. Er billigt die Haltung der Parteileitung in der Frage der Präsidentschaftskandidatur, insbesondere die Suftimmung zur Kandidatur Geßlers.
Der Reichsausschuß der Deutschen Bolfspartei hat nach Wieder cufnahme der Beratungen nach der Mittagspause mit aller Stimmen bei drei Enthaltungen folgende Entschließung angenommen: Der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartet begrüßt den Gedanken der Zusammenfassung aller bürgerlichen Barteien bei der Wahl für den Reichspräsidenten. Er hält in der Persönlichkeit des Herrn Oberbürgermeister Dr. Jarres die Vorauscinen. Er ersucht seine Vertreter, in dem unter Vorsitz des Herrn fetzungen für gegeben, alle bürgerlichen Stimmen auf sich zu verv. Loebell gebildeten Ausschuß mit aller Entschiedenheit in die fem Sinne zu wirken.
Der Konflikt im Loebell- Ausschuß. Das Nachrichtenbureau des BD3. teilt mit: Im Loebell. Ausschuß fam es gestern in den späten Nachmittagsstunden zu einem Konflikt. Offizielle Mittellungen der einzelnen Parteien liegen darüber noch nicht vor, Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, forderten die Bertreter des Zentrums unter der Führung des Abg. Fehrenbach, als die Nachmittagsverhandlungen eröffnet wurden, noch eine Stunde Bedentzeit. Bon den Bertretern der Rechten wurde aber eine fofortige Erklärung des Zentrums gefordert. Die Zentrums.