Nr. 121.
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8. Jahrg.
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Redaktion: Beuth- Straße 2.
Die Encyklika des Paples.
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III.
Donnerstag, den 28. Mai 1891.
Expedition: Beuth- Straße 3.
Diese Auseinandersetzung der Pflichten, welche die Die gläubigen Reichen dürfen sich nur durch die Mahnung Kirche den Arbeitern und den Arbeitgebern auferlegt, be- der Kirche nicht stören lassen, daß Reichthum für das weist auf das Unverkennbarste, daß die Kirche, wie sie ewige Leben nichts nützt, ja demselben eher schädlich sei." Papst Leo XIII. vertritt, von den modernen Anschauungen, Protestiren müssen wir jedoch im Namen der geschichtsind, und gleiche Rechte, gleiche Pflichten haben, noch voll- die christliche Kirche erst die Pflicht der Wohlthätigkeit und nach welchen alle Menschen einander vollkommen gleich lichen Wahrheit gegen die Behauptung des Papstes, daß kommen unberührt geblieben ist. des richtigen Gebrauches des Reichthumes zur Unterstützung
Um nun den Kampf, der durch die Verkennung der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit entstanden sein soll, zu beseitigen, besitzt das Christenthum nach der Meinung In Anbetracht dieses Umstandes erschallt uns seine der Armen in voller Klarheit hingestellt habe. So des Papstes wunderbare und vielgestaltige Kräfte." Stimme wie die eines Menschen, der einer längst über- gut und noch energischer als das Christenthum hat der Die eine derselben und die hauptsächlichste dieser wundenen Kulturepoche angehört. Zwischen der modernen, Buddhismus lange vor Christi Geburt die Pflicht des Wohlwunderbaren Kräfte besteht darin, daß die Kirche Arbeitern rein wissenschaftlichen Weltanschauung, wie wir sie ver- thuns den Reichen ans Herz gelegt und das sogenannte und Kapitalisten ihre gegenseitigen Pflichten klar macht. treten, und jener der Kirche, wie sie Papst Leo XIII. mosaische Gesetz hat nicht nur für die Reichen die Pflicht Für die„ arbeitenden Stände" lauten diese Pflichten: geltend macht, besteht kein Streit mehr; der Kampf ist des Almosens ausgesprochen, sondern den Armen ein " vollständig und treu die Arbeitsleistung zu verrichten, zu entschieden und es fragt sich für uns nur noch, wann die Recht auf Unterstüßung gewährt, welches Jahrhunderte welcher sie sich frei(!) und mit gerechtem Vertrage(!) ver- letzten Anhänger dieser vorsintfluthlichen Welt- und Lebens- lang praktische Geltung hatte, ehe die christliche Kirche bunden haben; den Arbeitsherren weder an der Habe noch anschauung ausgestorben und die letzten Spuren aller entstand. Die christliche Kirche aber war es gerade, an der Person Schaden zuzufügen; in der Wahrung ihrer Einrichtungen, die aus ihr hervorgewachsen sind, verwischt welche dieses Recht des Armen aufhob, so daß es erst Rechte sich der Gewaltthätigkeit zu enthalten, und in sein werden. wieder Ende des vorigen Jahrhunderts auf dem Papiere ein ideelles Leben gewann, ohne bis heute zu reellem Dasein von neuem zu erwachen.
feinem Falle Auflehnung zu stiften; nicht Verbindung zu Es fällt uns daher auch gar nicht ein, und es wäre unterhalten mit schlechten Menschen, die ihnen trügerische tief unter unserer Würde, mit einem Manne, wie Papst Hoffnungen vorspiegeln und nur bittere Enttäuschung und Leo XIII . es ist, über Alles, was zu dem Glauben ge- Der Umstand, daß die Kirche das Almofengeben zu Reue zurücklassen." hört, dessen vornehmster Repräsentant er ist, nur mit einer Pflicht des Reichen machte, welcher sie kein Recht Die Pflichten, welche die Kirche den Unternehmern einem Worte zu rechten. des Armen auf Unterstützung gegenüberstellte, das hat die aufbürdet, find in Anbetracht des Umstandes, daß wir an Nur um die Tiefe der Kluft zu kennzeichnen, welche ganze lange Zeit hindurch, in der kirchliche Anschauungen der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts angelangt sind, sein Wähnen, Glauben und Trachten von unserem Wissen, die Völker und ihr Dasein beherrschten, verschuldet, daß und für alle die, welche nicht mehr, wie die gläubigen unserer Ueberzeugung und unserem Wollen trennt, die Kluft zwischen Reichen und Armen sich beständig erweiterte Katholiken, in die Kulturtiefe des ersten Jahrhunderts registriren wir hier kurz das Markanteste, was er selbst und die Zahl derer, denen es im Leben auf der Erde gut zurückstreben, allerdings nicht übermäßig schwer. Die zur Charakterisirung seiner Anschauungsweise über die ging, sich unausgesetzt verringerte, während die Zahl der Arbeitgeber dürfen nämlich ihre Arbeiter nicht wie Bestimmung des Menschen auf Erden und im Jenseits Nothleidenden ins Unbegrenzte gestiegen ist. Stlaven ansehen und behandeln; sie sollen deren, zu sagen für gut hält. Heutzutage aber heißt es sich doch die endgiltige durch das Christenthum geadelte persönliche Würde stets Nachdem er die sonderbare Ansicht ausgesprochen hat, Lösung der sozialen Frage gar zu bequem machen, wenn heilig halten( von dissidentischen oder jüdischen Arbeitern daß die Erfüllung der oben aufgezählten Pflichten den der Papst ausdrücklich die Pflicht der Armenunterstützung wird gar nicht erst geredet); sie sollen ihre Arbeiter nicht bestehenden Zwiespalt sammt seinen Ursachen beseitigen, in dem Kreise jener Pflichten der christlichen Liebe erhalten blos schäzen, so weit deren Arbeitskräfte reichen; sie also die soziale Frage lösen würde, weist er auf die wissen will, die, wie er sagt, auf gerichtlichem Wege nicht sollen ferner das geistige Wohl und die religiösen höheren Ziele hin, welche die Kirche haben soll. Selbst- erzivungen, an denen also auch gesetzlich nichts gebeffert Bedürfnisse der Arbeiter gebührend berücksichtigen, ihnen verständlich liegen diese höheren Ziele im fünftigen un- werden kann. Ob er selber meint, daß mit der VerBeit laffen für ihre gottesdienstlichen Uebungen, sie sterblichen Leben", ohne welches für die Gläubigen auch weisung jener Reichen, welche die Pflicht der Wohlthätignicht der Verführung und sittlichen Gefahren aussehen; feine fittliche Pflicht in Bezug auf das irdische Dasein feit nicht in ausreichendem Maße üben, den Sinn für Häuslichkeit und Sparsamkeit in ihnen nicht vochanden sein soll. jüngste Gericht genügend für die Armen gesorgt sei, ersticken lassen, und sie gerade nur mit so viel Arbeit be- Daß der Glaube an das bessere Jenseits ungemein lassen wir dahingestellt. lasten, als ihre Kräfte leisten können. praktisch ist für diejenigen, welche sich leicht über das Wie wir oben dagegen protestiren mußten, daß der Außerordentlich bezeichnend ist, was der Papst über Massenelend des Diesseits hinwegsetzen und das ihnen zu Papst der Kirche das Verdienst zuschrieb, die Pflicht der die Höhe des Arbeitslohnes sagt. Davach sollen Noth- Theil gewordene bessere Loos mit Behagen genießen wollen, Wohlthätigkeit zuerst den Besitzenden auferlegt zu haben, leidende nicht gedrückt und ausgebeutet und nach diesem tritt in den Ausführungen des Papstes selbst nur zu deut- so müssen wir im Interesse der kulturhistorischen Wahrheit Grundsaße der Lohn bemessen werden. Wenn die Ar- lich zu Tage. eben so energisch gegen die Behauptung Protest einlegen,
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beiter aber trotz aller ihrer Noth dennoch Ersparnisse Für die ewige Seligkeit kommt ja garnichts darauf die christliche Erziehung habe die Völker zu einer Entmachen, so sollen sie von ihren Arbeitgebern nicht in diesen an, ob der Mensch Ueberfluß habe oder Mangel leide, im wicklung geführt, welche alle früheren Kulturformen weit ihren Ersparnissen geschädigt werden, weder durch Gewalt, Gegentheil, derjenige, der allhier leidet, soll im Himmel übertroffen hätte und sogar in alle Zukunft nicht durch noch durch Betrug und Wucher. für sein irdisches Leiden reiche Entschädigung empfangen. eine andere übertroffen werden würde.
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
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als er die Hand sinken ließ, zeigte er ein betrübtes Gesicht. Als ich Dir in Tamers damals die Frau beschrieb, wie Kläglich sah er Lisei an und kläglich sagte er: Ach, das ich sie mir wünschte, da hab' ich halt nur an Dich geUnglück! Durchs Feuer ging ich für Dich, bei Gott ! und dacht."
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ich soll Dir einen Schimpf anthun wollen! Ich hab' ge- Ach, bin ich denn noch nicht unglücklich genug? Muß meint, Du hättest es längst mir angemerkt. Du kannst mich auch das noch kommen?" rief Lisei betrübt.„ Aber Die Falkner von St. Vigil. doch nicht für so schlecht halten, daß ich Dich von Deinem ich kann Dir nicht helfen, wie leid Du mir auch Vater begehrt hätte, wenn ich Dir nicht zugethan wäre. D, thust," fuhr sie mit festerer Stimme fort. Der Lechner Roman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol mein Heiland, ich hab' Dich ja lieb, Lisei!" hat mein Wort und schlecht an ihm werd' ich nicht. Jetzt von Robert Sameichel. „ Das wäre freilich ein Unglück für Dich," sagte sie hat er mir aus Innsbruck geschrieben, daß er sich fest auf Ihr habet dem besten Menschen schweres Unrecht gefühl und ging zu einem Stuhl, der Jerg gegenüber an der meine Treu' verläßt." than," entgegnete fie traurig ernst, und wer der Heßer ist Wand stand. Aber es kann ja nicht sein, ich bin ja nach Wenn es nur das ist," bemerkte Jerg und haschte gewesen, dem wird es schon noch heimkommen. Aber ich meinen Jahren ein altes Mädchen und sauber bin ich auch mit der hohlen Hand eine Fliege, die in seiner Nähe über will jetzt davon nicht reden. Wenn ich Dir damals leid nicht den Tisch spazierte. Wie viel Brautschaften sind nicht gethan habe, so kannst Du es jetzt beweisen; denn der Ich bin eben so alt wie Du!" warf er ein. schon in der Welt auseinander gegangen und gehen noch Lechner wird wieder kommen, um mich heimzuführen und" Aber als Mann bist Du viel jünger als ich", fuhr sie täglich auseinander." ich werd' auf ihn warten. Das haben wir einander ver- fort. Du bist noch ein junger Bub und bist reich und Wenn es nur das ist?" wiederholte sie und sah ihn sprochen und gelobt. Du mußt also einsehen, daß ich Deine kannst jeden Tag ein Madl haben, das jung und hübsch ist Frau nicht werden kann." und Dich wieder lieb hat. Nein, Jerg, Du redest Dir mit großen Augen an." Freilich, wenn Dir die Treu' Jerg vermochte sich eines unbehaglichen Gefühls blos ein, daß Du mich liebst. Du bist blos gewöhnt an nichts gilt-" nicht zu erwehren. Allein er ermuthigte sich selbst mich seit vielen Jahren, weil ich die Schwester von Deinem" Wie Du auch Alles gleich wendest!" fiel er rasch ein, in dem Ausrufe, daß der Klosterbauer seine Einwilligung besten Freunde bin. Du wirst auch schon einsehen, daß es um" seine Unvorsichtigkeit gut zu machen. Ich hab' nie geben würde. so ist, wenn Du ein wenig darüber nachdenken willst." nur gemeint, ein Wort, das man in Treuen gegeben hat, " Das mag schon sein, aber das ist doch nicht Deine Er hatte eine große Wirkung davon gehofft, wenn fann man auch in Trenen zurücknehmen. Du sollst nicht Sache", versetzte Lisei." Jekt, wo Du weißt, wie es mit er mit dem Geständniß seiner Liebe herausrücken würde, schlecht an dem Lechner handeln, nein, nein, nein! Bei dem Lechner und mir steht, kannst Du nicht mehr darauf und war innerlich wüthend, daß sein bester Fechterstreich Gott nicht! Wer hindert Dich denn, dem Lechner ganz bestehen, mich heirathen zu wollen. Es ist ein Schimpf, den nur die Luft verwundet hatte. Laut jedoch sagte er und offen zu schreiben, wie die Sach' hier steht? Er ist doch seufzte: Dennoch ist's so! Kann denn nicht aus Gewohn- einmal ein Bayer, und kein Tyroler würd' einem Bayer heit und Freundschaft Liebe werden? Du weißt, daß ich so seine Tochter zur Frau geben. Jeder würde just so ein weiches Herz habe. Wie ich das wüste Leben mit dem handeln wie der Klosterbauer. Ja, das würd' er. Es hilft Ambros und den Andern hab' satt gehabt und zu Verstand Dir auch nichts, wenn ich Dir mein Herz opferte. Trete ich gekommen bin, da hab ich erkannt, wie gut und brav und heute zurück, so zwingt Dich der Klosterbauer morgen, einen flug Du bist, und das bleibt dem Menschen fürs Leben, Andern zu heirathen. Du vergißt, daß der Hof mit wenn das bischen Hübschheit und die Jugend weg ist. Deiner Hand geht. Da würd' es an Freiern nicht fehlen
Du mir damit authust."
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„ Ein Schimpf?" wiederholte er, seine kleinen Augen weit aufreißend. " Ja, ein Schimpf", wiederholte auch sie. Giebst Du mir nicht dadurch zu verstehen, daß Du mich für Eine hältst, die einen wetterwendischen Sinn hat?"
Jerg fuhr sich langsam über Stirn und Augen und