*
Sr. 231 42. Jahrg. Ausgabe Afr. 119
Bezugspreis:
hentlich 70 Bfennig, moneti
8. Reichsmart voraus zahlbar.
Unter Rteusband für Deutschland , Danzig . Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen , Euremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat.
Der Bormärts mit der Gonntags beilage Bolt und Reit mit„ GiebLung und Kleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal
-
Telegramm- breffe:
Sozialbemotrat Berlin
Sonntagsausgabe
Vorwärts
Berliner Volksblatt
15 Pfennig
Anzeigenprette.
Die einfvaltiae Nonpareils. seile 70 Pfennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( auläffa awei fettgedrudte Worte). febes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengefuche das erfte Mort 10 Bfennig, iebes meitere Bort 5 Bfennig. Borte über 15 Buch ftaben zählen für amei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Bfennig.
Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4½ Uhr nachmittags in Sauptgeschäft, Berlin GB 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nadm.
Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Toutoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507
Sonntag, den 17. Mai 1925
Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3
Boftfchecktonto: Berlin 37586 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaije Lindenstraße 8
Sozialdemokratie gegen Brotwucher.
Durch Kampf zur Klärung der Geister.
Der Kampf um die Getreidezölle wird der Reichspolitik der nächsten Wochen das Gepräge geben, er wird fie aber auch darüber hinaus für viele Jahre entscheidend beeinflussen. Den beiden handelspolitischen Kometenjahren 1878 und 1902 gefellt sich das Jahr 1925 als drittes hinzu.
Wie damals find es auch heute die Großproduzenten von Getreide und Eisen, deren Bund der ganzen Boltswirtschaft sein Gesez zu diltieren versucht. Die Großproduduzenten von Getreide find nicht die Landwirtschaft", die Großproduzenten von Eisen sind nicht die Industrie". Sur Landwirtschaft gehören außer den Großgrundbefizern, die an Kornzöllen am meisten interessiert sind, auch die mittleren und die kleinen Besizer und die Landarbeiter, zur Industrie gehören außer den schwerindustriellen Unternehmern auch die Der Fertigindustrie somie die ungeheuren Massen der Angestellten und Arbeiter. Wenn man auf der einen Seite den Großgrundbesig für die„ Landwirtschaft", auf der anderen Seite das schwerindustrielle Unternehmertum für die Induftrie" fubftituiert und beides zusammen als die Wirtschaft" bezeichnet, so ist das ungefähr ebenso richtig, wie wenn man In unseren 23 verfloffenen Landesherren das deutsche Reich
und Bolt erblidt haben würde.
Nicht die Landwirtschaft, nicht die Industrie, nicht die Birtschaft, sondern ein fleiner Kreis von wirtigafts gemaltigen Dittatoren ist es, nach dessen Wünschen bie ganze Handelspolitik Deutschlands eingerichtet werden soll Nicht der Landwirtschaft, nicht der Industrie, sondern ihnen gilt unfer Kampf.
3
Morauf beruht die politische Macht dieser Wirts schaftsdiftatoren? Auf ihrem Einfluß in der Bureaufratie, in Der Bresse und in den bürgerlichen Parteien. Er ist bei den Rechtsparteien nahezu abfolut und vermindert sich dann all mählich nach links hin, bis zur Grenze der Sozialdemo Pratie, wo er aufhört. Er ist aber auch in den bürgerlichen Mittelparteien vorhanden. Eigentliche Trägerin des Rampfes gegen die Kornzölle ist also die Sozialdemo fretische Partei. Um fie gruppieren sich gemisse Arbeiter und Angestelltengruppen, die noch im bürgerlichen Lager stehen, Bertreter der Industrie und des Handels, die im Hochschutzzoll eine Gefahr für ihre Interessen erblicken, und einsichtige Vertreter der Wirtschaftswissenschaft in erheblicher Anzahl.
Eigentliche Trägerin des Kampfes ist und bleibt die Sozialdemokratische Partei . Sie ist die Inter effenvertretung jener gewaltigen Maffen, für die jede Ber teuerung der Lebensmittel Hunger, jede Berteuerung der Rohstoffe Arbeitslosigkeit bedeutet. Nimmt man dazu, daß die kleinen Landwirte an Getreidezöllen und schon gar an Eisenzöllen nicht interessiert sind, vielmehr von ihrer Einführung schweren Schaden zu erwarten haben, so ergibt sich, daß logischerweise eine ganz ungeheure, erdrückende Bolts mehrheit zur Sozialdemokratie stehen müßte, um ihr bei der Abwehr des gegen ihr Leben gerichteten schutzZöllnerischen Anschlags behilflich zu sein.
Aber die Logik setzt sich in der Politik nicht ohne weiteres durch. Breite Massen der Bevölkerung, die sachlich gegen den Schutzzoll intereffiert find, stehen im Bann der schußzölne rischen Presse und der schuzzolinerischen Parteien. Sie find entweder von der Erkenntnis ihrer Interessen durch poli: tische Scheinziele abgelenkt oder so durch Parteis bisziplin gebunden, daß sie nicht imftande find, auf die Parteien, denen sie angehören, den notwendigen Drud in der Richtung ihrer eigenen Intereffen auszuüben.
Su den stärksten Mitteln, die die Wirtschaftdiktatoren in Berfolgung ihrer Ziele anwenden, gehört die Unterstützung der nationalistischen Demagogie. Der Schuzzoll und jene Art von Steuerpolitit, die den Befih schont und die Armut belastet, find stets hoch patriotis ausstaffiert und sehen ftets auf die Sozialdemokratie als den national minderwertigen Teil des Volfes von oben herunter. Wenn der schamicie Mißbrauch, den sie mit dem Bort Baterland" treiben, zu erregten Proteften führt, so ist das für sie eine Gelegenheit mehr, ihren gefährlichen Gegner vor leichtgläubigen Massen als„ vaterlandslos zu benunzieren. Am hübschesten aber macht es sich, wenn die Sozialdemokratie von jener Seite als Bartei des Riaffentampfes" gebrandmarkt wird! Als ob nicht durch die Tatsache des ungeheuren Einflusses, den eine kleine Minderheit auszuüben imftande ist, gerade die Unausweichlichkeit des perfemten Klaffentampfes" dokumen tert murde! As obe dieser Klaffentampf nicht von ihnen
selbst durch ihren Angriff auf die Lebensinteressen der arbeitenden Maisen heraufbeschmoren und verschärft würde! Die Wirtschaftsdittatoren, die Hochschutzöllner fönnen ihren Kampf mur führen mit Hilfe jener politisch unbe mußten Maffen, die zulegt noch bei der Hinden burg- a hl am 26. April unter schwarzweißroten Fahnen aufmarschiert sind. In dem Maße, in dem die Maffen gegen fcheinpatriotische Rauschzustände immun merden und nüchtern ihre mahren Interessen, die allgemeinen Boltsintereffen, zu ertennen beginnen, muß ihr Einfluß schwinden. Die Herren haben also allen Grund, besorgt in die Zukunft zu sehen.
*
tatoren felbst ein ungefährlicher Experimen Die nationalistische Demagogie ist für die Wirtschaftsdiftierstoff. So unentbehrlich sie ihnen ist, manchmal droht fie ihnen felbft verhängnisvoll zu werden. Manchmal steht sie ihnen selbst verhängnisvoll zu werden. Manchmal steht das Gefchöpf gegen den Schöpfer. So war es beim Abschluß des Dawes Patts, wo sie niedergeworfen wurde durch übermächtige, die wirtschaftliche Befriedung fordernde Wirtschaftsinteressen, so mar es beim Abschluß des Handelspertrags mit Siam, so wird es vermutlich auch bei der Reichstagsabstimmung über ben niel wichtigeren deutsch spanischen Hanbelspertrag sein. So ist es bei der Politit des Sicherheitspattes, die die Regierung Luther- Stresemann- Schiele mit so großem Eifer fo
betreibt.
lismus, es fällt ihnen aber nicht ein, sich durch ihn das GeKapital und Großgrundbesitz bedienen sich des Nationaschäft verderben zu lassen.
Morgen spricht Herr Stresemann im Reichstag über feine auswärtige Politif. Man wird sehr interessante Aus einandersetzungen erwarten dürfen, die zur Aufhellung um nebelter Gehirne dienen werden.
Die Sozialdemokratie fämpft für die Intereffen einer ungeheuren Bolfsmehrheit. Das sind aber die wirkliches„ nationaien Intereffen. Und in diesem Sinne ist die Sozialdemofratie nicht weniger national", sondern nationaler" als jede andere Partei.
Es ist ein vordringliches ,, nationales Intereffe". daß der arbeitende Mensch zu effen hat, daß er seine Kinder ernähren und sie zu tüchtigen Menschen erziehen kann. Es ist ein nicht minder vordringliches ,, nationales Inter effe", daß sich das deutsche Wolf von den Wunden eines pers lorenen Kriegs in ungestörtem Frieden erholt und die zmed militärischer Befehung freizubekommen. Es gibt dienlichsten Mittel anwendet, um sein Lend von fremd. also nichts notionaleres als ampf gegen den HochArbeitsmarfis, nichts nationaleres als eine gerechte Steuerich uzo11, den Vertreter des Lebens und den Würger des politit, nichts nationaleres, als eine feder nationalistischen Phrase abgewandte, nüchterne Politik des Friedens und der Bertragstreue.
Daß es nur auf den Staats inhalt, nicht auf die Staats for m antomime, ist ein irreführendes Solagwort. Es tommt auch auf die Staatsform an, denn nur die von Hinden burg gefeierte Bolts jouveränität" gibt dem Bost die Möglichkeit, dem Staat jenen Inhalt zu geben, der feinen mahren Intereffen entspricht. Aus diefer Möglichkeit Sozialdemokratischen Partei eine Wirklichkeit merden zu lassen, ist die Aufgabe der
Der Ausgang des Kampfes um die Getreidezölle, der voraussichtlich schon im Juni- Juli zur Entscheidung fommen wird, läßt sich nicht vorausfagen. Voraussagen läßt sich aber als fein politisches Ergebnis eine tiefgehende klärung des Geiftes und ein gewaltiges Erstarken der Sozialdemokratie
Bergwerksunglück bei Dortmund .
Ein Sprengstoff- Magazin in die Luft geflogen.
heute mohl das Geburtsjahr des alten Deutschen eis, das im Jahre 925 durch den Zusammenschluß sämtlicher deutscher, auch der linksrheinischen Stämnie, hier entstand. Aber dieje tausend Jahre allein umfassen nicht etwa die deutsche Geschichte und die deutschen Beziehungen des Rheinlandes! Deutsch ist das manischer Borzeit.
Dortmund , 16. Mal( WIB.) Auf dem Westfelde des Schachtes 5 der Zeche Dorftfeld ereignete sich ein schweres Explosionsunglüd. Es hat auch Teile der Belegschaften der Schächte 2 und 3 betroffen. Bon den auf Schacht 5 eingefahrenen 289 Mann siad bis 8 Uhr abends herausgefahren 85 Manu und 14 Berlegte. Bon den auf Schacht 5 eingefahrenen 238 Mann sind bis zur Stunde heraus- Rheinland , deutsch sind seine Menschen seit den Tagen grauer ger gefahren 190 Mann und 4 Verletzte. Es befinden sich also in der Grube noch) 225 2 ann, über deren Schichal noch nichts gejagt werden kann. Von allen umliegenden Jeden sind Hilfs- und Rettungsmannschaften in großer Zahl eingetroffen, die die Rettungsarbeiten aufgenommen haben.
den Wünschen des preußischen Boltes Ausdruck geben und mich zum Als Leiter der preußischen Staatsgeschäfte darf ich hier heute Dolmetscher der Gefühle machen, die jeder Preuße, der seine Ges schichte und Stultur fennt, dem Rheinland entgegenbringt.
Die Rheinlande sind zwar nicht das Stammland, das älteste Das Preußische Oberbergamt teilt zu dem Explosionsunglüd Gebiet des auf brandenburgischem Boden emporgewachsenen heutifolgendes mit: 2m 16. Mai, nachmittags 4% Uhr ist auf der Zeche gen preußischen Staates; aber in den drei Jahrhunderten, in denen Dorfield, Schacht 5, das Sprengstoffmagazin auf der Jülich - clevisches Land mit märkischem zusammengefügt, und in der Wetterseite explodiert. Die Explosionsgafe find zum Teil in Beitspanne, in der das später hinzugefommene übrige rheinische Land belegte Haue eingedrungen und haben dort Opfer gefordert haben die Rheinlande so viel Freud und Leid mit den Preußen des mit den Stammgebieten zum preußischen Staate verbunden wurde, Bisher find ein Tofer uns 25 Berlegte geborgen. Etwa Nordens und Oftens gemeinsam getragen, daß eine Einheit im 30 21 ann auf der gefährdeten Abteilung werden noch ver- engeren staatlichen Rahmen neben der im weiteren des neuen mit Das Rettungswert ist im Gange. Die Ursache der Deutschen Reichs entstanden ist. Explosion und ihre ganze Ausdehnung ist noch nicht feftgeftellt Die Zeche Dorftfeld hat das Gesteinsstaubverfahren in feinem vollen Uajange als eine der erften Zechen des biefigen Reviers durchgeführt. Die Belegschaft ist mit elektrisden Lampen ausgerüstet.
Dortmund , 16. Mai. ( WIB.) Zu dem Unglüd quf Zeche Dorft. feld wird gemeldet, daß bisher fünf Tote geborgen worden find. Die Staatsanwaltschaft von Dortmund ist sofort nach Bekanntwerden des Unglücks auf der Seche erschienen.
Rheinland und Reichseinheit. Ansprache des Minifterpräsidenten Braun. Jahrtausendfeier hielt der preußische Ministerpräsident Braun im Köln , 16. Mai. ( BTB.) Anläßlich der Eröffnung der Kölner Gürzenich eine Ansprache, in der er u. a ausführte:
Einhellsgedanken nicht zu eritiden vermocht! mit unbefiegbarer Jahrhunderte der Uneinigkeit und Zersplitterung haben den mals mehr zu erinten. Gemalt ist er stets wieder hervorgebrochen und ist heute und nie
Tausend Jahre schweift heute unfer Blid zurüd! Es ist wichtig, fich dabei dessen zu erinnern, mas von rheinischer Seite uns heute in die Erinnerung zurückgerufen wurde und was die heute eröffnete einzigartige Ausstellung uns nor Augen geführt hat. Bir feiern
Die Festigkeit dieser Einheit hat sich in den schmeren Jahren, die hinter uns liegen, und in den ernsten Tagen, in denen wir noch leben, immer wieder bewährt. Die Rheinlande und das preußische und deutsche Volf überhaupt haben in diesen Jahren ihre Feuerprabe bestanden.
Man hat oft genug mit lodenden Melodien die Rheinlande glauben machen wollen, daß ihr Heil in der Abkehr vom preußischen orientierung und ein Zurüdbrehen des Rabes der deutschen Geste Staats- und vom deutschen Einheitsgedanten läge, daß eine Westthnen die Lasten der Gegenwart erleichtern und die Tore zu einer glücklicheren Zukunft erschließen würde. Die heinländer, die aus ihrer Geschichte und aus den alten deutschen Irrurgen und Wirrungen der Bruderfämpfe gelernt haben, haben, durch die legten Schicksalsschläge in ihrem Deutschtum noch gefestigter, all diesen Sirenenrufen fühl bis ans Herz hinan gegenübergestanden
Möge bald die Zeit, wo fremde Befahzung auf diesem Lande und Volte liegt, wie ein böser Traum hinter uns liegen Möge bald das rheinische Bolt wieder in Freiheit und Freude feine zugehörigen Heimat freuen fönnen! Lieder singen und sich der Schönheit seiner ihm dann ganz wieber