Abendausgabe
Nr. 284+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 139
Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise And in der Morgenausgabe angegeben Rebatfiou: S. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Denhoff 292-295 Zel- Mereffe: Sozialdemokrat Berfin
Vorwärts
Berliner Volksblatt
5 Pfennig
Donnerstag
18. Juni 1925
Berlag und Angeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr
Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507
Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
Politische Jahrtausendfeier.
Kanzlerrede über die Sicherheitsfrage.
Düffeldorf, 18. Juni.
Heute begann in Düsseldorf im Anschluß an die Tagung des Rheinischen Provinziallandtages die Jahrtausendfeier des Rheinlands zum Andenken an die 1000jährige Zugehörigfeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich.
Nach Berlejung einer Begrüßungsbotschaft des Reichspräsidenten ergriff Reichstanzler Dr. Luther
bas Wort. Er führte u. a. aus:
Der Kundgebung des Herrn Reichspräsidenten , meine Damen und Herren, schließe ich die aufrichtigsten Wünsche der gesamten Rückschau auf die tausendjährige rheinische Geschichte, deren Ablauf heute festlich begangen wird, zeigt einen bewundernswerten Aufstieg in allen schöpferischen Leistungen von Kultur und Wissenschaft. Die Leistungen des Rheinlandes find um so bewundernswerter, als immer wieder in diesen tausend Jahren der Entwicklung der natürlichen Lebensträfte die rheinische Bevölkerung mit schwerer politischer Not zu ringen gehabt hat.
Auch jetzt lastet auf dem Rheinland die ganze Schwere fremder Bejagung. Die Politit der Reichsregierung demgegenüber ist durch die Natur der Dinge flar vorgezeichnet. Sie zielt darauf hin, dem Rheinland die Freiheit und ganz Deutschland und ganz Europa den wirklichen Frieden zu vermitteln. Für die rheinischen Gebiete, die außerhalb des Versailler Vertrags besetzt wurden, ist in der Londoner Konferenz eine flare und endgültige Regelung zustande gefommen. Die Ministerpräsidenten von Frankreich und Belgien
haben durch Brief vom 16. Auguft 1924 an den deutschen Reichs fanzler erklärt:
Wenn die in London zur Durchführung des Sachverständigenplanes frei vereinbarten Abmachungen in dem Geiste der Loyalität und der Friedfertigkeit ausgeführt werden, der die Ver handlungen der Konferenz beseelt hat, so wird innerhalb einer
-
Brann für die Freiheit der Rheinlande.
Ehrenpflicht zu betonen, wofür der preußische Staat und das preußische Bolk der rheinischen Bevölkerung vornehmlich zu danken hat.
Das rheinische Bolt tann auf eine stolze Geschichte zurüdschauen. Dieses Bolt war immer ein freiheitliches Bolf!
Mitteilungen des spanischen Gewerkschaftssekretärs. Genf , 17. Juni. ( Eig. Bericht.)
Der Korrespondent des„ Borwärts" in Genf hatte diefer Tage eine Unterredung mit dem Genossen Caballero. Sekretär des spanischen Gewerkschaftsbundes, der in Genf an der Internationalen Arbeitskonferenz teilnahm. Genosse Caballero hatte die Freundlichkeit, die ihm gestellten Fragen in folgender Weise zu beantworten:
Es war immer ein Bolt von offener Gesinnung und starter Be Die augenblickliche Lage des Direttoriums im geisterungsfähigkeit. Als sich im Jahre 1915 der Tag der Ber- Innern Spaniens ist schwierig, denn mit Ausnahme einigung der Rheinlande mit Breußen zum hundertsten Male jährte, einer bürgerlichen Partei, der sogenannten polifischen Union , da erschien in Köln eine bedeutsame Denkschrift Julius Bachems, die als Gegenspieler des Direktoriums zu betrachten ist, lehnt jenes flugen Mannes, der fich großen Ansehens weit über seine rheinische Heimat hinaus erfreute. In dieser Denkschrift wurde jedermann in Spanien das augenblidliche ausgeführt, daß das alte Preußen zu Beginn des vorigen Jahr- Regime ab. Selbst unter dem Militär ist die Meinungshunderts durch die übermenschlichen Anstrengungen der Befreiungs- verschiedenheit offensichtlich, aber sie tritt infolge eines falsch friege erschöpft war, infolgedessen die politischen und sozialen Ge- verstandenen Standesbewußtseins noch nicht nach außen in danken der damaligen Jahrhundertwende preisgab und das Heil Erscheinung. Das Direktorium hält sich an der Macht, weil des Staates im Altvergangenen suchte, während hier am in Spanien start organisierte politische Parteien nicht bestehen Rhein für eine solche rückläufige Bewegung die Voraussegungen- außer der Sozialistischen Partei und dem Gefehlten und hier nicht jenes Ermatten der fortschrittlichen werkschaftsbund. Diese sind aber noch nicht imftande, die BerKräfte eintreten fonnte, wie östlich der Elbe nach dem Jahre 1818. antwortlichkeit einer Uebernahme der Regierungsgewalt zu Hier im Westen war es ja auch, wo die Kinderwiege vieler führender deutscher Männer gestanden hat, die von unverfälschtem tragen. Indessen kann man auch auf das Direktorium das sozialen und fortschrittlichen Geist beseelt waren. Nur weniger spanische Sprichwort anwenden: ,, Wer mit dem Schwert tötet, will ich gedenken. Ich nenne Joseph von Görres und Eugen wird auch durch das Schwert sterben." Das bedeutet, daß die Richter, Karl Marx und August Bebel , Friedrich Wilhelm augenblicklichen Gewalthaber, die am 13. September 1923 Raiffeisen und Franz Brandts , Adolf Kolping und Karl mit einem Staatsstreich triumphierten, durch einen anTrimborn. Alle diese Namen bedeuten Programme des deren Staatsstreich erledigt werden können. fortschrittlichen Gedankens und der sozialen Tat. Sie be beuten Brogramme, deren Auswirkung auf die Entwicklung unseres Boltes Tatsache wurde.
Seit dem Jahre 1918 ist das politische Schwergewicht in Preußen von dem weniger voltsreichen Often mehr nach dem dichtbevölferten West en verlegt worden. Das war eine automatische Auswirkung der freiheitlichen Berfassung des neuen Preußen.
Höchftfrist von einem Jahre, vom Tage der Abfendung des Briefes fluß im politischen Leben Preußens maßgeblich geltend zu machen.
an gerechnet, die militärische Räumung des Ruhrgebietes vorgenommen werden."
Daher hat das Rheinland ein doppeltes Anrecht, seinen EinUnd es ist doch auch unverkennbar, daß bei der Umformung Breußens zu dem Boltsstaat, in dem wir heute leben, die Einwirtung des rheinischen Bottes oftmals entscheidend mirksam
wurde.
Daneben ist mit beiden Ministerpräsidenten bindend festgelegt worden, daß auch die Städte Düsseldorf und Duisburg , also das gesamte sogenannte Sanktionsgebiet mit der abschließenden Räumung des Ruhrgebietes ebenfalls geräumt werden. Da nun weiter in der Anlage 2 der sogenannten Entwaffnungsnote die Er- waltung der Rheinprovinz ist in den letzten Jahren ein wesentlicher flärung der Reparationsnote mitgeteilt ist, daß Deutschland seine Verpflichtungen aus dem Londoner Patt ordnungsmäßig erfüllt hat, so fann feinerlei Zweifel bestehen
daß wenigstens das seit dem 11. Januar 1923 befehte Ruhr gebiet und die Städte Düsseldorf und Duisburg spätestens am 16. August d. 3. geräumt werden.
Angaben von gleicher Bestimmtheit über die nördliche Rheinlandzone lassen sich leider auch heute noch nicht machen. Der Standpunkt der Reichsregierung, daß diese Zone gemäß den Borschriften des Vertrages von Versailles am 10. Januar 1925 hätte geräumt werden müssen, ist und bleibt unverändert. von mir schon erwähnte Note, die nach vielen Erinnerungen endlich am 4. Juni eintraf, beweist, daß die Entwaffnung Deutsch lands tatsächlich durchgeführt iſt.
Die
Eine auch nur einigermaßen der Billigkeit entsprechende Begründung für die schwere Maßnahme der Nichträumung der besetzten Rheinlandzone fann in geringfügigen Rückständen wirt lich nicht gefunden werden. Selbstverständlich werden gleich mohl alle Rückstände der Ausführung, die sich als solche erweisen, auf das schleunigste nachgeholt werden. Allerdings muß ausge sprochen werden, daß Forderungen, deren Begründung rechtlich nicht gegeben ist, nicht anerkannt werden können. In dieser Richtung muß die Reichsregierung versuchen, sobald die Prüfung der Note abgeschloffen ist,
ohne jeden Verzug mit den alliierten Regierungen in Berbindung zu treten. Die von der französischen Regierung der deutschen Regierung überreichte Note über die Frage des Sicherheitspattes wird nach einer Bereinbarung mit den alliierten Regierungen erst morgen früh veröffentlicht werden.
Die deutsche Regierung wird die Note mit dem ganzen Ernst, der hierfür erforderlich ist, prüfen. Angesichts unseres bisherigen Borgehens in der Sicherheitsfrage brauche ich nicht besonders betonen, daß in gleicher Weise, wie sich die französische Regierung in den Schlußworten der Rote ausspricht, die deutsche Regierung es begrüßen würde, wenn Verhandlungen in Gang tommen würden, deren Ziel der Abschluß von Vereinbarungen ist, die eine wirtjame Friedensgewähr darstellen. Bon Wichtigkeit ist die Tatsache, daß das neue System einer allgemeinen Abrüstung aber nicht durchgeführt ist. einer allgemeinen Abrüstung aber nicht durchgeführt ist. Der bestehende Zustand wird von der Uniogik beherrscht, daß das neue System nur von Deutschland und einigen an deren Staaten in Anwendung gebracht ist, dagegen das alte System einer Aufrechterhaltung der vorherigen Wehrfähigkeit bei den anderen Staaten weiter besteht. Solange das große Programm der Abrüstung nicht allgemein und gleichmäßig für alle Staaten gelöst ist, wird ein vollendetes, die gesamte Welt umfassendes Friedenssystem nicht möglich sein.
Deutschland wird immer das Seine tun, um auf dem Wege direkter Vereinbarungen einen Zustand in ganz Europa herzustellen, bei dem ein Zusammenleben der europäischen Völker nach den Grundsägen der Vernunft und Gleichberechtigung gewährleistet ist. Gelingt eine solche allgemeine Leistung, fo möge sie ein Alüdverheißendes Borzeichen für das nächste Jahrtausend deutscher Geschichte auf rheinischem Boden sein.
Nach dem Reichstanzler ergiff
Ministerpräsident Otto Braun namens der preußischen Staatsregierung das Wort: Als Leiter der preußischen Staatsgeschäfte rufe ich heute dem theinischen Volk zu seiner in diesen Tagen stromauf, stromab statt. Furdenden Jahrtausendfeier aus tiefften Herzen freudige Grüße und wärnfte Wünsche zu. Dabei betrachte ich es als eine willkommene
Auch in der Besetzung der leitenden Stellen der StaatsverWechsel eingetreten. Die ganz überwiegende Mehrheit der leitenden politischen Beamten dieser Provinz find heute Rheinländer! Das entsprach einer alten Forderung des rheinischen Boltes! Darüber hinaus hat die Preußische Staatsregierung auch in die Ministerien an wichtigen Posten, denen die Bearbeitung der Angelegenheiten des Westens obliegt, Beamte berufen, die selbst dem Rheinland entstammen.
Diese Grundfähe bedeuten eine bewußte Bejahung der völligen Entfaltungsfreiheit der alten fulturellen Kräfte des Rheinlands. An diesen Grundsätzen soll selbstverständlich auch in Zukunft. festgehalten werden!
der Natur war es auch, das auf dem Feld der Wirtschaft allen Das Rheinland mit seinen reichen Schäßen des Bodens und anderen Teilen des Vaterlandes voran einen bewundernswerten Eifer entfaltete. Rheinische Tatkraft und rheinischer Gewerbefleiß werden unserem preußischen Volt immer ein leuchtendes Vorbild sein. Vorbild soll uns nicht nur sein die frische und wagemutige Initiative des rheinischen Unternehmertums, sondern vor allem auch die emfige Tätigkeit der Arbeiterschaft.
Bon Herzen tommenden Dant statte ich bei dieser Gelegenheit der Bergarbeiterschaft des rheinisch- westfälischen Induftriebedens ab. Jenen Menschen, die in gefahrvoller Arbeit die schwarze Kohle aus dem unsicheren Innern der Erde zu Tage holen. Sie find es, die für fast alle anderen Industriezweige die notwendige Nahrung herbeifchaffen. Hart und unerhört oft ift die Bergknappenschaft dieses Gebietes im letzten Jahre durch furchtbare Katastrophen heimgesucht worden. Ein Maffengrab folgte dem anderen! Der jähe Tod dieser Männer erfüllt uns alle mit tiefer Trauer. Die preußische Staatsregierung erklärt erneut ihre freudige und unbedingte Bereitschaft, alles zu tun und nichts zu unterlaffen, um die Betriebsgefahren in den Gruben zu verringern und Unglüde fünftig möglichst zu vermindern.
Wir verdanken dem Rheinland aber auch eine unvergleich liche Kultur und eine starte Befruchtung unseres geistigen Lebens. Allüberall auf rheinischem Boden werden wir an die Bedeutung der Rheinlande für die Kultur und das Geistesleben unseres Volkes erinnert. Wuchtig reden noch heute von der römischen Zeit die Baudenkmäler in Trier . Bon Xanten bis Worms erzählt der Rhein von der deutschen Heldengestalt der Bölkerwanderungszeit, dem Liebling der deutschen Sage. Von der Karolingischen Renaissance legt Aachen beredtes Zeugnis ab. Bon der mittelterlichen Blüte im wissenschaftlichen, fünstlerischen und religiösen Leben gibt Köln stolze Kunde.
Die erhabene Gothit der Kölner Domtirche ist auch für
jeden nichtrheinländer ein Boltsheiligtum! Dieses Heiligtum verförpert hier im Westen im gleichen Sinne ein aufragendes Symbol für deutsche Einheit und nationales Zusammengehörigkeitsgefühl, wie brüben im Dften unseres Landes die machtvolle Marienburg. Von den Zeiten des Wiederaufstiegs nach Jahrhunderten trüben Niederganges zeugen die
großzügige Entfaltung fommunaler Selbstverwaltung und die Pflege der Wissenschaften an den vielen hochwertigen Bildungseinrichtungen öffentlichen und privaten Charakters.
Gerade der Zusammenschauß des Westens mit dem Often hat Breußen stärker, als es oft erfannt wird, befruchtet. So kann Preußen seiner besonderen geschichtlichen Aufgabe, den Einheitsgedanken der Deutschen zu fördern, in schönster Weise gerecht werden. Den Dant des preußischen Staates an die Rheinlande faffe ich zusammen in den Ruf, in dem ich mich mit dem gesamten preußischen Volk diesseits und jenseits des Rheins einig weiß: Möge das rheinische Bolt bald wieder ein völlig freies Bolt fein!
Wann Neuwahlen stattfinden, fann man nicht genau
sagen, denn der Präsident des Direktoriums hat wiederholt erklärt, daß er es mit Neuwahlen nicht sehr eilig habe.
In der Marokkofrage, die ebenso bedeutend vom nationalen wie vom internatoinalen Standpunkt ist, werden die Sozialistische Partei und der Gewertschaftsbund endlich die Erfolge ihres Kampfes gegen den marokkanischen Feldzug erleben. Fast das ganze Land, und darunter auch sehr viele Militärs, wünschen heute, daß man Marokko völlig aufgibt. Man betrachtet diese Angelegenheit wie einen Krebs, den man ausschneiden muß; denn er gehrt in unerträg licher Weise an den Lebenskräften des Landes. Das Direktorium weiß das sehr gut. Wenn es nicht das ganze Unternehmen völlig aufgibt, so wird es doch sein möglichstes tun, um es auf ein Minimum zurückzuführen. Es ist bereits im Begriff, die Stadt Tetuan aufzugeben, und es scheint, daß man das gleiche für Melilla beabsichtigt. Aber der Rückzug auf Tetuan hat derartige Opfer gekostet, daß das Direktorium zögert, sich in ein neues derartiges Unternehmen einzulassen. Man berichtet jezt, daß das Direftorium an ein neues Unternehmen gegen Alhucemas denkt. Die öffentliche Meinung, die sich mit diesen Fragen beschäftigt, ist darüber sehr beunruhigt, denn sie erinnert sich noch sehr gut an die Ereignisse von 1921 anläßlich der blutigen Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen gekostet hat. Niederlage von Anual, die das spanische Heer über 50 000 Auf jeden Fall, welche Lösung man auch immer suchen wird, es gibt nur eine, die dem Lande Befriedigung verschafft: die völlige Preisgabe Marokkos .
Die Stellungnahme von Partei und Gewerkschaft gegenüber dem Direktorium ist klar und unzweideutig. Wir führen eine legale Opposition. Das Direktorium hat das Barlament und die verfassungsmäßigen Garantien auf= gehoben. Es erklärte den Kriegszustand und führte die Bressezensur ein. Diese Maßregeln haben jedoch die Entwicklung unserer Organisation nicht hindern können. war hatte die ma i feier 1924 und 1925 feinen besonderen Ausdruck, da jede offizielle Kundgebung verboten war. Aber trotz dieser Maßnahme haben die gewerkschaftlichen und sozialen Organisationen in allen großen Städten, besonders in Madrid , am 1. Mai gefeiert. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften und der Partei hat bedeutend zugenommen, und ich darf wohl sagen, daß heute die öffentliche Meinung für die Arbeiterklasse größere Sympathie hat als vorher. Heute find viele Leute in Spanien außerhalb des sozialistischen Lagers der Ansicht, es gebe zur Lösung der schwierigen Brobleme für unser Land keine andere Möglichkeit als die Bildung einer Regierung, an der Sozialisten und Vertreter der Gemertschaften in hervorragendem Maße beteiligt find. Man fann ohne Uebertreibung sagen, daß heute für viele Spanier die Arbeiterorganisationen die einzige Hoffnung darstellen für den Augenblid, wo das jetzige Regime verschwinden wird.
Spaniens wirtschaftliche Lage ist ziemlich ernst, die Arbeitslosigkeit stellenweise groß. In verschiedenen Industrien, z. B. in der Bauindustrie, umfaßt die Arbeitslosigkeit 60 Prozent. Dieses Verhältnis ist in der Landwirtschaft noch größer, denn die Auswanderung der Bauern nach den großen Städten ist erschreckend groß. Natürlich trägt fie dazu bei, die Arbeitslosigkeit in der Industrie noch zu vermehren. Die Kosten für die Lebenshaltung sind sehr hoch, besonders die notwendigsten Bedarfsartikel haben in der letzten Zeit eine große Preissteigerung erfahren. Ebenso find die Wohnungen sehr teuer. Die allgemeine Wirtschaftslage verbessert sich nicht, da die Militärbittatur zu viel Geld verbraucht. Seit der Machtergreifung durch das Direktorium ist das Defizit auf etwa 1 Milliarde Besetas angestiegen. Man glaubt, durch die Ausgabe neuer Schatzscheine ein Hilfsmittel gefunden zu haben. Aber auch dieses Mittel wird die Situation nur verschlimmern, denn die Wertverminde rung bes Beseta führt zur Abwanderung bes Rapitals.