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Nr. 405 42. Jahrg. Ausgabe A Nr. 207

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Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Freitag, den 28. August 1925

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Gebt Lohn- nicht Worte!

Preisabbanaktion und Arbeiterschaft.

wird dabei zu spüren bekommen, daß die großen Massen des Voltes sich nicht zum Spielball einer unfähigen und an­maßenden Gruppe von Großkapitalisten machen lassen werden.

Ein Dokument der Schande!" Urteil des Stegerwald- Blattes über die Unternehmer.

Mehr als eine Million Arbeitnehmer steht im schwersten einen Abbau jener Sozialpolitik für sanierungsreife Unter-| ihre Stellungnahme gegen die Arbeiterschaft abfenten will, Kampf um ihr Recht auf Leben. Die Teuerung, die entnehmer, die schon seit langem die Quelle unwirtschaftlicher gegen den Warnungen und Protesten der Arbeitervertreter Rapitalvergeudung und-festhaltung in unrentablen Betrieben, durch das Zollgeseß bewußt und vorsäglich herbeigeführt Warenlägern usw. ist. Werden diese Zusagen innegehalten, wurde, zwang zu diesem Kampf. Noch fann man nicht ab- wird ferner der Eingriff in das überspannte Kartellrecht mit sehen, wie er entschieden wird. Not und Erbitterung breiter der notwendigen Energie vorgenommen wir zweifeln Boltskreise begehrt auf gegen die unfähige und planlose Birt- daran, so werden die Konkurse zunehmen, die jetzt unwirt­fchaftsführung einer großkapitalistischen Herrentaste, die keine schaftlich verwendeten Kapitalien und Kredite zu produttiveren. Rücksicht auf die sozialen Pflichten fennt, die den monopolisti- 3wecken frei werden. Dann wird es auch eine Weile lang einen schen Wirtschaftsgeist in Krieg und Inflation hochgezüchtet hat Stillstand, vielleicht sogar an einzelnen Stellen einen Abbau und jetzt sich den Konsequenzen ihrer Taten mit windigen der Preise geben. Nußen davon aber hat nur der, der dann Ausflüchten zu entziehen sucht. Dies ist der ganze Sinn Geld hat. Große Kreise der Arbeiterschaft werden es aber zu der programmatischen Erklärung, mit der die Spizenorgani- diefm Zeitpunkt deshalb nicht haben, weil eine derartige sationen der Wirtschaft, angefangen von de rVereinigung der frisenhafte Entwicklung sich auf dem Rücken der Konsumenten Deutschen Arbeitgeberverbände bis zur Hauptgemeinschaft des pollzieht, weil sie immer von einer steigenden Arbeitslosigkeit deutschen Einzelhandels, ihre Stellungnahme zum Bauarbeiter begleitet ist. Die Arbeiter selbst werden einen solchen Preis­tampf fennzeichnete.

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Und die Regierung? Sie fühlt sich als Angestellter dieser Verbände. Sie hat in ihrer Steuer- und Zollgesez­gebung den Boden für die jetzt schwebenden Auseinander­jegungen geschaffen. Sie hat die Preise in die Höhe schnellen laffen. Sie hat gewußt, daß es so fommen würde und mußte. Weil sie es gewußt hat, deshalb hat sie schon bei der Be­gründung des Zollgefeßes die ,, Preisfentungsaftion" in Aussicht gestellt, deren Reklame in schreiendem Widerspruch zu ihrer Qualität steht. Die Regierung selbst schäßt sie ein als das, was der ganze Rummel wert ist. Sie beschließt ein paar Maßnahmen und fährt in die Ferien. Luther , Neu­haus, v., Schlieben und selbst der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns haben gerade in dem Augenblick, in dem das arbeitende Bolk die schweren Folgen ihrer voltsfeindlichen Wirtschaftspolitik zu spüren bekommt, der Reichshauptstadt den Rücken gekehrt. Sie sind über die ganze Sache, über Teuerung und Lohnkämpfe, über Volksnot und-verzweiflung

erhaben.

Der Kampf der Bauarbeiter.

Um Mitternacht noch kein Verhandlungsergebnis.

In der gestrigen Verhandlung im Reichsarbeitsministe. rium über den Antrag der Bauunternehmer, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären, tam es zunächst zu nochmaligen ffundenlangen Besprechungen über die Lohnfrage. Es wurde ein Unterausschuß eingefeht. Wiederholt zogen sich beide Parteien zu Sonderbesprechungen über das neue Angebot der Unternehmer zurüd. Um Mitternacht waren die Verhand­lungen noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis gediehen. Die Verhandlungen gestalteten sich außerordentlich schwierig. Die Unternehmer zeigten ein sehr geringes Ent­gegenkommen. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß die Ver­handlungen noch weit in die Morgenstunden andauern werden.

stillstand mit Arbeitslosigkeit zu bezahlen haben. Und es ist bezeichnend, daß man den Mut zu einer solchen Zuspigung der Krise findet, nicht aber gleichzeitig Vorkehrungs­der Krise findet, nicht aber gleichzeitig Borfehrungs maßnahmen trifft, um ihre sozialen Begleitwirkungen ab­zuschwächen. Wo ist für diesen Fall das Programm zur Ver­gebung öffentlicher Arbeiten und zur Ausführung von Not­standsarbeiten? Mittel dazu sollten doch aus den großen Mittel dazu sollten doch aus den großen leberschüssen der Reichskasse abgezweigt werden können, die ja zum größten Teil aus den Taschen der Berbraucher stam men! Das Programm ist nicht da, und der Reichsarbeits­minister Dr. Brauns ist in Ferien.

Was sie hinterlassen haben, das stand in der gestern von uns angekündigten Regierungserklärung. Die Kabinetts­beschlüsse, die sich auf den Preisabbau beziehen, find rasch ge­fennzeichnet. Sie entsprechen den Erwartungen, die wir von Anfang an der Aktion entgegengebracht haben. Soweit die Maßnahmen nützlich sind, handelt es sich um Dinge, die vor einem Jahr und früher fällig waren, die aber damals unterlassen wurden. Doch auch diese nüzlichen Maßnahmen haben einen eng begrenzten Wirkungsgrad. Sie fönnen die Preispanif, die jetzt im Anschluß an das Infraft treten der Zölle droht, aufhalten. Sie fönnen aber nie mals die Teuerungsfattoren ausschalten, die durch das Zollgesetz geschaffen und in den letzten Preis­erhöhungen bereits wirksam geworden sind. Will man das den Arbeitern nicht glauben, so soll man getrost die Leute fragen, die den eingangs erwähnten Aufruf mit unterschrieben Die Borahnung der Krise ist es auch, die den Unter­haben und die als privatkapitalistische Unternehmer dem Ber- nehmern des Bau- und Textilgewerbes den Mut gibt, den brauch am nächsten stehen. Die Hauptgemeinschaft des Deut- starken Mann zu spielen. Ein Streit ist für diese Kreise ein schen Einzelhandels hat gestern in einer Pressekonferenz durch Moratorium; fie brauchen ihren Kreditverpflichtungen nicht berufene Führer ihres Gewerbezweiges erklären lassen, daß oder doch mur in gedämpftem Tempo nachzukommen. Eine ein Preisabbau von der ganzen Aktion nicht zu erwarten ist, zeitweilige Stillegung ganzer Industrien durch Aussperrung sondern höchstens eine Stabilisierung des Preisniveaus. läßt sie hoffen, daß man an vielen Stellen wieder Beit ge­Diese Leute wissen, warum sie, auf die Gefahr der Anfein- winnt. Die Textilindustrie kann den im Winter wachsenden dung durch alle übrigen Unternehmergruppen, den Mut Warenbedarf, kann die schleppenden Zahlungseingänge ab­zu einer solchen Erklärung finden. Denn sie sollen so war warten, um die Produktion mit einer wie sie denkt- aus vielen Regierungstommentaren herauszulesen zusam durch Hunger zur Arbeitsfreude erzogenen Arbeiterschaft wie men mit den Arbeitern für den Fehlschlag der von vorn- der aufzunehmen. Aehnlich sind die Kalkulationen anderer herein zur Aussichtslosigkeit verurteilten, weil unwahrhaftigen Gruppen. Im letzten Wesen ist dieser Kampf wie alle bis Berbilligungskampagne verantwortlich gemacht wer- herigen Lohnfämpfe eine Machtfrage. Die Unternehmer schei den. Die angeblich mittelstandsfreundliche Presse der Deutsch- nen sich auch nicht durch ihre Niederlage im Holzgewerbe be­nationalen hilft der Regierung bei diesem durchsichtigen Mano- lehren lassen zu wollen, wie weit der Kampfeswille und der ver. So sehr wir Mißstände in der Warenverteilung zu jeder Opfermut der großen organisierten Arbeitermassen geht, wenn Beit bekämpft haben, so unsinnig ist es, jetzt das letzte diefer Machtkampf heraufbeschworen wird. Glied in der tapitalistischen Warenverteilung für die Folgen einer Rollpolitt verantwortlich zu machen, die den Preis und Kartellschutz der Produzenten zur nationalen Aufgabe proklamiert hat.

Alsp an einen Preisabbau, der infolge dieser Regie­rungsmaßnahmen eintreten fönnte, ist nicht zu denken. Eher ift es möglich, daß die durch die Bollvorlage bereits genährten Krisensymptome am Warenmarkt zur offenen Krise fich ent wideln, und daß dann vorübergehend die Preise durch Konkurse und Zusammenbrüche in Handel und Produktion geworfen werden. Die Regierung selbst arbeitet auf die volfs wirtschaftlich notwendige und gesunde Reinigungskrise hin, indem sie in ihr Berbilligungsprogramm" den Abbau der Geschäftsaufsichtsordnung einbezogen hat. Denn das bedeutet

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Sie die Unternehmer haben ihre Zölle. Die Arbeiterschaft hat deren Wirkung, die Teuerung, zu spüren bekommen. Ihr Kampf geht um eine gerechte Sache, darum nämlich, den Re allohn der Vorkriegszeit wiederherzustellen, die furchtbaren Verluste der Arbeiterhaushaltungen in der Inflationszeit auszugleichen und durch eine Heraufsetzung des allgemeinen Lohnniveaus erst den inneren Markt zu schaffen, der den Boll Lauf der deutschen Wirtschaft und damit die Herabsetzung der Produktionskosten ermöglichen soll. Ein solcher Kampf wird nicht durch papierne Regierungsversprechungen beigelegt. Er muß ausgekämpft werden.

Die Regierung, die mit ihrer Preisabbauattion" nur von der Berantwortung für die Ursachen des Kampfes und für

Die von Adam Stegerwald begründete und von ihm noch heute start beeinflußte Tageszeitung der Christ­lichen Gewerkschaften ,,, Der Deutsche", ist über die im letzten Abendblatt besprochene Rundgebung der Unternehmer­verbände aufs höchste entrüstet. Das Blatt bezeichnet die Kundgebung als den Generalangriff der Arbeit= geber" und sagt dazu folgende bittere Wahrheiten:

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Diese Kundgebung ist für das deutsche Unternehmertum ein Dokument der Schande. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger, als um eine großangelegte Jrreführung der Deffentlichkeit, es handelt sich darum, durch eine tendenziös unrichtige Darstellung der Lage im Baugewerbe der gesamten Arbeitnehmerschaft die Möglichkeit, höhere Löhne zu erlangen, zu entziehen. Schon vor dem Kriege waren die Löhne der Bauarbeiter in Berücksichtigung des Saisoncharakters des Gewerbes so, daß eine förmliche Flucht aus dem Baugewerbe statifand. Nachwuchs für das Gewerbe war ebenfalls nicht zu erhalten. Er. innert muß an die vielfachen Bestrebungen werden, dem Mangel an qualifizierten Arbeitern im Baugewerbe Einhalt zu tun. Troß dieser Knappheit an Arbeitern weisen die Löhne der Bauarbeiter feine Ueberspannung auf. Wo die Löhne mehr stiegen Existenzmöglichkeit gestatteten. Im allgemeinen bewegen sich auch die als die Teuerungsziffer, handelt es sich um Löhne, die einfach keine erhöhten Bauarbeiterlöhne unter dem Real einkommen der Bor­triegszeit, zumal auch die Arbeitszeitverkürzung in Rechnung zu stellen ist. Auch die in Großstädten vereinzelt anzutreffenden hohen Attordlöhne von Spezialarbeitsgruppen weisen teine höhere Steige­rung auf als die Lebenshaltungsinderziffer.

Maßgeblich für die Bemessung der Löhne soll allerdings die Leistung sein. Trotzdem die Borkriegsreallöhne im allgemeinen nicht erreicht sind, ist die Leistung der Bauarbeiter erheblich gefiegen. man sehe sich nur auf den Bauten um. Da wird nicht mehr gearbeitet, sondern geschuftet. Vielfach ist Akkordarbeit die Regel. Die Revolutionspsychose mit ihrer Arbeitsunlust ist längst

überwunden.

Bären die vereinten Arbeitgeber, die sich so gegen die an­geblich hohen Bauarbeiterlöhne entrüften, von dem ehrlichen Willen getragen, die Wahrheit zu ermitteln, so hätten sie sich daran geben müssen, die Lohnuntoften am Baupreis festzustellen. Heute sind die Cohnunkoften im Verhältnis zum Preis erheblich niedriger wie in

der Borkriegszeit. Wenn trotzdem die Baupreise die Gesamtteuerung um 40 Prozent übersteigen, so tragen dafür die Verantwortung die Grundstücksspetulanten, die Preispolitik der Rartelle, der Biegeleien, ber Staltbrennereien, ber 3ementfabriten, der Holzhändler usw. Hier liegen die wirklichen Ursachen der Teuerung auf dem Baumarkte. Die vereinten Arbeitgeberverbände handeln volkswirtschaftlich verantwortungslos...

Die Einheitsfront der Unternehmer zur Niedrighaltung der Arbeiterlöhne ruft die Einheitsfront der Arbeiterschaft auf. Wenn schon das christliche Blatt Stegerwalds zu einem so schweren Verdammungsurteil über die Haltung des Unter­nehmertums tommt, was glauben die Herren wohl, wie ihr Pronunziamento auf die Millionen Arbeiter wirkt, die nicht zur Fahne Stegerwalds schwören?

Die Rundgebung der Unternehmerverbände ist mehr als ein ,, Dokument der Schande". Es ist die unverhüllte Bro= tlamation des Klassentampfes von oben. Während unzählige Soldfedern in Betrieb sind, um der Sozialdemo­fratie die Klassentampftheorie als Verbrechen an­zufreiden, üben die Unternehmerverbände falten Blutes die Klassenfampfpragis. Wir beklagen uns nicht dar­über, wir stellen nur die Tatsache fest, um die Heuchelei jener anzunageln, die bei dem Gedanken an den Klassen­kampf" schon in bombensichere Unterstände friechen möchten. Die Unternehmerverbände von den Banten über Industrie und Handwert zum Groß und Klein­handel stehen in Einheitsfront gegen die Bau­arbeiter und damit gegen die gesamte organi fierte Arbeiter sch a ft. Raum jemals ist die Klaffen­scheidung flarer hervorgetreten, als in diesem Aufmarsch!

Inzwischen können Wohnungen verfallen und Neubauten weiter ftilliegen, tönnen Ungezählte weiter auf eine Wohn­