Abendausgabe
Nr. 432 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 213
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Vorwärts
Berliner Volksblatt
10 Pfennig
Sonnabend
12. September 1925
Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit S- 5 Uhr
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In Holland erhielten die Kommunisten 36 786 Slimmen, die Sozialdemokratie hingegen 706 000 Stimmen. Die Kommunistische Partei ist in drei Fraktionen gespalten.
In Italien erhielten die Kommunisten 268 000 Stimmen. Beide sozialistischen Parteien erhielten 780 000 Gtimmen.
Die Schlachtberichte in der„ Roten Fahne" werden fortgesetzt.| Spaltung die Bosschewisten die ganze Führung der Partei an sich Abteilungen, Unterabteilungen, Zahlabende und Unterzahlabende geriffen; nun find fie im Berfall, während die sozialistische Partei sich nehmen zum Brief des Etti Stellung.( Es heißt nämlich das in starter Zunahme befindet. Etfi, nicht die Etti!) Fein säuberlich wird die Statistik darüber geführt, ob mit 3 gegen 4 oder mit 4 gegen 3 Mitgliederstimmen der Brief des Etti abgelehnt oder gebilligt worden ist. Auf diese Weise bekommt man auch sehr bequem eine doch Statistit sicher zuverlässige über die fommu nistische Massenpartei. Der Zentralvorstand Don Berlin Brandenburg hat eine Scheinunterwerfung vorgenommen und der Unterwerfungsresolution eine Erklärung angehängt, die die neue Redaktion der„ Roten Fahne" in große Aufregung verfekt." Irreführung der Mitglieder",„ Berdrehung der Sachlage" usw. wird den Berliner vorgeworfen. Am rabiatesten find offenbar die Funktionäre in der radikalen Hochburg der Ruth- Fischer- Maslow- Gruppe, dem wedding. In einer heftigen Resolution gegen den neuen Kurs entschlüpft ihnen folgen des Geständnis:
In Jugoslawien haben die Kommunisten 13 000 Stimmen und fein Mandat erhalten. Ihre Gewerkschaftsorganisationen, die früher sozialdemokratisch waren, haben 20 000 Mitglieder.
In Lettland haben die Kommunisten 1000 Mitglieder. Bei den Wahlen erhielten sie fein Mandat. Die Sozialdemokraten erhielten 242 000 Stimmen oder 32 Pro3. aller abgegebenen Stimmen. In Deutschland hat die Kommunistische Partei angeblich 250 000 Mitglieder. Die Partei erhielt bei den Präsidentenwahlen vom 29. März 1 851 000 Stimmen. Die Sozialdemokratische Partet
erhielt 7 802 000 Stimmen.
In Normegen erhielten die Kommunisten bei den letzten Wahlen 58 000 Stimmen, die von Moskau abgefallenen Unabhängigen 178 000 Stimmen, die Sozialisten 87 000 Stimmen.
In Polen , wo die Kommunistische Partei 5000 Mitglieder zählt, erhielt sie 128 000 Stimmen. Die Sozialdemokratie dagegen 911 000 Stimmen!
In Desterreich erhielten die Kommunisten 22 161 Stimmen, die Sozialdemokraten 1311 000 Stimmen.
In Schweden gibt es zwei kommunistische Parteien. Die eine erhielt 24 600, die andere 65 000 Stimmen. Die Sozialdemo: traten erhielten 726 000 Stimmen.
,, Die Funktionäre verkennen aber feineswegs die Tatsache, daß der Brief der Parteiorganisation Berlin- Brandenburg in Anbetracht der bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen große Hemmnisse und Gefahren mit sich bringt, weil die durch den Brief heraufbeschworene Parteifrife weidlich ausgenutzt werden wird von unseren Gegnern, ganz besonders von der SPD . Mit aller Entschiedenheit wehrt sich der Funktionärkörper gegen den Vorwurf des Antifommunismus und Antibolshewismus. Dieser Vorwurf hat das Resultat einer Hege der bankrotten Führerfligue um Brandler und seiner erstaunlicherweise fleinen Anhängerschaft gegen den Teil der Mitglieder, die man unberechtigterweise ultralinte Gruppe nennt" und deren einziges Verbrechen darin bestand, daß sie die Taktik an der Präsidentenwahl sowie die Taktik dem Voltsblock gegenüber nicht billigt. Bedauerlicherweise hat die Mehrheit der Parteileifung diefe Hehe unterstüht und trägt dieselbe einzig und allein die Verantwortung für die Parteiktife und der daraus resultieren- wiftische Zerstörungsarbeit, die im Gefolge der Nachkriegswirren die Es ist doch wenigstens gut, daß ab und zu der kommunistischen 3enfur etwas entgeht. Man weiß jezt doch wenigstens, was von bem unaufhaltsamen Vormarsch der KPD ." zu halten iſt. Wir wünschen dem Etti viel Glück zur weiteren Entwicklung seiner Massenpartei.
den allgemeinen paffiven Stimmung.
Köln , 12. September. ( Eigener Drahtbericht.) In einer Be trauensmännerversammlung der Gewerkschaften und der Partei sprach am Freitag Genoffe Sollmann über Bon Spartakus bis zum KPD . Bantrott". Der 3ustrom war so groß, daß die sämtlichen Säle des Volkshauses den Andrang nicht faffen fonnten. Gleich 31 Beginn stellten die Kommunisten den Antrag, an Stelle Sollmanns ihre Kölner Rußlanddelegierten sprechen zu lassen. Die Bersammlung lehnte diesen Antrag unter stürmischen Gelächter gegen einige Stimmen ab. In zweistündigem Bortrag gab unser Redner. einen Rückblick auf die 3idzadlinie der Kommunisten und zergliederte dann den Brief der Eretutive. Die Stimmung der Versammelten entschied sich immer wieder gegen die verbrecherische Taftit der Kommunisten. Kein Kommunistenführer, auch nicht die anwesenden Rußlanddelegierten, meldeten sich zu Wort. Erst nach wiederholter Aufforderung irat ein kommunistischer Arbeiter in die Diskussion. Seine Rede war ein Zugeständnis für die große Berwirrung, die der russis.he Brief innerhalb der KPD. angerichtet hat. Die Kommunisten am Mittelrhein, so erklärte er, lehnten die neue Taktik ab und stünden frei zu Ruth Fischer und Maslom. Genosse Fries ergänzte bann die Rede Sollmanns. Er als früherer Kommunist könne die russische Diktatur über die deutschen Kommunisten und die völlige Einflußlosigkeit der kommunistischen Arbeiter auf die Gestaltung der Barteitaftit nur bestätigen. Die große Versammlung löfte fin gegen Mitternacht in begeisterter Stimmung auf. Sie war ein Beweis dafür, daß die Arbeiter und es waren Arbeiter in der Bersammlung von der KPD. nichts mehr wissen wollen. Verfall der Moskauer Internationale. Ratastrophaler Rückgang in allen Ländern. 3um Marseiller Kongreß hat die sozialistische Arbeiterinternationale einen Bericht über die Stärke und Tätigkeit der bolschewistischen Parteien der ganzen Welt ausgegeben, aus dem der Ber fall der kommunistischen Internationale in Europa und Amerika deutlich hervorgeht. Es genügt, die Zahlen sprechen zu lassen:
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In Amerika zählte die sozialistische Bartei im Jahre 1919 In Amerika zählte die sozialistische Partei im Jahre 1919 104 822 Mitglieder, 1924 hat sie bloß 12000 Mitglieder. Das ist cine Folge der bolschewistischen Vernichtungswut. Die Kommunisten erhielten bei den letzten Wahlen in den Bereinigten Staaten
37 008 Stimmen.
In England hat die kommunistische Partei 3700 Mitglieder, erhielt bei den Wahlen 55 436 Stimmen und ein Mandat. Die Arbeiterpartei erhielt 5 550 000 Stimmen!
In Belgien hat die fommunistische Partei 590 Mitglieder and erhielt 34 147 Stimmen( zwei Mandate). Die belgische fozialistische Bartel erhielt 820 650 Stimmen!
In Dänemart erhielt die kommunistische Partei bei den legten Wahlen 6219 Stimmen, die Sozialdemokratie hingegen 470 000!
Zu erwähnen wäre, daß die Ziffern über die Stärke der Kommunisten von offizieller tommunistischer Seite( aus einem Bericht der Moskauer Internationale) stammen. Sie zeigen mit aller Deutlichkeit, daß das westeuropäische Proletariat die boliche
Arbeiterbewegung spaltete und zerfezte, zum größten Teil bereits überwunden hat. Die geschichtliche Entwicklung wird auch die letzten Reite der kommunistischen Inflationsgründungen von der Bildfläche verschwinden lassen.
Die Einladung abgegangen. Ueberreichung am Dienstag.
Genf , 12. September. ( EP.) Heute vormittag ist nun endlich die viel besprochene Einladung an die deutsche Regierung zu der Konferenz über den Sicherheitspalt nach Berlin abgegangen. Sie wird auf dem gleichen Wege wie die frühere Note des franzöfischen Außenministers Briand an die deutsche Regierung, d. h. durch den Berliner französischen Botschafter, und zwar erst am Dienstag überreicht werden. Die konferenz foll nun in den ersten Tagen des Oktober stattfinden, während über den Ort der Konferenz noch nichts Endgültiges beffimmi worden ist, da die Antwort Mussolinis hier immer noch nicht eingetroffen ist. Briand ist heute Bormittag nach Paris abgereift, wo er im Laufe der nächsten Woche mit dem dortigen deutschen Botschafter über die Einzelheiten der Konferenz verhandein wird.
Mailand , 12. September. ( EP.) Ueber die Stellungnahme Italiens zur bevorstehenden Außenministerfonferenz erfährt der Secolo" aus zuverlässiger Quelle in Rom : Wenn Italien auch an allen vorbereitenden Unterhandlungen über den Sicherheitspaft in Rom teilgenommen habe, so sei doch seine praktische Beteiligung noch nicht entschieden. Italien behalte fich auch weiterhin volle Handlungsfreiheit vor und werde erst den geeigneten Augen blid abwarten, um sich in einem endgültigen Beschluß festzulegen. Eine persönliche Teilnahme Mussolinis an der Konferenz der Außenminister erscheine vorläufig nicht wahrscheinlich, obwohl Chamberlain als auch Briand darauf warteten. Die italieni sche Regierung sei entschieden gegen den in Genf gemachten Borschlag Beneschs, eine besondere Konferenz zur Sicherung der Oftgrenzen abzuhalten, an der die Außenminister von Polen und der Tschecho flowakei teilnehmen sollen.
Reine Berkoppelung des Westpaktes mit den Ostfragen London , 12. September. ( WTB.) Der diplomatische Berichter ſtatter des„ Daily Telegraph " schreibt im Zusammenhang mit den Erklärungen, die Chamberlain gestern in Genf vor einer Anahl Journalisten über die Sicherheitsfrage abgab, er höre, die Außenminister Polens und der Tschechoslowakei seien ziemlich niedergedrückt wegen des britischen Entschlusses, bei dem Rheinlandpakt alle Verhandlungen über den Often auszuschalten. Aber in diesem Puntte stehe die öffentliche Meinung Englands hinter Chamberlain, und sogar die lediglich versuchsweise vorgebrachte Formel wonad) im Fall eines ein tretenden oder drohenden deutsch - polnischen Konflikts die Berantwortlichkeit für die Anordnung von Santtionen oder die Genehmigung zum Einmarsch der französischen Armee in das endmilitarisierte Rheinland der britischen Regierung überlassen bleiben sollte, würde ron Großbritannien und dem britischen Reich als un annehm bar und gefährlich empfunden worden sein.
Von Richard Huelsenbed.
Die Lage Chinas nähert sich einem Entscheidungspunkt. China hat für den 2. Oktober eine 3011fonferenz nach Beking berufen und die Signatarmächte des Washingioner Vertrages zu dieser Konferenz eingeladen. Es sollen hier alle Punkte besprochen werden, die die ökonomische Lage Chinas betreffen, und die in Washington zu feiner Regelung gebracht merden konnten.
Mit anderen Worten, China macht einen großen Bors Stoß, um sich vor den Augen der ganzen Welt die wirtschaftliche Selbständigkeit zu erringen, die es wegen des mehr oder weniger bösen Willens der Mächte bisher nicht erlangen fonnte und die ein Fundament für seine nationale Selbständigkeit bilden soll.
Es ist ganz zweifellos, daß China , schon ehe die Konferenz begonnen hat, einen großen moralischen Erfolg für fich buchen kann. Der Mord an den chinesischen Stu denten auf dem Bubling Bell in Schanghai , der von dem englischen Kapitän Martini inszeniert wurde, hat mit immer wachsendem Intereffe die Anteilnahme aller anständigen und ehrlich denkenden Menschen an chinesischen Problemen herbeigeführt. Auch dem Fernerstehenden scheint es heute flar, daß man diesem Lande in gröbster Weise Unrecht getan hat, und daß dieses Unrecht, wenn man den moralgetränkten Reden der führenden Männer der Mächte noch irgendwelchen Glauben schenken soll, so schnell wie möglich wieder gut ge= macht werden muß.
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Um diese Wiedergutmachung" herbeizuführen, wird es allerdings große Schwierigkeiten zu überwinden geben. Bom 29. August 1812 an, an welchem Tage England den ersten Bertrag mit China in Nanting schloß, ist China systematisch vergewaltigt worden. Man hat es verstanden, durch eine lange Reihe von Vergewaltigungen sich chinesische Häfen, die soge= nannten Vertragshäfen, zu öffnen und von dort aus die Berwaltung des Landes an sich zu reißen. Die Mächte haben daß China teine zentrale Regierung befäße, die imftande sei, China gegenüber immer dasselbe Spiel getrieben. Sie haben, wenn die Chinesen ihre Selbständigkeit forderten, behauptet, Recht und Eigentum der Ausländer zu schützen und den Zinfendienst für die ausländischen Kredite zu garantieren. Auf der anderen Seite haben sie eifrigst die Bildung der Zeniralregierung, auf die die Entwicklung in China schon seit langem hingeht, und die bei gutem Willen aller Beteiligten ohne große Schwierigteit in den Sattel zu sehen wäre, zu hinters treiben gewußt. Sie haben die gewaltigen Gegensätze, in die das Land zerfällt, durch die Unterstützung der verschiedenen Militärmachthaber, die gegeneiander bestrebt waren, die oberste Gewalt an sich zu reißen, zum Schaden des Landes ausgenugt.
große Erfolge aufzuweisen hat, haben sie behauptet, daß sie so lange nicht auf ihre angemaßten Rechte, also besonders auf das Recht der egterritorialen Gerichtsbarkeit verzichten könnten, als bis eine Zentralregierung gebildet sei, die den bolschewistischen Theorien eine ausdrückliche Absage erteilt hätte.
Nachdem neuerdings der Bolichemismus im Süden
Wenn man die Berhältniffe in China etwas genauer fennt und menn man meiß, daß alle modernen Energien von der südlichen Rantonregierung ausgehen, die dem Bolschewismus eine gewiffe Sympathie entgegenbringt, von der aber am ehesten eine Regierungsbildung zu erwarten wäre, so muten diese Behauptungen um so grotester an, und man gewinnt den Eindruck, daß die Mächte mit China nur ein frivoles Spiel treiben.
feine Hinterländer der einzige noch unerschlossene Martt für Die wirtschaftliche Weltlage ist heute so, daß China und die großen fapitalistischen Staaten ist. England sowohl wie Amerifa und Japan find im Hinblid auf ihre Industrie ,. die wie alle kapitalistischen Industrien sich ständig ausdehnen muß, un existieren zu fönnen, auf China angewiesen. Das gilt ganz besonders für 3 a pan, und so erscheint es nicht wunderbar, daß Japan sich im Hinblick auf China der bru talften tapitalistischen Mittel bedient. Der Protest der Stu denten, die durch das Kommando des Kapitäns Martini im Anfang dieses Jahres ihr Leben lassen mußten, war gegen die brutale Lohnpolitit der Japan er gerichtet, die in ihren Baumwollfabriken in Shanghai neben einer 12-16ftündigen Arbeitszeit Löhne zahlten, von deren grotester Niedrigteit sich ein deutscher Arbeiter feinen Begriff machen kann. Ein chinesischer Kuli in den japanischen Cotton Mills verdiente nämlich bis zum Ausbruch des Streits in der Stunde ca. 15 Pfennige. Nach Beendigung des Krieges hatte China von den Mächten auch ein Selbstbestimmungsrecht im eine Revision der 3ollverträge gebeten, durch Einklang mit den Zielen des Bölkerbundes verlangt und um deren Innehaltung es außerstande sei, seinen Etat zu balancieren und seinen Berpflichtungen nachzukommen.
Am 11. November 1922 wurde von Amerika die schon oben erwähnte Washingtoner Ronferenz zur Regelung der gesamten oftasiatischen Fragen einberufen. Dieje Konferenz, auf der die Chinesen unter Führung des sehr geschickten Alfred Sze die Rückgabe der Zollautonomie perlangten, brachte für China eine große Enttäuschung. Probleme, die den Mächten nicht angenehm waren, wie zum Beidem Brablem der Zollautonomie zusammenhängt, liek man ohne viel Gentimentalität unter den Tisch fallen. Eine Kommission, die eingelegt wurde, um die chinesische Zollfrage zu prüfen, war nicht viel mehr als eine beruhigende Geste. Man
In Esthland erhielt die tommunistische Barici bei den legten meldet. ist das fürzlich in einigen deuticben Zeitungen wiedergegebene piel das Problem der Egierritorialität, das ja aufs engite mit