�benöausgabe nr. 514 ♦ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 255
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Zentralorgan der Sozialdemokrattfcben Parte» Deutfcblands
Die Dolchstoßlüge auf der Anklagebank Scheidemanns Aussagen im Coßmannprozetz.
München , den 30. Oktober 1923.(V.d.Z.) Heute erfolgte im Cobmann-Prozeß die Vernehmung des ehe- maligen Oberbürgermeisters von Kassel , Scheidemann , der ungefähr folgende- ausführte: Was in den Kriegsjahren von deutschen Soldaten an Tapferkeit geleistet worden ist, sind Dinge, auf die unser deutsches Volk stolz sein kann. Der Kern dieses Heeres war aber das schaffende Volt. Warum sind wir hinausgezogen? Um das Vaterland zu verteidigen. Infolge des Hungers und des Elends unterlag Deutschland schließlich der gewaltigen Uebermacht. Wir unterlagen vor allem, weil es an einer Führung fehlte, die es verstanden hätte, rechtzeitig Frieden zu machen. Die Feinde habe» nachträglich zu ihrer Deckung behauptet, man müsse Deutschland die Lasten auferlegen, weil Deutschland allein Schuld am Kriege sei. Das war eine Unwahrheit. Schuld sind meines Trachtens alle Staaten, die am Kriege beteiligt waren. Welches Maß von Schuld auf Deutschland fällt, wird sich erst her- ausstellen, wenn man die Archive aller Staaten geöffnet hat. Aber das Eine stehi fest, daß der Teil der Schuld, der uns zu- geschrieben werden kann, ausschließlich aus diejenigen sälll, die vor dem Kriege genau dieselbe nationalistische Politik betrieben haben, die sie jetzt nach dem Kriege sortseizten. Die Vorwürfe der Gegner sind verständlich. Ich habe aber kein Verständnis dafür, daß aus unserem eigenen Volke heraus von nationalistischer Seite unsere Volksgenossen als Landes- verräter, Dolch st ößler usw. beschimvft werden. Eine solche Beschimpfung ist erbärmlich, ja noch viel schlimmer, sie ill dum m. Wo soll da de' Respekt herkommen, wenn im Aus- l-nd immer mehr der Eindruck besteht. Deutschland bestehe zu einem großen Teil aus Lumpengesindel und Landesverrätern, die nicht nur ihr Vaterland verraten haben, sondern auch in Zukunft bereit sein werden, das von neuem zu tun. Sechs Jahre lang haben die nationalistischen Kreise ihre Geschäfte mit dem Dolchstoß- L � w i n d e l gemacht. Das fing an mit der Unterzeichnung des Frisbensvertrages von Versailles . Man hat sich weiter dabei be- rufen auf den Wasfenstiilstand und zwar wider besseren Wissens. ' Tilan hat bshaapiek. daß Erzberger den Waffenstillstandsverlrag unterzeichnet ha»", um Deutschland wehrlos zu machen, während jederzeit nachgewiesen werden kann, daß Erzberger auf Befehl des jeßigen Reichspräsidenten v. hindenburg unterzeichnete. Erzberger hat damals an Hindenburg die Frage ge- richtet:.Wissen Sie, was unterzeichnet werden soll?" H Inden- bürg hat geantwortet:.3a, ich weiß es. Sehen Sie zu, daß Sie Diilderungrn durchsetzen können. Aber wenn Sie nichts durchsehen können, unterzeichnen Sie doch." Die weiteren Verhandlungen mit der Entente waren von den- selben Erscheinungen begleitet. Als das D a w e»- A b k o m m en in Deutschland di-kutierr wurde, schrien die Nationalisten: Ein neuer Verrat! Es wurde erklärt, daß dies« Dawes-Gesetze noch schlimmer seien als das Versailler Diktat. Gewisse nationa- listische Gruppen kalkulierten dann allerdings, daß, wenn sie trotz dieser feierlichen Flüche und Schwüre das Abkommen annähmen, Vorteile dabei herauskommen könnten, nämlich vier Minister- sitze Deshalb haben sie ihre Taktik geändert. Man hat weiter- geschimpft, aber schließlich doch zugestimmt. Derselbe Spektakel wiederholt sich jetzt bei L o c a r n o. Durch die wüste Agitation der Nationalisten ist die politische Atmosphäre auss schlimmste verdichtet. Durch diese Hetze gegen die sogenannten Novemberverbrecher und gegen die Dolchslößler war es möglich, daß der kapp- Lndeudorff-Pulsch im 3ahre 1920 gemacht werden konnte. Ein O p s e r dieser Hetz« wurde Erzberger und später R a th e• rau Ich darf auch daran erinnern, daß es nur einem Zufall zu verdanken war. daß ich nicht damals in demselben Jahre um die Ecke gebracht worden bin Ich darf daran erinnern, daß ich auch einmal von der Münchener Polizeidirektion durch Vermitllung der Volizei in Kassel gewarnt wurde vor einem Mordplan, der in München vorbereitet wurde, und der von einem Studenten Bauer ausging. Dieser Bauer ist dann selbst das O p f e r e i n e r Feme geworden, eine Einrichtung, die auch als eine der übelsten Eumpspfianzen aus dein Boden des nationalistisch verseuchten Deutschlands gewachsen ist. Solange diese Atmosphäre des Mordes nicht bereinigt ist und solange dieser ganze Dvlchstoßschwindel nicht aus der Welt ge- l äffen wird, solange wird in Deutschland dos Elend weiterbestehen, und solange wird sich unsere Wirtschast nicht erholen können, weil es unmöglich ist, das Ausland mit Vertrauen zu erfüllen, das wir brauchen, wenn in Deutschland wieder gesunde Verhältnisse ein- treten sollen. Wenn nun irgendein Anstreicher oder sonstwie ein harmloser Mensch mit dem Dolchstoßschwindel hausieren geht, so kann man annehmen, daß das nicht lange dauern wird und daß solcher Unsinn bald erledigt fei. wenn aber derartige vorwürfe in ein wlssenschasklich ausge- putzte» INänlelchen gehüllt werden, so befleht darin eine Gefahr. Ich habe Tausende von Drohbriefen erhalten und bin auch wiederholt das Objekt von Angriffen gewesen. D'« Politik meiner Partei im Kriege war absolut gerade. Wir begannen 1914 mit der Feststellung, daß wir jetzt wahr- machen wollten, was wir immer gesagt hatten: In der Stunde der Gefahr lassen wir das Vaterland nicht im Stich. Die Bildung einer Regierung im Jahre 1918 war nich. möalich ohne die Mitwirkung der Sozialisten. Wenn irgendetwas wahr pewefen wäre von dem, was uns später nachgesagt worden ist, so müßte man an- nehmen, daß darüber niemand besser orientiert wäre als der jetzige Reichspräsident Hindenburg und General G r ö n e r. die nach dem Zusammenbruch 1918 und 1919 mit uns zusammengearbeitet haben. Man muß sich vorstellen, was es bedeutet, daß diese Menschen mit uns zusammengearbeitet haben. wenn die Vorwürfe der valionalistcn richtig wären, könnte man sich nur vorstellen, daß ein wann wie hindenburg mit Vorliebe mit Landesverrätern zusammenarbeitet. Unsere Politik der Landesverteidigung während des Krieges war klar und entschieden daraus gerichtet, die Unversehrtheit des Reiches, die Selbständigkeit der deutschen Ration und seine wirtlchastliche Entwicklungsmöglichkeit zu wahren. Unsere Posittk erklärt sich«ms
unserer Liebe zum Daterlande. Wir wußten auch, daß es im Inter- esse der deutschen Arbeiterschaft lag. wenn wir die Mittel zum Kriege bewilligten und wenn wir nicht wünschten, daß Deutschland eine Niederlage erleidet. Es hat sich ja auch erwiesen, daß im Falle der Niederlage die A r b e i t e r s ch a f t d e r l e i d t r a g e n d e T e i l ist. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr häufen sich die Klagen aus dem Felde und aus der Etappe. wir haben die Beschwerden der Soldakcn im kriegsminifkerlum vorgetragen, wo man immer olle Klagen als übertrieben bezeichnete. Wir sind niemals im Hauptquartier gewesen, wie fälschlicherweise behauptet wird, sondern wir haben den zuständigen Stäben unsere Beschwerden vorgetragen. Es ist uns in vielen Fällen gelungen die Ursachen der Beschwerden zu beseitigen. Diese Beschwerden waren darauf zurückzuführen, daß Tausende prachtvoller Front- offiziere, die in den Tod gegangen waren und von denen die Sol- baten mit größter Liebe sprachen, ersetzt werden mußten durch Nach- folger von weniger guten Qualitäten. Je schlechter die Lage des Heeres wurde, desto größer wurden die E r o b e- rungspläne der Nationalisten, so daß sich die Soldaten fragten: Sind wir hinausgeschickt worden, um unser Vaterland zu verteidigen oder um Frankreich bis Calais zu erobern? Reichskanzler v. Velhmann Hollweg hat uns unter vier Augen zogestonden, daß er diese Forderungen für Wahnsinn Halle : er Hot aber nicht den Mut gefunden, in offener Reichstagssihung diese Leute abzuschütteln. Er hat uns oft gesagt, in welcher oerzweifelten Lage er sich befand. Er schwur uns, daß er nie daran denke, derartige Forderungen zu vertreten. Mit diesen rein kapitalistischen Forderungen,>die nach den Erzgebieten von Belgien zielten, waren dynastischeForde- r u n g e n verbunden, Forderungen von geradezu unglaublicher Borniertheit. Für Elsaß-Lothringen sollte ein neuer Landesvater, wenn ich nicht irre, aus Bayern ausgesucht werden. Mau verleilte bereits die verschiedenen neuen Herzogtümer. 3ch erinnere auch daran. wie der Kabincltschef eines solchen tandessürslen za mir kam,. ich sollte darauf hinzielen, daß wenigstens ein mecklenburgischer Prinz nach Litauen käme, denn das wäre noch einer der ge- scheitesten. Mit solchen Dingen beschäftigten sich die Herren, die glaubten, den Krieg weiterführen zu können, während unsere Väter, Söhne und Brüder«mf dem Felde oerbluteten. Dann kommt der Zeuge auf die Vorgänge bei der E r ö f f- n u n g des rücksichtslosen O'-Boot-Krieges zu sprechen. Die Sozialdemokratie hat den U-Boot-Krieg abgelehnt, well sie der festen Ueberzeugung war, daß H e l f f e r i ch recht hatte, als er dringend davor warnte, weil dieser Krieg zu einem Fiasko führen müsse. Für uns stand die absolute Gewißheit fest, daß Amerika durch einen U-Boot-Krieg unsererseits in den Krieg hineingezwungen würde. Auch Bethmann Hollweg war«in entschiedener Gegner dieses Unternehmens. Ich fragte ihn später, warum er nicht demissioniert habe, obwohl der rücksichtslose U-Boot- Krieg eingeleitet wurde. Er erwidert«, er habe dabei auf unsere Stellung Rücksicht nehmen wollen, und später die Verantwortung dem Kaiser überlassen. Auch verschiedene Staatssekre- täre waren entschieden« Gegner des U-Boot-Krieges. Für die Stockholmer Konferenz im 3ahre 1917 waren ich und Eberl die treibenden Kräfte. Bethmann Hollweg hat uns jede Erleichterung verschasst, um nach Stockholm zu kommen. Leider hatten unsere Verhandlungen nicht den erwarteten Erfolg. lieber unser Memorandum, das wir über diese Konserenz ausgearbeitet hatten, hatte sich selb st der Kaiser sehr anerkennend ausgesprochen. Es war dies eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen auch der Kaiser Berständnis zeigte. Es kam dann die Friedensresolution vom Jahre 1917. Diele wurde durch den Reichskanzler Michaelis zerschlagen, diesen furchtbar frommen Mann, der uns hineingelegt hat. Er hat gegen die Verabredung mit uns seine Rede zur Friedensresolution mit der bekannten Wendung„wie ich es ausfasse" unwirksam gemacht. Es kam dann noch die dritte Friedensaktion, ein« der wichtigsten, aber auch der traurigsten Vorgänge, der Frledensver- mittlunqsversuch des Papstes. Der Kaller war mit dem RuntiusPacelli zusammengekommen und hatte diesem in einer Anwandlung von großer Sehnsucht nach Frieden gesagt, die katholische Kirche sei die berufenste Instanz, den Friedensgedanken zu propagieren. Weller hat der Kaiser gesagt, die Sozialdemokratie habe die Bedeutung einer solchen Propaganda richtig erkannt. Damit sie aber nicht allein da» Verdienst haben solle, solle die Kirche eingreisen. Der Nuntius sagte darauf, der Kaiser scheine nicht über alles informiert zu sein,.sonst müßte er wissen, daß der Papst sich »m die Einleitung von Friedensoerhandlungen bemüh«, aber keine Aktion unternehmen könne, wenn der Erfolg nicht sicher sei. Der Papst richtete dann sein bekanntes Rundschreiben an alle Mächte, und von allen Seiten wnr der Friedenswille erkennbar. Zu dem vierten Punkte in dem päpstlichen Friedensvermtttlungs- versuch, zu der Herausgabe Belgiens , wurde deutscherseits kein offenes Wort gesprochen, weil man hoffte. Belgien als wichtiges Kompensationsobjekt bei den Friedensverhandlungen verwerten?u können. So zogen sich diese Dinge infolge des deutschen Ber- Haltens monatelang hin. Der Pap st monierte, aber es geschah nichts, und der allerchristlichste Reichskanzler Michaelis brachte es fertig zu sagen, seines Erachtens müßt« das Bestreben Deutschlands dahin gehen, das Odium eines etwaigen Schetterns des päpstlichen Dermittlungsversuchs auf unsere Gegner abzuwälzen. Cr beabsichtigte daher, die Angelegenheit ziemlick, dilatorisch� zu be- handeln, bis eine zweckdienliche Stellungnahme ermöglicht sei. Der Papst drängte und drängte Am 2?. September»ele- graphlerle kühlmann an den Papfloerkreler: Aus unserer Friedens- bereitschasl darf keineswegs eine Friedensnokweudigkeil gefolgert werden.
Die Greuel von Damaskus . Nach englischen Darstcllnngen. (Bon unserem englischen Berichterstatter.) 12. FV. London , 29. Oktober. Die englischen Blätter der letzten beiden Tage haben außerordentlich interessante Drahtmeldungen aus Damaskus gebracht, die die ganze ungeheure Schwere der dortigen Bor- gänge erkennen lassen. Aus allen diesen Berichten— und es liegt ein so zuverlässiger vor, wie der des„Times'-Korre- spondenten, der unmittelbar nach der Beschießung in Da- maskus eingetroffen ist— geht hervor, daß sich die f r a n z ö- fischen Militärs ausgesprochen provokativ benommen haben. Die britische Presse ist insbesondere geneigt, ein groß Teil der Schuld für die grauenhaften Borgänge General Sarrail persönlich zuzuschieben. Im folgenden soll aus dem überaus ausführlichen „Times"-Bericht, der von der gesamten Presse abgedruckt und zur Grundlage der Beurteilung in London gemacht wurde, das Wichtigste in Uebersetzung wiedergegeben werden. Der Korrespondent stellt zunächst fest, daß die franzö- fischen Kämpfe mit den Iebel-Drusen, insbesondere die franzö- fische Niederlage, jene Atmosphäre geschaffen heben, aus der heraus sich die Vorgänge von Damaskus überhaupt erst ent- wickeln konnten.„Hätten die Drusen seinerzeit, als die Fran- zosen gezwungen worden waren, Damaskus zu räumen, die ihnen hierdurch gebotene Gelegenheit ergriffen, so hätten sie da- Mals die Stadt beseyxn können und das ganze Land hätte sich ihnen angeschlossen. Sie haben damals ihre Chancen ver- paßt. Aber was sich seither im Iebelgebiet ereignete, hat einerseits zur Entfaltung der nationalen Bewegung beigetragen, andererseits den Geist der Gesetzlosig- k e i t gefördert, der in Fällen von Räubereien znm Ausdruck kam und mit den Damaszener Vorfällen seinen Höhepunkt er- reichte. Die Briganten waren außerhalb der Stadt außerordent- lich ungewöhnlich aktiv gewesen, und die Tätigkeit der un- längst verstärkten fran'ösischen Truppen bestand zum großen Teil in der Durchforschung derjenigen Ortschaften, die ver» dächtig waren, den Briganten Unterschlupf zu gewähren.... Um den 10. Oktober herum haben die Franzosen mehrere im Südosten von Damaskus gelegene Ortschaften in Brand ge- steckt und einige Dutzend Brigantenleichen nach Damaskus gebracht, und sie hier, auf Kamels gebunden, durch die Hauptstraßen führen lassen, worauf sie sie auf dem Marghi-Platz öffentlich zur Schau stellten. Ins- besondere diese Parade der im Takte der schreitenden Kamele schaukelnden Leichname wirkte in höchstem Maße auf- reizend und empörend. Diese Schaustellung war als eine Warnung an die un- ruhigen Elemente gedacht. Der Effekt war jedoch genau entgegengesetzt. Es erbitterte die ohnedies schon äußerst ge- reizte Bevölkerung nur noch mehr, ganz besonders, gl" einige der Leichen als Einwohner von Damaskus erkannt wurden." Der Bericht schildert hierauf, wie sich im Laufe des nächsten Tages die Bandenüberfälle mehrten, wie Basare und Geschäftshäuser im Zentrum von Damaskus gevlündcrt wurden, was schließlich in einigen Bezirken zur Entwaffnung der Polizei und weiteren Plünderungen führte. Dabei schosien diese um allerlei dunkle städtische Elemente verstärkten Banden ständig in die Luft und erzeugten dadurch, wohin sie kamen, die gewünschte Panikstimmung. Dabei kam es u. a. auch auf einen blutigen Ueberfall auf das armenische Quartier, da die aus Drusen bestehende Bande die Armenier für die Schuld»- gen an der Plünderung eines ihrer Dörfer hielt, während nachweislich hierfür die den französischen Truppen attachierten Tscherkessen verantwortlich waren. In diesem Zeitpunkt war die ganze Stadt vom Widerhall eines planlosen Schießens er- füllt. Da niemand wußte, was sich eigentlich ereignete, so erreichte die allgemeine Nervosität einen Siedepunkt. Anscheinend waren die französischen Militärs der Mei- nung, daß diese Schüsse das Signal für einen allgemeinen Aufftand von feiten der Bevölkerung seien. Denn„an: Mittag des 18. begannen sie mit Kriegstanks aufzufahren. Diese sausten, ununterbrochen feuernd, nach allen Seiten durch Straßen und Basare. Der Mob, der hinter den Tanks Barri- kaden zu errichten begann, beschoß diese nunmehr, sobald sie den Rückweg nahmen, von oben herab, wobei zahlreiche fran» zösische Tanksoldaten verwundet wurden. Um 6 Uhr abends setzte das französische A r t i l l e r i e f e u o r auf die alte Stadt ein. Die Franzosen feuerten zunächst nur mit großen Zwischenpausen und verwendeten hierbei, soweit bekannt. fürs erste nur blinde Geschosie— was allerdings die Ber- wimmg unter der eingeborenen und der zahlreichen euro- päischen Bevölkerung, deren Stadtteile unter dem Feuer lagen, nicht verminderte. Die Beschießung dauerte die ganze Nacht hindurch an. Am nächsten Morgen wurden plötzlich und ohne jegliche vorhergehende Ankündigung sämtliche Truppen von der Alten Stadt(inklusive des christlichen Stadtteils) zurück- gezogen und nach dem französischen Stadtbezirk Salihych konzentriert, aus dem alle dort ansässigen französischen Fa- milien vorher evakuiert worden waren. Ab 19 Uhr morgens setzte hierauf von feiten der außerhalb der Stadt postierten Artillerie eine vierundzwanzig st ündige De- schießung der Stadt ein, wobei nunmehr regelrechte Kriegsmunition oerwendet wurde. Dieses Artilleriefeuer wurde von Aeroplanen unterstützt, die über der Stadt kreisten. Bomben abwarfen und mit Maschinengewehren schössen. Erst am Mittag des 20. Oktober hörte das Feuern auf."