Nr. 539 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 275
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Sonnabend, den 14. November 1925
Der Fall Geßler.
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Geßler bestreitet. Reichswehrminister Dr. Geßler übermittelte der Frankfurter Zeitung " folgende Erklärung:
Aussage gegen Aussage.
Zu der Darstellung des Herrn Dr. Luppe in der Frankfurter Beitung" habe ich folgendes zu bemerken:
von Dr. Luppe aufzuflären. Bis dahin muß man dem Geßlerschen Schluß, daß er diese Aeußerung nicht getan haben tönnte, mit Stepfis gegenüberstehen. Die Angaben von Dr. Luppe find zu bestimmt.
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Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftelten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafe Bindenstr. 3.
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Der Weg des Zentrums.
Zum Kaffeler Parteitag.
Für die nächsten Entscheidungen des Reichstags, und darüber hinaus für die ganze fünftige Gestaltung der deutschen Politik, hat der Parteitag des Zentrums, Bedeutung. Solange im Kräfteverhältnis der Parteien keine am Sonntag in Kassel beginnt, außerordentliche entscheidende Aenderung eintritt, bleibt das Zentrum die 1. Herr Dr. Luppe erkennt ausdrücklich an, daß die Darstellung Das Berhalten des Reichswehrministers gegenüber den Partei, ohne die feine Regierung gebildet werden und gegen des Herrn Emil Ludwig , ich hätte mit Beauftragten des Kron- unverkennbaren monarchistischen Tendenzen, die Reichswehr die fich feine Regierung im Amte halten tann. Damit ist ihm prinzen Rupprecht von Bayern verhandelt und ihnen für den Fall zu antirepublikanischen Propagandazwecken zu mißbrauchen, eine große Macht zugefallen, aber eine ebenso große Bereines Butsches die Neutralität der Reichswehr versprochen, unwahr pricht nicht gerade dafür, daß er nicht achselzudend Neutra- antwortung auf die Schultern gelegt. Ideologisch ist die Zentrumspartei eine Gegnerin der tft. Damit ist festgestellt, daß die von Herrn Emil Ludwig gegen lität gegenüber einem monarchistischen Butsch in Bayern mich erhobene Beschuldigung, ich hätte irgendwie attiv an bayerischen Sigt von Armin Affäre. Das Charakterbild Geß gegenfäge im Geifte des Christentums ist ihr Ziel. Heute haben Wir erinnern an fein Berhalten in der Ausgleichung der Klaffenmuß fie an ihrem eigenen Leibe erfahren, daß der Klassenfampf eine lebendige, bitter notwendige Tatsache ist, die durch feinerlei Ideologie beschworen und aus der Welt geschafft werden kann. Die fozialen Gegenfäge, die fie im ganzen Bolf ausföhnen und zur Bolfsgemeinschaft" zuzusammenführen möchte, gären und zerren in ihrem Innern und werden für ihre eigene Partei gemeinschaft zur ständigen Gefahr. Es nügt eben niemals, die Dinge so zu fehen, wie man sie gerne haben möchte, statt so wie sie sind.
Monarchistenputschversuchen mitgewirft, entweder von Herrn Emil Ludwig erfunden ist oder aber auf einem Mißverständnis feiner Unterhaltung mit Herrn Dr. Luppe beruht.
2. Im übrigen reproduziert Herr Dr. Luppe ein Privat gespräch aus dem vorigen Jahre, das ich bei einem persönlichen Besuch mit ihm unter vier Augen hatte. Da ich darüber feiner Let Aufschreibungen befize, ist es mir nicht möglich, meine Aeußerungen wörtlich zu wiederholen. Ich kann nur darauf hinweisen, daß seit dem Zusammenbruch, entsprechend meiner ganzen Auffaffung mein ganzes öffentliches Birten lediglich dem Gedanken ber Reichseinheit gegolten hat, und daß ich öffentlich und privat überall die Auffaffung vertreten, habe, daß die Aufwerfung der monarchistischen Frage in Bayern meiner Ueberzeugung nach das Ende des Reiches und jedenfalls eine ich mere schmere Schädigung Banerns bebeuten würde und daß fie deshalb mit allen Mitteln verhindert werden müßte. Ich nehme In biefer Sache genau denselben Standpunkt ein, wie alle reichs treuen Bayern , gleichgültig ob die Republik oder die Monarchie ihr deal ift.
Was meine angebliche Bemerkung über das Verhalten der Reichswehr im Falle eines monarchistischen Putsches enlangt, so ift es ganz ausgeschloffen, daß ich mich so geäußert habe, wie es Herr Dr. Luppe darstellt.
Da somit einstweilen Aeußerung gegen Aeußerung über den Inhalt eines zeugenlosen Privat gespräches steht, glaube ich der restlosen Aufklärung der Angelegenheit, auf die die Deffentlichkeit nunmehr ein Recht hat, am besten zu dienen, wenn ich meinen Parteifreund, Herrn Reichstags abgeordneten ha a s, bitte, die möglichen Feststellungen zu treffen. Bis dahin werde ich mich weiterer Veröffentlichungen enthalten. Dr. Geßler.
Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe hat über den Inhalt dieses Gespräches äußerst präzise Behauptungen aufgestellt, ferner die Behauptung, daß er sofort über das Gespräch schriftlich nach Berlin berichtet habe. Die Möglich feit, Feststellungen zu treffen, besteht also.
Uns scheint, daß die demokratische Reichstags= frattion das größte Interesse daran hat, die Divergenz zwischen der Aeußerung von Geler und der Aeußerung
Die Arbeitslosigkeit.
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lers ist in der neuesten Geschichte der Republik zum mindesten schmantend gemorden.
Finden die Angaben von Dr. Zuppe Bestätigung, so ist Geßler selbstverständlich erledigt. Gelingt es nicht, den Widerspruch zwifchen Aeußerung und Aeußerung aufzuflären, so wird Geßler als Reichswehrminister durch das Miß trauen der Republikaner in einer unmöglichen Position sein.
München , 13. November. ( Eigener Drahtbericht.) Schon vor einigen Monaten wußte die volfische Presse von einem politischen Redaktionswechsel im Miesbacher Anzeiger" zu melden; Herr tempile, der rabiate Mittelsbacher Monarchist, Breußenhaffer und Habsburgerfreund, sollte verschwinden. Diese damals von Stempfle felbft dementierte Meldung erhält jetzt ihre Bestätigung. Der Berlag des Miesbacher Anzeiger" hat das Bertragsverhältnis mit Stempflegelöst, der schon in den nächsten Tagen den seit brei Jahren innegehabten Posten aufgeben wird. Die politische Führung des Blattes übernimmt ein publizistisch unbekannter Herr Glaser.
Bemerkenswert ist, daß die Freitagnummer des Miesbacher Anzeiger" mit einer bisher noch nie dagewefenen Schärfe Stellung gegen den Ministerpräsidenten Dr. Held nimmt. In einer besonderen Erflärung wird dem Ministerpräsidenten in sechs Bunften nachzuweisen versucht, daß er gegenüber den Monarchisten eine hinterhältige Doppelrolle gespielt habe. Der interessantefte Bunkt ist der vierte. Er lautet:„ Es ist richtig, daß der amtliche bayerische Preffeapparat zwar der Deffentlichkeit mitteilt, daß Graf Soden bei Herrn Held war, daß er aber verschweigt, daß Herr Held ebenso bei Herrn Soben im Leuchtenberg Balais ( Balais von Rupprecht) war. Weiter behauptet das Blatt, der bayerische Ministerpräsident habe während feines Aufenthalts in Berlin em 10. November Reichshilfe erbeten für den Fall, daß in Bayern die Monarchie ausgerufen wird.
Jedenfalls ist jetzt zwischen Held und den rechtsradikalen Attie visten ein ausgesprochen feindseliges Verhältnis festzustellen. Heute richtet sich die ganze But der bayerischen Monarchisten gegen Held.
Der Zusammenbruch des alten Obrigkeitsstaats und der Aufstieg Deutschlands aus dem Trümmerfall des Krieges zur Republik hatten der Sache der arbeitenden Bolts. maffen einen Impuls gegeben, der bis in das Zentrum hinein fortwirfte. Das Zentrim wurde republikanisch demokratisch, und für soziale Forderungen der Arbeiter empfänglicher als zuvor. Nach außen vertrat es, da es im Kampf gegen Bismards Gewaltpolitif groß geworden war, die Politik der Berständigung. Es fonnte in der Weimarer Koalition führend werben: über die Richtung tonnte es ja für längere Zeit mit der Sozialdemokratie einig sein; das Tempo zu bestimmen, lag in seiner Hand.
Aber das Wiederaufleben der großbürgerlichen und großagrarischen Macht, das durch die verhängnisvollen Fehler der Kommunisten und nationalistischen Demagogie herbeigeführt wurde, ging auch der Kommunisten und durch die Anziehungskraft der am Zentrum nicht fpurlos vorüber. Taktisch änderte sich die Lage insofern, als die Weimarer Roalition burch bröcke lungen nach rechts und links die Mehrheit im Steichstag verlor. Bugleich aber gewannen auch diejenigen Elemente im Zentrum, denen der demokratische Kurs ihrer Bartei höchstens vorübergehend erträglich erschien, und die sich durch. ihre Klaffenintereffen, bewußt oder unbewußt, noch nach der großbürgerlichen und großagrarischen Seite hingezogen fühlten, Einfluß und Selbstbewußtsein. Nicht wenig fam ihnen dabei der Umstand zu Hilfe, daß gemiffen christlichen Gewerkschaftsführern die Ber größerung der Distanz zwischen ihren Organisationen und den freien Gewerkschaften wichtiger zu fein fchien als die Herftellung einer gemeinsamen Arbeiterfront.
Alle diese Umstände wirften zusammen, um im Reiche die Ulrich. Er dankte den Hessen , die unter der Besagung Rechtsregierung möglich zu machen, die sich mit Hilfe schwer gelitten haben für ihre Treue, und führte dann aus: des Zentrums zehn Monate long am Ruder hielt. Den Weg, Um 22 Prozent in einer Woche gestiegen. " Wir wollen hoffen, daß die schlimmsten Zeiten nunmehr über- den das Zentrum während dieser Zeit genommen hat, fennIn der Zeit vom 15. bis 31. Oftober 1925 ist die Zahl der Haupt- standen sind, und daß die in Locarno angebahnten Berzeichnen am besten zwei Reben, die Herr Fehrenbach in ruferflüßungsempfänger in der Erwerbslofenfürsorge von handlungen u. a. dazu führen mögen, dem besetzten Gebiet und wichtigen parlamentarischen Situationen gehalten hat. Als 299 000 auf 364 000, dh. um rund 22 Prozent gestiegen. in ihm auch Heffen Befreiung von den schlimmsten Herr Luther sein Amt als Reichstanzler antret, begrüßte ihn 3m einzelnen hat fich die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs-& aften zu verschaffen und die zum Leben notwendige Be- Herr Fehrenbach mit einer Erffärung, die auf den Ton des empfänger von 274 000 auf 333 000, die der weiblichen Hauptunter- wegungsmöglichkeit wiederzugeben." wachsamen Abwartens gestellt wer, und die ihm nur dadurch ffügungsempfänger von 25 000 auf 31 000 erhöht. Die Zahl der das Weiterleben ermöglichte, da sie ihm das Mißtrauen nicht Zuschlagsempfänger( unterstützungsberechtigten Angehörigen von Hauptunterstüßungsempfängern) ist von 359 000 auf 439 000 gePartei strikt ab. Als aber dann im Hochsommer dieses Jahres direkt aussprach. Jede foalitionsmäßige Berbundenheit mit den Rechtsparteien lehnte Herr Fehrenbach namens seiner
filegen.
Eine bedentfame Rede in Darmstadt . Die Deutschnationalen bemühen sich, der Deffentlichkeit die Stellung des Reichspräsidenten Don Hindenburg zu den Verträgen von Locarno vorzuenthalten. Noch gestern 3 abend schrieb die Deutsche Zeitung":
Wenn die Deutschnationalen die Entscheidung über wollen, dann ist es jetzt an der Zeit, daß sie ihre Haltung Locarno vertrauensvoll dem Reichspräsidenten überlassen revidieren und sich mit Hindenburg für 2ocarno erklären.
Montag Entscheidung über Köln .
Die Botschafterkonferenz einberufen. Baris, 13. november.( WTB.) Wie Havas mitteilt, wird die Botschafterfonferenz am Montag nachmittag um ihr zufammentreten, um über die Räumung der Kölner 3one zu entscheiden.
Paris , 13. November. ( BTB.) Kriegsminister Daladier hat heute vormittag den Befehlshaber der französischen Befehungs armee im Rheinland , General Guillaumat, empfangen.
,, Bon allen Seiten wird versucht, auf den Herrn Reichs. präsidenten entweder für oder gegen Locarno e in gumirten. Man vergißt dabei, daß der Herr Generalfeldmarschall von Hinden. burg sich seine Stellungnahme vorbehalten und fich flugermaßen noch in feiner Weise für oder gegen die eine Neue Angriffe auf Damaskus . oder die andere Lösung festgelegt hat. Und da meine ich, fönnen und müssen wir es diesem prächtigen Manne, der nicht nur einmal Französische Verteidigungsmaßnahmen. unser teueres Baterland gerettet hat, sondern auch noch das Opfer Paris , 13. November. ( WTB.) Nach der Liberté sollen brachte, die Ruhe feines Lebensabends für Volk und Baterland her. Telegramme aus Beirut eingegangen fein, daß gestern bedeutende zugeben, vertrauensvoll überlaffen, wie er die Gefranzösische Verstärkungen mit leichter Artillerie und Tants schide Deutschlands lenten wird." gelandet worden seien. Nördlich von Damastus hatten 1500 Aufständische in der Nacht etnen heftigen Angriff unternommen, fie feien aber nach einem zweistündigen Kampf zurüd. geworfen worden. In Damastus selbst würden die Vorbereitungen für eine Berteidigung der Stadt auf das eifrigfte be für eine Berteidigung der Stadt auf das eifrigfte betrieben.
Geftern morgen aber hielt der Reichspräsident in Darmstadt , das er auf seiner Durchreise durch Süd deutschland aufsuchte, eine bedeutsame Rede über Locarno . Er antwortete auf die Begrüßungsrede des Staatspräsidenten
die 3ollvorlage im Reichstag durchgepeitscht wurde, da mar es Herr Fehrenbach, der namens der Rechtstoalition die schnöde Behandlung zu rechtfertigen versuchte, die der Oppofition bei dieser Gelegenheit widerfuhr.
Jene Borgänge waren es, die Herrn Dr. Wirth zu seinem Austritt aus der Fraktion, nicht der Bartei, Bersonifikation des demokratischen und sozialen Zentrumsdes Zentrums unmittelbaren Anlaß gaben. Dr. Birth ist die furfes. Der Weg, den er genommen hat, von der faft unbestrittenen Führung der Partei bis zur gänglichen Staltftellung fennzeichnet wiederum den Weg, den das Zentrum in ben legten Jahren genommen hat.
Nun tritt in Kassel der Parteitag zusammen, der die fünftige Linie des Zentrums bestimmen und zum Fall Wirth" Stellung nehmen soll. Diese Stellungnahme wird ihm nicht ganz leicht sein wobei die Regiefünfte der Bentrumsleitung nicht unterschäßt und die Tatsache nicht vergessen werden soll, daß der Austritt der Deutschnatienalen aus der Regierung die Lage erheblich erleich
tert hat.
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Diese Erleichterung bedeutet aber nur einen taktischen Gewinn für die Leitung, feinen politischen Gewinn. Denn sie gibt die Möglichkeit, Fragen, die gestern noch bren nend maren, als nicht aftuell hinzustellen, die Gegensäge zu