Nr. 125.
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Vorwärts
8. Jahrg.
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Redaktion: Benth- Straße 2.
Parteigenossen!
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Dienstag, den 2. Juni 1891.
Die Encyklika des Papffes.
IV.
Expedition: Beuth- Straße 3.
Dem freien Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgebern und Arbeitern will der Papst eine Grenze gezogen sehen. Verträge, durch welche sich die Arbeiter zu einer über ihre Kräfte gehenden Arbeit verpflichten, oder sich mit einem Lohn einverstanden erklären, der zu ihrem Lebensunterhalt nicht ausreicht, seien sittlich unzulässig und darum zu untersagen.
Obwohl die Getreidepreise zur Zeit eine Höhe erreicht haben, wie sie bisher nur in sogenannten Hungerjahren gezahlt wurden; obwohl es weiter eine, durch alle nicht aus agrarischen Kreisen Nachdem der Papst sich der Sozialdemokratie so feindstammende Berichte erwiesene Thatsache ist, daß die in Deutsch Land vorhandenen Kornvorräthe nicht entfernt hinreichen, lich als möglich gegenübergestellt und der Bourgeoisie die um bis zur nächsten Ernte den Brotkonsum zu decken; obwohl bündigsten Versicherungen gegeben hat, daß er im WesentDamit in Fragen der täglichen Arbeitszeit aber und weiter alle Anzeichen dafür sprechen, daß die nächste Ernte, wenn lichen an ihrer Ausbeuterposition nichts geändert zu sehen in die der Schutzmaßregeln gegen Gesundheitsgefahr und auch keinen allgemeinen Mißwachs, so doch ein stark unter dem wünscht, geht er in dem gleichfalls sehr umfangreichen Unfälle sich die öffentliche Gewalt nicht in ungehöriger Durchschnitt zurückbleibendes Ergebnis liefern wird, so weigert die zweiten Theile seiner Ausführungen zu den positiven Vor- Weise einmische, erscheint es dem Papst in Anbetracht Reichsregierung sich doch, trotz des- mit Ausnahme einer kleinen, schlägen über, welche er zur Besserstellung der Arbeiter zu der Verschiedenheit der zeitlichen und örtlichen Umstände rathsam, diese Fragen Arbeiterausschüssen zu unteraber wie es scheint allmächtigen Interessen- Klique allgemein machen für nöthig hält. Zunächst und hauptsächlich wendet er sich an den breiten. ausgesprochenen Verlangens, den Reichstag zu berufen und ihm Diese Arbeiterausschüsse sollen von äußerlich freien eine Vorlage behufs Suspendirung der Getreidezölle zu machen. Staat, indem er ihm räth, durch allgemein gesetzliche VerordEs scheint, daß der Reichsregierung die Gefahren, welche des Wohlstandes zu sorgen. Den allgemeinen Wohlstand im Anschluß an die Ausführungen des Papstes weiter nungen und Einrichtungen für eine gedeihliche Entwicklung Arbeitervereinigungen gewählt werden, auf die wir ber Ernährung unseres Volkes und vor Allem des ärmeren und gewerbthätigen Theiles desselben durch die Brodtheuerung drohen verbürge Ordnung, Zucht und Sitte, sowie ein wohl unten zurückkommen werden. Noch nach einer sehr wesentlichen Richtung ver-noch nicht zum vollen Bewußtsein gekommen sind, sonst wäre geordnetes Familienleben, Achtung vor Religion und Recht, mäßige Auflagen und gleiche gleiche Vertheilung Er Angesichts dieser Sachlage wird es Aufgabe des Boltes und der Laften, Betriebsamkeit im Gewerbe, Industrie und langt der Papst staatliche Fürsorge für die Arbeiter. Fr will haben, daß der Staat sich bemüht, sie nach Möglichvor Allem der Brotkonsumenten sein, der Regierung über die Handel, günstiger Stand des Ackerbaues und ähnliches. Während so der Staat gehalten sein soll, den Wohl- feit alle zu solchen Menschen zu machen, welche wirklich im Lande herrschende Noth und über die Stimmung der stand des Volkes im Allgemeinen zu fördern, soll er im nach Eugen Richter Sparkassen Milliardäre genannt Bevölkerung Klaren Wein einzuschenken. Wir fordern deshalb, be- Besonderen sich der Arbeiter annehmen, indem er ihnen worden sind. sonders im Hinblick auf die heutige Erklärung des Reichskanzlers einen entsprechenden Antheil am Gewinne ihrer Arbeit Das wäre in der That schließlich gar nicht so schwer.
ihre Haltung einfach unbegreiflich.
v. Caprivi im Abgeordnetenhause, unsere Genossen auf, überall im Reiche mit der Einberufung von Volksversammlungen vorzugehen und als Tagesordnung in denselben aufzustellen:
breiten:
Laffen;
rung
Die Kornzölle und die Reichsregierung.
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D
-
frei
Wenn der Staat dafür sorgt, daß jeder Arbeiter wenigsichert. Nach dem Papste soll die Arbeit so viel für Woh- stens so viel Lohn empfängt, wie er zu seinem nothnung, Kleidung und Nahrung abwerfen, daß das Dasein dürftigsten Lebensunterhalt braucht, und wenn außerdem der Arbeiter kein gedrücktes ist. Ins Unzweideutige über- der Trieb der Sparsamkeit in allen Arbeitern nach MögGleichzeitig empfehlen wir unseren Genossen, allen diesen setzt, würde das ohne Zweifel heißen: der Staat solle, lichkeit gepflegt wird, so wäre es schon denkbar, daß sich Bersammlungen nachstehende Resolution zur Abstimmung zu unter- wenn es nicht anders angehe, durch Festsetzung von ein nicht unbeträchtlicher Theil der Arbeiterklasse von dem Minimallöhnen die Lage der Arbeiter zu einer halbwegs zum nothwendigen Lebensunterhalte gerade hinreichenden Die Versammlung protestirt gegen den Entschluß der Re- erträglichen machen und es zuwege bringen, daß ein Einkommen so viel abdarbt, um sich Spargroschen zu ergierung, trotz der Brotvertheuerung die Kornzölle bestehen zu Stand, welcher dem Staat so nothwendige Dienste leistet, übrigen, die im Laufe der Zeit zu einem für die überaus bescheidenen Arbeiteransprüche erklecklichen Sümmchen herannicht im Elende seine Existenz friste". Eine fernere Aufgabe des Staates ist es, dem Papst wachsen könnten. Die Versammlung erblickt in diesem Entschluß der RegieHat es nun der Arbeiter mit staatlicher und, wie wir der Lebensinteressen der zufolge, daß der Staat die Sonntagsruhe sichere, welche eine schwere Schädigung arbeitenden Bevölkerung und ist der Ueberzeugung, daß er den eine von der Religion geheiligte Ruhe von der Arbeit später noch sehen werden, auch päpstlicher Hilfe erst so weit Großgrundbesitzern und Kornwucherern die Gelegenheit geben sein solle. Ueberhaupt soll der Staat die Arbeiter gegen gebracht, so soll ihm wiederum durch staatliche Hilfe ermaßlose Ausnutzung seitens ihrer Brotherren sicher stellen, möglicht werden, einen kleinen Grundbesitz zu erwerben. Damit sind wir an der Grenze angekommen, die der weil durch eine solche bewirkt werde, daß der Körper unterliege und der Geist sich abstumpfe; demgemäß müsse Papst für die Besserung der Arbeiterlage zieht. Das Erauch die Arbeitszeit bemessen sein. Es soll also nach dem gebniß seiner sämmtlichen Forderungen ist in kurzen Worten Verlangen des Papstes ein staatlicher Maximal- Arbeitstag zusammengefaßt, Folgendes: festgesetzt werden, dessen Dauer festgesetzt werden, dessen Dauer er abhängig gemacht Die Arbeiter follen im Dienste der Kapitalisten arsehen will von der größeren oder geringeren Schwere der beiten, so weit es ihre Kräfte erlauben. Sie sollen für Arbeit und der dem Grundsatz entsprechend sein soll, daß ihre Arbeit einen Lohn empfangen, welcher zu ihrem die Arbeit nicht länger währen dürfe, als es die Kräfte nothdürftigen Lebensunterhalt gerade ausreicht und ihnen des Arbeiters erlauben. gestattet, fleine Ersparnisse zu machen, auf Grund deren sie Auch einen Schutz der Frauen- und Kinderarbeit ver- sich der Hoffnung hingeben können, einmal für sich und ihre langt der Papst; auch sie sollen nicht über ihre Kräfte angestrengt werden und die Kinder sollen nicht eher in die Werkstatt oder in die Fabrik kommen dürfen, ehe Leib und Geist zur gehörigen Reife gedichen sei.
wird, ihr volksverwüstendes Treiben fortzusehen.
Die Versammlung verlangt in Anbetracht der nahezu unerschwinglichen Höhe, welche die Brotpreise in Deutschland unter der Herrschaft der höchsten Getreidezölle unter allen Staaten Europas erlangt haben, die sofortige Aufhebung dieser Zölle, die nur ein Schutzzoll der Reichen zu Lasten der Die weitverbreitete Arbeitslosigkeit, die in allen Gewerben
Armen sind.
und Industrien vorhandene Tendenz, die Löhne herabzusehen, and die gleichzeitig vor sich gehende beständige Steigerung der Preise der unentbehrlichsten Lebensmittel machen die geforderte Maßregel zu einer gebieterischen Nothwendigkeit. Berlin , den 1. Juni 1891.
Der Parteivorstand.
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
( 73
Die Falkner von St. Vigil. Noman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol
"
von Robert Sa, weichel.
stand. Nun wohl, er reicht hin, um zu begreifen, daß
Familie zu einem bescheidenen Grundbesitz zu gelangen. Dabei soll der Staat sie sowie ihre Frauen und Kinder gegen übermäßige Ausbeutung und gegen Beeinträchtigung ihrer Sonntagsruhe schützen, die nöthigen gesetzlichen Vor
Herr seiner selbst und fuhr fort: Ja, der Ambros; denn versuchen Sie, ob Sie die Lisei von Ihrem Vater frei der Herr Kurat Falkner hat zu viel Verstand, um sich auf predigen. Nachher wollen wir zwei miteinander reden." Deine Seite zu stellen." Er ging davon, voll Wuth und entschlossen, seine Wer " Genug," rief Hannes und streckte die Rechte mit gebung nicht aufzugeben. spreizten Fingern Jerg abwehrend entgegen.„ Ja, ich stelle " Jezt ist's besiegelt," sagte Lifei leise vor sich hin als mich auf die Seite meiner Schwester. Du rühmit meinen Ber er gegangen war. Es flang als ob sie sich durch die Entscheidung erleichtert fühlte und sie dankte ihrem Bruder, alle Vernunftgründe, durch die Du Lisei für Dich zu stimmen während sie ihren Weg fortsetzten, daß er ihr so treu zur versucht haben magst, an einem treuen Herzen ohumächtig Seite standen. zerschellen. Darum stehe ab von Deiner Werbung! Oder Und wie stehen wir denn mit einander?" fragte Liſei willst Du Lisei durchaus aus ihrem Vaterhause vertreiben?" Mein Haus ist auch Dein Haus, das versteht sich von unwillig, indem sie stehen blieb. Boyz Tausend, bist Du so hitzig?" lachte Jerg.„ Ich„ Und mein Herz soll nichts gelten?" rief Jerg und selbst" versetzte Hannes. In einem Punkte hat Jerg aber Recht." habe blos gemeint, ob Du dem Herrn Ruraten schon alles schlug sich mit der Faust auf die Brust, in der es vor Welcher Punkt es war, darüber äußerte er sich nicht gesagt hast, was ich Dir neulich vorgestellt hab'? Wenn Wuth kochte. Du es gethan hast, so wird er mir Recht geben, das Lisei wandte sich ab, um nicht seinem Auge zu begegnen. und in Nachdenken versunken, bemerkte er auch nicht den weiß ich." Wie war es nur möglich, daß er immer noch von seinem fragenden Blick der Schwester. " Das offene Feld ist wohl nicht der geeignete Ort, um Herzen redete! Hannes aber fagte mit Unwillen: solche Dinge zu besprechen," gab Hannes falt zur Antwort. Wenn Du ein Herz besäßest, so würdest Du nicht taub " Nein, liebster Herr Hannes," rief Lisei, da er davon sein gegen die Stimmen der Religion, Ehre und Scham. angefangen hat, will ich ihm auch gleich Bescheid geben. Sie alle gebieten Dir, Lisei frei zu lassen." Was ich Dir neulich schon gesagt habe, bei dem bleib' ich. " Freilassen soll ich sie?" zischte Jerg. Fragen Sie Heilige Mutter Gottes, das ist ja unmöglich," rief Mein Jawort kriegst Du nimmer, nicht mit Gutem, nicht doch den Klosterbauer selbst, ob ich's gewesen bin, der von der Heirath zuerst angefangen hat? Ist nicht seine Lisei erschreckt. Was würde das geben?" „ Ich hätte es längst thun sollen," entgegnete Hannes Trotz der Selbstbeherrschung, die Jerg besaß, verfärbte Schwester, die Befa, zu mir gekommen und hat mir angeer fich. Auf eine solche entschiedene Ablehnung war er nicht legen, wie gut es dem Klosterbauer passen thäte, wenn ruhig; schon damals, als ich erfuhr, daß der Bater meinem gefaßt gewesen. Das spricht der Ambros aus Dir", ent- ich und die Lisei ein Paar würden? Freilassen soll ich Briefe wegen Ambros und Stafi feine Beachtung geschenkt floh ihm. Jedoch in der nächsten Sekunde war er wieder die Lifei? Gehen Sie doch hin auf den Klosterhof und hatte. Ja, schon damals wäre es meine Pflicht gewesen,"
mit Gewalt."
"
Als sie jenseits des Spithörndlbaches den Uferrand erstiegen hatten und nun der Klosterhof aus dem jungen Getreide und den Wiesen wie aus grünen Meereswogen sich erhob, blieb Hannes stehen und sagte:„ Ich werde mit dem Bater reden, ich begleite Dich auf den Hof."