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Nr. 63 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 32 Bezugspreis:

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Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands S

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Sonntag, den 7. Februar 1926

Deutschlands Einzug in Genf.

sid Asad

Amtlich wird gemeldet:

Zustimmung der Ministerpräsidenten.

Auf Einladung der Reichsregierung traten gestern vor mittag die Staats- und Ministerpräsidenten der Länder unter Vorsitz des Reichstanzlers mit den Mitgliedern des Reichskabinetts zu einer Aussprache über die außenpolitische Lage zusammen. Im Anschluß an einen Vortrag des Reichsministers des Auswärtigen, sowie an grundfäßliche Ausführungen des Reichskanzlers wurden die mit der Frage des Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund zusammenhängenden Fragen ein­gehend erörtert, wobei feitens einzelner Länder Bedenken geltend gemacht wurden. Anschließend und abschließend wurde die einmütige Auffassung dahin festgestellt, daß, falls die Reichsregierung den Eintritt Deutschlands in den Völker­bund beschließt, feitens der Länder alles geschehen wird, was die Stellung Deutschlands im Völkerbund zu stärken

T

tischen) Kommission der Völkerbundversammlung zusammengefeßte Rommission. Formelle Prüfung, daß die deutsche Ber­fassung stabil, die deutschen Grenzen festgelegt und die deutsche Regierung bereitwillig und ihre Bereitwilligkeit glaubwürdig ist, daß sie ihre internationalen Berpflichtungen er. füllt. Gleichzeitig prüft die Militärkommission des Völker bundes, ob Deutschland seinen Abrüstungsverpflich tungen in ausreichendem Maße nachgekommen ist. Die Budget­fommission berät über die Feststellung des deutschen Kostenbeitrages. 7. Der Bericht der gemischten kommission und der militärtommiffion wird der Bölkerbundversammlung vor. gelegt und die Aufnahme Deutschland gemäß den Kommissions. beschlüssen empfohlen. Die Vertreter der Großmächte dürften dazu ebenfalls empfehlende Erklärungen abgeben. Dann erfolgt die Ab­timmung.( Es genügt eine 3weidrittelmehrheit.) sammlung und nimmt gemäß dem französischen Alphabet als 8. Der deutsche Vertreter betritt den Saal der Bollver­ Allemagne " in der ersten Reihe zwischen Albanien und Argentinien Die Formalien der Aufnahme.Platz; feierliche Erklärungen Deutschlands und der anderen Staaten. Erwerb der Mitgliedschaft im Völkerbunde" ist nur ein furzer Ausdruck. Aber diese paar Worte bedeuten ein großes internationales Ereignis. Die ganze Staatenwelt gerät in Bewegung. Zwar ist die Aufnahme Deutschlands nur ein dramatischer Att, aber ein Att mit vielen Szenen. Soweit fich auf Grund der Sagung und der bisherigen Braris urteilen läßt, wird sich der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund und Bölkerbundsrat in taum weniger als einem Dutzend Etappen vollziehen.

geeignet ist.

1. Die Reichsregierung sendet( voraussichtlich Montag oder Dienstag) an das Bölkerbundsekretariat eine Note, in der sie ersucht, Deutschland als Mitglied des Bundes aufzunehmen.

2. Der Generalsekretär des Völkerbundes teilt dies Auf­

bundes( etwa 1% Millionen Schweizer Goldfrank). Entsprechende 9. Festsetzung des deutschen Beitrages zu den Kosten des Bölker­herabsetzung der Beitragspflichten anderer Staafen.

10. Zusammentritt des Bölfer bundrates( ohne Deutsch . land), um( mit Einstimmigkeit!) die Schaffung eines neuen ständigen Ratssiges für Deutschland und eventuell die Schaffung neuer Sige für andere Staaten der Bölferbundversamm­lung zu empfehlen.

11. Annahme dieser Beschlüsse in der Bollversammlung des Böllerbundes; hierzu ist nur einfache Stimmenmehrheit notwendig. 12. Teilnahme Deutschlands an der nächsten Sigung des Bölferbundrates, die sich voraussichtlich der Vollver jammlung anschließen wird.

Diese trockene Aufzählung eines Dugend von formalen nahmegesuch dem Borsigenden des Bölferbundrates mit. Dieser Beschlüssen zeigt nur den normalen Verlauf. Aus ihr ergibt beruft eine außerordentliche Sigung des Bölter sich aber zugleich, wieviel diplomatische Zwischenfälle möglich, bundrates ein; wahrscheinlich für Donnerstag oder Freitag der wieviel Augenblide höchster politischer Span nächsten Woche. cothe a sami sonornung zu überwinden sein werden. Die Zuteilung eines neuen 3. Der Völkerbundrat tritt zusammen und beschließt, dem Rathes an Deutschland wirft die Zusammensetzung dieser beutschen Aufnahmegesuch gemäß das Aufnahmeverfahren Körperschaft überhaupt auf; mancher schlummernde und bis einzuleiten. Er wird sich schlüffig über die Zusammenberufung eine: her unbefriedigte Ehrgeiz wird wach und zwei oder drei Völkerbundversammlung, etwa um den 10. März, und berät, wohl Außenminister anderer Länder werden versuchen, mit dem in vertraulicher Aussprache, über die Neufchaffung eines ständigen Triumph, einen Ratsiz oder einen ständigen Ratsiz erkämpft Ratssizes für Deutschland und vielleicht auch über die Schaffung zu haben, in ihre Heimat zurückzukehren. Für die deutsche neuer Ratssitze, wie für Polen , oder die Umwandlung von Wah! Regierung aber ist es vor allem nötig, in den wenigen fizen in ständige Site wie etwa für Spanien oder Brafilien... noch ausstehenden Wochen ein endgültiges Kompromiß in der 4. Die Einladung zu einer Bölferbundversammlung Entwaffnungsfrage, die noch immer nicht völlig er wird vom Borsitzenden des Bölkerbundrates abgesandt. Jede Regie ledigt ist, zu erreichen. Die Feststellung etwa, daß die Ent­rung muß sich schlüffig werden, wen sie als Delegierten für diese waffnung noch nicht völlig durchgeführt, sondern nur zu er­Tagung entfenden will, etwa ihren Gesandten in Bern oder ihren warten sei, wäre in Genf jehr peinlich. So find noch einmal Botschafter in Paris oder den Außenminister selbst. alle Anstrengungen darauf zu sammeln, diese leidige Ange 5. 3usammentritt der Völkerbundversammlegenheit aus der Welt zu schaffen.d Iung( ohne Deutschland ) um Mitte März, Wahl des Vorsitzenden, Konstituierung der Kommissionen.

6. lleberweisung des deutschen Aufnahmeantrages an eine gemischte, aus der ersten( juristischen) und sechsten( poli­

Mussolini droht mit Represalien. Erwiderung auf Helds Rede.

Es ist hier die Aufgabe der französischen Re­gierung, fich dem Abrüstungsfanatismus ihrer Militärs gegenüber in einer Art Geltung zu verschaffen, die der deutsch französischen Berständigung dient.

Benedig über die normale Lage in Südtirol und erklärte, die Rede Helds sei unerhört. Bom diplomatischen Standpunkt aus gebe es teine Frage eines deutschen Südtirols , denn Süd­ tirol sei durch den Friedensvertrag, und zwar durch den Vertra von St. Germain zu Italien gekommen.

Rom , 6. Februar. ( WTB.) Auf die bereits gemeldete An­frage des Abgeordneten Farinacci wegen der Rede des bayerischen ministerpräsident held antwortete Muffolini heute am Es ist unerhört, von italienischen Gewalttätigteiten in Schluffe der Kammerfihung. Er wies zunächst darauf hin, daß die Südtirol zu sprechen. Italien verfolge in Südtirol eine Politit faschistische Regierung in den drei Jahren ihres Bestehens gegen- der Italianität. Sonst hätte es an der Grenze einen Staat im über Deutschland eine außerordentlich maßvolle politif inne- Etaate. Mussolini stellte dann dem Entgegenkommen der italienis gehalten habe und ging sodann auf verschiedene Nachrichten über schen Behörden in der Sprachenfrage die Maßnahmen der Tsch e ch o- Südtirol ein, die er als falsch bezeichnete. In bezug auf das flowatei gegen die deutschen Minderheiten gegenüber Walther- Denkmal in Bozen erklärte er, er respektiere die und erklärte mit der größten Bestimmtheit, daß die italienischen deutsche Poesie des Mittelalters, aber er fönne einen Bergleich Wal- Polizisten in Südtirol nicht um einen Schritt zurüdweichen thers von der Vogelweide mit Dante nicht zulaffen, weil das den werden. Monte Pinoto mit dem Himelana vergleichen hieße. Man werde die Walther- Statue in Bozen stehen lassen, aber auf einem anderen Platz in Bozen, wahrscheinlich ein Denkmal Cesare Bat­tift is aus öffentlichen Mitteln errichten.( Stürmischer Beifall.) Muffolini bezeichnete weiter die Nachrichten über das Elisa­beth- Denkmal in Meran und über den Weihnachts­baumverfauf als falsch und erklärte, niemand möge fich der Täuschung darüber hingeben, daß Italien durch einen Reiseboyfoft eingeschüchtert werden könne. Jtalien lebe von ganz anderen und durch ganz andere Energien.

Wenn morgen der Bonkoff praktisch durchgeführt würde, mit stillschweigender 3ustimmung verantwortlicher Be­hörden, so würde Italien mit einem Boyfoft in der zweiten Potenz und auf Repressalien mit Repreffalien in der dritten Potenz antworten.

Muffolin: verwies ferner auf die Stundgebung der Ronsuln in

Muffolini will seine Rede erst noch einmal redigieren.

Rom, 6. Februar.( TU.) In seiner Rede erklärte Mussolini weiter: Bor kurzem habe ein faschistisches Provinzblatt geschrieben, habe das Blatt an die Direktion zurüdgeschickt und mit eigener Italien werde niemals seine Fahne auf dem Brenner einziehen. Er Hand darauf geschrieben, daß das faschistische Italien nicht nur nicht seine Fahne einziehen werde, sendern daß es bereit sei, die Tricolore auch auf die andere Seite des

Brenners zu tragen.

Die Rede wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. An den Ovationen beteiligte sich auch die Opposition. Die Tribünen und die Senatorenlogen jubelten ihm zu.

Begen der Wichtigkeit der Rede wird sie Mussolini felber redigieren, ehe fie veröffentlicht werden darf. Der amtliche Wortlaut der Rede dürfte daher erst in den späten Abendstunden befannt werden.

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Wandlung.

Zu Deutschlands Eintritt in den Völkerbund.

Wie viele sind es, die ihre eigene Zeit wahrhaft er. leben? Als noch draußen die Kanonen dröhnten, las und hörte man viel von der großen Zeit". Als aber tausend­jährige Throne zusammenbrachen und aus dem Trümmerfall ein neues Deutschland und ein neues Europa sich emporzu­ringen begannen, schien den Lobpreisern friegerischer Erleb niffe diese neue Zeit des Friedens flein. Die Geschichte wird ihnen dereinst bestätigen, daß sie ihre eigene Zeit nicht verstanden.

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Die meisten leben ihren Alltag dahin, sind durch ihren Erwerb in ein enges Gesichtsfeld eingespannt, und der ewige Sorgennebel hemmt ihnen den Blick ins Weite. Sie finden ihre Zeit er bärmlich, weil es ihnen selber erbärmlich geht. Sie verstehen nicht, daß man die Bedeutung der Gegenwart nicht nur nach der Summe des Glücks oder des lingluds be­urteilen soll, die sie dem einzelnen bringt, sondern vor allem auch anch den Zukunftswerten, die sie für die Menschheit in sehen, ist es ihnen gleichgültig, daß uns das Schicksal an die fich trägt. Darum sehen sie auch nicht oder wenn sie es Schwelle einer neuen Zeit gestellt hat, und daß wir zu Augenzeugen und Mitwirkenden berufen sind einer der größ deutschen Republit, ein zweites ist der Eintritt der ten Wandlungen, von denen die Weltgeschichte berichtet. Ein erstes Zeichen dieser Wandlung war das Werden der deutschen Republit in den Bölterbund und, mit ihm verbunden, das Infrafttreten der Verträge von Locarno.

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Was wollen die, die nichts vom Frieden hören wollen? Etwa den Krieg? Sie seiber sagen nein, weil sie nicht für wahnsinnig gehalten werden wollen. Ganz abgesehen davon, daß der nächste Krieg, wenn er tommt, Zerstörungen anrichten wird, an denen gemessen als die von 1914-1918 geringfügig erscheinen würden, ganz abgesehen davon, daß auch die Sieger der Zukunft den Krieg noch mehr verlieren müssen, als sie den letzten schon verloren haben, weiß jedermann, daß fich Deutschland in absehbarer Zeit aus einem Krieg nichts Krieg ist, muß Frieden sein- fragt sich nur welcher? Der anderes holen kann als den totalen Zusammenbruch. Wo kein bestehende Frieden ist der von Bersailles: finden die Gegner der Erfüllungspolitik" und des Geistes von Locarno" ihn

so schön, daß sie ihn uns unverändert erhalten wollen? Alle Erfüllungspolitit", alles Berhandeln mit dem so­genannten Feindbund" hat nur den einen 3wed gehabt, Deutschlands Last zu erleichtern und einen unsinnigen und un­gerechten Frieden allmählich zu einem vernünftigen und ge­

rechten umzugestalten.

Diese Umgestaltung ist nicht möglich mit den Mitteln einer lichung von Gedanken, die der militaristischen Borstellungswelt veralteten Diplomatie, sie ist nicht möglich; durch die Berwirk wendung neuer Ideen, deren Trägerin in Deutschland entnommen sind, sondern sie ist nur möglich durch die An­die Sozialdemokratische Partei, deren Trägerin in der Welt die Sozialistische Arbeiterinternationale ist.

Der 2

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in den Völkerbund denkbar, ohne die deutsche Sozialdemokratie. So wenig wie die deutsche Republik selbst, ist ihr Eintritt Sie hat auf dem Gebiet des Verfassungsrechts und der Außen­politit bahnbrechend und wegweisend gewirkt, und sie hat diese klare Linie niemals verlassen, ganz gleich wie fich ihr Berhältnis zur jeweiligen Regierung gestaltete. Aber das Bewußtsein, etwas geleistet zu haben, fann sie nicht dazu verleiten, nun ihre Hände in den Schoß zu legen. an

Nicht nur, daß die schwierigsten, die entscheidenden Pro­bleme der Wirtschafts- und Sozialpolitik noch der Lösung harren, nicht nur, daß für die Sicherung der Republit noch unendlich viel zu tun ist, auch auf dem Gebiet der Außenpolitik ist das Erreichte nur ein Anfang. In Wegesmitte steht die europäische 3ollunion, am Wegesende stehen die Bereinigten Staaten von Europa- und wieviel Gräben find noch auszufüllen, wieviel Stachel­drähte fortzuräumen, bis der Weg frei wird!

Wenn jetzt Deutschland mit Titel und Rang einer gleich­Lage findet es vor? Weite Gebiete Deutschlands noch immer berechtigten Großmacht in den Völkerbund eintritt, welche besetzt, deutsche Minderheiten im Ausland einer unwürdigen Herrschaft faft schuklos ausgeliefert. Desterreich wider Willen barn, bei eigener fast völliger Entwaffnung, schwer gerüstet, von der deutschen Staatsgemeinschaft ferngehalten, alle Nach die Reparationsfrage noch immer ohne endgültige Lösung.

hat erst begonnen. Der Weg von Versailles zum Frieden ist Die Liquidierung des Weltkriegs ist noch nicht beendet, sie weit. Und doch: die Situation ist eine ganz andere als da­mals, da Deutschland den Waffenstillstand und den Versailler Vertrag unterzeichnete, das Londoner Ultimatum annahm und den Ruhrkrieg ergebnislos abbrach. Wir sind schon ein ganzes Stüd weitergefommen.

Auch der Dames Blan ift eine Station auf der Reise von der Unvernunft zur Bernunft. Als solche haben auch die