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Nr. 10143. Jahrg. Ausgabe A nr. 51

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Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

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Dienstag, den 2. März 1926

Für das Volksbegehren!

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Die Volksbewegung wächst. Nur noch zwei Tage bis zum Beginn der Einzeichnungs­frist für das Bolksbegehren! Die große Voitsbewegung gegen die Forderungen der Fürsten wächst von Tag zu Tag. Weit über die Grenzen der Sozialdemokratischen Partei und der Kommunistischen Partei hinaus, die den Antrag auf Ein leitung des Volksbegehrens geftellt haben, wird das Ber­langen nach der Enteignung der Fürsten vom Bolte unterstützt. Die Fürsten haben mit ihren maßlosen Ansprüchen, ihrem Mangel an Verständnis für ihre eigene Situation und für die Notlage des deutschen Volkes diese Bewegung felbft hervorgerufen. Die Sizungen des Rechtsaus= schusses des Reichstags und ihr Ergebnis meit davon entfernt, im Bolle das Bertrauen zu wecken, daß der Reichs­ tag das Recht des Boltes wahrnehmen werde weitesten Kreisen die Beherzigung gewedt und gefräftigt, daß das Bolf felbst seine Stimme erheben muß. Aus den Sizungen des Rechtsausschusses hat das Bolt erfahren, was ihm von Erkönigen, Erherzögen, Erfürsten, Erstandesherren zugemutet wird. Es hat erfahren, wie die Rechtsparteien die Fürstenansprüche über die Volksrechte ftellen. Mit Ingrimm sieht es den Feldzug der Fürsten gegen das Bolt. In den Reihen der Demo­fratischen Partei und des Zentrums wächst die Zahl derer, die Das Boltsbegehren unterstützen werden. Die Zentrums arbeiter im Industriegebiet fordern von ihrer Partei ener gische Haltung. Die Stimmen aus ihrem Lager wachsen, die fich für entschädigungslose Enteignung aus fprechen. Die Bewegung wächst. Am 4. März beginnt die Einzeichnung.

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Hohenzollern und Habgier.

Sie wollen nehmen, aber nicht gebeu.

haben in

Die Stellung der Demokraten. früheren Offizieren mitgeteilt wurde, daß die Ber­hältnisse des Ertaisers teine Unterstützung früherer Offiziere gestatteten, da er selbst nur das Notwendigste zum Leben habe. Man vergleiche damit die Lebenshaltung des Schloßherrn von Doorn !

Die Hohenzollern wollen vom armen deutschen Volte nehmen geben wollen sie niemanden, weder armen Ar­beitern, noch früheren Offizieren.

Demokratische Kritik am Rechtsausschuß.

Die demokratische Reichstagsfraktion hat sich mit dem Er gebnis der Beratungen des Rechtsausschusses beschäftigt. Heber ihre Beratungen wird folgender Bericht ausgegeben: Die demokratische Reichstagsfraktion nahm in ihrer Fraktions: fizung am Montag einen Bericht des Reichstagsabgeordneten Frei herrn von Richthofen über die Frage der Fürstenabfindung entgegen. Diesem Bericht zufolge sind zwar einige Verbesserungen des ursprünglichen Kompromißentwurfs erzielt worden, die aber den Forderungen nech nicht gerecht werden, die die Deutsche Demokratische Partei erheben muß. Wenn nicht aus den im Gange befindlichen Verhandlungen wesentliche Berbesse. rungen hervorgehen, wird sich die Fraffion in einer ihrer nächsten Sigungen darüber schlüssig werden, ob sie ihren Anhängern eine Beteiligung am Boltsbegehren empfehlen soll."

In den Reden der demokratischen Abgeordneten kam deutlich zum Ausdruck, daß die Mißstimmung im Lande größer ist, als man angenommen hatte, daß die Haltung der Fürstenhäuser und die Tatsache, daß Millionen von Renten befizern, Auslandsdeutschen und Kriegsopfern auf legale Weise ihr Vermögen eingebüßt haben, eine außer gewöhnliche Lage geschaffen hat.

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Bethlens Verzweiflungspläne.

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Wie Bethlen zu seinem Geständnis kam. Teleky's Rettung. Propaganda in England und englische Hilfe. Budapest , Ende Februar.

Graf Bethlen will sein Spiel noch immer nicht verloren geben, trotzdem er sich schon nach allen Seiten hin unmöglich gemacht hat. Horthy hat sich seit der Einmengung des Grafen Emmerich Karolyi ganz auf dessen Seife ge­schlagen, trotzdem aber wagt er es nicht, offen gegen Bethlen aufzutreten, weil dieser gedroht hat, in seinem Fall Horthy und seine ganze Gefolgschaft mit fich zu reißen.

Kaum war diese Gefahr beseitigt, wurde Bethlen von den geheimen Gesellschaften bedroht. Das war gefährlicher. Denn diese leitet auch noch aus dem Gefängnisse heraus der ,, Landespolizeichef" Nadossy. Dieser aber war wütend auf Bethlen, weil der den französischen Polizisten zu viel Entgegenkommen bewiesen und nicht, wie er versprochen hatte, die ganze Untersuchung in brei Wochen erledigen ließ. Eine Warnung für Bethlen sollte es sein, daß vor dem parla mentarischen Untersuchungsausschuß Windischgräß fid wei­gerte, für die Unschuld der Regierung einzustehen. Bethlen erschrat so sehr über diese Drohung, daß er einige Tage später sich vor dem Untersuchungsausschuß zu dem Eingeständnis bequemte, Windischgräß habe ihn schon vor drei Jahren von bequemte, Windischgrät habe ihn schon vor drei Jahren von feinen Fälscherplänen verständigt, Bethlen habe das nur schon vergessen.

Doch auch diese Gegner hat Bethlen nicht nur beschwich­tigt, sondern sogar den Freundschaftsbund mit ihnen voll­formen erneuert.

Ift es Bethlen gelungen, diese Schwierigkeiten zu über­minden, so hatte er mehr Pech mit der Rettung" feines Betters, Freundes und allergetreuesten Vertrauten, des Grafen Baul Zeleti. Dieser Mann war nicht nur der Mittels­mann bei den bayerischen Monarchisten, sondern leistete Bethlen auch große Dienste bei den Engländern. Als Graf und angeblich bedeutender Geograph genoß er in der eng­fischen Aristokratie ziemliches Ansehen, und der Völkerbund delegierte ihn in die engere Mossulkommission. Da solcherart Teleki Gelegenheit hatte, in engere Beziehung zu maßgeben- i Lage anfing, fchmierig zu werden, Teleki zu seinem Nachfolger a. abgeben englischen Kreisen zu treten, wollte Bethlen, als feine machen, um, wenn die Wogen sich wieder geglättet, wieder felbst das Ministerpräsidium zu übernehmen. Telefi, der bis dahin parteilos gewesen, trat dieserhalb rasch in die Regie­rungspartei ein und wurde auch dort schon als zukünftiger Ministerpräsident umschmeichelt.

Eine Entschließung der hessischen Demokraten. Die Neue Badische Landeszeitung" gibt den Darmstadt , 1. März.( Mtb.) Der Borstand der Demokratischen Bescheid wieder, den ein armer Arbeiter in Liegnik Partei Hessen befaßte sich in einer gestern in Frankfurt a. M. abge­auf die Bitte um ein Darlehen von der Adjutantur des Erhaltenen Gizung mit der Frage:" Bolts entscheid zur fronprinzen in Dels erhalten hat. Er lautet: Fürsten abfindung ". Nach ergiebiger von einheitlichem Wollen getragenen Aussprache wurde folgende Entschließung an­genommen: Der Landesvorstand betrachtet die bis jetzt in der Frage der Fürstenabfindung gefundene Kompromißlösung als nicht ausreichend. Falls es nicht gelingt, die Grundfäge für die Abfindung im Sinne des Ausgleichs an die vom Reich den Kriegsanleihezeichnern gewährte Entschädigung zu ver­wirklichen und bei der Belegung des Sondergerichts nicht die berufs juristischen, sondern die staatspolitischen Gesichtspuntie in den Bordergrund zu stellen, wird sich der Landesverband Hessen für eine sonstige bindende Lösung auf entschädigungslose Enfeignung

Die petuniären Berhältnisse des Kronprinzen find entgegen allen unwahren und törichten Nachrichten in der Deffentlichkeit der art schwierige, daß irgend welche Mittel für bie Gewährung von Darlehen und für Unterstützungen nicht zur Berfügung stehen. Tatsächlich befindet sich der Kronprinz wirtschaftlich in einer viel schwierigeren Lage als jeder fleine Grund­besiger oder pensionierie Offizier."

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Die Neue Badische Landeszeitung" setzt hinzu: Eine beffere Propaganda für eine dem Bolfsempfinden entsprechende Fürsten abfindung läßt sich nicht denken als dieser Bescheid des Schloßherrn von Dels."

Der Erkronpring folgt mit diesem Bescheid nur den Spuren feines Vaters. Der ließ im Jahre 1922 durch das Hofmarschallamt in Doorn im Berliner Lokal- Anzei­ger" eine Auslaffung veröffentlichen, in der offiziell einigen

Faschistenprovokation in Jnnsbruck.

Durch italienische Eisenbahner.

Bien, 1. März.( WTB.) Die amtliche Nachrichtenstelle meldet: Eine Abteilung italienischer Eisenbahner, die in Innsbruck dienstlich beschäftigt ist, ließ sich gestern auf dem dertigen Hauptbahnhof photographieren, wobei als Hintergrund eine auf­gepflanzte italienische Trikolore mit dem Bild Mussolinis benußt wurde. Alle Teilnehmer hatten das Zeichen des Fascio

angelegt.

Gegenüber dem ruhigen Einspruch deutschöfterreichischer Eisenbahner erfolgte eine scharfe Erwiderung der Italiener. Doch gelang es dem besonnenen Eingreifen des Stationsvorstandes, einen täflichen 3usammenstoß zu verhindern.

Norwegische Regierungskrise.

Regierungsflucht der Liberalen. zurückgetreten. Bei der Behandlung der Adresse, die die Thronrede Oslo , 1. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierung ist beantworten soll, hatten Bauernpartei und Rechte Borschläge ein bracht, die abgelehnt wurden, ebenso wie ein Mißtrauensvotum der Arbeiterparteien. trat Die Regierung zurüd, weil die drei Vorschläge zusammen eine starke Mehrheit des Storthings hinter sich hatten. Der tiefere Grund für die Regierungs. trise ist in der Opposition zu suchen, die sich gegen das Schieds. gerichtsablommen mit Dänemart ergeben hat. Da diese Oppofition besonders von Fischerei und Schiffahrt gemacht wird, um beren Wahlstimmen die Liberalen mit der Rechten lämpfen, be­mußten die Liberalen die Gelegenheit, von der Regierung abzutreten, obwohl sie mit den Arbeiterparteien zusammen den Bertrag hätten ratifizieren fönnen. Mit der Reubildung der Regterung wird die Rechte beauftragt werden. Sie fann gufammen mit der rechts

cinfeßen.

Sobald erkennbar ist, daß der Reichstag eine Lösung im Sinne diefer Refolution nicht findet, werden unsere Parteifreunde aufge­fordert, sich in die ausliegende Cifte für das Vollsbegehren ein­suzeichnen.

Doch der Jubel dauerte nicht lange. Bor furzem erhielt Teleti bei seiner Anwesenheit in München am 19. Januar das Ministerpräsidium ein Telegramm aus Berlin , wonach beobachtet worden sei, so daß die Gegner genau informiert feien, mit wem Telefi dort verkehrte. Ebenso sei er furz dor­auf in Berlin beobachtet worden, und man wisse auch, daß er dort mit Schulz verkehrt hat. Da nun Teleki seit Be­ginn her in der Frankfälscherface verwickelt ist und aus diesen Beobachtungen sich leicht der Schluß ergab, daß Telekis deutsche Reise nur den Zweck hatte, die Spuren zu ver­wischen, die von den ungarischen Frankfälschern zu ihren deutschen Helfern führen, war guter Rat teuer. Um nun einer Forderung der Franzosen nach einem Verhör Telekis

stehenden Bauernpartei eine Regierung bilden, die im Parlament zuvorzutommen, meldete sich dieser freiwillig bei der Polizei über eine Mehrheit von drei Stimmen verfügt.

Wirth in Bayern .

zur Aussage, wobei selbstverständlich ein Protokoll aufgenom­men wurde, das möglichst entlastend für Teleki mar.

War schon damals Telefis Nachfolgerschaft unmöglich ge­macht, fo fam es aber noch ärger. Es stellte sich nämlich Landesparteitag des bayerischen Zentrums. heraus, daß Teleki in der Mosfulkommission die Engländer München, 1. März.( WTB.) Am Sonntag wurde in München verraten hat. Teils geschah dieser Berrat den Türken zu­der zweite aus allen Teilen Bayerns gut besuchte Banbespartei liebe, die ja mit den ungarischen Rasseschülern in engster tag der deutschen Zentrumspartei in Bayern , rechts Berbindung find, tells aber oder vielmehr hauptsächlid;, meil des Rheins, in Anwesenheit des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth, dieser Berrat höchst einträglich war. Herr Graf Telefi bes bayerischen Landtagsabgeordneten Dr. Weismantel und bekam nämlich für diesen Verrat von den Amerikanern einen eines offiziellen Vertreters des Pfälzer Zentrum s abgehalten. Direktionssiz in der Standard Oil Company! Kaum war dies bekannt geworden. änderte sich sofort die Nach den Berichten des Landesvorsitzenden, machte, bei feinem Haltung des hiesigen englischen Gesandten. War dieser Erscheinen lebhaft begrüßt, Dr. Wirth längere Ausführungen, in bis dahin einer der märmsten Berteidiger Bethlens gewefen, denen er sich für den Sieg des republikanischen Gedankens und die erklärte er nun ganz offen, daß, wenn nur orthy bleibe auf dieser Grundlage zu erstrebende deutsche Einheit und Freiheit als Garantie für die Aufrechterhaltung des jetzigen Regimes, einsetzte und dabei auch auf sein derzeitiges Verhältnis zur Zen­letzten Endes nur darum handle, das Zentrum zu stärkster Aktivität Auf der ganzen Linie nahm er allein den Kampf auf. Jeden Doch Bethlen gab das Spiel noch immer nicht verloren. trumspartei zu sprechen fam. Dr. Birth erklärte dazu, daß es fich man fich mit einem Fall Bethlens ganz gut abfinden könnte. anzuspornen und die verantwortliche Führung in die Hände von Rat, selbst seiner getreuesten Anhänger, weist er zurück, weil Männern zu legen, die durch keinerlei Rüd sicht, wie sie er in jedermann einen Verräter wittert. Von den Engländern beispielsweise Stegerwald als Führer des Deutscheinbar im Stich gelaffen, hat er aber als fühner Spieler Gewerkschaftsbundes bisher genommen chen nun erst recht fein ganzes Spiel auf die Engländer gesezt. habe,/ behindert seien, die allgemeinen politischen Ideale Den englischen Gesandten und die englische Regierung auch mit aller gebotenen Energie durchzusehen. Die selbst bestärkt er mit allerlei Geheimberichten geschicktester Ausführungen Dr. Births waren von der Ber. Art neuerlich in der Ueberzeugung, daß Ungarn nicht nur fammlung mit begeisterter Zustimmung aufge von hafenkreuzlerischen, sondern auch von einem kommunisti­fchen Umsturz bedroht und er, Bethlen, der einzige Schußz gegen diefe Gefahren fei. Bu gleicher Zeit aber mobilisierte er die an den ungarischen Geschäften interessierte englische Finanzgruppe und hat die Breffepropaganda in Eng­land ungemein verschärft.

nommen worden.

In der Aussprache vertraten sowohl der Landesvorsitzende wie andere Rebner ben Standpunkt, daß die Arbeit Dr. Wirths für die Befestigung ber deutschen Republit fatträftig zu unter stügen fel.