Nr. 170.
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Vorwärts
12. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2.
Berichte der preuß. GewerbeInspektoren für 1894.
II.
dem
Mittwoch, den 24. Juli 1895.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Beitungen und Abgeordneten, die nachdrücklich auf Er- preußen haben zwei Besitzer von Schnapsbrennereien weiterung der Vollmachten der Aufsichtsbeamten und Ver- erst dann die gesetzlich vorgeschriebenen und vom Aufsichtsmeh rung derselben drangen und dringen. Dagegen bringt beamten verlangten Schuhvorrichtungen angebracht, als die das Unternehmerthum in überwiegendem Maße entweder Ortspolizei zu Hilfe geholt wurde! Leider ver ganzen Institut offen Feindseligkeit entgegen, schweigt der Bericht die Namen dieser renitenten Besitzer In§ 6 der preußischen Dienstanweisung heißt es: Die oder was weit öfterer der Fall ist es macht sich die von Är und Halm, die sicherlich zu den Junkern oder In§ 6 der preußischen Dienstanweisung heißt es: Die Einrichtung desselben zu seinem Vortheil zu nuge, Junkergenoffen gehörten. Gewerbe- Juspektoren sollen durch die ganze Art ihrer amt- während es hinterrücks die Arbeiter abhält, sich an die Gelichen Thätigkeit eine Vertrauensstellung zu gewerbebeamten zu wenden. winnen suchen, welche sie zur Erhaltung und Förderung guter
Die Vertrauensstellung.
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habe
Im Regierungsbezirk Potsdam finden es die Besitzer größerer Anlagen lästig", daß eine Gewerbeinspektion vorhanden ist; weitergehende Ansprüche der Beamten und Wohlan Einrichtungen für Gesundheitspflege
fahrt stoßen auf geringes Entgegenkommen, und manche schließen sich den Dampfkessel- Revisionsvereinen an, in der Hoffnung, dadurch von dem Besuche des Gewerbe- Juspektors Jm Bezirk Berlin ein für alle mal befreit zu werden". und Charlottenburg kam es sogar zu feindlichen Busammenstößen. Der Bericht sagt:
Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern mitzuwirken In den vorliegenden Berichten wird dies noch mehr in den Stand setzt." Es ist nun selbstverständlich, daß, wie in früheren Jahren von der Mehrzahl der Gewie wir im vorhergehenden Artikel( Nr. 167 des Vorwärts) werbe- nspektoren ausgesprochen, und wenn dies nicht schon hervorhoben, bereits durch die Auswahl der Beamteu noch deutlicher von seiten der Beamten geschieht, so suchen das Vertrauen der Arbeiter geschmälert wird. Weit wir die Ursache auch darin, daß den Beamten bekannt ist, wie mehr noch aber geschieht dies dadurch, daß die sich die Regierung ihrer dem Unternehmerthum gegenüber preußischen Aufsichtsbeamten zu Kesselrevisoren- Der Fall Jäger, Köln ,( Sommer 1892) man muß annimmt! sagen: degradirt wurden, indem sie ja als solche vorwiegend ist noch nicht vergessen. Als dieser Fabrikinspektor in ,, Die Beamten sind bisweilen auf Arbeitgeber gestoßen, die die Arbeitgeber interessen zu wahren haben; und daß diese unserem Partei- Organ, Rheinische Zeitung ", auf dessen zu denen der Arbeiter prinzipiell in schroffstem Gegensatze Anfrage mitgetheilt hatte, er wolle die Arbeiter in bezug einer in hohem Maße verbitterten Stimmung über die Ungunft stehen, wird sich weder durch gewerkvereinliche Harmonie- auf die Aenderung der Arbeitsordnungen hören, und er der Zeiten und die durch die neuere Gefeßgebung ihnen aufdufelei noch durch Stumm'sche Patriarchen- Tyrannei aus fuche die Arbeiter, ihm ihre Klagen mitzutheilen, wurde er erlegten Pflichten unverhohlen Ausdruck geben. In zwei Fällen aussuche find die Beamten in Ausübung ihrer Pflicht, der eine von der Welt schaffen lassen. Dazu kommt noch, daß die Auf- vom Verein der Industriellen im Regierungsbezirk Köln einem Werkmeister, der andere von dem den Industriellen versichtsbeamten, besonders seit sie Kesselrevisoren wurden, bei der königlichen Regierung zu Köln verklagt:„ er tretenden Ingenieur gröblich beleidigt worden waren, Strafnur sehr selten den Arbeitern zu Gesicht kommen. Im die Arbeiter geradezu zur Denunziation ihrer anträge gegen die Beleidiger erstattet werden. Im ersteren Falle Der Regierungspräst- ist Verurtheilung erfolgt, im zweiten Falle schwebt das StrasBericht für Posen heißt es ganz zutreffend als Erklärung Arbeitgeber aufgefordert." für den ungenügenden Besuch der Sprechstunden durch die dent becilte sich, dem Verein mitzutheilen ,,, daß er das Vorgehen verfahren." Arbeiter: Offensichtlich ist dies die natürliche Folge der Jäger's gemißbilligt und ihm das Erforderliche eröffnet In Trier hat ein Mühlenbesizer den Gewerbe- Infeltenen Besuche der fast ganz von Kesselrevisionen in habe." Der famose Vertreter der Unternehmerinteressen, spektor mit Thätlichkeiten bedroht und beschimpft; Anspruch genommenen Aufsichtsbeamten, die auch als Abg. Dr. Möller, Dortmund , vertheidigte in der Reichstags er erhielt 17 Tage Gefängniß. An den wohlverdienten Kesselrevisoren mehr mit dem Besizer als jibung vom 9. Februar 1893 das Verhalten des Vereins Pranger, durch öffentliche Nennung seines Namens im Beder Industriellen und der Regierung, und der Minister richt, ist er nicht gebracht. Und außerdem verhindert das Unternehmer von Bötticher ging über diese Angelegenheit mit Still- Fast alle Beamte melden, daß Unternehmer sie besucht thum die Arbeiter, mit den Beamten in schweigen hinweg. Bereits im nächsten Jahre aber war hätten, um Rath und Hilfe in Rejse I angelegenheiten zu Verbindung zu treten, indem es diejenigen, die es Herr Jäger nicht mehr Gewerbe- Inspektor in Köln , sondern erhalten, sonst aber nicht. dabei erwischt, mit der Hungerpeitsche Entlassung nach Lüneburg versetzt! Um so klarer wird von einigen Beamten jetzt auszüchtigt, wie ebenfalls aus den Berichten hervorgeht. Von Kein Wunder also, wenn die Aufsichtsbeamten nicht gesprochen, daß es die Abhängigkeit der Arbeiter seiten unserer Gegner wird in der bekannten verlogenen diejenige Vertrauensstellung bei den Arbeitern erringen vom Unternehmer ist, die den Lohnsklaven zum stummen Manier behauptet, die Sozialdemokraten seien es, die gegen können, die, wie sie selbst einsehen, unbedingt für sie noth- Gehorsam zwingt und ihn fürchten macht, sich beim Gewerbe das Institut der Fabrikinspektoren hetzten", die Miß- wendig ist, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen und die Ein- Inspektor zu beschweren. Anfänglich schien es den Beamten, als tranen gegen dasselbe aussäten und es beseitigt haltung der zum Schutz der Arbeiter getroffenen Bestim hätten sie zu wenig Sprechstunden oder zu unrichtiger Zeit; haben möchten; dabei sind es gerade sozial- mungen wirklich überwachen sollen. So finden wir nun wurden diese in überwiegendem Maße auf den Sonntag demokratische Abgeordnete( Bebel und Fritzsche) denn auch in den Berichten Klagen der Aufsichtsbeamten verlegt aber die Arbeiter kamen nicht. Die Bekannt gewesen, die bereits vor 25 Jahren, als diese Gewerbe genug. In einigen Fällen bewies das Unternehmerthum gabe der Sprechstunden erfolgte in den Amts- und KreisAussicht noch garnicht bestand, diese im Reichstage forderten. seine Freundlichkeit gegenüber der Fabrikinspektion sogar blättern; daß diese von den Arbeitern nicht gelesen werden, Und von jeher sind es auch die sozialdemokratischen durch offenen Widerstand und Brutalität. In Ost- sahen die Beamten bald ein, und sie gaben die Sprech
mit den Arbeitern bekannt werden."
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Berliner Märztage.( Macbr. ver
Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Nun sah er sich plötzlich von selbstbewußten, miß trauischen Boltsmassen umgeben, die ihm Bedingungen stellten das war eine Wendung der Dinge, von der er sich nichts hatte träumen lassen. Das brach seinen Widerstand und er schrieb. Nicht nur das Alexanderregiment, auch die zu seiner Brigade gehörenden Franzer sollten die Feindseligkeiten einstellen und sich in die Kasernen zurückziehen. Frize Grams nahm das noch nasse Blatt, durchlas es sorgfältig und gab es an die ihm zunächst stehenden Kampfgenossen.
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Das genügt, Herr General," sprach er alsdann zu dem Gefangenen ,, wir werden Ihre Ordre weiter befördern."
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Und ich selbst?" fragte der General zögernd. Die Schüßen traten einen Augenblick zusammen. " Sie bleiben in unseren Händen", erklärte Frige Grams nach rascher Berathung, zur Bürgschaft für uns und zu Ihrer eigenen Sicherheit."
die Barrikaden weggeräumt werden müßten, ohne jeden Vorbehalt verzichtet. Der Kampf war beendet das Volk von Berlin hatte den Sieg erfochten.
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Das alte Regime lag zerschmettert am Boden, ein neues Zeitalter war angebrochen. Welchen Siegespreis hatte es dem Ueberwinder zugedacht?
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hunderte von Barrikaden, als Wahrzeichen des Sieges, den das Volk erfochten.
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Einem uferlosen Meere gleich, umbraust die wogende Menge die einstmalige Zwingburg am Spreestrand. Wie hat sich da die Szene in einer einzigen Stunde verändert! Verschwunden sind die Schaaren scharwenzelnder Hofschranzen, die glänzenden Stäbe, die blizenden Bataillone und Batterien Indessen, noch war die Stunde nicht da, nach dem frei und ungehemmt fluthen die Volksmassen durch die Siegespreise zu fragen. Noch verharrte das Volk, von weiten Höfe und Korridore. Bleicher Schrecken malt sich auf den Gesichtern der Mißtrauen erfüllt, in seiner trotzigen Stellung zu oft und zu herb war es schon enttäuscht worden, um jetzt auf im Schlosse Zurückgebliebenen. Was wird die nächste Stunde, einmal den Friedensworten des Gegners zu glauben. die nächste Minute den Ueberwundenen bringen? Was Adjutanten, Bürger, Beamte erschienen vor den Barri- werden sie fordern, diese Tausende und Zehntausende, kaden, schwenkten weiße Tücher und verkündeten dem mit den rauchgeschwärzten, übernächtigten, hohläugigen Volke, daß der König den Rückzug der Truppen an- Gesichtern, denen die Nacht das niedriggeborene Haupt geordnet habe. mit dem Siegeslorbeer umkränzt hat? Die Mehrzahl Wie so hätte er sich wirklich jener Forderung ge- der Höflinge ist geflohen, in allerhand Vermummungen, beugt, die man ihm zwanzig Stunden vorher in der kurzen aus Furcht vor der Rache des Volkes. Auf den Böden Formel: Militär fort!" gestellt hatte? Oder war das des Schlosses hat man, der Abrede zuwider, für den wieder nur eine Kriegslist des Feindes, die das zum äußersten Nothfall ein halbes Regiment Soldaten versteckt; Widerstand entschlossene Volt in Sicherheit lullen und aber was ist das gegenüber diesem brandenden Dzean, dessen wehrlos machen sollte? Wogen mit elementarer Gewalt gegen die Schloßmauern
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Der General ließ den Kopf sinken- er hatte diese Antwort bereits von den Gesichtern der Umstehenden ge Doch nein, es ist Ernst; sie gehen diesmal wirklich. schlagen? Schauerliche Bilder ziehen vorüber an der angstlesen. Schweigend folgte er der bewaffneten Eskorte, die Sie nehmen ihr Gepäck vom Straßenpflaster auf, machen gepeitschten Phantasie- graufige bluttriefende Gespenster, ihu nach dem Schüzenhause abführte, während die tausend- kehrt und treten zum Abmarsch an. die aus der Versenkung der Geschichte unheimlich grinsend
töpfige Menge hinter ihm in lautes Jubelgeschrei ausbrach. Ein einziger Jubelschrei, aus hunderttausend Kehlen emporsteigen...
Schon waren die Boten entsandt, die den Befehl gewaltig hervorgeschmettert, erschüttert die Mauern der Inzwischen beginnt der Sieger seine Forderungen zu des Kommandeurs an die Truppentheile überbrachten. Spreestadt ein jauchzender Morgengruß an die neu- stellen. Hochherzig gedenkt er zuerst der unglücklichen Brüder, Die Garden an der Königsbrücke hatten mit höchster geborene Freiheit. Der zwängende Druck der letzten Stun- die während des Straßenkampfes in Feindes Hand gerathen Spannung die Vorgänge hinter der Barrikade verfolgt und den weicht von den Gemütheru. Jm überwallenden Gefühl find. Noch saßen ein paar von ihnen in den Kellern des von der Gefahr, in die der General offenbar gerathen war, umarmen sich die Kämpfer, und Thränen der Freude rinnen Schlosses- sie wurden ohne weiteres in Freiheit gesetzt und nach dem Schlosse Meldung erstattet. Es war das falsche über die bärtigen Gesichter. Es scheint ja so unglaublich, von der Menge mit Jubelrufen empfangen. Die meisten derOpfer, Gerücht entstanden, daß man den General erschießen würde, was da über Nacht geschehen so unglaublich, daß der naive wohl gegen sechshundert an der Zahl, waren mitten in der wenn nicht binnen einer Stunde die Truppen abmarschirt Sinn es kaum zu fassen vermag. Das Volk von Berlin hat Nacht unter starter Eskorte nach Spandau geschickt worden, wären, und dieses Gerücht hatte seinen Weg bis in die die Sklavenkette gesprengt es ist frei, frei durch eigene wo sie nach einem vierstündigen, qualvollen Marsch in die Räume des Schlosses gefunden. Wie eine Bombe schlug Kraft! Festungskasematten geworfen wurden. Nichts anderes ers
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es zwischen die feilschenden Parteien und gab den Aus- Da ziehen sie ab, die Grenadiere des Königs-die warteten diese hartgeprüften, barbarisch mißhandelten schlag zu gunsten des Volkes. Gegen 10 Uhr morgens auswärtigen Regimenter zuerst, und bald darauf auch die Dulder, als daß sie ohne Urtheil und Recht in den Festungse ertheilte der König den Befehl, daß sofort alle Garden. In unabsehbaren Schaaren geleitet das Bolt sie gräben erschossen werden würden. Aber bevor noch di Straßen und öffentlichen Pläge geräumt zum Schlosse, vor dem die Abmarschirenden sich sammeln, Sonne im Mittag stand, hatte das Volk ihre Freilassung werden und das Militär theils die Stadt und dann hinaus zu den westlichen Stadtthoren. Denn im bewirkt, und der Abend schon sollte die Hochverräther" als verlassen, theils in die Kasernen zurück Norden, im Osten und Süden verweigert man ihnen den gefeierte Märtyrer an der Siegesfeier theilnehmen schen. tehren sollte. Er hatte auf die Bedingung, daß zuvor Durchmarsch: Hier stehen noch trogig und unversehrt ( Fortsetzung folgt.)