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Abendausgabe
Nr. 311 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 153
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10 Pfennig
Montag
5. Juli 1926
Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr
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Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
Unwetterkatastrophe bei Woltersdorf .
Eine Maner unterspült und eingestürzt.- 13 Ausflügler tot- 50 Verletzte.
Der gestrige erste Feriensonntag in diesem Jahr ist zu einem der schwärzesten Tage der Berliner Un. glückschronik geworden. Dreizehn Todesopfer Berliner , die hinausgezogen waren, um der unerträglichen Schwüle in den Mauern der Stadt zu cntgchen, gerieten in den Bereich des Unwetters, das sich im Osten Berlins bei Woltersdorf zu fanniengezogen hatte. Sie suchten Schng in einer leerstehenden Regelbahn, die von einer hohen Mauer überragt war. Die mächtigen Wasserfluten unterspülten ihre Fundamente und die Mauer stürzte, die Regelbahn mit ihrem lebenden Inhalt unter sich begrabend, zusammen. Aus den Trümmern wurden geborgen: 13 Zote und 40 Ver: Iette.
Wie das Unglück geschah.
Als gestern nachmittag gegen 4 Uhr sich über der Gegend Woltersdorf Ertner ein äußerst heftiges Gewitter mit Schlossenschlag entlub, flüchteten die vielen Ausflügler, meist Berliner, aus den Wäldern in die einzelnen Restaurants, insbesondere in das Restaurant Kranichsberg. In turzer Zeit war es von Ausflüglern überfüllt. Biele fuchten in der überdachten Kegelbahn Schutz. Die an den Berg sich anlehnende Mauer der Kegelbahn wurde von den vom Berge herabftürzenden und vom Himmel hereinbrechenden Wassermassen nach innen eingedrüft und begrub einen Teil der Schuhsuchenden, unter denen sich viele Frauen und Kinder befanden. Gleichzeitig erschütterte ein ungeheurer Donnerschlag den Erdboden. Furchtbare Schreie ertönten aus der eingeftürzten Regelbahn. Troß des tobenden Unwetters setzten sofort die Rettungsarbeiten ein. Der von dem Unglück sofort benachrichtigte Amtsvorsteher von Erfner alarmierte die Freiwillige Feuerwehr von Woltersdorf und Ertner sowie die einzelnen Sanitätskolonnen zur ersten Hilfe. Im weiteren Berlauf der Bergungsarbeiten er. bat der Gemeindevorsteher Hilfe von der Berliner Schußpolizei. Der Rote Frontfämpferbund, der in dieser Gegend seine Jahresfeier veranstaltete, leistete aufopferungsvolle Hilfe. Nur lanjam fonnten die unter dem Mauerwerk Ver.
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Frauen und Kinder, die sich auf die Kegelbahn geflüchtet hatten. Nach dem sich dann der erste Schrecken gelegt hatte, eilte von allen Seiten Hilfe herbei. 2andjäger, Rote Rreuz Rolonne, eine Abteilung der Roten Fronttämpfer, die in der Nähe ein Fest abhielten, Freiwillige Feuerwehr und Ausflügler organisierten mit allen Kräften das Rettungswert, bei dem sich, wie von allen Seiten hervorgehoben wird, besonders die Roten Fronttämpfer durch unermüdliche Hilfeleistung auszeich
neten.
Panik nach dem Einsturz.
Als in den gestrigen Abendstunden bas furchtbare Unglüd in präsidium erschütternde Szenen ab. Während der Berlin bekannt wurde, spielten sich auf dem Polizei ganzen Nacht erschienen zahlreiche Leute persönlich oder riefen durch
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schütteten geborgen werden. 12 Personen wurden als Leichen her. Zur Einsturzkatastrophe in Woltersdorf ausgezogen, ungefähr 50 Personen haben teil schwere, teils leichte Verlegungen erlitten, die die erste Hilfe durch die Aerzteschaft von Woltersdorf und Ertner sowie durch die zahlreichen Sanitäter erhielten. Der Abtransport der Verletzten gestaltete fich äußerst fchwierig. Der Weg nach dem Kreistrantenhaus in Kaltberge war derart von den Wassermassen unterspült worden, daß es nicht möglich war, die Verlegten in dieses Krankenhaus zu schaffen. Sie mußten daher teils auf Dampfern, teils auf anderen Fahrzeugen in die Krankenhäuser von Berlin und Röpenid transportiert werden.
Das Unwetter als Ursache.
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den Fernsprecher an, um zu erfahren, ob ihre Angehörigen, die sie in Woltersdorf wußten, unter den Toten feien. Es war nicht möglich, ihnen allen bestimmte Auskünfte zu erteilen, da die Telephonver bindung nach Ertner und Woltersdorf nicht funktionierte. Man mußte fie bis zur Rückkehr der Ganitätswagen vertrösten. Der Abtransport der Berlegten gestaltete fich sehr schwierig, da die Wagen Umwege über Erfner machen mußten. Die Chaussee bei Woltersdorf war zerstört. Man kann sich einen Begriff von der Wirkung des Unwetters machen, wenn man hört, daß auf dem Wege zwischen Woltersdorf und Wolfersdorfer Schleufe die Chauffee stellenweise in einer Breite von sechs Metern und einer Tiefe von zehn Metern durch Sturzbäche aufgerissen ist. Teilweise Feststellungen an der Unglüdsstelle ergaben, daß ein Blitzschlag waren die Wege auch durch umgerissene starte Bäume versperrt. Die nicht die Ursache gewesen ist. Vielmehr wurde die Mauer der Regelbahn durch die von dem Kranichberg herabstürzenden un geheuren Waffermassen unterspült und eingedrückt. Bei dem Zufammenbruch riß fie das Dach mit fich, das feiner Stüße beraubt war. So erklärt es fich, daß kaum einer der Schuhsuchenden ohne Berlegung davongekommen ist. Die Namen der Berlegten ließen sich mur in geringem Umfange feststellen, weil die Beute in allen umliegenben Orten Hilfe und Unterkunft fanden.
Die Opfer.
Es gelang in verhältnismäßig furzer Zeit die Namen der Toten festzustellen:
Frau, Meta Mettinger, Proskauer Straße; deren Tochter Helga;
Bostaffistentin Starte, Boppstraße 8;
Frau Uhl, 45 Jahre, Boppstraße 8;
Herta Diffmann, Tilfiter Straße 28;
Frau Frieda Gebauer, Unionstraße;
Frau Maria Hoffmann, Stralauer Allee 17e; Frau Riedel, Manteuffelstraße 109;
deren Kind Elfe;
Kind Waldemar Perschte, Neue Königstraße 9.
Außer diesen zehn namentlich festgestellten Toten wurden noch drei Leichen geborgen, deren Persönlichkeit noch unbekannt ist, ein etwa 12jähriges Mädchen, ein etwa 18 Jahre altes Mädchen und eine Frau in den mittleren Jahren, die sofort nach der Bergung st arb.
Eisenbahnkatastrophe vor Paris .
18 Tote, 97 Verlegte. Der Schnellzug Le Havre - Paris entgleift.
Paris , 5. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Der Schnellzug Le Havre - Paris entgleiste am Sonntag 25 Kilometer vor Paris bei Achères. Von den Insassen wurden 20 Personen getötet und 60 verlegt. Die vorläufigen Feststellungen haben ergeben, daß einer der Verlegten namens Kohler deutscher Staatsangehörigkeit ist und aus Köln stammt. Das Unglück wird auf eine Senkung der Gleise durch das Unwetter zurück geführt.
18 Tote, 97 Verletzte.
Paris , 5. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Nach den bisher angestellten Ermittlungen ist das Eisenbahnunglüd bei Achères darauf zurückzuführen, daß der Zug Le Havre - Paris wegen einer Senfung der normalen Geise auf ein Nebengleis für abzüge umgeleitet wurde, das nicht wie das normale Gleis eine gerade Strede bildete, sondern eine Kurve aufwies. Der Lokomotivführer mäßigte auf diesem Nebengleis die 90- kilometer- Geschwindigkeit nicht. Bei einer Weiche sprang die Lokomotive aus den Schienen.
Ueber die Ursachen des Einsturzes der Regelbahn des Hotels Kranichsberg in Woltersdorf , in der die Verunglückten Schutz gegen das plötzlich hereinbrechende Unwetter gesucht hatten, gehen die Meinungen noch etwas auseinander, und es ist fraglich, ob an dem Trümmerhaufen, den die Unglücksstelle bildet, genaue Feſt stellungen über die Umstände, die zum Einsturz führten, getroffen werden fönnen. Das Hotel Kranichsberg liegt unmittelbar am Fuße des Kranichsberges, der einen allen Ausflüglern wohlbekannten Turm trägt, der eine weite Aussicht über die Seenkette bei Erkner und Kalfberge bietet. Links vom Hotel ist in den an dieser Stelle ziemlich fiellen Bergabhang die Kegelbahn des Hotels eingebaut, die eine Länge von mehr als 20 Meter hat und gegen den Berg durch eine etwa 3 Meter hohe und 2% Stein gleich 60 Zentimeter starfe Mauer geschützt ist. Hinter dieser Mauer hatte ein fleines Rinnfal, das die von der Höhe kommenden Waffer aufnimmt, eine fleine Schlucht ausgewaschen. Das furchtbare Unwetter, das am geftrigen Sonntagnachmittag in der fünften Stunde die dortige Gegend heimsuchte, hatte zur Folge, daß vom Kranichsberg große Wassermassen ins Tal hinabstürzten, die zum großen Teil ihren Weg durch die Schlucht hinter der Kegelbahn des Hotels Kranichsberg nahmen. Diese Wassermengen haben das Erdreich hinter der Mauer vollkommen aufgewühlt und die Fundamente der Regelbahn unter spült. Entweder ist das Bauwerk durch das Wasser selbst, bzw. durch das Abrutschen eines großen Stüdes des Bergabhanges zum Einsturz gebracht worden, oder aber der Einschlag eines Blizes unmittelbar hinter der Kegelbahn hat eine solche von denen 32 nach Hause zurüdtehren konnten. Erschütterung und einen so starken Luftdrud verursacht, daß die Mauer, die ohnehin schon den Wasserdruck auszuhalten hatte, dadurch ins Banken geriet und in ihrer ganzen Länge umstürzte. Die Folgen dieses Unglücks waren jedenfalls katastrophal. Mehr als 100 Personen hatten sich, als das Unwetter hereinbrach, in die überdeckte Regelbahn geflüchtet und hatten sich dort auf Tischen und Stühlen, die aus dem Sommergarten herbeigeholt worden waren, eingerichtet, um das Ende des Platzregens abzuwarten. Sie alle wurden von den Trümmern der Mauer begraben. Eine unbeschreibliche Banik brach aus. Während die in den benachbarten Lofalen fizenden Ausflügler, die den Einsturz mit ansahen, im ersten Augenblid wie gelähmt waren, erscholl von der Unglücksstelle herz- Seite. Der Stoß war fürchterlich. Zwei Waggons zweiter zerreißendes Schreien und Bimmern. Größtenteils waren es| Klaffe schoben sich ineinander, ein dritter Waggon warf sich auf den
Es ist noch nicht festgestellt, ob der Lokomotivführer, der bei dem Unglüd selbst verletzt wurde, von der Umleitung vorher rechtzeitig in Kenntnis gesetzt worden ist. Bei seiner ersten Bernehmung erklärte er, die Signalscheibe, die anzeigt, daß die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer herabgesetzt werden müsse, sei nicht aufgezogen gewesen. Die Zahl der Opfer beträgt nach den bisherigen Festftellungen 18 Tote und 97 Verlegte,
Wie das Unglück geschah.
Paris , 5. Juli. ( TU.) Der Schnellzug Le Havre - Baris ist am Sonnabend abend 22 Kilometer vor Paris bei der Station Achères im Balde von St. Germain entgleist. Der Zug, der auf einem Nebengleise fuhr, da am Hauptgleis Ausbefferungsarbeiten vorgenommen wurden, hatte eine Stundengeschwindigkeit von 92 Rilometer. In einer Kurve verließ die 2otomotive das Gleise und legte sich mit dem Tender auf die
Trümmerhaufen, der vierte und fünfte Wagen erster Klasse verließen das Gleise und fuhren die Böschung entlang, überholten die Maschine und stürzten einen Graben hinab. Die Heilgebliebenen und Leichtverwundeten organisierten unter der Leitung des Generaldirektors der Staatsbahnen, der im Zuge war, die erste Hilfe.
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Ein gleichzeitiges Gewitter erschwerte unglücklicherweise die rasche telephonische Verbindung und verzögerte die Ankunft der Rettungszüge. Erst um 10 Uhr abends fonnte Paris den ersten Hilfszug ablaffen. Nur drei Tote fonnten sofort geborgen werden. Etwa 40 Verwundeten wurde in der Station die erste Hilfe ge= geben. Sie fonnten in einem Lofalzug nach Paris gebracht werden. 3hre Reise war ein wahres Martyrium, da der Personenzug fahrplanmäßig an allen Stationen hielt. Erst nach eineinhalbftündiger Fahrt kam der Zug in Paris an. Die Nachricht von dem Unglück hatte sich schnell in Paris verbreitet. Die Angehörigen erwarteten auf der Station die Ankunft des Zuges. Gestern nachmittag wurde zwischen den Trümmern noch nach Leichen und Schwerverlegten gesucht. Die Zahl der Verunglückten wird mit 18 Toten und 73 Berletzten angegeben. Die Strede dürfte erst heute abend um 9 Uhr freigegeben werden. Die Untersuchung über heute abend um 9 Uhr freigegeben werden. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücs ist noch nicht abgeschlossen. Das Kommuniqué der Staatsbahndirektion gibt als wahrscheinliche Ursache Gemitter an. Die elektrischen Signale sollen nicht tadellos funktioniert haben. Ein Signal, das langsam fahren" vorschrieb, scheint übersehen worden zu sein.
Der Bahnhof von Dijon zerstört. Pari s, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Eine ungeheure Feuersbrunst hat den Bahnhof von Dijon völlig zerstört. Der Schaden beträgt über 3 Millionen.
Ein Wirbelsturm über Frankreich . Baris, 5. Jufi.( Eigener Drahtbericht.) Ein schweres WirbelSturmgewitter ist am Sonntag über die Pariser Umgebung niedergegangen. Zahlreiche Ortschaften wurden überschwemmt und zum Teil schwer beschädigt. Der Flurschaden ist ungehener.