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Nr. 348 44. Jahrg.. Ausgabe A nr. 178

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freund". Jugend- Borwärts", Blid in die Büchermelt" und Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei mal, Gonntags und Montags einmal.

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" Sozialdemokrat Berlin"

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297.

Dienstag, den 26. Juli 1927

Vorwärts- Verlag G.m.b. H. , Berlin SW. 68, Lindenstr.3

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Boftschecktonto: Berlin 37 530 Banffonts: Ban? ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65: Distonto- Gesellschaft. Devoktentasse Lindenstr. 3.

Trauerfißung des Nationalrats. Zentrumsarbeiter für Reichsbanner.

große Debatte.

Wien , 25. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Im Nationalrat wurde eine Trauerfundgebung für die Opfer der blutigen Lage bes 15. und 16. Juli veranstaltet. Die einzige Rede hielt der der christlichsozialen Partei angehörende Präsident Miklas . Wie von einer Elementartatastrophe sei Bien plöglich von dem Aufstand über­rascht worden, dem so viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Den Hinterbliebenen sprach er das Beileid der Bolts Dertretung aus. Die Mitglieder des Nationalrats hatten sich mährend der Rede erhoben.

Die Sitzung des Nationalrats, in der die Aussprache über die blutigen Borgänge und den sozialdemokratischen Antrag auf Ein­fegung einer parlamentarischen Untersuchungsfommission stattfinden wird, ist auf Dienstag anberaumt.

Die Wiener Massenverhaftungen. Wien , 25. Juli. ( WTB.) Wie das Neue Wiener Tageblatt" meldet, wurde ein städtischer Rechnungsbeamter in der Sommer­frische in Haft genommen, weil er am 15. Juli einen Schuß aus dem Rathause abgegeben haben soll.(?) Ferner wurden noch weitere 20 Personen wegen Beteiligung an den Aus­schreitungen und Brandstiftungen verhaftet. In das Landesgericht find bis heute über 100 Demonstranten von der Polizei eingeliefert

morden.

Hugenbergs Märchen.

Der Montag" perbreitet einen Schmindel der Wiener ,, Reichs poft, wonach der ehemalige Major Bernaß das Kommando der Gemeindeschuhwehr habe abgeben müffen, meil er nicht dulden wollte, daß sie soviel im Rathausteller size. Die Wahrheit ist, daß Bernaß, der Inspektor der städtischen Bäder ist, sich nur für die ersten Tage zur Berfügung gestellt hatte und danach durch den städtischen Branddirettor als Kommandant erfekt worden ist. Aber ob Waffer, oder Feuer die Antisozialistenpresse macht aus allem ihr Lügenfeuerwaffer, an dem sich ihre Einbläser und jene ihrer Leser erfreuen, die nicht alle werden. Auch zahlreiche Dumm­Dumm- Geschoffe werden da fabriziert, so etwa, wenn man jetzt behauptet, der Schutzbund habe Explosivgeschosse u. dgl. Gc= schoffen hat damit jedenfalls die Polizei!

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Vom polnischen Polizeistaat. Berhaftet- freigelassen

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verhaftet usw.

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Warfchau, 25. Juli. ( DE.) Der verhaftete Redakteur Ario, Leiter der Minderheitenzeitschrift" Natio", wurde vom Unter­suchungsrichter ohne Rautionsstellung aus der Haft entlassen. Die Berhaftung hat sich als grundlos erwiesen. Die Natio" er= ſcheint monatlich in polnischer, deutscher, englischer und französischer Sprache. Sie bringt Artikel über die Lage der Minderheitsvölker in Bolen. Schon seit Erscheinen der ersten Nummer wird die Zeit­schrift von der polnischen Regierung mit allen Mitteln bekämpft. Die erste Nummer wurde schon vor Erscheinen beschlagnahmt und nur dank dem Eingreifen der parlamentarischen Vertreter der Minderheiten freigegeben. Die Freilassung erfolgte auf Einschreiten eines sozialdemokratischen Abgeordneten.

Reichskanzler Mary verläßt es.

öln, 25. Juli. ( Eigener Bericht.)

Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold für die Be­zirke Krefeld , München- Gladbach, Neuß und Grevenbroich hielt am Sonntag in Grevenbroich ein Treffen ab. Es sprachen der Parteisekretär Dr. Schreiber vom Zentrum, Redakteur Groß vom fatholischen Westdeutschen Volksblatt" in München- Gladbach und Reichstagsabgeordneter Sollmann.

Groß legte gegenüber der Hehe, die von der kapitalistischen Preffe und auch aus dem Zentrum gerade jetzt gegen das Reichs­banner und dessen Führer Hörfing entfacht worden ist, ein ent. schiedenes und festes Bekenntnis der Treue zum Reichsbanner ab. Was die Zentrumstameraden im Reichs­banner etwa an der Bundesführung zu kritisieren hätten, würden sie felbft fun. Außenstehende hätten fein Recht, sich da einzumischen. Diese Treibereien gegen das Reichsbanner erfolgten in ganz durch fichtiger Weise. Die Reichsbannerfameraden dürften sich aber nicht auseinandermanövrieren lassen.

Reichstagsabgeordneter Sollmann legte ebenfalls dar, daß die ganze Hehe gegen das Reichsbanner nur bezwecke, die alten Trennungswände zwischen christlichen und sozialdemokratischen Ur­beitern wiederaufzurichten. Das Reichsbanner sei selbständig und unterfiehe nicht der Disziplin einer Partei. Wenn Hörsing von feinem Staatsamt zurüdfrete, jo sei das fein Schaden. Es sei wichtiger und ehrenvoller, die drei Millionen Reichsbannerfameraden zu führen, als eine preußische Provinz zu verwalten. Das Reichs. banner sei nicht nur republikanisch, es sei vor allem fozial ge­richtet.Sette

Der Setretär der katholischen Arbeitervereine aus München­ Gladbach , Boßbender, gelobte, daß auch die chriftlichen Arbeiter in Kameradschaft im Reichsbanner weiterarbeiten wer. den. Sie fühlten heute mehr noch als je die Entrechtung, die. Rüd­fichtslosigkeit und die souveräne Berachtung, mit denen man den Ar­beitern und Republikanern überhaupt von gewisser Seite begegne. Gerade die christlichen Arbeiter aber müßten erklären: Bis hier her und nicht weiter!"

Der Weg von Wilhelm Marx .

Reichskanzler Dr. Marg hat seinen Austritt aus dem Reichsbanner erklärt.

als Opfer auf der Strecke. Herr Marg, der von den Deutsch­nationalen für die letzte Heze gegen das Reichsbanner mit in Bewegung gesetzt worden ist, muß, um fonsequent zu bleiben, den letzten winzigen Rest von Kredit, den er aus besseren Tagen her bei den Republikanern besessen hat, preis­geben. Das Reichsbanner ist sich selbst treu geblieben, aber Herr Marr hat sich geändert.

Allerdings hat sich Herr Marg fonsequent geän d'ert. Vom Kandidaten für den Volksblock zum Reichs­fanzler des Befizbürgerblocks. Bon der Reichskanzlerschaft im Rechtsblock zur Parteiinquisition gegen Wirth. Bon der Parteifeme gegen Wirth bis zur Erflärung gegen Hör= sing und zum Austritt aus dem Reichsbanner.

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Die Parteiinquisition im Zentrum gegen Wirth, und die Heßze gegen Hörfing mit anschließendem Austritt des Reichstanzlers Mary aus dem Reichsbanner es ist die­selbe Linie. es sind dieselben Vorwürfe und es sind dieselben Hintermänner. Es ist der wohlorganisierte Borstoß der Deutschnationalen und der Leute von der Deutschen Volks­partei gegen die überparteiliche Front der Republikaner in Deutschland . Es ist der Versuch, die Bindung des Zentrums im Rechtsblock auszunügen, um das Zentrum unfrei und abhängig für jetzt und für kommende Wahlen in die Bürgerblodfront gegen die Front der Republikaner zu bringen. Das ist der Sinn der Intrige gegen Hörfing: die Zentrumsrepublikaner sollen heraus aus dem Reichsbanner und das Zentrum hinein in die Wahlfront des Bürgerblocks!

Das ist die Parole, die in der Rechtspresse einheitlich nach dem Rücktritt Härsings als Oberpräsident ausgegeben wird. Man liest fie in der Läglichen Rundsch a'u" scharf formuliert:

Man wird sich jedoch keinem Zweifel hingeben, daß Hörsing als Führer des Reichsbanners jezt noch attipere Tätigkeit entfalten wird. Die Krise im Reichsbanner dürfte dadurch nunmehr beschleunigt werden. Hörsing wird in seiner strupel­losen und hemmungslosen Art das Reichsbanner völlig in das sozialistische Fahrwasser lenken. Die parteipolitische Neu­tralität des Reichsbanners wird mehr noch als bisher ein hohles Schlagwort sein. Wie weit sich die dem Zentrum angehörenden Mitglieder des Reichsbanners und nament­Aeußerungen maßgebender Zentrumsblätter kann man hoffen, daß lich des Bundesvorstandes gegenüber den rein sozialistischen Ten­denzen durchzusehen vermögen, bleibt abzuwarten. Nach den letzten das Zentrum, die Trennungslinie um unseres Gewissens und unserer Ehre willen". wie der Badische Beobachter schreibt, finden

wird. Die kommenden Reichstags und Landtags=

ständig negierenden Opposition muß, ie eher, je besser, ge­bung zwischen den staat serhaltenden Barteien, den Kräften des fordert und erreicht werden."

nationalen Wiederaufbaus und den Parteien der

Amt als Oberpräsident der Provinz Sachsen niederge­Otto Hörfing, der aufrechte Republikaner, hat sein legt, um als Bundesvorsitzender des Reichsbanners frei und ungehemmt für die Aufgaben wirken zu können, die die Reichskonferenz des Reichsbanners am 14. Februar 1927 nach der Bildung der Bürgerblockregierung unter dem Reichs- wahlen werfen ihre Schatten voraus. Eine reinliche Schei­kanzler Dr. Marg in folgenden Sägen umrissen hat: abträglich sein könnte, mit Sachlichkeit und aller Schärfe bekämpfen. Wir werden jede Handlung dieser Regierung, die der Republik Wir fordern von allen Kameraden unseres Bundes. daß sie mit aller Kraft diejenigen Parteien, deren Führer und Die Politische Polizei hat in Warschau das Bureau des 3en- ftellt fein mögen, unterstügen in der Abwendung Parlamentarier, auf welchen Posten sie auch ge tralfomitees der Kommunistischen Partei der Westaller der Republit drohenden Gefahren. Deutlicher ukraine ( Gaitzien) ausgehoben". 19 Personen wurden dabei denn je zeigt sich die Notwendigkeit eines starten und verhaftet. geschlossenen Reichsbanners. An der Größe, der An der Größe, der Kraft und Geschlossenheit des Reichsbanners wird jeder Angriff auf die Deutsche Republik zerschellen."

Der Gesandtenmörder nicht begnadigt. Warschau , 25. Juli. ( WTB.) Der vom Standgericht ein­gebrachte Antrag auf Umwandlung der gegen den Mörder des Sowjetgesandten Wojtoff, Boris Kowerda, erkannten lebens­länglichen Kerterstrafe in eine fünfzehnjährige Rerferstrafe im Wege eines Gnadenattes des Staatspräsidenten wurde mit Rücksicht darauf, daß das Verbrechen an einem atkreditierten Vertreter einer auswärtigen Macht verübt worden ist, abgelehnt.

Das jüdische Wolhynien . Warschau , 21. Juli. ( WTB.) Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen haben die Juden bei den Gemeinderatswahlen in olhynien einen großen Erfolg errungen, da ihnen die abso­Iute Mehrheit aller mandate zugefallen ist. In dem Out Sumoblis gelang es ihnen, alle Mandate auf sich zu vereinigen.

Die Hinrichtung schon festgesetzt! Der Gouverneur besucht Sacco und Vanzetti. London , 25. Jull.( Eigener Drahtbericht.) Aus Sharnstown in der Provinz Maffachusetts wird gemeldet, daß Banzetti seinen Hungerstreit aufgegeben hat, während Sacco weiter die Nahrungsaufnahme verweigert. Beide Berurteilte wurden am Sonn­tag vom Gouverneur von Massachusetts , Fuller, aufgesucht. Die im Juni zur Unterfuchung des Falles vom Gouverneur eingesetzte Kom­miffion hat ihren Bericht immer noch nicht erstattet, obwohl die Hinrichtung der beiden Berurteilten auf den 10. August festgesett

Bei Herrn Marr hat der reaktionäre Borstoß Erfolg mit aber zugleich die Front, in der Hunderttausende seiner gehabt. Er hat die Front der Republikaner verlassen- da­Parteifreunde stehen, und zu der sie sich gerade jett An dem Aufruf des Bundesvorsitzenden des Reichsbanners für den öster­entschieden und fest befennen. reichischen Schußbund, dessen Sinn und Inhalt von der Rechten so schamlos tendenziös verfälscht worden ist, wird die In den Tagen der Bildung der Bürgerblodregierung Geschloffenheit des Reichsbanners und die Treue der Reichs­hat das Reichsbanner die Feuerprobe auf feine bannerkameraden aus dem Zentrum nicht zerbrechen. Alle Ueberparteilichkeit bestanden. Die geheimen Hoff- Versuche der Rechten, hier den Hebel anzusetzen, müssen an nungen der Reaktion und der Kommunisten, daß die Vor- den loyalen und kameradschaftlichen Erklärungen Hörfings gänge bei der Bildung des Rechtsblocks, daß die Ernennung des Reichsbannerkameraden Dr. Marr zum Reichskanzler des Befizbürgerblocks die Einheit und Geschlossenheit des Reichsbanners zerschlagen würden, wurden enttäuscht. Das fangler Dr. Marr blieb Mitglied des Reichsbanners. war nicht zuletzt das Verdienst Hörfings. Der Reichs­

ehedem der Kandidat des Volksblocks bei der Reichspräsiden­Herr Dr. Mary, der Reichskanzler des Bürgerblocks, tenwahl, hat am Sonnabend an den Bundesvorsitzenden des Reichsbanners den folgenden Brief gerichtet:

Ober- Grainau, 23. Juli 1927.

Mit Rücksicht auf verschiedene Borkommnisse der letzten Zeit, Insbesondere auf die Kundgebung des Borstandes des Reichsbanners an den Republikanischen Schutz­ bund in Wien , die eine unberechtigte Einmischung in die politischen Verhältnisse des befreundeten Desterreichs und eine schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung enthält, erkläre ich meinen 2ustritt aus dem Reichsbanner.

Wird durch diesen Austritt der überparteiliche Charakter des Reichsbanners, wird seine Geschloffenheit, sein Wesen, seine Zielseßung berührt? Nein! Es ist nur die Intrige der, Realtion gegen das Reichsbanner und seinen Bundesvorsigen ben schief gegangen, und Herr Marg, nicht horsing bleibt

scheitern. Deutschnationalen benuten läßt, wird feine Kluft zwischen Herr Dr. Marr, der sich zum andern Male von den Reichsbanner und Zentrumsarbeitern aufreißen. Er läuft nur Gefahr, wie im Falle Wirth, eine Trennungs­linie mitten durchs 3entrum zu ziehen! Denn die das Reichsbanner beruht nicht auf passivem Gehorsam gegen­Treue der Republikaner , der Arbeiterschaft des Zentrums für über einem Parteibefehl, fie hat ihre tieferen Wurzeln in der

Gleichheit des staatspolitischen, demokratischen und sozialen Wollens der Millionen, die im Reichsbanner zufammengeschlossen sind!

Der Wiener Aufruf und das Zentrum. Eine Reihe führender Reichs bannermitglieder des Zentrums- Birth und Joos nicht einbegriffen

haben an den Bundesvorstand des Reichsbanners in Magdeburg ein Schreiben gerichtet, das sich mit dem Aufruf des Bundesvorsitzenden Hör sing anläßlich der Wiener Unruhen befaßt und Einspruch gegen die Formulierung einiger Teile dieses Aufrufs erhebt. In dem Brief wird weiter die Erwartung ausgedrückt, daß gegen die Wiederholung solcher Bortommnisse Sicherungen getroffen werden.