tksmv s aus. Gr weiß, daß er nie diese universale, mit kemer Klasse, mit keinem Volke allein verbundene Kirche ganz erobern kann, aber er ringt um sein Bürgerrecht in"dem Weltreiche des Katholizismus. Diese katholischen Sozialradikalen und Sozialisten sehen wirtschaftlich und sozial keine Kluft mchr zwischen sich und den marxistischen Sozialdemokraten. Sie fühlen sich jedoch weltanschaulich in unüberbrückbarem Gegensatz zum philo- sophischen Materialismus, den man ihnen fälschlich als die geistige Grundlage der Sozialdemokratie ausgibt. Sie scheuen nicht den Sozialismus, sondern den Atheismus. Für sie gehört es zu den stärksten ihre Hoffnungen beflügelnden Erlebnissen, daß Gegner des philo- sophischen Materialismus, Kritiker eines mechanisierten histo- rischen Materialismus, irrationale Kräfte, ja sogar religiöse Stimmen aus der Sozialdemokratie laut werden und die Legende zerstören, daß Sozialdemokratie und Religion?- feindschaft eins wären. Ueber die hohen Mauern der Tra- ditionen und Organisationen hinüber drängen aus gleicher Not Menschen verschiedener Weltanschauungen zu gemein- samer sozialistischer Arbeit zusammen. Hüben und drüben sehen nur wenige diese Entwicklung und nach weniger haben den Mut, sie zu bejahen. Nun liegt ein erster sozialdemokratischer Versuch vor, diese Probleme darzustellen, sie zu klären. Gemeinsames aufzuzeigen und Grenzen zu ziehen: das soeben im D i e tz- Verlag erschienene Buch von Georg Beyer„Katholizismus und Sozialismus". Genosse Beyer ist mein vieljähriger Freund und mit mir Leiter der„Rheinischen Zeitung ". Es verbietet sich daher, daß ich sein Buch lobe. Nur die eine Bemerkung, daß es zu den wenigen sprachlich edlen Arbeiten der deutschen politischen Literatur gehört, kann ich nicht unterdrücken. Diesseits.des Walles die allzu bequeme und selbstsichere Meinung, daß der Katholizimus„verdummt" und jenseits des Grabens die bösartige und gedankenlose Lehre, daß die Sozialdemokratie„verroht"— wer so daherredet, ahnt nicht, wie sehr er sich bloßstellen kann. Es geht hier um Großes und Größtes, um Zeitliches und Ewiges. Geistige Weltmächte ringen miteinander und die beiden weitaus stärksten sozialen und sittlichen Kraftzentren, die zur Lösung der sozialen Spannungen des Zeitalters ernstlich in Betracht kommen: Katholizismus und Sozialismus. „Niemals wird eine katholisch-sozialistische Synthese möglich sein, weil es zwischen verschiedenen Elementen keine mittlere Mischung gibt." Die ins Ueberweltliche reichende Kirche kann nicht im Sozialismus aufgehen, und die nur mit den Wirklichkeiten einer bestimmten Epoche der Menschheits- geschichte rechnende Sozialdemokratie, die nur an diesseitige Kräfte.sich wendet, kann weder einer Kirche, noch einem sonstigen weltanschaulichen System eingegliedert werden. Möglich sind nur katholische Sozialdemokraten, sozialdemo- kratische Katholiken. Und notwendig ist das Zusammenwirken hit'>..- und Welt sich erneuern 1oll. Katholiken und Sozialisten lagen sich ein Menschenalter feindlich in Schützengräben gegenüber. Mindestens d i e Proletarier in beiden Heeren erheben allmählich die Köpfe über Wälle und Drahtverhau, senken die Waffen und suchen den Blick der Brüder.' Die gläubigsten Sozialisten und die gläubigsten Katholiken ahnen über allem Trennen- den' Gemeinsames km Ewigteitszuge des Menschengeschlechts. Sie lauschen und folgen dem seherischen Rufe des katholischen Revolutionärs Heinrich Lersch : Bahnt mit Gesängen den Weg! Marschiert! Tausend Jahre Zukunft staunen auf uns hernieder, Tausend Jahre Vergangenheit beten zu uns herauf.
sozialistischen Kräfte in allen Lagern, aus Wissenschaft Weltanschauung, aus Interesse' und Gesinnung, wenn die
Vorschläge zur Verwaltuugsreform. Sachsens Regierung auf Reisen. In den Amtsstuben der Länderregierungen hat im Hinblick aus die bevorstehende Konferenz über die Vermaltungsresorm eine ersieulich« Geschäftigkeit eingesetzt. Nach den bisher vor- liegenden Denkschriften Sachsens und Bremens will man sogar sehr erhebliche Ersparnismöglichkeiten entdeckt haben. So plant Bremen die Einschränkung seiner Abgeordnetenzahl von 120 auf 80. Gründlicher ist man in Sachsen . Dort will man außer einer Beschröiitung der Abgeordnetenzahl auch den Abbau des Ar- bcits- und des Wirts chafts Ministeriums durch- führen, um den Aufgabenkreis dieser Aemler dem Innenministerium anzugliedern. Unwillkürlich wird man dabei an die Pläne der Industriellen erinnert, die zugleich am Reichssäckel und am Lohn sparen möchten, indem sie das Reich-xrrbeitsmimsterium kassieren wollen. Der Vorschlag des Präsidenten Schieck geht aber auch darauf hinaus, die sächsische Verwaltung durch Be- seitigung von zwei Ministerien, von vier Amtshauptmannschaften und 27 Amtsgerichten von Leerlaufarbeit zu bereinigen, Staats- aufgaben in weitgehendem Maße auf die Gemeinden zu über- tragen und eine Reihe von Behörden und Kassenoerwaltungen zusammenzulegen— Vorschläge, über die sich im einzelnen wohl wird reden lasien. Einen Vorteil haben jedoch diese Studien bereits gehabt. Sic zeigen, welche grotesken Verhältnisse der Ver- kehr zwischen Reich und Freistaaten mit sich bringt. Im Rechnungs- jähr 1028 ist.t ä g l i ch m i n d« st e n s ein sächsischer Mini- st e rsa l b c am t e r ,n a ch Berlin gefahren. Daneben bei steht aber noch eine sächsische Gesandtschaft in Berlin , und ebenso muß Sachsen — Gott weiß warum— nach ein« Gesandtschost in München unterholten! Man stelle sich vor. wenn dt« vreuhischen Provinze», die zum Teil nicht kleiner als der Frei- staot Sachsen sind, aus so kostspielige Weis« mit der Regierungs. zentrale verkehren würden! Man sieht, es gibt sch o n Arbeit für eine Verwallungs- refarm. Wünschen möchte man. daß sie frei von politischen Neben- absichten geleistet wird. Denn dann zwingt sich ganz von selbst die Pflicht auf. die Lösung im Einheitsstaat zu suchen, während sörtst die pomphaft angekündigte„Aktion" in kleineren Reformen zu versanden droht. kohenzollero verstehen Geld zu machen. Der verstorbene Rumä- nien-Hohenzoller Ferdinand hat ein Vermögen von 38 7 Mil» l in n e n Lei hinterlassen, dos aus fünf Erben verteill wird. König sein ist ein einträglicher Berus , solange das Geschäft geht. Fünf Touloner Alatrosen standen vor Gericht, weil sie nach der Gfsängnisme>.-erei zwei Ingenieuroisizlere iätlich beleidigt hotten. Zwei wurden freigesprochen, einer zu einem Iabre Gefängnis und die beiden anderen zu j« fünf Iahren Zwangsarbeit verutttiit.'.
Joffes Abschiedsbrief. Vorkämpfer des Bolschewismus von Bolfchewisten zu Tode gequält.
Der schon mehrfach erwähnte Abschiedsbriefdesfrühe- ren Sowjetbotschafters Joffe ist jetzt in dem Pariser Organ der russischen Opposition im Wortlaut abgedruckt worden. Der Brief ist an Leo T r o tz k i gerichtet. Er ist im Original von der GPU. beschlagnahmt, aber eine Abschrist davon ist augenschein. lich gegen den Willen der Stalinisten ins Ausland gelangt. Das Schreiben des Mannes, der in den Tod gehen will, weil er an seiner Partei verzweifelt, ist so erschütternd in seinen Einzel- heilen, daß wir es hier nur mit geringen Kürzungen wiedergeben: Teurer Lew Dawydowitschk Mein Leben lang war ich der Anschauung, daß ein Politiker verstehen muß, zeitig aus dem Leben abzutreten, wie ein Schauspieler von der Bühne, und daß ein Zufrüh besser ist als«in Zufpät... Vor mehr als 30 Iahren mochte ich mir die philosophische Anschau- ung zu eigen, das menschliche Leben sei nur msofern und bis zu dem Augenblick sinnvoll, als es der Unendlichkeit dient, die die Menschheit uns bedeutet. Aui mein vergangenes Leben zurückblickend, davon'ch 27 Jahre in den Reihen der Partei verbracht habe, habe ich, dünkt mich, das Recht zu sagen, daß me,n ganzes bewußtes Leben meiner Philosophie treugeblieben ist, d. h. daß ich es sinnvoll gelebt habe, in Arbeit und Kampf zum Wohle der Menschheit. Doch nun rückt sichtlich der Augenblick heran, da mein Leben seine» Sinn verliert und' augenscheinlich für mich die Pflicht ersteht, es zu verlassen und den Tod zu suchen. Im-Einklang mit der allgemein dnrchgeführlcn Linie, oppositionellen Elementen keinerlei Arbelt zo geben, überträgt die jetzige führende Leitung unserer Partei mir bereits seit mehreren Jahren weder Partei- noch Sowjetorbeit von einem Ümfanq und Charakter, die es mir ermöglichen, das Maximum der Leistungen zu vollbringen, die meinen Fähigkeiten entsprächen. Im letzten Jahre hat, wie Ihnen bekannt, das Politbureau mich, als einen Oppo- sitionellen, vollständig von jeder Partei- und Sowjetorbeit aus- geschlossen. Andererseits habe ich— zum Teil wohl infolge meiner Krank- heit, zum Teil wohl ans Gründen, die für Sie sichtbarer sein mögen, als für mich— dieses Jahr an Oppositionsarbeit und-kämpf praktisch nicht teilgenommen. Unter großen inneren Kämpfen und mit äußerstem anfänglichen Widerstreben ging ich zu der Arbeit über, die ich erst ergreisen zu müssen hofft«, wenn ich ein vollkommener Invalide sein würde, und ich vertieft« mich ganz und gar in pädagogisch-Uterarische Arbeit. Doch mein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Um den 20. September herum wurde ich, aus mir unbekannten' Gründen, von der ärztlichen Kommission der ZK zu einer Konsultation fpezialistischer Professoren oefohlen. und diese stellten bei mir einen a kt i v e n � T u b er ku l o s e p r oz e ß in beiden Lungen, Herzfehler, chronische Entzündung der Gallenblase, chronische Nieren- und Nervenentzündung fest. Die untersuchenden Aerzte erklärten kategorisch, daß mein Gesundheitszustand bedeutend schlechter sei. als ich mir vorstelle, ich dürste nicht hoffen, meine Vorträge in den höheren Schuten zu Ende zu führen. ich müßte unverzüglich ins Ausland, in ein entsprechendes Sanatorium. Fast zwei Monate lang unter- nahm die ärztliche Kommission der A.K. keinerlei Schritte. Im Gegen- teil, seit einiger Zeit erh-ell die Sreml-Apelheke, die mir bis dahin auf meiae Rezepte Medikamente verabjolgt halte, das Verbal, dieses zu tun. und ich war tatsächlich der unentgeltlichen Medikament- Versorgung beraubt, die mir vorher zuteil geworden war. Ich glaube, um diese Zeit ging die leitende Gruppe unserer Partei auch hin» sichtlich der anderen Kameraden der Opprsition zu der Erfüllung der Drohung über, die Opposition„auf den Magen zu treffen". Indem er Trotzki im weiteren Verlauf des Schreibens sein und seiner Frau Martyrium in dem ZK. bei N. A. Semaschko persönlich berichtet, teilt Joffe mit, daß er„fett zehn Tagen endgültig das Bett hüte": „Ich habe tatsächlich während dieser zehn Tage keinerlei ärzttiche hisse und die Frage meiner Auslandsfahrt wird nicht berührt. Don den Aerzten des ZK. hat sich k« i n e r auch nur ein einziges Mal gezeigt. Die Professoren Dooidenko und Dr. Lewin, die mich besuchten, vcr- schrieben mir irgendwelche harmlose Dinge, doch gaben sie zu. daß sie nichts machen könnten, daß«in« schleunige Abreise ins Ausland notwendig wäre. Dr. Lewin sagte einmal meiner Frau, daß die Frage hinausgeschoben werde, weil man in der ärztlichen Kommission wohl glaube, meine Frau würde mit mir fahren, und dos sei sehr kostspielig."(Wenn nicht oppositionelle Genossen er- kranken, so werden sie und oft auch ihre Frauen bekanntlich ms Aus- land geschickt in.Begleitung unserer Aerzte und Professoren. Als ich zum ersten Male an derselben Polmeuritis erkrankte, wurde ich ins Ausland geschickt in Begleitung memer gesamten Familie, meiner Frau und meines Kindes, wie des Professors Äanabich.) Meine Frau entgegnete darauf, so schwer auch mein Zustand sei. erhebe sie doch keinen Anspruch daraus, daß sie oder jemand anders mich begleite. Daraufhin versicherte Dr. Lewin. daß in solchem Falle die Erlaubnis leichter zu erwirken sein werde. Mein Zustand verschlechterte sich dauernd. Dr. Lewin, der heut« bei mir war, versicherte mir aufs neue, daß sie nichts tun könnten. Die einzige Rettung läge in einer schleunigen Abreise ins Ausland. Und abends teilte der Arzt des ZK., Genosse P o t e m k i n, meiner Frau mit, die ärzttiche Kommission des ZK. hätte beschlossen, mich nicht ins Ausland zu schicken. sondern mich in Rußland zu behandeln. Das ZK. sei bereit, für meine'Behandlung 1000 Dollar bereitzustellen, halte es aber nicht für möglich, mir mehr zu gewähren. Ich habe, wie Ihnen wohl bekamtt, in der Dergangenheit mehr als eintausend Rubel der Partei gegeben, jedenfalls mehr, als ich die Partei kostete, seitdem die R e- volution mich meines Vermögens beraubt hat und ich mich nicht mehr für eigene Rechnung behandeln lasien kann. Mehr als einmal haben englisch -amerikanische Verleger mir für Fragmente aus meinen„Erinnerungen"(nach meiner eigenen Auswahl, mit der einzigen Bedingung, daß die Periode der Ver- Handlungen in Brest -Lltowsk eingeschlossen würde) die Summe von 20 000 Dollar geboten. Dos Politbureau weiß vorzüglich, daß ich sowohl als Journalist wie auch als Diplomat genügend Erfahrung besitze, um nichts zu drucken, was unserer Partei oder dem Staate schaden könnte, und daß ich wiederholt Zensor des Dolkskommisioriats für auswärtige Angelegenheiten gewesen bin. Vor einigen Jahren bat ich das Politbureau um Erlaubnis, meine Pemoiren Herausaeben zu dürfen, indem ich mich verpflichtete. dos gesamte Honorar der Partei zu übergeben: denn es war für mich bedrückend, von der Partei das Geld für meine ärztliche Behandlung zu ncbmen. Als Antwort hierauf erhielt ich die direkte Verfügung des ZK., daß es den„Diplomaten und Genossen, die der diplomatischen Arbeit nahe sieben, kategorisch verboten sei. Im Auelande ihre Erinuerungeu oder Fragmente von Erinnerungen zu drucken, ohne daß die Alanuskripte vorher vom Kol- legium des Auswärtigen Amtes und des Politbureau des ZK. kon- trollierk würden". Da ich gut wußte, welche Verzögerung und UnpünMichkeit statthaben würde bei solch doppelter Zensur, die es selbst unmöglich machen würde, mit ausländischen Verlagen in Beziehungen zu treten, lehnte ich damals� im Jahre 1624, diesen Vorschlag ab.
Als ich jetzt im Auslande war. erhielt ich«inen neuen An- trog unter direkter Garantierung eines Honorars von 20 000 Dollar. Doch ich lehnte ab, da ich nun wußte, daß sowohl die Geschichte der Revolution wie auch die Geschicksse der Partei verfälscht wird, und keine Zweifel darüber hegend, daß die ganze Zensur des Politbureau darauf hinauslaufen würde, die richtige Beleuchtung der Persönlichkeiten und Politiker, der wahren Führer der Re- volution. wie der jetzt zu diesem Rang emporgestiegenen Führer. zu verhindern... In dem Zustande, in dem ich mich eben befinde, entbehre ich natürlich jeder Möglichkeit, irgendeine Arbeit zu unternehmen. Wenn ich trotz der hüllischen Schmerzen imstande gewesen wäre, meine Vorträge fortzusetzen, so würde dieser Zustand doch eine ernstl'che Pflege erfordern, der Beförderung auf einer Tragbahre usw. �Bei meiner früheren Krankheit gleicher Art stand der gesamte Stab der politischen Vertretung zu meiner Verfügung. Doch jetzt habe ich„dem Rang« nach" nicht einmal den Anspruch auf einen Privat- sekretär, dank dem Mangel an Aufmerksamkeit mir gegenüber während all meiner Erkrankungen in letzter Zeit. Auch jetzt bin ich. wie oben gesagt. seit neun Tagen ohne jegliche Hisse, und selbst die mir von Professor Daoidenko verschriebene elektrische. Wäcmslasche konnte ich bisher nicht erwirken..." Aus diesem Grunde sage ich, es ist der Augenblick ge» kommen, dieses Leben zu beenden. Ich kenne die nega- tioe Einstellung der Partei dem Selbstmorde gegenüber im Prinzip: jedoch ich glaube, daß kaum jemand, der sich meine Lage klar machte, mich für diesen Schritt verurteilen könnte. Außerdem nimmt Professor Davidenko an. daß die Ursachen des Rückfalles meiner schweren Erkrankung an Polineuritis in den Aufregungen der letzten Zeil zu suchen sind, wäre ich gesund, ich fände genug krasi in mir, um gegen die in der Partei geschassene Lage anzukämpfen. Doch in meiner jetzigen Lage betrachte ich einen Zustand der Partei für unerträglich, der schweigend Ihre Aus» jchließung aus ihren Reihen hinnimmt.. Obgleich ich nicht zweifle. daß über kurz oder lang eine Wendung in der Partei eintreten wird, die sie zwingen wird, jene ab, zustoßen, die diese Schande über sie gebracht haben. In diesem Sinne wird mein Tod zum Protest eines Kämpfers, der in einen Zustand gebracht worden ist, in dem erlauf solche Schmach nicht anders reagieren kann. Wenn es erlaubt Ist, das Große mit dem Kleinen zu vergleichen, so möchte ich sagen, daß Ihre und Sinowsews' Aus- schließung aus der Partei als historisches Ereignis von größter Wichtigkeit unvermeidlich zum Ansang der Epoche des Thermldor unserer Revolution werden muß, wie die Tatsache, daß man mich nach 27jShriger reooluiionärer Arbeil auf verantwortlichen Parte, posteu in eine Lage verseht, in der mir nichts übrig bleibt, als mir eine Kugel durch den Kopf zu jagen. bezeugen das gleiche Regime in der Partei und vielleicht At. es beiden Ereignissen, sowohl dem kleinen wie dem großen belchixden. den Stoß zu gebsn. der die Partei zum Erwachen bringen, wird unö sie aufhalten wird auf dem Weg« des Hinabrollens gegen den Thermidor. Ich wäre alückssch, könnte ich glauben, daß es so kommen wird, denn dann wüßte ich, daß ich nicht vergebens gestorben bin. Lbleich ich zuvcrsichlssch weiß, daß der Augenblick des E-r» wachen? der Partei kommen wird, kann ich doch nicht gewiß sein, daß es jetzt geschehen wird. Doch zweifle ich nicht daran, daß wein Tod jetzt mehr nützen kann, al» mein welkeres Leben. Uns, teurer Lew Dawidowitsch, verbinden zehn Jahr« gemein- ferner Arbeit und, ich wage es zu hoffen, auch persönlicher Freund- schajt... Und dos gibt mir das Recht, Ihnen das ,nt sagen, was mir in Ihnen irrig erscheint. Ich habe nie gezweifelt an der Richtigkeit des von Ihnen oorgezeichneten Weges, und Sie wisien. dag ich mchr als 20 Jahre, feit den Zeiten der„permanenten Repa» lution", mit Ihnen gehe. Doch ich war stets der Meinung, daß Sie der Leninschen Unbeugsamkeit, U n n a chg i eh i g k eit wie seiner Bereitschaft entbehren, selbst als einziger auf dem von ihm als richtig erkannten Wege zu verharren, in der Bor- aussicht der Mehrheit auf seiner Seite für die Zukunft, in Boraus- ficht zukünftiger Anerkennung der Richtigkeit seiner Wege durch all«. Politisch hatten Sie immer recht seit 1005. und wiederholt habe ich erklärt, daß ich mit eigenen Ohren gehört habe. wie Lenin bekannte, im Jahre 1005 hätte nicht er recht gehabt. so»ch«rn Sie! Man lügt nicht vor dem Tode. Ich wieder» hole es Ihnen jetzt, doch Sie haben sich häufig von der eigenen Folgerichtigkeit losgesagt zugunsten eines von Ihnen überschätzten Kompromisses. Das war— ein Fehler. Ich wiederhole, politisch hatten Sie immer recht, und jetzt haben Sie mehr recht, denn ie. Einst wird die Partei es oerstehen, und die Geschichte wird es ohne Zweifel würdigen. Noch zwei Worte in persönlicher Angelegenheit. Ich hinter» lasse eine dem Leben wenig angepaßte Frau, einen kleinen Sohn und ein« erwachsene Tochter. Ich weiß, daß Sie jetzt nichts für sie tun können. Und aus die jetzige Leitung der Partei rechne ich in dieser Hinsicht keineswegs. Doch ich zweifle nicht, daß der Augenblick nicht weit ist, da Sie wieder den Ihnen gebührenden Platz in der Partei einnehmen werden. Bergesien Sie dann die Meinigen nicht. Ich wünsche Ihnen dann nicht weniger Energie und Mut zu besitzen, als Sie bisher bewiesen haben und möglichst baldigen Sieg. Ich umarm« Sie fest. Leben Sie wohl. Ihr A. Josse. Moskau , den 15. November 1027. Der Brief ist beglesset""N einer Zuschritt, in der Joffe mit» teill. daß die ärzttiche Kommission des ZK. ihm.selbst eine kurzfristige Kur im Auslande abgeschlagen habe". Er bedauert, daß es ihm nicht möglich gewesen sei.„den teuern Lew Dawidowitsch persönlich zu sehen" und befürchtet für seinen Brief:„ein solcher Brief darf nicht subjekfiv sein... und irgendein falsch klingender Satz kann den ganzen Eindruck des Brieses ver» derben. Indes rechne ich darauf, daß Sie diesen Brief ausnützen. denn nur in solchem Falle kann mein Schritt nutzbringend werden."
Oer französische parieiiag. Einigung über das Iinanzprogramm. Paris , 27. Dezember. �Eigenbericht.) Dem Finanzsachverständigen Genossen A u r i o l ist es gelungen, die verschiedenen Weinungen über die Kapitatabgabe durch eine Kompromißsonnel zum Ausgleich zu bringen, die in der Diens- tagvormtttagssitzung des Parteitages einstimmig a n g e n o m- m e n wurde. Darin wird die Forderung einer Abgabe vom Der- mögen ersetzt.durch das Verlangen nach systematischer Reor« gonisatio� der Finanzen aus Grund der Stabllisicrungch'er Währung und der Konsolidierung' der schwebenden Schuld.