Nr. 259.
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V
für 1895 unter Nr. 7128.
Vorwärts
12. Jahrg.
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fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: nozialdemokrat Berlin ".
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Ein Vergleich.
Dienstag, den 5. November 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3:
benachbarten Staat auf. Parallel dem Streben nach Ver- gegen die Zentralisation, in welcher der Freiheit leicht Ge Im Jahre 1892 wurde in Deutschland von den Hohe mehrung des stehenden Heeres in Deutschland ging und fahren erwachsen können, hat am 3. November den Sieg priestern des Militarismus wieder einmal zum hundert geht in der Schweiz das Streben nach Verstärkung des davongetragen. Miliz- System 3. Daß die vorhandene Organi Die Frage der Wehrreform ist hiermit nicht aus der und so und so vielten Male seit dem heiligen Kriege von fation mancherlei Fehler und Gebrechen hat, wird Welt geschafft. Die Bundesregierung wird zweifelsohne, 1870/ 71die Entdeckung gemacht, daß unsere Riesen- allseitig, auch von den eifrigsten Vertheidigern unter Berücksichtigung der zu tage getretenen Wünsche und Armee nicht groß genug sei. Und die neue Militär- des Milizsystems zugestanden; und es schien sogar einen Bedenken, eine neue Vorlage ausarbeiten. Das schweizerische vorlage" wurde vor den Reichstag gebracht. Das deutsche Augenblick, als werde eine Richtung Einfluß gewinnen, Volk wird dann von neuem zu entscheiden haben. Und Volk in seiner Majorität fah die Nothwendigkeit einer welche die stramme Disziplin" und den" militärischen das Interesse des Volks wird den Willen des neuen Heeresvermehrung nicht ein, und trotz aller amtlichen Geist" des stehenden Heeres in das Volksheer einzuführen Volks bestimmen.
Und welches spielt die würdigere Nolle?
Politische Nebersicht.
und halbamtlichen Agitation gelang es nicht, eine der Vor- bemüht war. Allein der schweizerische Freiheitsgeist bäumte Welches von beiden Völkern hat aber mehr Grund an Lage günstige Stimmung in den breiten Volksmassen zu schaffen. fich elementarkräftig auf gegen diese Verderbniß demo- den Verlauf der Wehrfrage in seinem Land stolz zu sein Die Sozialdemokraten wiesen nach, daß Deutschland mit fratischer Sitten und demokratischen Wesens. Die Gertsch die Deutschen oder die Schweizer ? feinen 50 Millionen Einwohnern physisch außer Stande sei, und sonstige Lobredner des Paradedrills und blinden ebenso viele Soldaten aufzustellen, wie Frankreich und Gehorsams wurden mit nicht mißzuverstehendem Nachdruck Rußland zusammengenommen mit ihren 120 Millionen bei Seite geschoben. Und der Bundesrath arbeitete eine Einwohnern. Sie legten des weiteren dar, daß die höchste militärische Kraftleistung einer Nation nicht auf dem Wehrreform- Vorlage aus, die an der demokratischen GrundBoden des stehenden Heeres, sondern auf dem des Miliz- und nur auf Vereinfachung und Stärkung desselben lage des eidgenössischen Milizsystems nicht rüttelte, Berlin , 4. November. heeres zu erzielen sei und daß bei Einführung der Anklage Gegen Liebknecht ist aus Anlaß des bekannten Baffus allgemeinen Wehrhaftigkeit das Deutsche Reich hinauslief. Die Vorlage wurde von den zwei Vertretungs- in der Eröffnungsrede des Breslauer Kongresses Ant'l age allgemeinen Wehrhaftigkeit das Deutsche Reich förpern der Schweiz : dem Ständerath und dem National- erhoben und die Hauptverhandlung auf Donnerstag, auch einen Krieg mit zwei Fronten, ja mit noch mehr rath angenommen, von dem letzteren, der die eigentliche den 14. d. M. vor dem Landgericht Breslau anberaun t Fronten siegreich bestehen könne. Volksvertretung ist, mit überwältigender Mehrheit. Die worden. öffentliche Meinung beruhigte sich jedoch nicht. Und in der Schweiz ist es nicht die Voltsvertretung und noch weniger Das Militär Strafverfahren. =
Der Reichstag wies die Regierungsvorlage zurück und es konnte nicht bezweifelt werden, daß er damit dem Willen der Volksmehrheit entsprach.
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Die Münchener
Statt die Vorlage zurückzuziehen, setzte die Regierung ihren Willen über den der Volksvertretung und löste den Reichstag auf. " In den letzten Tagen hat eine Sigung des preußischen Die Neuwahlen des Jahres 1893 drehten sich um die ur abstimmung mit Ja oder Nein zu ent Fürsten Hohenlohe stattgefunden. In der Sigung wurde die Staatsministeriums unter dem Vorfize des Reichskanzlers Frage: Vermehrung des stehenden Heeres oder nicht? An- cheiden hat. als entschieden nothwendig erachtete Aenderung des preußischen Auf Sonntag, den 3. November, wurde die Abstimmung Militär- Prozeßverfahrens erörtert. Der Reichskanzler trat warm nahme oder Ablehnung der neuen Militärvorlage? Der anberaumt. Je näher der Tag kam, desto eifriger wurde für unbeschränfte Deffentlichkeit des Verfahrens nach Wahlkampf war lebhaft und nach dem amtlich festgestellten das Für und Wider in der Presse, in Boltsversammlungen, bayerischem Muster ein; ebenso fast alle anderen Minister; auch der Wahlergebniß hat das deutsche Volt mit überwältigender an allen öffentlichen Orten und im Familienkreise ver- Kriegsminister. Schließlich einigte man sich für Einführung Majorität sich gegen die neue Militärvorlage erklärt. handelt. Sämmtliche Parteien spalteten sich. Auch die der beschränkten Oeffentlichkeit. Der bezügliche Entwurf wird mehr als eine Million die Zahl der Stimmen für Die Zahl der Stimmen für deren Gegner übersteigt um Sozialisten. Die Parteileitung mußte die Abstimmung frei demnächst dem Kaiser interbreitet, der für seine Person durchdie Freunde der Vorlage. Infolge der mangelhaften Art geben, da eine Einigung nicht möglich war. Die besten Bescheid dürfte das Bleiben oder Nichtbleiben des Kriegsministers unseres Systems der Volksvertretung kam diese Majorität es sich auf das klarste, daß eine Voltssache zur EntGenossen waren verschiedener Ansicht. Und so offenbarte abhängen." gegen die Vorlage aber in der Zahl der gewählten Ab- scheidung war, nicht eine Parteisach e. Ist die geordneten nicht genügend zum Ausdruck, und dank der Biegsamkeit und Charakterlosigkeit einiger Abgeordneten schweizerische Wehrverfassung doch Volkssache im vollsten geschah es, daß, allerdings nur mit Ach und Krach, im Sinne des Worts- Sache des ganzen Volks. Reichstag eine winzige Majorität für die Militärvorlage erlangt ward.
die Regierung, welche das letzte und entscheidende Wort Neuesten Nachrichten" behaupten folgende zuverlässige Mithat, sondern das Volk selbst, das über jedes Gesez, theilung erhalten zu haben: das von der Gefeßgebung angenommen worden ist, durch
Und obgleich notorisch und nach der amtlichen Wahlstatistik die große Mehrheit des deutschen Volkes gegen die neue Militärvorlage ist, so ist diese jezt doch in Deutschland Gesetz und das deutsche Volt muß sich die schwere Wehrbelastung gefallen lassen.
Die Art und Weise, wie in Deutschland die Vermehrung der Wehrkraft dem Volte aufgezwungen wurde, fordert zu einem interessanten Vergleich mit den Vorgängen in einem
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Ein Derrücktev.[ Machbr. verboten. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer.
Das Ergebniß der Urabstimmung meldet uns folgendes Telegramm:
Bern , 3. November. Die von der Bundesversammlung beschlossene Vereinheitlichung des Militärwesens durch Uebertragung desselben an den Bund wurde in der heutigen Voltsabstimmung mit etwa 252 000 gegen 185 000 Stimmen und 171/2 gegen 41/2 Rantonftimmen abgelehnt.
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aus gegen jegliche Aenderung ist. Von dem kaiserlichen
schiedene Gründe. Es ist z. B. völlig unverständlich, wesGegen die Richtigkeit dieser Mittheilung sprechen verhalb das Ministerium sich für die beschränkte Deffentlichkeit des Verfahrens ausgesprochen haben sollte, wenn sie alle einig sind in der Vorliebe für die unbeschränkte Wenn die National- Zeitung" schreibt: Deffentlichkeit. Indeß Ministerlogit ist nicht unsere Logik.
Reform feine Differenzen bestehen, hat der Kriegsminister auch " Daß zwischen dem Kaiser und dem Kriegsminister über die noch am 5. März dieses Jahres im Reichstag ausdrücklich fests geftellt. Als die Andeutung fiel, daß höheren Orts" fich ein Widerstand gegen die Reform der Militär- Strafprozeß- Ordnung betunde, sagte der Kriegsminister, daß, wenn unter der höheren Stelle die allerhöchste Stelle gemeint sei, er diese Annahme mit aller Entschiedenheit zurückweisen müsse",
Die Mehrheit des schweizerischen Volkes hat also a b gelehnt. Und der Wille des Volkes ist in der Eidgenossenschaft, wie in jedem freien Staat, oberstes Gesetz. Die Abneigung Vor Poiten's Hof, in dem ein mattes Licht rauchschwarze Gebälk des ganzen Hauses drang. Anch die schimmerte, ftanden viele Menschen. Sie wichen in Leute auf der Treppe beteten mit. Ihre Worte, die regelehrfurchtsvoller Scheu zurück und knieten nieder. Ueber die mäßig zu spät tamen, hallten in das dumpfe Zimmer, das dunkle Treppe tappten die Ankommenden hinauf und traten jetzt von einem violetten Schein flüchtig erhellt wurde. Unin ein breites Zimmer. Hansl und Kathi, der Wirth und mittelbar darauf folgte ein Donnerschlag, der auf das Dach des einige Bauern standen um die blauangestrichene Himmel- Hauses zu fallen schien. Das Gewitter war da! Lauter betete bettstatt. Dort lag der Boiten wie leblos mit offenen der Wirth, eindringlicher redete der Geistliche. Er hob Augen in den breiten Kissen. Der haltlose Jammer seiner den Finger zur Decke empor und redete in den Kranken Kinder fam in lautem Schreien zum Ausdruck und legte sich hinein. Boiten's Züge waren von einer fieberhaften Angst auch nicht, als ihnen der Wirth zuwinkte, weil der Geistliche entſtellt. Die stieren Augen blickten wie irrsinnig zu dem eingetreten war. Priester und auf die kreischenden Menschen, die für seine Seele beteten.
Ich hab' n hochwürdigen Herrn Benefiziaten holen laffen," flüsterte Kreittmayer, weil i glaub, daß' s mit dem Poiten zu End' geht. Er is plögli umg'fall'n und hat' d Sprach verlor'n. Wir wissen alle net, was wir mit ihm anfangen soll'n".
Schrille Klagelaute, vermengt mit tonvulsivischem Schluchzen, veranlaßten den Lehrer, von dem düsteren Bilde wegzublicken und sich zu Hansl zu wenden, der neben ihm fniete. Ohne Bewegung sah er den Jungen an. Was war denn das so besonderes? Nun ja, das geschieht dem Hans und all' den anderen, die jetzt hier beten, auch einmal, wenn sie nicht ein barmherziger Baumstanim im Walde niederschlägt und von diesem Leben auf immer erlöst. Noch ein paar Stunden, dann hat's der Bauer hinter sich und es ist ihm wohl!
Wie ftumpf er gegen alle Welt geworden war, dass empfand er selbst in einer schwülen Gewitternacht, als man an seine Thüre pochte nud ihm bedeutete, daß er den Geistlichen zum Versorgen begleiten sollte. Dieser Gang war ihm sonst immer eine Marter gewesen, biesmal war es ihm ganz gleichgiltig, obwohl er unten auf dem Vorplatz Hanst's jammernde Stimme gehört zu haben glaubte. Er fragte sich nicht, wem man die letzten Wegzehrungen zur himmlischen Reise geben wollte, sondern kleidete fich nothdürftig an und eilte mit dem Benefiziaten nach der Sakristei, wo er die Traglaterne anzündete und den Chorrock überwarf. Flackernd huschte das Licht der Kerze durch die Gräberreihen dahin, als er die Kirche verließ. Am schwarzumsponnenen Firmamente zuckte in weiter Ferne ein bläulicher Schein auf und ein dumpfes Grollen Cine furchtbare Angst sprach aus dem schweißbedeckten zog durch die Luft. Gefichte des Kranken, als er den Geistlichen gewahrte. Man Vorsichtig schritt der Priester hinter dem Lehrer. Er merkte es, er versuchte zu reden, aber nur ein leises Bucken trug in beiden Händen das mit einem weißseidenen, gold- der Lippen brachte er zu ftande. Dann stierte er ver- Ein greller Feuerschein flammte um alle Fenster der umfransten Mäntelchen bedeckte Allerheiligste und tastete zweiflungsvoll in die Delfunzel auf dem Tische, die sein den Bühel ins Dorf hinab. Fortwährend schwang Gattl verfallenes, gelbes Gesicht seltsam beleuchtete. die Glocke, deren schriller Ton in die dunklen Gehöfte Ihr tretet alle zurück und betet für den Sterbenden drang. An einigen Fenstern wurde Licht gemacht, man be um Gottes Gnade", befahl der Geistliche. gegnete halbgekleideten Gestalten, die andächtig niederknieten und das Kreuz schlugen.
st nach dem Arzte geschickt worden?" fragte der Priester und trat an das Bett. Ja, scho lang."
Stube. Gleichzeitig hieb ein Schlag herab, der das ganze Haus durchzitterte. Der Geistliche enthüllte das Sanktissimum. Als er die Hoftie in den zuckenden Mund des Bauern legte, leuchtete ein neuer Bliz auf; die Leute beteten nicht mehr. Da rafselte ein Wagen vor das Haus und nun kam wieder Bewegung in die starre Menge. Man hörte den Arzt die Treppe heraufkommen.
An der offenen Thüre drängten sich die Neugierigen zusammen. Immer rumorte es auf dem Gange und auf " Was fällt Ihnen denn ein?" stieß der Geistliche leise der Treppe von polternden Menschen, die von der Straße hervor, als sein Begleiter immer geradeaus wanderte. Da heraufkamen. Jetzt fiel die zusammengeftaute Menge auf Gattl ergriff seine Laterne und stellte sich in die nad) links, zum Boiten hinüber!" die Knie, voran der Lehrer, der die Laterne neben sich Fensternische, wo er geduldig wartete, bis ihm befohlen stellte und mechanisch die Hände faltete. Finster sah er auf würde, wieder voranzugehen. Er sah auf die Bettstatt hin, das Bett, über das sich der Priester mit sanftem Gemurmel herabneigte.
Auch das war dem Lehrer recht. Hätte ihn der Geistliche nicht gerufen, dann wäre er träumend so weiter gegangen, immer tiefer in die stockdunkle Nacht hinein, immer vor dem Santtissimum und dem Diener der Kirche, immer leuchtend und läutend, ziellos und gehorsam!
Der Wirth begann ein Gebet aufzusagen und die An wesenden fielen im Chore ein, daß es schauerlich durch das
wo der Doktor die Untersuchung beendete und mit näfelnder Stimme den Schlaganfall des Bauern nicht als direkt lebensgefährlich bezeichnete. Kalte Umschläge wurden verordnet und überdies empfahl der grämliche, alte Herr,