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Abendausgabe

Rr. 58

B 29

45. Jahrgang

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Der Bormärts" mit der illuftrier­ten Sonntagsheilage Bolt und Zeit" fowie den Beilagen Unterhaltung und Biffen", Aus der Filmmelt, Stadtbeilage, Frauenstimme", Der Rinderfreund", Jugend- Bor marts", Blid in die Büchermwelt", Kulturarbeit" und Technik" erfcheint wochentäglich ameimol, Sonntags und Montags einmal

Vorwärts

SW

Berliner Boltsblatt

Freitag 3. Februar 1928

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Die Gabotage des Achtstundentages.

Entscheidung in Genf hinausgeschoben.

Genf , 3. Februar.( Eigenbericht.)

Briands Antwort.

Die Freitagvormittagsfihung des Berwaltungsrates brachte Ankündigung von Verhandlungen nach den französischen und deutschen Wahlen.

nach einem heftigen Hin und wider eine Hinausschiebung der Entscheidung über das Schiffal der Washingtoner Sonvention. Jouhaur stellte sich auf den Standpunkt, daß durch die Ein­beziehung der Achtffundeutag- konvention jede Behandlung der Revi fionsfrage zu einem Angriff auf den Achtstundenfag würde. Die Arbeitnehmergruppe lehnte gefchloffen einen belgischen Regierungs­antrag, der die Reglementskommiffion mit einer Beratung des Revisionsverfahrens beauftragen sollte, ab. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Regierungsvertreter und Arbeitgeber ange­

nommen.

Der englische Antrag, die Revision des Washingtoner Abkom mens auf die Tagesordnung der Arbeitskonferenz von 1929 zu fehen, wurde auf Antrag des italienischen Regierungsvertreters mit einem französischen Antrag verbunden. Dieser Antrag wurde mit den Stimmen der Arbeitgeber und vieler Regie­rungsvertreter angenommen. Der deutsche Regierungs vertreter enthielt fich der Stimme. Durch diese Taktik wird die Entscheidung über die Revision des Achtſtundentages der nächsten Verwaltungsratsfihung im April zugeschoben.

Keinen Zweck mehr!

Die Schulgesetzpleite perfeft. Das Zentrum droht mit Abbruch der Verhandlungen.

Der Fraktionsführer der Bolfsportei im Reichstag hat gestern in offizieller Sigung erflärt, die Bolkspartei sebe feinen Anlaß, von ihrer befannten Stellung in der Schul frage abzugehen. Darauf antwortet die Germania "

heute:

Wenn die Fraftion tatsächlich auf diesem Standpunkt steht und darauf verharren will, so mag fie das bald offiziell sagen, weil dann Berhandlungen wirtlich feinen 3wed mehr haben."

Danach wäre also der Banterott des Reubell­ichen Schulgesetes vollkommen. Er teilt das Schidial Des Schieleichen Entwurfs. 3mei deutschnationale Innenminister und noch immer fein Schulgesetz! Das Zen­trum hat Bech mit seinen deutschnationalen Freunden. Hoch­schutzölle und Kredite fädeln sie unter wohlwollender Assistenz des Zentrums zum Schaden der Konsumenten scheffelweise ein und lassen indes das Schulgesetz Schulgesetz und den lieben Gott einen guten Mann sein.

Es ist bezeichnend, daß der für das Schulgefeh verant­wortliche Minister, Herr von Keudell, auf seinen Lor beeren ausruht und vollkommen paffiv bleibt, während sich sein Chefminister, obwohl er an einer schmerzhaften Ischias leibet, abradert, um den verfahrenen Karren noch in letter Stunde aus dem Modder des Bürgerblods zu ziehen. Marr verhandelt mit Stresemann , um zu einem Kompromis zu kommen, der neues Leben in die Fraktionsverhandlungen bringt. Aber diese persönliche Fühlungnahme hat bisher noch nichts genützt und Stresemann geht am Montag auf Urlaub. Die Germania " hat also recht, wenn sie- so oder fo von der Volkspartei eine schnelle Entscheidung fordert.

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"

Die Rede, die Herr Briand gestern im französischen | oder nicht. Warum also dann die Franzosen noch Auf­Senat gehalten hat, ist als parlamentarisch- diplomatisches passer haben müssen, die aufpassen, daß das nicht geschieht, Kunstwert ein Gegenstüd zur Reichstagsrede Strese ist für ein nicht militärisches Gehirn vollkommen unver­manns von vorgestern. Stresemann stand vor der Auf- ständlich. gabe, seine Gegnerschaft gegen deutschnationale Methoden der Außenpolitik klar zu bekennen, ohne damit das Borzellan des Bürgerblocks zu zerschlagen. Briand mußte versuchen, für den Fortgang der Berständigungspolitik tröstliche Zusicherungen zu geben, ohne jedoch etwas Bestimmtes versprechen zu fönnen.

Das sind jedoch spätere Sorgen. Zunächst muß in beiden Ländern gewählt werden. In beiden Ländern muß die Wahlschlacht geschlagen werden unter der Parole, daß für beide und für ganz Europa die deutsch - franzö= fische Friedens- und Arbeitsgemeinschaft eine Lebensnotwendigkeit ist. Das ist der große entscheidende Gesichtspunkt; von ihm aus müssen alle fleinen Händel an­gesehen und behandelt werden.

nicht fehlen, aber es ist immerhin möglich, daß Meinung s= strömungen morgen morgen Herrn v. Freytagh= Loringhoven an die Regierung bringen könnten, und

Sachlich fann zunächst nichts geschehen, weil in Paris wie in Berlin Barlament und Regierung erst erneuert werden müssen. Dann wird man, das geht aus den Worten Briands hervor, über die Räumung verhandeln tönnen. Ob die Herr Briand will verhandeln nach den franzöfifchen und Verhandlungen rasch und günstig verlaufen werden, fann nach den deutschen Wahlen. Ich erkläre hier," niemand voraussagen. Die Franzosen wollen nicht befagte er gestern, ich laffe es an Vertrauen zu Stresemann dingungslos räumen, obmohl das das Klügste wäre, das fie machen könnten. Sie wollen denjenigen ihrer Lands leute, die in der Räumung ein Geschent an Deutschland sehen, auch etwas nach Hause bringen. Darüber also wird man verhandeln müssen, und die fogenannte Sicherheits­frage" wird dabei eine große Rolle spielen, obwohl sie nur eine große Lächerlichkeit ist. Denn wenn Deutschland und Frankreich feinen Krieg miteinander mehr führen wollen, ist es für beide volltommen gleichgültig, ob in der entmilitari fierten Bone ein paar Reichswehrfoldaten spazieren gehen

was dann?"

Es wäre naiv anzunehmen, daß nach den französischen Wahlen Verhandlungen mit Aussicht auf Erfolg möglich wären zwischen einer neuen französischen Regierung und der alten deutschen Bürgerblod regierung. Aber daß fie noch rechtzeitig verschwindet, dafür wird ja wohl schon die innere Entwicklung der Dinge forgen!

Die Reichsgelder für die Luftfahrt.

Die Gozialdemokratie fordert Klarlegung.- Anträge im Hauptausschuß.

Im Haushaltsausschuß des Reid stags wurde heute vormittag| 19,5 Millionen Mart erhöht worden seien. Im Jahre 1927 die allgemeine Aussprache über, den Haushalt des Reichsverkehrs ministeriums fortgesetzt. Bon der sozialdemokratischen Fraktion waren eine große Anzahl wichtiger Anträge vorbereitet und eingebracht, die an einzelnen Positionen die den Luftverkehr betreffen,

erhebliche Abstriche fordern.

Der Etat soll durch Beseitigung der vielen Ermächtigungen über­fichtlicher gemacht werden. Vor allem sollen auch die großen Sammelfonds gegliedert und über die Verwendung der mittel für Vergangenheit wie Zukunft klar Nachweisung ge­geben werden.

ftanden für wiffenschaftliche und allgemein wirtschaftliche Zwede 8,7 Millionen Marf im Etat, mithin für 1928 fast 11 Millionen Mark mehr. Es kommt nummehr darauf an, wie diese Mittel ver­wandt werden sollen, damit sie auch wirklich den so notwendigen techirischen Fortschritt bringen.

Bisher hat sich gezeigt, daß das Größerwerden der Flugzeuge und der Einbau mehrerer Motore wohl die Sicherheit, aber nicht

die Wirtschaftlichkeit gefördert hat. Die großen, mehrmotorigen Flugzeuge sind heute nocy

fliegende Benzin- und Deltants.

Ein Ende mit Schreden ist besser als ein Schreden ohne Ende. in der Subventionspolitit des Ministeriums. Dem Verkehrsmittel mit drei Motoren toftet schon 260 000 m., und der Junkers- Schlaf­Sächsisch- thüringische Flurbereinigung. mit der Behandlung ber kraftverkehrsgesellschaften Merkur mit 6 Sigen und einem Motor kostet 95 000 M., wird der

Der Staatsvertrag genehmigt.

Der Thüringische Landtag hat dem Staatsvertrag zwischen den Freistaaten Sachsen und Thüringen über den Aus­tausch verschiedener Entlaven der beiden Länder ein­mütig zugestimmt. Damit ist Thüringen , das als erstes unter sozial demokratischer Führung fieben Kleinftaaten zu einem Staat ver­schmolzen hat, in der Bereinigung der deutschen Landkarte von den Gebietssplittern vorangegangen und hat zugleich mit seinem am Freitag beschlossenen Gesetz die von den sozialdemokratischen Ministern Frölich und Gradnauer begonnenen Gebietsaustauschver­handlungen abgeschloffen.

Raubmörder Hein entkommen.

Erfolglose Streife im Banzer Wald.

Lichtenfels, 3. Februar. Die auch während der Nacht vorgenommenen Streifen nach dem Posträuber und Mörder Hein blieben wiederum erfolglos. Der Bauzer Wald ist ein sehr unübersichtliches Gelände mit vielen Bergen und Tälern, so daß sich darin leicht ein Mensch verbergen fann. Dem umgehenden Gerücht, daß sein gestern nachmittag in Roffach einen Zug bestiegen habe und nach Koburg ge­fahren sei, legt die Staatsanwaltschaft keine Bedeutung bei.

Diese Anträge wurden im Rahmen der allgemeinen Aussprache von den fozialdemokratischen Rednern Schumann- Frankfurt und Krüger- Merseburg begründet. Die ausführliche Behandlung wird bei der Spezialberatung erfolgen. Genosse Krüger- Merseburg kontrastierte scharf den Unterschied der obersten Klasse wurden in Gestalt der Beihilfen an die Luft­hansa tolossale Zuschüsse gegeben, die in feinem Vergleich stehen, die den Verkehr für die kleinen Leute besorgen. Er be­mängelte des meiteren, daß die Organisation der Berkehrs­wacht, von deren ausgezeichnetem Wirken der Minister nach einen eigenen Borten sich auf der Ausstellung in Köln überzeugt habe, im Etat troß Busage teine Unterstügung erhalte. Schließlich ging Genosse Krüger noch genauer auf die Verhältnisse bei den Bayerischen Motorenwerfen ein. Er fragt, warum diesen Werken dadurch eine Art Monopolstellung ein geräumt werde, daß die Versuchsanstalt für Luftfahrt in Adlershof Unterausschuß genaueste Karlegung auch der Verhältnisse bei nur Ersatzteile dieser Firma führe und wünscht eventuell in einem diesen Werken. Die Sozialdemokratie würde es unter feinen Um­ftänden dulden können, daß die hohe Dividende von 12 Proz., die diese Firma schon seit Jahren ausjdyüffe, etwa auf dem Umwege über die Reichsfubventionen aus den Mitteln der Steuerzahler fließe. Die Beratungen gehen weiter.

Führerlose Luftpolitif.

Bidzadfurs im Verkehrsminifterium.

Zu den Erörterungen über ben Standal im Luftver­tehrswesen wird uns von parlamentarischer Seite geschrieben: Das Reichsverkehrsministerium erkennt in seiner gewundenen Erflärung an, daß die Frage der Wirtschaftlichkeit des Flugperfehrs in erster Linie eine technische Frage ist, und schreibt, daß daher auch die Mittel für diesen Fonds auj

Eigenlast und Nuzlast stehen in feinem günstigen Verhältnis zu­einander. Eine Preisgegenüberstellung zeigt schon, daß sich die Reutabilität immer mehr verschlechtert hat. Eine vierfißige fleine Junters- Maschine( nur Size für Passagiere) foftet heute mit Motor rund 77 000 m. Eine neunfitige Junkers- Maschine wagen, ebenfalls mit drei Motoren und 13 Sitzen, 375 000 m. Bei anderen Firmen ist es nicht viel anders. Ein Dornier und von der Firma Rohrbach gebaute Rohrbach- Roland mit drei Mp­toren und 10 Sigen Loftet 310 000 m. Was wird nun erst die neue Dornier- Maschine mit 12 Motoren fosten? Man spricht von 3 Millionen Mark! Nach dem, was bisher in Fadtreisen darüber bekannt geworden ist, muß man annehmen, daß sich diese Maschine noch mehr als alle bisher gebauten von der Wirtschaftlichkeit ent­fernt. Bisher hat jeder Luftfilometer beim Kleinflugzeug 2 M. Untosten verursacht, beim Großflugzeug mit 8 bis 9 Sigen aber 5,60 m. Was wird der Kilometer bei der neuen Riesemmaschine fosten?

Das französische Parlament hat eine besondere Finanz fommission eingesetzt, um den französischen Luftetat zu prüfen. Diese Kommission sagt in ihrem schriftlichen Bericht:

Ein sehr schwerer Fehler scheint uns begangen zu sein in ber Zusammensetzung der Kommiffionen für Abnahme unserer Flugzeugmuster und für Berjuche; in diesen Kommissionen fizen uur Beauftragte der Zentralverwaltung des Luftfahrtwesens, um die Handelsluftfahrt zu vertreten. Diefe Beamten, wie kompetent sie auch immer sein mögen, find aber feine Männer der Praxis; sie haben weder deren fommerziellen Geist, noch ihre Berantwortlichkeit, noch ihre Erfahrung und fönnen nicht beurteilen, ob eine Maschine die für ein Handels­flugzeug erforderlichen Eigenschaften besitzt." Un einer anderen Stelle heißt es:

Es muß festgestellt werden, daß entgegen dem von der Finanzfommiffion und allen in Luftfahrtfragen erfahrenen Orga­nisationen häufig ausgesprochenem Wunsche, die Zahl der Flug­zeugfabriten vermindert zu sehen bant ber von verschiebenen