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Janinare

Abendausgabe

Nr. 76

B 38

45. Jahrgang

Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart, im voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Aus land 5,50 Reichsmart pro Monat.

"

Der Borwärts" mit der illustrier ten Sonntagsbeilage Bolf und Zeit" fomie den Beilagen Unterhaltung und Biffen", Aus der Filmwelt", Stadtbeilage", Frauenstimme", Der Kinderfreund", Jugend- Bor märts"," Blid in die Bücherwelt", Rulturarbeit" und Lechuif" crfcheint machentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Dienstag

14. Februar 1928

10 Pfennig

Die etapeltige Ronpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezelle 5- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge­druckte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Arbeitsmart! Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen­annahme im Hauptgeschäft Linden. straße 3, wochentägl von 8 bis 17 Uhr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Bergarbeiterstreif in Böhmen . Vertagung Vertagung Bertagung!

Streif.

Prag , 14. Februar.( Eigenbericht.)

schen Bergarbeiter wurde bis Montag abend voll­kommen durchgeführt. Auf allen Gruben werden gemäß

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Der für Montag angekündigte Streit der böhmi- Der Bürgerblock findet keinen Schluß.- Interfraktionelle Besprechungen auf morgen vertagt. Man redet immer noch über das Schulgesetz. den Anordnungen der Streikleitung Rotstands. Die interfraktionellen Verhandlungen des Bürgerblocks sammentreten und so kann das liebliche Spiel noch lange arbeiten verrichtet. Da an dem Streit 30 000 Berg­arbeiter beteiligt sind, werden von ihm praktisch haben heute morgen um 10 Uhr begonnen. Um 1 Uhr 20 Mi- fortgesetzt werden. Die höchste politische Weisheit des Bürgerblocks heißt heute -wenn man die Familienangehörigen usw. mitrechnet- nuten wurden fie auf morgen vormittag 10 Uhr vertagt. mehr als 150 000 Menschen betroffen. Die Regierung Abermals vertagt! Und warum weil die Herren vertagen. Aber die Abrechnung läßt sich nicht vertagen! hat trotzdem bisher noch keine Anstalten zur Vermittlung feinen Schluß finden können. getroffen. Es ist anzunehmen, daß sich der Streik auch auf das Ostran- Karwiner Revier ausdehnt und dadurch die Zahl der Streifenden noch wesentlich erhöht wird.

Keine amerikanische Zollunion.

Jeder Staat behält seine eigene Zollpolitif.

Havanna , 14. Februar.

Auf der Panamerika- Konferenz erklärte der Argentinier Pueyrredon, er unterzeichne nur einen Vertrag, der eine Nach­prüfung der 3o11tariffäße der Einzelstaaten durch die pan­amerikanische anion gestattet. Der Amerikaner S. Hughes betonte dagegen, alle anderen Staaten widersprächen der Forde­rung Pueyrredens, da durch fie lebenswichtige Hoheitsrechte der Nationen angefastet würden. Eine Berquidung von Wirtschafts­

fragen mit dem Gedanken der Union müffe die Union zerstören und

sie daran hindern, gute Arbeit zu leiffen.

Tanger - Zugeständnisse an Spanien . Einigung Paris - Madrid - auch Rom beteiligt. Paris , 14. Februar.( Eigenbericht.)

Die französisch- spanischen Tangerverhandlungen haben zu einer sachlichen Einigung geführt. Spanien hat größeren Anteil an der Verwaltung und an der Polizei in Tanger erhalten. Gleichzeitig wurde auch Italien insofern beteiligt, als ihm die Leitung des Gesundheitswesens übertragen wurde.

Vor der Metallarbeiteraussperrung.

Will Brauns eingreifen?

In ihre heutigen Morgenausgabe schreibt die Germania " zu dem Aussperungsbeschluß in der Metallindustrie:

,, Es ist selbstverständlich baß auch die zuständigen Behörden die Entwicklung mit größter Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Sollte eine direkte Einigung zwischen den Parteien nicht erzielt werden tönnen, so bestehen nach dem jetzigen Stand der Dinge 3 mei Mög­lichkeiten zu einem Eingreifen des Reichsarbeits­ministerium s. Die in der vergangenen Woche ergebnislos geführten Besprechungen im Reichsarbeitsministerium zwischen den mitteldeutschen Industriellen und Metallarbeitern sind seinerzeit nur vertagt worden. Es könnten also neue Verhandlungen anberaumt werden. Ferner besteht theoretisch die Möglichkeit, ein neues Schlichtungsverfahren einzuleiten. Wie sich die Dinge allerdings praftisch entwideln werden, steht vorläufig noch völlig dahin."

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Die Verhandlungen haben sich ausschließlich um das Schulgesetz gedreht die politischen Konsequenzen des Scheiterns der Verhandlungen sind nicht berührt worden. Morgen soll weiter über das Schulgesetz verhandelt

werden.

Es wird versichert, daß die Verhandlungen heute feine Verständigungsmöglichkeit gezeigt hätten. Man wartet nicht mehr auf das Auftreten eines plötzlichen Umfallwillens bei diesem oder jenem nur noch auf das Stichwort, das den allgemeinen Aufbruch hervorruft. Aber keiner hat den Mut, offen auszusprechen: Die Verhandlungen sind zu Ende!

Man verhandelt und vertagt, und vertagt und verhandelt und findet keinen Schluß. Weil jeder den anderen mit der Verantwortung für den Bruch belasten möchte.

Schulfrage formuliert. Diese Standpunkte werden heute nach­Heute haben die Fraktionsführer ihre Standpunkte in der mittag von den Bürgerblodfraktionen beraten werden. Morgen früh um zehn werden dann wieder die Führer zu­

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Unangenehme Zwangsgemeinschaft.

,, Wenn aus dem negativen Ergebnis der jetzt im Gange befind­lichen Verhandlungen nicht sofort ein Bruch der Koalition erfolgen, sondern diese als eine unangenehme 3wangs­gemeinschaft noch für gemisse Zeit weiterbestehen sollte, so wäre dies nur dem Umstand zuzuschreiben, daß in der Tat noch einige wichtige Motstandsarbeiten erledigt werden müssen. Es handelt sich um den Etat und den Nachtragsetat, das Liquidationsschädengesetz und um die Hilfe für die Landwirtschaft. Daß auch noch das Straf gesetzbuch verabschiedet werden kann, daran glaubt in parlamentarischen Kreisn niemand mehr. Man mag dies bedauern oder nicht, für die Plenarsizungen würde der Entwurf.

doch erst nach den Sommerferien reif sein. So lange ist die Koalition aber unter den obwaltenden Umständen bestimmt nicht zu sammenzuhalten. Es wird deshalb nichts anderes übrig bleiben, als durch ein Ueberleitungsgeseß die bereits ge­

leistete Arbeit für die kommende Regierung und den kommenden Reichstag zu retten."

Nur noch unangenehme 3wangsgemeinschaft das läßt erkennen, mit wieviel Liebe die Koalitionsparteien im Bürger­block noch beieinander wohnen!

Preußen- Hochburg der Republik .

Sozialdemokratische Arbeit in der Verwaltung Preußens.

Der Preußentag der Sozialdemokratischen Partei Deuts h- lands wurde heute vormittag unter Teilnahme von rund 100 Dele­gierten der Organisationen im Plenarjaal des. Herrenhauses durch eine lange Begrüßungsansprache des Parteivorsitzenden, Genossen

Offo Wels,

eröffnet, in der er zunächst an die Umstände erinnerte, unter dener seinerzeit in Kiel die Abhaltung eines preußischen Parteitages angeregt wurde. Als der Parteivorstand vor wenigen Wohen den Beschluß faßte, diese Anregung in die Tat umzusetzen, war die neu este Entwidlung im Reiche nicht vorauszusehen. Auch heute ist noch nicht recht klar, was im Reiche wird. Indessen muß jetzt mit baldigen Wahlen im Reiche gerechnet werden, die dann wohl, ebenso wie in Bayern und in Württemberg, zeitlich mit den Preußenwahlen zusammengelegt würden. Möge unser Breußentag dazu beitragen, die Sache der Sozialdemokratie sowohl in Preußen wie im Reiche zu fördern!

Zum ersten Punkt der Tagesordnung erhält sodann das Wort der preußische Innenminister,

Genosse Grzesinski,

Es ist anzunehmen, daß in den obigen Ausführungen die Mei- zu einem Vortrag über die Auflösung der Gutsbezirke mung des Reichsarbeitsministers wiedergegeben ist. und über Verwaltung und Personalpolitit in Preußen.

Felssturz in 3dstein.

Das Rathaus schwer gefährdet. Jostein im Taunus, 14. Februar. Die Bewohner der Häuser in der Nähe des Rathauses wurden heute in aller Frühe durch ein heftiges Ge: töse geweckt. Es stellte sich heraus, daß der hinter dem Rathaus sich erhebende hohe Fels mitsamt dem auf ihm errichteten Torbogengebäude und mehreren alten Gebäuden der Domänenverwaltung herabgestürzt war.

Die abgesplitterten Steinmassen fielen in den sof des Rathauses, das im Innern besonders stark beschädigt Der Druck, den die Felsmassen auf die hintere Wand des Rathauses ausüben, läßt befürchten, daß das untere Stodwerkeingedrückt wird. Es wurden alsbald umfangreiche Absteifungen vorgenommen, um dieser Gefahr zu begegnen. Die Decken und Fußböden des Rathauses zeigen in allen Stockwerken schwere Schäden.

Krank aus der Haft entlassen.

Die Mordanflage wird nicht aufrechterhalten.

Zu Beginn der heutigen Verhandlung des Krank Prozesses stellte Rechtsanwalt Dr. Frey den Antrag, den Angeklagten aus der Haft zu entlassen, da von einem hinreichenden Verdacht des gemeinschaftlichen Mordes überhaupt keine Rede sein könne.

Die Staatsanwaltschaft gab darauf die Erklä­rung ab, daß sie nicht einsehe, daß der Angeklagte zwei oder drei Tge vor der Urteilsfällung aus der Saft entlassen werden soll. Der Staatsanwalt gab ferner die Erklärung ab, daß die Anklage wegen Mordes allerdings nicht aufrechterhalten werde, wohl aber wegen gemeinschaftlichen Totschlages.

Nach kurzer Beratung verkündete das Gericht die Haftentlassung des Angeklagten Paul Krank, da ein hinreichender Fluchtverdacht nicht vorliege. ( Bericht siehe 3. Seite.)

Im ersten Teil seines Vortrages legte Genosse Grzesinski dar, daß die Gutsbezirke, vor allem in Ostelbien, der

prägnantefte Ausdrud für die im alten Preußen herrschende Machtverteilung,

Ueberbleibsel aus der Feudalzeit seien, kleine Standesherrschaften, in denen der Gutsherr alle, die Einwohner feine Rechte be­jaßen. Die Auflösung der Gutsbezirke gibt 1% millionen preußi­schen Einwohnern, die in den 1927 noch existierenden 12 000 Guts bezirken wohnen, das ihnen bisher nicht zustehende fommunale Wahl- und Bestimmungsrecht. Durch die Auflösung der Guts­bezirke wird der junkerlich- preußischen Reaktion eine gewichtige Waffe aus der Hand geschlagen.

Auf den zweiten Teil seines Referates, Verwaltung und Per­fonalpolitit, übergehend, führte Grzesinsti aus, daß es ihm hier nur darauf ankäme, die wichtige Rolle aufzuweisen, die gerade im parlamentarisch- demokratisch regierten Staate der Verwal­tungsapparat habe. Erst die Beherrschung der Berwaltung fichere politischen Machteinfluß. Im alten Staat sei die preu­Bische Beamtenschaft allein hevorgegangen aus Kreisen mit tonjer­vativer und königstreuer Gefimmung. Die höhere Beamtenschaft habe sich ausschließlich rekrutiert aus der Schicht der Adli­gen und der Konservativen. Dadurch wäre der Verwaltungs­apparat fest in der Hand der Junker gewesen, die so den Staat beherrscht hätten. Auch nach 1918 mußte der Verwaltungs­apparat im großen und ganzen unverändert in die Republit über­nommen werden, da ein Ersatz der vielen Tausenden eingearbeite ten und vorgebildeten Beamten durch Anhänger des neuen Staates nicht möglich gewesen wäre. So sei der Zustand entstanden, daß zwischen der Spiße der Verwaltung dem sozialdemokratischen Minister und der Mehrheit der Berwaltungsbeamtenschaft ein Gegensatz entstanden sei, der sich überall ausgewirft hätte. Die daraus entstehenden Gegensätze hätten

werden können.

erst im harten Kampfe gebrochen

Soll der neue Staat, die Republif in der Berwaltung sih durchsetzen, soll wirklich alle Staatsgewalt vom Bolle ausgehen, dann müßte auch die Eretutive, die Berwaltung, erheblich umgestaltet werden. Das Ringen um diese Umgestaltung fei heute noch in vollem Gange.

Durch das Neben- und Durcheinander von Reichs, Staats­und Kommunalbehörden sei der Ruf nach dem Einheits­staat zu erklären. Aber es sei falsch, nun etwa zu glauben, daß der Einheitsstaat eine Berbilligung oder Vereinfachung der Verwaltung herbeiführen würde, Der Referent forderte an