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Morgenausgabe

Rr. 101

A 51

45. Jahrgang

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Mittwoch

29. Februar 1928

Groß Berlin 10 Pt. Auswärts 15 pt.

Die etapeitige Nonpareillezetts 80 Pfennig Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig wet fettgedruckte Borte), jebes weitere Bort 12 Biennig Stellengefuche das erite Bort 15 Brennig, jedes weitere Bort 10 Blennig Borte über 15 Buchstaben Bählen für mes Worte Arbeitsmartt Beile 60 Bfennig Familianzeigen füs Abonnenten Zeite 40 Pfennig Anzeigen annahme mm Hauptgeschäft Linden Straße 3. wochentägl von 8%, bis 17 Uhe

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Aussperrung der Metallarbeiter

Am Sonnabend laut Beschluß der Berliner Metallindustriellen.- Neue

Drohung der Schwerindustriellen.

De Metallindustriellen haben gestern in ihrer Sizung beschlossen, daß die Arbeiter der Betriebe, in denen die Werkzeugmacher streifen, am Sonnabend mit Schluß der Tagschicht ausgesperrt werden. Die Aussperrung betrifft rund 100 000 Arbeiter.

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Die Firma Siemens hat gestern folgenden Anschlag in ihren Werken bekanntgegeben:

Die Werkzeugmacher unserer Betriebe befinden sich seit Montag, dem 27. Februar 1928, im Streif. Ohne diese Arbeits­kräfte ist das Weiterarbeiten der ganzen Betriebe unmöglich. Wir müssen deshalb unsere Betriebe spätestens am Sonnabend, dem 3. März 1928, mit Schluß der Tagschicht schließen. In einzelnen Abteilungen wird dies schon früher nötig sein.

Der Belegschaft wird anheimgestellt, während der Schließung ohne Bezahlung auszusehen. Wer mit dem Aussehen nicht einverstanden ist, hat sich als entlassen zu betrachten.

Papiere und Restlohn tönnen von diesen Arbeitnehmern an einem noch bekanntzugebenden Tage in Empfang genommen werden. Sollten die Werkzeugmacher rechtzeitig vor dem genannten Zeit­punkt die Arbeit wieder aufnehmen, so werden wir die Fortführung des Betriebes unverzüglich bekanntgeben.

Berlin- Siemensstadt , den 28. Februar 1928. Siemens und Halste A.-G., Siemens- Schuckert - Werte A.-G.

Die Diftatur der Metallindustriellen.

Zu dem Aussperrungsbeschluß der Metallindustriellen läßt die Firma Siemens eine Mitteilung verbreiten, wonach bei ihr die Werkzeugmacher im Durchschnitt 129 m. pro Stunde verdienen, daß außerdem Spigenverdienste von 1,45 M. nicht selten sind, und daß sogar Spigenverdienste von mehr als 1,50 M. vorkommen. Im übrigen habe die Firma sich bereit erklärt, Einzelfälle nachzuprüfen.

Bekanntlich lautet die Forderung der Metallarbeiter für die Werkzeugmacher einen Minimallohn von 1,10 bis 1,50 M. festzusetzen. Nach der Auslassung der Firma Siemens scheint zwischen der Forderung des Deutschen Metallarbeiterverbandes und den tatsächlich gezahlten Löhnen bei Siemens eigentlich faum noch eine nennenswerte Diffe­renz zu bestehen. Trotzdem erklärt die Firma Siemens und die mit ihr auf die Gedeih und Verderb verbundenen Metall­industriellen, daß die Forderungen der Werkzeugmacher so exorbitante seien, daß deswegen die gesamte Metall= industrie still gelegt werden müsse.

Daß es viel einfacher wäre, die wirklich bescheidenen Forderungen der Werkzeugmacher, die die qualifizierteste Ar­beitergruppe darstellen, zu bewilligen, auf diese Idee tommen die Herren im Verband Berliner Metallindustrieller nicht. Die Herrschaften betrachten es also als ganz unerhört und unmöglich, daß eine qualifizierte Arbeiterschaft den an­gesichts der heutigen Teuerungsverhältnisse bescheidenen Min­destlohn von 1,10 bis 1,50 m. die Stunde verdienen sollen Die Werkzeugmacher sind die notwendigste Arbeiterklasse für die ungestörte und gleichmäßig verlaufende Durchführung der Fabrikation", erklärt die Firma Siemens in ihrer Ver­lautbarung Wir möchten einmal den Direktor der Firma Siemens sehen, der diese Verlautbarung diktiert hat und der offenbar nicht unbedingt notwendig ist, für die ungestörte und gleichmäßig verlaufende Durchführung der Fabritation", wenn man ihm einen Lohn anbieten würde, wie ihn die Werkzeugmacher fordern. Aber auf solche Ideen kommen die Herren Direktoren nicht. Die Herren, die mehr als das 3wanzigfache des Lohnes eines Werkzeugmachers beziehen, dekretieren lieber die Stillegung der ge­( amten Fabrikction, als daß fie den Werkzeug­machern einen Lohn garantieren, der diese nicht zu einem Elendsdafein verurteilt.

Diesem Unternehmerbolschewismus werden die Metall­arbeiter die geschlossene Kampffront entgegen stellen. Diese Diktatur der Unternehmer muß gebrochen werden!

Kommunistischer Arbeiterverrat.

Am Montag, dem 27. Februar, traten in Berlin 1000 Werkzeugma her in den Streit, trotz vorheriger Drohung der Metallindustriellen mit der Aussperrung aller Berliner Metall­arbeiter.

Am Dienstag, dem 28. Februar, schrieb die ,, Rote Fahne": Mit Empörung haben die Streifenden erfahren, daß der Metallarbeiterverband es für gut befunden hat, nur ein Viertel der Werkzeugmacher zum Streif aufzurufen. Diese Taktik des Metallarbeiterverbandes werden sich die Streifenden nicht gefallen lafsen( Wenigstens fordert die R. F." dazu auf. Red. d. B.".) Sowohl diejenigen, die die Arbeit niedergelegt haben, wie auch die Werkzeugmacher, die noch im Betrieb stehen, fordern dringend die fofortige Kampferweiterung, die Einbeziehung aller Werf zeugmacher in den Kampf.

Der Metallarbeiterverband wagte bis heute noch keine Er­flärung für seine Taffit" vor der Arbeiteröffentlichkeit.( Bon uns fett gedruckt. Red. d. B.".) Es wird sich auch schmer eine Erklärung für dieses Vorgehen finden lassen."

Tatbestand: die Kommunisten denunzieren die wohl. erwogene Tattif der Verbandsleitung den Unternehmern und fordern die Verbandsmitglieder auf, ihrer eigenen Streifleitung in den Rücken zu fallen.

Die Arbeiterschaft führt sehr schwere gewerkschaftliche Kämpfe, die ein Höstmaß von Disziplin und Solidarität gegenüber den Unternehmern erfordern jene Solidarität der Arbeiterschaft, die jene Solidarität der Arbeiterschaft, die die Gewerkschaften groß gemacht hat und die Voraussetzung aller ge­werkschaftlichen Erfolge ist.

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Einheit der Arbeiter im Kampffie war nie nötiger als heute. Die Kommunisten aber fordern zur Störung der Einheit auf, fie fallen den Kämpfenden in den Rücken, sie denunzieren dem Unter­nehmertum.

Wer die Arbeiterfront in diesem Kampfe zerreißen will, ber begeht ein Verbrechen an der Arbeiterschaft! Mehrarbeitsabkommen gefündigt. Gemeinsam von den vier Bergarbeiterverbänden.

Essen, 28. Februar.

Die vier Bergarbeiterverbände haben heute gemeinsam das für den Ruhrbergbau bestehende Mehr­arbeitsabkommen gekündigt Die Kündi gungsfrist läuft am 30. April 1928 ab.

Die Schwerindustrie droht.

Alles foll ftillgelegt werden.

Die schwerindustrielle Telegraphen- Union meldet aus Dresden : Bekanntlich hatten die Arbeitgeber der sächsischen Süttenindustrie bei den letzten Verhandlungen am vori gen Donnerstag neue Vorschläge zur Beilegung des Arbeitszeitkonflikts in der Hüttenindustrie gemacht, zu denen sich die Gewerkschaften bis zum heutigen Diens. tag erklären sollten. Da eine solche Erklärung jedoch nicht erfolgt ist und die örtlichen Abstimmungen wie man hört eine Mehrheit für die Ablehnung der Vor­schläge ergeben haben, muß diese Nichterklärung als Ablehnung gedeutet werden. Die Arbeitgeber der ge famten eisenerzeugenden Industrie werden nun zu dieser Lage Stellung nehmen und mant muß damit rechnen, daß die Aussperrung in der sächsischen Süttenindustrie sich auch auf die nordwestlichen Gruppen ausdehnt.

Es handelt sich bei dem Konflift im wesentlichen um bie Sonntagsarbeit und die Anordnung von Ueber stunden auf Grund des Schiedsspruchs für die weftfälische Schwerindustrie. Die Metallarbeiler haben mit Erfolg die

Rechtsgültigkeit des Schiebsspruches angefochten. Die Unters nehmer wollen ihren Machtstandpunkt über das Recht stellen. Die Drohung mit der allgemeinen Aus­fperrung paßt so recht zu der von den Schwerindustriellen immer betonten Sorge um die Wirtschaft".

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Gegen den Achtstundenvertrag. Die Regiernng Baldwin verharrt im Widerstand. London , 28. Februar.

3m Unterhaus gab der Arbeitsminister Sir Arthur Steel.. Maitland der Meinung Ausdruck, daß die Washingtoner Kon­vention über das Achtstundenabkommen zu unbestimmt sei. Gr persönlich sei immer für eine 48stündige Arbeitswoche gewesen, aber er tänne fich mit einer so ungenügend ausgearbeiteten Konvention wie der Washingtoner nicht einverstanden erklären; Großbritannien sollte auf Revision des Abkommens bestehen.

Notprogramm fteigert Not!

Der Kampf um das Gefrierfleisch.

Das Notprogramm der Bürgerblockregierung ist in einem feiner wichtigsten Teile ein Programm nicht zur Milderung, sondern zur Steigerung der Not. Was auf eigene Faust und gegen das Gesetz begonnen hat, das der Minister für die Ernährung der Landwirtschaft Schiele soll jezt durch das Notprogramm gefeßlich veranfert und Gefrierfleischkontingents von 120 000 Tonnen jährlich auf nur vollendet werden: die ratenweise Herabseßung des zollfreien 50.000. Der deutschnationale Bizetanzler Hergt hat sie im Reichstag angekündigt, und die Rechte hat dazu Bravo ge­

rufen.

Das Zolltarifgesetz vom 17. August 1925, das die Sozial­demokratie auf das schärfste bekämpfte, war im ganzen ein Sieg des Agrariertums. Dennoch hatte man damals noch eine gewisse Scheu, sich an den Sonntagsbraten der armen Leute, an das Gefrierfleisch, heranzuwagen. Der § 5 dieses Gefeßes bestimmt, daß Gefrierfleisch im Rahmen der bisherigen Einfuhr zollfrei zu belassen ist, sofern es durch Vermittlung der Gemeinden usw. den Verbrauchern zum Selbstkostenpreis oder mit mäßigem Aufschlag zugeführt wird.

Die Sozialdemokraten verlangten die zollfreie Einfuhr von 140 000 Tonnen jährlich. Nach langem Feilschen und Handeln im Ausschuß kam man im Juli 1926 zu dem Be­schluß, 10 000 Tonnen monatlich zuzulassen. Das genügte bei weitem nicht. Aus allen Industriestädten kamen Anträge auf Mehrbelieferung. Je höher die Kosten der Lebenshaltung stiegen, desto lauter wurde der Ruf nach dem zollfreien Ge frierfleisch.

Auf der anderen Seite wurden die Rechtspar­teien nicht müde, die zollfreie Einfuhr zu bekämpfen. Man behauptete, der deutsche Viehstand habe sich so gehoben, daß er zur Versorgung der Bevölkerung durchaus genüge Von der Gefrierfleischeinfuhr wurde gesagt, daß durch sie die Landwirte gezwungen würden, ihre Schweine mit Verlust zu verkaufen. Dieser Agitation, die auf ganz unhaltbaren Argumenten beruhte, schien zunächst fein Erfolg zu blühen. Dann aber fam im Enqueteausschuß die Aufdeckung der Wuchergefchäfte, die verschiedene Großhandelsfirmen mit dem Gefrierfleisch getrieben hatten. Eine Regierung, der es darauf ankam die Voltsernährung zu sichern. hätte fich beeilt, diese Mißstände abzuschaffen. Für die Bürger­blockregierung waren sie jedoch nur eine willkommene Ges legenheit, gegen die längst verhaßte zollfreie Einfuhr von Gefrierfleisch vorzugehen.

Was man dami angeblich erreichen mill, der erhöhte Konsum von Frischf'eisch bei rentablen Preisen, wird nicht erreicht werden.. Die Schweinepreise find allerdings ge funten, doch beruht dies auf ganz anderen Ursachen. Nach der guten Roggenernte von 1927 begannen die Landwirte die Schweinemast aufzubauen. Ein Jahr später war ber Schweinebestand um fast 20 n. 5. geftiegen. nach abermals einem Jahr wieder um 18 n. 5. auf rund 23 Millionen Städ.