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BERLIN Mittwoch,

29. Februar

Der Abend

Erfcheint täglich außer Sonntags.

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Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3

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Spalausgabe des Vorwärts"

10 Pf.

Nr. 102

B 51 45. Jahrgang.

Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Pofticheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37586. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297

Das nächtliche Autobusunglück

Das Autobusunglüd, das sich etwa 40 minuten nach Mitternacht an der Ede Alt- Moabit und Lüneburger Straße ereignete, hat zum Glüd nicht jenen Umfang angenommen, den man zuerst befürchten mußte. Der Autobus der Linie 19 ist durch das Anfahren gegen einen Baum allerdings fast völlig zertrümmert worden, aber die Infaffen des Wagens, die sämtlich nur leichte Berlegungen erlitten hatten, fonnten bereits in der Nacht wieder vom Krantenhaus Moabit in ihre Wohnungen entlassen werden. Nur einer von ihnen, der Kaufmann Amar Solimann aus der Perleberger Straße 6, liegt zurzeit noch mit einer Gehirnerschütterung danieder.

Die Unfallstelle

liegt etwa 10 meter hinter der Eisenbahnunterführung der Stadt­bahn, an der Ede Alt- Moabit und Lüneburger Straße. Das Unglüd trug sich folgendermaßen zu:

Ein Autobus der Linie 19( Lichtenberg- Stephanplatz) streifte beim Bassieren der Eisenbahnunterführung im Zuge der Straße Alt- Moabit den legten unmittelbar an der Bordtante stehenden Brüdenpfeiler seitlich so hart, daß die Karosserie schwer beschädigt wurde. Der Wagen geriet sodann mit dem rechten Borderrad auf den Bürgersteig und fam durch den Anprall an den ersten Straßen­baum zum Stehen.

Durch die Bucht des Anpralls wurde das Berded vollständig abgerissen und die Motorhaube eingedrädt. Sämtliche Fenster­scheiben wurden zertrümmert. Ueber die erschreckten Fahrgäste des vollbesetzten Fahrzeuges, die von ihren Sigen geschleudert wurden, praffelte ein Hagel von Glasscherben und Holzteilen nieder. Unter den Fahrgästen brach natütlich ein Banif aus." Laute Hilferufe und Entsetzensschreie ertönten aus dem Innern des Wagens. Zwischen Glasscherben, Holzteilen und Sikpolstern lagen die von ihren Plägen geschleuderten Fahrgäste zum Teil bewußtlos am Boden. Nachdem sich das lähmende Entsetzen einigermaßen gelegt hatte, machten sich die unverlegt gebliebenen Fahrgäste sowie zahl­reiche Straßenpassanten an das Rettungswert. Kurz darauf trafen auch mehrere Wagen des. Rettungsamtes ein.

20 Verletzte

Zum

murden in das Moabiter Krantenhaus gebracht. Glüd stellten sich die Verlegungen als nicht fehr schmer heraus. In den meisten Fällen handelte es sich um Nervenfchods, Quetschungen und leichte Brüche, so daß alle Ber unglückten nachärztlicher Behandlung und Anlegung von Not­verbänden zum Teil auf eigenen Wunsch in ihre Wohnungen entlassen werden konnten. Nur ein Berlegter, der Kaufmann Amar Solimann aus der Perleberger Str. 6, der eine Gehirn erschütterung und Brustquetschungen erlitten hatte, mußte im Kran­tenhaus verbleiben, doch besteht auch bei ihm teine Lebensgefahr. ( Weiterer Bericht 2. Seite.)

FIN

Das Verdeck ist abgerissen,

Schlußakt der Lehrlingstragödie.

Bericht auf der 3. Seite.

Die Reste des zertrümmerten Wagens.

Hunderttausende Arbeiter bedroht!

Gerade die sinnvolle Anwendung des von den Gewerkschaften seit jeher propagierten Grundsages: Gleiche Leistung, gleicher Lohn! erfordert, daß die besonders verantwort­lichen Gruppen der Hand- und Kopfarbeiter eine ihrer höher­wertigen Leistung entsprechende Entlohnung erfahren. Für die gesamte Arbeiterschaft aber war die tonsequente Durch­Berliner Scharfmacher.

Die von den Unternehmern der Berliner Metallindustrie| auf den nackten Lebensunterhalt zu arbeiten verpflichtet sind. angekündigte Aussperrung von rund 100 000 Arbeitern reicht in ihrer Bedeutung weit über die Interessen der Berufsgruppe hinaus, die in den Lohnkampf zu treten gezwungen war. Es bürgert sich jetzt offenbar als gute Sitte ein, jede noch so ge­ringfügige, aber grundsäglich wichtige Forderung der Arbeiter mit der Aussperrungsdrohung zu beantworten. Hier liegt ein Mißbrauch der wirtschaftlichen Macht­stellung des Unternehmertums vor, der mit Pro­teften nicht mehr zu erledigen ist, sondern der die Regierung zu einem Einschreiten zwingen müßte- wenn wir eine ve r antwortliche Regierung hätten.

Woher kommt die Beunruhigung des wirtschaftlichen Lebens, die jetzt von den Unternehmern in frivoler Weise her­aufbeschworen wird? Eine fleine Gruppe von qualifizierten Arbeitern verlangte bessere Arbeitsbedingungen. Weder die Forderung nach Abschluß von Tarifen noch die nach Ab­schaffung des Attords in der Präzisionsarbeit noch schließlich die verlangte Lohnerhöhung selbst sind Dinge, um deretwillen Riesenbetriebe der deutschen Industrie stillgelegt werden müßten, wenn die Unternehmer selber an die Pflicht zur Arbeit glaubten, die sie ihren Arbeitern ständig predigen.

Die Werkzeugmacher find Qualitätsarbeiter. Jahrelang haben die Unternehmer erklärt, sie wollten die Spanne zwischen dem Lohn der gelernten und dem der ungelernten Arbeiter erhöhen. Mit dieser Begründung haben sie die Besserstellung der einfachen Arbeiter oft genug mit Erfolg bekämpft. Jetzt verweigern sie die Besserstellung der Qualitäts arbetter. Das entspricht der Unternehmerabficht, die Löhne in jedem Falle zu drosseln, auch dann, wenn sich unsere Unternehmer mit ihren eigenen deklamatorischen Erklärungen in schroffen Widerspruch sehen.

Weil sie Qualitätsarbeiter sind, gehören die Werkzeug. macher nicht zu den Arbeitergruppen, die nur um das Recht

K. F. v. Siemens.

Ernst v. Borsig.

Die Führer der Berliner Metallindustrie, die durch Aus­sperrung der Metallarbeiter die ,, Stillegung der Betriebe herbeiführen wollen