dune sid
Der Abend
Erideint taqlid enter Sonntags.
Sugletch Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis
"
für beide Ausgaben 70 Vf. pro Woche, 3 M. pro Monat.
Spätausgabe des„ Vorwärts
"
10 Pf.
Nr. 136
B 68 45. Jahrgang.
Anzeigenpreis: Die einfvaltige Nonpareillezeile 80 Vi., Reflamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Vofticheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 87 586. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297
Bericht auf der 2. Seite.
Der große Messebahnhof.
Der neue große Kreuzungsbahnhof auf dem Messegelände, der in einigen Wochen eröffnet wird.
Das Grauen im U- Boot.
Die Deffnung des im Dezember gefunfenen Bootes.
Die Unterfuchungstommiffion für die Katastrophe des Unter. feebootes S 4, bas am 17. Dezember des vergangenen Jahres ge funten und jetzt gehoben wurde, hat das Schiff besucht. Man fand fechs Ceichen der Befahung, die zurzeit des Zusammenstoßes in dem Torpedoraum eingeschlossen waren. Aus der Lage der Leichen iff enzunehmen, daß fie in ihren Schlaftojen gestorben und später durch das eingedrungene Wasser aus diesen herausgeschwemmt wurden. Alle Beichname find dicht mit Schlamin bededt. Alle Torpedorohr. verschlüsse sind geschloffen, woraus hervorgeht, daß die Mannschaft einen Bersuch gemacht hat, auf diesem Wege aus dem Boot herauszufommen. Auch die Tür vom Torpedoraum zum Batterieraum war dicht verschloffen. Das Sprachrohr, durch bas die Rettungsmannschaft Luft in das Boot pumpte, wurde unversehrt vorgefunden.
New Yort, 20. März.
Das eigentliche Led des Bootes war nicht groß genug, um das fofortige Sinfen des Bootes herbeizuführen. Man nimmt daher an, daß die Leute im hedraum die Türen zu lange offen gelaffen haben, um fämtliche Sameraden hereinzulaffen. Dadurch brang zu viel
Baffer in den Raum ein, wodurch gleichzeitig Kurzschluß hervorge rufen wurde. Die 32 Mannschaften im Hedraum find offenbar nach wenigen Stunden erffidt, während die übrigen acht, die fich im Torpedoraum aufhielten, wahrscheinlich noch 3% Tage lebten. Sie haben sich, anscheinend von Hunger oder Müdigkeit übermannt, zum Ausruhen in die Hängematten gelegt und sind für immer eingeschlafen. Im Torpedoraum wurden nämlich auffälligerweise noch unbenutzte Sauerstofflaschen gefunden, die wahrscheinlich als äußerste Reserve zurückgestellt worden waren, zu deren Deffnung man aber nicht mehr gekommen ist, da die Leute in den Hängematten inzwischen die Besinnung verloren hatten. Nur zwei Mann scheinen nicht ruhig geftorben zu sein, da fie fich noch im Tode umkrampft hielten. Leutnant Litch lag unter seinem Arbeitstisch mit dem Kopf auf der Müze. Zwei schwarze Flecke an der Bordwand über seinem Sopf rühren wahrscheinlich von Hammerschlägen her, der Hammer felbft fonnte jedoch nicht gefunden werden. Die Mannschaften im Torpedoraum scheinen besonnen alle Borbereitungen zur Rettung getroffen zu haben, indem sie die ursprünglich nicht ganz dichten
Luden mit Gummi abdichteten; das durch die Luten eingedrungene Baffer stand zwei Fuß hoch. Ferner hatten fie Borbereitung dafür getroffen, daß durch einen bestimmten Ranal Buft einge. pumpt werden konnte; die Luftzufuhr durch die Taucher erfolgte infolge des Eturmes aber zu spät.
Nach Eintritt der Dunkelheit wurden die Leichen in Flaggen gehüllt an Land gebracht und auf blumenbekränzten Wagen zum Hospital geleitet. Die Beilegung wird auf dem Nationalfriedhof Arlington bei Washington erfolgen.
Wie aus Budapest gemeldet wird, ereignete fich in der Gemeinde Solf im Somitat Pest bei einer& inovorführung ein schweres Brandunglüd, das in seinen Einzelheiten an die Katastrophe im Sino von Moriago erinnert.
Im Feftfaal des Gebäudes des Gewerbevereins der Gemeinde sprang bei der Borführung eines Films aus der Dynamomaschine des Projektionsapparats ein Funten, der den Filmstreifen in Brand feßte. Gleichzeitig ging das elettrifche 2icht im Saale aus. Im Nu stand die Kabine des Ope rateurs in Flammen. In dem dichtgefüllten Sall entstand eine Banit, und alles drängte nach der einzigen Tür des Saales, die zum Unglüd nag innen zu öffnen war. Zahl reiche Personen wurden zu Boben getreten. Biele Beute sprangen aus den Fenstern des im ersten Stockwerf gelegenen Gaales auf die Straße. Die Feuerwehr stellte Leitern zu den Fenstern auf, über die sich ein Teil des Bublifums ins Freie rettete.
Insgesamt erlitten 60 Berfonen Berlegungen, davon 30 schwere. In den Abendstunden sind drei der Sdywer verlegten im Spital ihren Berlegungen erlegen.
Das Berkehrsministerium in Rom hai 300 Volksschullehrern die neuesten Tants vorführen lassen, damit sie den Schülern das Wesen diefer friegerischen Erungenschaft tarmachen tönnen.
Die Bauerurevolte gegen die Reichsregierung nimmt immer mehr an Umfang zu. Der 2andbund, die Organisation der Großbauern und der junkerlichen Großagrarier, schredt vor den revolu tionärsten Mitteln nicht zurück, wenn es sich darum handelt, die materiellen Vorteile der Großbauern selbst auf Kosten der Aermsten zu sichern. Er geht jetzt dazu über, nicht nur zu demonstrieren, sondern auch tätlichen, sogar bewaffneten Widerstand zu leisten.
Ueber solche Fälle offener Rebellion gegen die Staatsgewalt wird uns neuerdings aus dem Kreise Nimptsch in Schlesien berichtet:
Bor furzem sollte in dem Dorfe Groß- Kniegnig eine Bersteigerung wegen Steuerrückständen gepfändeter Sachen stattfinden. Der Landbund bot in diesem Dorfe nicht weniger als 150 Mann aus anderen Gemeinden auf, um die Bersteigerung zu verhindern. Kein Fleischer, dem seine eigenen Knochen lieb waren, durfte es wagen, etwa ein Gebot auf das zur Bersteigerung fommende Bich abzugeben! Der Gemeinde vorsteher murde von der randalierenden Menge verhöhnt und beleidigt. Selbstverständlich wurde von diesen Notleidenden" ber altoholische Frontgeist" reichlich fonfumiert. An der Spitze dieses offenen und organisierten Widerstandes gegen die
Staatsgewalt
standen der Borsitzende des Landbundes von Rohr , somie die Junter von Richthofen und von Schimpf, ferner der Kreisdeputierte Rigler und andere. Der Gemeindevorsteher, der eine solche Szene noch nicht erlebt hatte, tam ganz erschüttert zum Landrat, um ihm zu melden, daß der Landbund feine amt lichen Anordnungen gemaltfam verhindere!
Als etwas später eine andere Bersteigerung in der Gemeinde Sangenöls ftattfinden sollte, die etwa 1200 Einwohner zählt, forderte der Landrat rechtzeitig zum Schuße der Amts. handlung Schußpolizei an. Sie wurde auch gestellt, und zwar eine Gruppe von 20 Mann.
Der Landbund aber zog aus der ganzen Umgegens seine Anhänger zusammen, die mit Pferd und Wagen sowie mit Automobilen nach Langenöls strömten und bort mehr als 1000 Mann stark drohend den Schutzpolizisten gegenübertraten.
-
Auch hier wurde die amtliche Bersteigerung gepfändeter Dinge gewaltsam verhindert, weil sich die Polizettruppe zu schwach fühlte und angesichts der Uebermacht nicht von der Waffe Gebrauch machen wollte! Wie wir hören, soll zu der nächsten Versteigerung in der gleichen Gemeinde erhebliche polizeiliche Verstärkung herangeholt werden, um die Staatsautorität felbft gegen den allmächtigen Landbund zu sichern. Bei dem ganzen Borstoß des Landbundes handelt es sich nach Meinung der nur durch die agrarische Bresse informierten und burch großagrarische Redner aufgehegten Bauernschaft um einen Widerstand gegen die republikanische preußische Regierung. In Wirklichkeit aber
richtet sich die Rebellion gegen die hauptsächlich von den Deutschnationalen geführte Reichsregierung, deren Justizminster Hergt ein Deutschnationaler ist und als deren Landwirtschaftsminister ausgerechnet Herr Schiele beichnet, der sich felbft als Landbundininister" feiern läßt!
Die ernften Worte, die gestern der Reichsfinanzminister Köhler an die Adresse der landbündlerischen Hezapostel gerichtet hat, werden folange vergeblich sein, wenn nicht die Reichsregierung in Ge meinschaft mit der preußischen dem Landbund begreiflich macht, daß er und seine Leute nicht mehr das Recht haben, Revolution zu spielen, als irgendeine unter der Not der Arbeitslosigfeit leibende erregte Menschenmenge.
Es handelt sich nur um ein deutschnationales Wahlmanöver, angezettelt, um die Leidenschaften des Landvolkes von den
Mißerfolgen deutschnationaler Regierungskunst abzulenten und gegen die Städter zu hetzen. Wenn es dazu noch eines Bemeises bedurft hätte, so ift er unter anderem darin an finden, daß in dem erwähnten Kreije Nimptsch mehr als 40 Ge