Donnerstag 19. April
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Der Abend
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Nr. 186
B 92 45. Jahrgang.
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Das Rätsel der 60 Millionen.
4 Millionen Tonnen Steinkohlen sind verschwunden!
Im Ruhrbergbau wird gegenwärtig zwischen den Unternehmern und den Arbeiterverbänden um eine neue Lohnberechnung gerungen. Das Tarifabkommen ist von sämtlichen Arbeiterverbänden gekündigt worden, lange, ausführliche Verhandlungen der Bertragspartner haben nicht zu einem Ziele geführt. Der inzwischen gefällte Schiedsspruch wurde von den Bergbauunternehmern abgelehnt und ihre Presse sucht jetzt im ganzen Lande diese Ablehnung verständlich zu machen. Sie stützt sich dabei zu einem guten Teil auf das fogenannte„ Schmalenbach Gutachten", das bisher noch vertraulich gehalten worden ist und wahrscheinlich erst im Laufe des heutigen Tages veröffentlicht werden dürfte.
Nun beginnen am Freitag vor bem Reichsarbeitsminister die legten Berhandlungen, die nach der Ablehnung des Schiedsspruches erforderlich geworden sind. Für diese Schlußverhandlungen tommt die
Veröffentlichung des Schmalenbach- Gutachtens reichlich spät und die Arbeitervertreter fragen fich, weshalb es folange zurückgehalten worden sei. Wenn es nach ihren Wünschen ging, so hätte das Gutachten schon bei den Schlichtungsverhandlungen eine große Rolle gespielt. Denn die Arbeitervertreter hatten ein großes Interesse, die Berechnungen dieses Gutachtens unter die fritische Lupe zu nehmen, aber ihr Antrag, die Verhandlungen um eine Woche zu vertagen, wurde von den Unternehmern abgelehnt. Deren Streben ging dahin, die ganze Sache vor dem 1. Mai zum Abschluß zu bringen, da an diesem Tage der tarif. lofe 3ustand und damit auch automatisch die Sieben. stundenschicht in Kraft treten würde.
Die sogenannte Schmalenbach- Rommission hat ein Mehrheitsgutachten erstattet, das aus verschiedenen und sehr berechtigten Gründen bei den Arbeitervertretern Mißtrauen hervorruft. Nach Meinung der letzteren hat die Kommission nicht genügend Zeit verwandt, um im Ruhrgebiet eigene Studien zu veranstalten, fie hat sich infolgedeffen zum größten Teil auf die Borarbeiten des Reichswirtschaftsministeriums stützen müssen. Infolgedessen wird das Mehrheitsgutachten der Rommission nicht als eratte Festtellung anerkannt.
Was darf abgeschrieben werden?
Nach den Ziffern des Reichswirtschaftsministeriums werden im Ruhrbergbau für jede Abfaßtonne 1,25 m. abgeschrieben. Die Mehrheit der Schmalenbach- Kommission hält jedoch für notwendig, daß dieser Betrag mindestens 1,74 m. betrage, und sie fommt bei dieser Annahme dazu, einen rechnungsmäßigen Berlust von 0,27 m. je Tonne Abfagförderung zu schäßen. Das Mitglied er Kommiffion, Dr. Friz Baade, hat jedoch ein Sonder gutachten erstattet, in dem er eine Abschreibung von 1 m. pre Tonne für ausreichend hält und deshalb einen Gewinn von je 60 Pfennig pro Tonne herausrechnet. Vor dem Kriege betrugen die Abschreibungen etwa 90 Pf. je Tonne. Nun ist zweifellos und zugestandenermaßen mit Hilfe dieser Abschreibungen der Ruhrbergbau stetig auf. und weitergebaut worden. Sein innerer Wert ist also gestiegen, so daß selbst angesichts der Geldentwertung ein Abschreibungssatz von 1 m., wie ihn Dr. Baade annimmt, von den Arbeiterverbänden als sehr reichlich angesehen wird. Besonders da nicht unbekannt ist, daß auch in den sogenannten„ Selbstkosten der Werke" noch erhebliche ſtille Reserven versteckt sind.
Der Ofen der 15000 Brote.
Wsous
Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hat in ihrer in Berlin- Tempelhof gelegenen Großbäck rei einen sogenannten Mammuthofen in Betrieb genommen, der 35 m lang ist und 800 Brote in sich aufnehmen kann und in einem ununterbrochen andauernden Backprozeß im Tagesdurchschnitt 12-15 000 und im Wochendu chschnitt 80-90 000 Brote ausbäckt. Der Ofen enthält 5 Backkammern, die verschiedene Hitzegrade, von 230 bis zu 150 Grad, aufweisen; er wird von tausend kleinen Gasflämmchen geheizt, die elektrische Zündung haben.sher Ca Das Bud zeigt, wie das fertige Brot selbsttätig aus dem Ofen in eine Rutsche fäil, die es in die unteren Versandräume bringt und auf endlosem Band dem Expedienten zuführt.
Kein Schülermord in Mariendorf
ungeklärt ob Selbstmord oder ein Unglücksfall.
Die weitere Untersuchung des vermeintlichen Schüler- revolver des Baters, der mit einer Anzahl Patronen in mordes in Mariendorf , über den wir im Morgenblatt berichteten, hat ergeben, daß ein Verbrechen nicht vor llegt man dachte daran zunächst, weil eine Schußwaffe nicht vorhanden war. Man fand sie jedoch unter der Ceiche liegen, als diese nach photographischer Figierung des Befundes von der Stelle weggenommen wurde. Ob Selbstmord oder ein Unglüd vorliegt, läßt sich nicht sagen.
Der 15 Jahre alte Gerd Siebert, der die Obertertia besuchte, war ein guter Schüler mit guten Zeugnissen. Auch sein Berhältnis zu den Eltern ließ nichts zu wünschen übrig. Der Vater, der Filialleiter und Geschäftsführer ist, befindet sich auf Reisen, die Mutter war gestern ebenfalls nicht zu Hause. In dem Trifotagenund Strumpfwarengeschäft der Eltern war mir die Verkäuferin anwesend, die nicht wußte, daß Gerd Siebert sich in der Wohnung befand. Er muß sie durch den Hintereingang betreten haben. Als die Berkäuferin um 7 Uhr schließen wollte, fand sie den 15jährigen Schüler in der Stube tot baliegen. Auf die Mordmeldung erschien die Mordkommission mit dem Gerichtsarzt, der einen Nahschuß in die rechte Schläfe
4 Millionen Tonnen verschwunden. Ein Rätsel hat übrigens weder das Schmalenbach- Gutachten gelöst, noch fonnte es bei den Schlichtungsverhandlungen aufgeklärt werden. Nach der amtlichen Statistik betrug die Förderung feststellte. Nach dem Ortsbefund hat der Knabe vor dem Spiegel in Rheinland und Westfalen in den ersten drei Vierteljahren 1927 gestanden, als der tödliche Schuß fiel. Die Waffe ist ein Trommel 88 081 935 Tonnen, der Absah dagegen einschließlich Selbstver
brauch, Selbstverarbeitung, Deputate
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92 092 834 Tonnen!
Woher flammen die rund 4 millonen Tonnen, die in dieser Zeit
mehr abgefeht als gefördert wurden?
( Fortlegung auf der 2 Seite)
einer Schublade des Vertitows gelegen hatte. Daß der Schüler Selbstmord begangen hat, ist natürlich nicht ausgeschlossen. Einen Grund dafür aber hat man bisher nicht gefunden. Möglich wäre das in ungeeigneter Lektüre zu suchen. Es tann aber auch sein, daß der Junge sich einmal mit dem Revolver an der Schläfe im Spiegel hat aus Spielerei sehen wollen und daß dabei unversehens ein Schuß losgegangen ist.
Diese Selbstmordstellung" ist bei jugendlichen Personen durchaus nichts Seltenes. Tödlich getroffen fiel der Knabe zu Boden, so daß er mit dem Kopf etwas unter dem Tisch lag, und mit dem Körper die Waffe bedeckte.
In einem Borortzuge bewußtlos aufgefunden würde gestern abend ein unbekannter Mann, der von Nauen her nach Spandau fuhr. Dort fand man ihn auf dem Hauptbahnhof in einem Abteil auf und brachte ihn nach dem Krankenhaus. Der Unbekannte ist noch nicht zur Besinnung gekommen. Er ist etwa 35 bis 40 Jahre alt und trug dunkelbraunen Mantel, gestreifte Hose, Marengojadett, und schwarze Stiefel. Alte vernarbte Ropfverlegungen laffen vielleicht darauf schließen, daß es sich um einen Kriegsbeschädigten handelt. Mitteilungen an die Kriminalinspektion Spandau .
Berichte auf der 2. Seite.