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Der Abend
Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.3
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Spalausgabe des„ Vorwärts
Nr. 202
B 100
45. Jahrgang.
Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile
80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297
Die deutschen „ Bremen - Flieger find nach ihrem fühnen Ozeanflug und nach den schwierigen Berhältniffen, die sie zwangen, fich etwa drei Wochen in dem halbarktischen Greenly- Jsland aufzuhalten, jetzt glücklich auf dem amerikanischen Hilfsflugzeug in New York eingetroffen. Sie find am 26. März morgens auf dem Tempelhofer Flugplatz aufgestiegen, 9½ Stunden später auf dem Flugplatz Baldonell in Irland gelandet. Am 12. April 5 Uhr 38 früh( mitteleuropäische Zeit) haben fie den Flug über den Ozean begonnen und ihn am 13. April spät nachmittags durch eine Notlandung auf Greenly- Island vollendet.
Das Unglüd im Glück, das die Bremen "-Flieger seit ihrem Abflug von Irland verfolgte, blieb ihnen auch heute treu und machte ihnen durch den gegen Mittag einsetzenden schweren Ortan und Wolfenbruch den Flug hierher unmöglich. So fonnten sie auch nicht der Beisehung Bennetts beiwohnen. Troß der großen Strapazen der letzten Tage ließen es fich die Flieger aber nicht nehmen, mit der Bahn herbeizueilen, um dem Grabe Bennetts einen
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Floyd Bennettt
Besuch abzustatten. Die Flieger trafen gestern abend um 10 Uhr auf dem Bahnhof von Washington ein, von einem offiziellen Empfang wurde auf ihren eigenen Wunsch abgesehen, wegen der Natur ihrer Herreise, die lediglich dem so jäh verstorbenen Kameraden gilt. Sie wurden bei ihrer Ankunft von dem deutschen Botschaftsrat Dr. Kiep und mehreren Offizieren begrüßt, die sie nach dem Flugplatz Bollingfield geleiteten, wo sie blieben, um heute früh nach Arlington zu fahren und dann sofort mit einem Armeeflugzeug den Rüdflug nach New York anzutreten. Obwohl die Ankunftszeit der Flieger der Allgemeinheit erst nach 9 Uhr bekannt wurde, und obwohl große Regenmassen durch die sturmgepeitschten Straßen trieben, hatte sich doch eine riesige Menschenmenge auf dem Bahnhof versammelt, die die Flieger begeistert begrüßte. Am Mittwoch werden die Flieger zur offiziellen Vorstellung und zum Empfang beim Präsidenten Coolidge nach Washington zurückkehren. Nachdem sie noch an einer Feier, veranstaltet von den Deutschamerikanern in New York teilgenommen haben, werden sie sich schlüssig werden, ob sie zu ihrem Flugzeug ,, Bremen " zurückfliegen oder zuerst noch einigen der zahlreichen Einladungen aus dem Mittelwesten Ameritas Folge leisten sollen.
In den Erörterungen über die überraschende Landung der ,, Bremen " Flieger in Curtißfield wird vielfach die Ansicht laut, daß man die Tatsache der geplanten Landung abfichtlich verschwiegen habe, da es sich ja nur um eine Etappe auf der eiligen Reise der Flieger nach Washington zur Teilnahme an der Beisezung des Fliegers Bennett handelte und man den eigentlichen Empfangsfeierlichkeiten durch eine haftige Vorfeier während der Durchreife feinen, Eintrag tun wollte. In der Tat hat man alles getan, um einer Entmidlung in diefer Richtung vorzubeugen. Als das Ford- Flugorifejung auf der 2. Seite)
Der Leuchtturm auf Greenly- Island,
dessen Wärter den Ozeanfliegern gastliche Unterkunft gewährte.
Achtung! Wahlschiebungen!
Bericht auf der 2. Seite.
Furchtbare Bluttaten in Polen .
Doppelmord eines Syphilitifers- Ein Leutnant als Mörder.
Ein Doppelmord ereignete sich in Nikolai in Oftober- morden wollte. Man fonnte bis jetzt noch nicht feststellen, fchlesien. Ein dort wohnender an Syphilis unheilbar ob die Mordtaten in geiffiger Umnachtung begangen worden find. erkrankter Arbeitsloser ermordete am Donnerstagabend feinen 70. Jahre alten Bater. Am nächsten Tage erschien er bei einem hiesigen Sanitätsrat, der ihn behandelt hatte und schlug den Arzt im Sprechzimmer am Schreibtisch mit der gleichen Agt nieder, mit der er am Vorabend seinen Bater getötet hatte. Der Mörder, der in einen Wald geflüchtet war, fonnte bald durch einen Polizeihund ausfindig gemacht werden. Bel feiner Berhaftung fand man bei ihm einen Zettel mit acht amen bekannter persönlichkeiten, die er noch er
Seht die Wählerlisten ein!
Wer es versäumt, läuft Gefahr, sein Wahlrecht zu verlieren. Die Wählerlisten liegen in der Zeit vom
Sonntag, dem 29. April
ab zur Einsicht aus, und zwar Sonntags von 10 bis 17 Uhr
wochentags von 14 bis 21 hr
Wer nicht mit seinen wahlberechtigten Angehörigen namentlich in den Wählerlisten aufgeführt ist, beantrage unter Vorlegung einer Legitimation seine Aufnahme.
Ein zweiter Mordfall ereignete sich in Lemberg . Ein Leutnant tötete auf offener Straße im Zentrum der Stadt seine Braut im Verlauf eines Streites durch mehrere scharfe Säbelhiebe über den Kopf. Auf den Lärm hin eilten Polizei und Militär herbei; es tam zu einem ernsten Handgemenge, da der Offizier fich zur Wehr sehte. Erst ein größeres Polizeiaufgebot fonnte den Mörder überwältigen und abführen. Mehrere Polizeibeamte wurden schwer verwundet.
Ueberfall in der Oranienstraße.
Ein Artist durch die Haustür angeschossen.
Eine aufregende Szene spielte sich in der vergangenen Nacht in der Oranienstraße ab. Als ein 36 Jahre alter Artist L. aus der Sebastianstraße gegen 3½ Uhr durch die Dranienstraße nach Hause ging, wurde er von zwei jungen Burschen belästigt. Als 2. sich zur Wehr fette, tamen noch mehr herbeigelaufen, so daß er der Uebermacht weichen mußte. Er flüchtete, nachdem er einem Berfolger einen Stochieb versetzt hatte, in das Haus Oranienstraße 189 hinein und zog die Tür zu. Nach einem vergeblichen Versuch, sie aufzureißen, schoß einer der Burschen durch die Tür hindurch und traf den Artisten so schwer in einen Fuß, daß er zusammenbrach. Polizeibeamte, die durch den Lärm aufmerksam wurden, fanden ihn in seinem Blut liegen und brachten ihn nach dem Krankenhaus Bethanien. Die Rotte war unterdessen davongelaufen und entkommen,