Ur. 275.
Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Gonntags- Nummer mit illustr. Sonntags: Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. DeiterteichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste fir 1896 unter Nr. 7128.
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Vorwärts
12. Jahrg.
Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20, fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
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Sonntag, den 24. November 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
stellt und ähnliche Zustände beleuchtet, wie sie jüngst durch| Eintritt einer Untersuchung auf Aufsichtsraths- Stellen untereinen sensationellen Prozeß aufgedeckt worden sind. Nach werfen müßten, wir sind sicher, daß jede unserer gesezBeendigung dieses Romans etwa Mitte des nächsten Spezies aufweisen könnte. So wie im Reich und im Staat Mit dem 1. Dezember eröffnen wir ein neues Abonne- Monats- werden wir mit dem Abdruck eines Original- ist's natürlich auch in der Gemeinde. Auch die unbesoldete etwa Mitte des nächsten gebenden Versammlungen eine stattliche Anzahl dieser nient auf den
Vorwärts"
mit der illustrirten Sonntags- Beilage
,, Die Neue Welt".
Die Weltlage ist so bewegt, daß sie mehr und mehr das Juteresse jedes denkenden Menschen in Anspruch nehmen muß. Die Umsturzvorlage ist zwar gefallen, allein der Umsturz von oben wird eifrigst fortgesetzt. Namentlich richten die Anstrengungen der reaktionären Parteien sich gegen das allgemeine Wahlrecht und das gleiche Recht der proletarischen und besitzenden Staatsbürger. Das deutsche Volt, die deutsche Arbeiterklasse soll politisch entrechtet werden. Und der Kampf um das allgemeine Wahlrecht, um die Rechte des Volkes muß vor allem in der Presse geführt werden. Die Presse ist die mächtigste Waffe des Volkes- und diese Waffe zu stärken, ist Pflicht des Volkes.
Jetzt, wo man unsere Partei o hire Ausnahme= gesez durch Majestätsbeleidigungs- Prozesse, Verurtheilungen wegen groben Unfugs u. s. w. mundtodt zu machen sucht und der Parteipreffe die Existenzbedingungen möglichst zu rauben sucht, ist es doppelt nothwendig, daß das Bolt für seine Presse eintritt.
Romans aus der Gegenwart: ,, Clotilde" von Thätigkeit in der Gemeindeverwaltung kann vielfach H. W. M. von Walthausen beginnen, der in einer im Interesse kapitalistischer Aktien- Unternehmungen fruftis deutschen Residenzstadt spielt und tiefe Blicke in das Leben fizirt werden. Aktien- Gesellschaften, welche zum Beispiel der guten Gesellschaft" thun läßt. Verkehrsanlagen, Straßen- und Häuserbau, Unterbringung von städtischen Anleihen, Hypotheken- und Terraingeschäfte, Brauereien u. s. w. betreiben, können durch die Anwesenheit
Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, so
wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von
1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von
1,10 M. für den Monat Dezember entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1895 unter Nummer 7128.) Redaktion und Expedition des ,, Vorwärts".
ihrer Aufsichtsrathsmitglieder in städtischen Verwaltungen
enorme materielle Vortheile erzielen. Die Skrupellosigkeit der Bourgeoisie in Geldsachen Geldsachen läßt läßt es zu, daß Männer Mandate für kommunale Körperschaften übernehmen, welche in direktem geschäftlichen Verkehr mit den Attien- Unternehmungen stehen, deren finanzielle Interessen sie in ihrer Eigenschaft als Tantieme beziehende Aufsichtsraths- Mitglieder zu wahren und vertreten verpflichtet sind. Da nicht anzunehmen ist, daß die an der Spiße der städtischen Regierungen stehenden Aufsichtsräthe von Aktiengesellschaften wie Papageno ein Schloß vor dem Munde tragen, so werden wir nicht fehlgreifen mit der Annahme, daß in gar manchen Fällen das Privatkapital sichere Witterung und gute Unterlagen für seine geschäftlichen und spekulativen Transaktionen besitzt.
Sehr instruktiv und interessant sind die Verhältnisse in dieser Beziehung in der Reichshauptstadt, deren Bourgeoisie bekanntlich in puncto Selbstlosigkeit und Fürsorge für die ärmeren Mitbürger unübertroffen dasteht.
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Aus Paris kommt die Kunde, daß dem französischen Parlament eine Regierungsvorlage zugegangen ist, wonach So sagen wenigstens gewisse Herren stets, wenn sie wegen ein Bolksvertreter fernerhin nicht mehr Mitglied der Direktion ihrer ausbeutenden Verwaltungspraxis angezapft werden, oder des Aufsichtsraths von Aktienunternehmungen sein darf. Wir sehen schou, wie unsere braven freisinnig- nationalMan giebt vor, dadurch dem Panama - Schwindel den Garaus liberalen Stadtväter in tugendhafter Entrüstung sich in Die Redaktion des Vorwärts", deren Mitglieder in zu machen. In diesem Augenblick, wo das Damoklesschwert die Brust werfen und uns auf die Bestimmung der Mehrzahl jetzt gefangen oder zu schweren Gefängniß- des Arton'schen Notizbuches über den Häuptern der im der Städte- Ordnung verweisen, wonach kein Mitglied des und der strafen verurtheilt sind, wird fortfahren, ihre Schuldigkeit Parlament sigenden Panamisten" schweht, ist Aussicht vor- Magistrats Stadtverordneten- Versammlung nach besten Kräften zu thun. Sie rechnet aber auch darauf, handen, daß das Ministerium Bourgeois seine Vorlage in einer seine persönlichen Interessen berührenden Angelegen durch bringt. Aber nüßen wird ein solches Gesetz nicht, heit mitstimmen darf. Gemach Ihr Herren, nicht auf die daß die Genossen ihre Schuldigkeit thun und uner- weil die ganze bürgerliche Gesellschaft in Frankreich und cigene Stimme tommt es an, sondern darauf, daß eine Einmüdlich für die weitere Ausdehnung unseres anderswo nichts weiter als ein gewaltiges Panama " dar wirkung auf das Kollegium je privater, je intensiver Leser- und Abonnentenkreises thätig sind. stellt. Den Augiasstall der Bourgeoisie zu reinigen, dazu ist möglich ist. Angesichts der soeben vollzogenen ErgänzungsJeder neue Abonnent ist für uns und für die Partei nur der eiserne Besen des Sozialismus im ftande und so lange wahlen für die Stadtverordneten- Versammlung sowie der die heute herrschenden Gesellschaftsmächte am Ruder sind, nächstens stattfindenden Ersazwahlen für den Magistrat ein Macht zu wachs. so lange wird auch die Panamawirthschaft blühen, wachsen bringen wir zu Nutz und Frommen der Bürgerschaft zur und gedeihen. Man braucht übrigens nicht in die wilden öffentlichen Kenntniß, wer von den Berliner Stadtregenten Länder" zu gehen, um festzustellen, daß die„ chrenwerthe" gleichzeitig der Kommune als Vertreter und dem PrivatBourgeoisie ihre Stellen in der Gesetzgebung und Ver- fapital als Aufsichtsrath seine Dienste weiht. waltung dazu benutzt, um sich finanzielle Vortheile zu vers schaffen. Auch in Deutschland wird dieses Geschäft mit Eifer und Geschick betrieben, und wenn sich die Mitglieder des Reichstages und der Landtage in den Einzelstaaten bei ihrem
Wir fordern daher die Genossen auf, ohne Unterlaß für die Verbreitung des Vorwärts" zu arbeiten. In unserem Feuilleton veröffentlichen wir jetzt einen in der Gegenwart spielenden, hochinteressanten Roman:" Der Berrückte", welcher die Vernichtung eines hoffnungsvollen Menschenlebens durch kirchlichen Fanatismus dar
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Ein Verrückter.( Machdr. verboten. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. Diese Beleidigung Gattl's regte den Förster auf. " Ich hab Vertrauen g'habt auf den Lehrer und hab's heut noch auf ihn."
So?"
Ja, Hochwürden, denn wenn i den Fall mensch lich betracht', wenn i die lange Verlobung, de schrecklichen Jahr
Hier giebt es nur eine zulässige Betrachtung, das ist die vom Standpunkte der Moral und der Kirche! Und was Ihr Vertrauen zu dem Lehrer betrifft, so mag dies für ihn um so schmeichelhafter sein, als er über Sie schon in unverblümtester Weise geschimpft hat."
Hastig wich der Sprechende einem erstaunten Blicke des Försters aus.
Wann hätt der Gattl auf mich g'schimpft?" " D, in letter Zeit wohl mehr als Sie dachten! Ich erfuhr gar oft, welch irreligiöse Reden im Forsthaus geführt werden." „ Eh Sie mir net sagen, was Sie damit meinen, glaub i fei Wort," sagte Balder entschieden und suchte vergebens die Augen des Geistlichen.
"
Verhältniß zwischen Schule und Kirche gesagt haben?" Soll ich Ihnen aufzählen, was Sie alles über das Balder blickte betreten um sich. War es möglich, daß der Lehrer so tief sant und seinen besten Freund verrieth, wenn dieser ihm beistimmte zu den endlosen Klagen über die unwürdige Vergewaltigung? War Gattl schon so verächtlich? Nein und tausendmal nein! Man hat den armen Teufel so erniedrigt und zusammengebrochen, daß er aus Angst und Verzweiflung zum sinnlosen Denunzianten wurde, der nicht mehr wußte was er redete, und für ein Beifallslächeln seines Pfaffen den letzten Funken seines Charakters verkaufte.
Also bis dahin hatte man den Beklagenswerthen glücklich gebracht! Der Förster war aufs tiefste erschüttert und vergaß beinahe, warum er gekommen war.
Wir heben diejenigen Gesellschaften, welche nach unserer Meinung mit der Stadt in geschäftlichen Be ziehungen stehen oder dazu gelangen können, unter Angabe der Gründe durch stärkeren Druck hervor. Ehre, dem Thre
als Gattl ein enttäuschtes Gesicht machte. Warten' s mir, Herr Lehrer, er kommt scho noch der große Briaf mit' n amtlichen Siegel!"
Für diesen war dem Kaspar nämlich ein gutes Trinkgeld versprochen. Daß der heutige nicht der erwartete war, das hatte Kaspar schon am Umfang gemerkt. Es war ein kurzes Briefchen von den verreisten Balder, der dem Lehrer mittheilte, daß er bei der Base alles geordnet habe, und daß Anna eintreffen könne, sobald sie hergestellt wäre.
Seufzend faltete Gattl das Schriftstück zusammen und ging wieder an seine Arbeit. Er war daran, die Kirche festlich auszuschmücken und mit Blumengewinden zu verzieren, weil morgen die Hochzeit der Poiten Kathi stattfinden sollte.
Das ganze Dorf war über dieses Ereigniß in AufAls er nach geraumer Zeit wieder ausschaute, sab regung. er den Geistlichen niit einem theilnahmslosen, starren Ge Bei Herrn Kreittmayer wurde der große Tanzsaal im fichte vor sich. ersten Stocke gestöbert und mit Tannenbäumen umstellt. Jäblings riß es ihn da von seinem Plazze empor. Mächtige Bierbauzen wurden vorgefahren und eine alte Diesen Menschen wollte er um Erbarmen auflehen für sein Fahne hing zum Fenster heraus. Sie wehte lustig. über die frantes Kind? Wie war er denn hierher gekommen? In mit Guirlanden umwundenen, frommen Sinnsprüche an der welche Verblendung gerieth er, daß er auf Mitleid bei Borderfront, und drinnen fluchte die geschäftige Wirthin seinem grimmigsten Feinde hoffte, der sich jetzt mit inner- auf das saumselige Personal, daß man es drei Häuser weit licher Schadenfreude an dem Triumphe der Demüthigung hörte. Beim Kramer übten die Dorfmusikanten, die zur weidete? Vorfeier des Tages schon heute alle blan machten, ihre Das tönnen Sie halten, wie Sie wollen, denn es Nein, lieber wollte er seinen letzten Kittel für Auna heiteren Weisen ein und am lebhaftesten ging es bei Schuster liegt mir nichts daran, ob mir ein Mann, der nie die Kirche verkaufen und sich den Pfennig vom Munde sparen, als und Schneider zu. besucht, Glauben schenkt, oder nicht." hier noch ein Wort sagen. Und wenn der Lehrer Holzhauen müßte, um sein Brot zu verdienen und sein Weib ernähren zu fönnen, besser für alle, als vor dem Priester zu knien! In furchtbarer Erregung ging Balder von dannen. „ Herr Lehrer! Für Sic is a Briaf da!" Das schrie der dicke Kaspar von Mariakirchen, der immer gut auf gelegte Posibote.' s is net der rechte, gelt!" fragte er,
Es ist jetzt net von mei'm Kirchenbesuch de Red..." " So, nicht? Sie könnten mir ja mit Ihren Ansichten von Religion und Moral am Ende auch noch den Zutritt in ihr Haus verbieten, wohin mich jezt die Pflicht als Seelsorger zu Ihrer Tochter führt."
„ Ich verbiete Ihnen auch net mein Haus, Hochwürden, aber ich widerstreit Ihnen, daß der Gattl über mich g'schimpft hat."
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Der alte Poiten wollte sich die Sache was kosten lassen und sein Schwiegersohn nickte befriedigt zu diesen Vorbereitungen, die der Würde seines Standes vollauf eutsprachen. Siebenundfünfzig Gäste sollten an der Hochzeitstafel sitzen, um die Feier zu einer möglichst großartigen zu gestalten. Natürlich ließ es sich Boiten, auf dessen Gesundheit der Frühling Wunder gewirkt hatte, nicht nehmen, auch selbst das ganze Fest mitzumachen. Sein Arzt war ja zufrieden und verbot ihm nur noch starkes Trinken.