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BERLIN Freitag 25. Mai

1928

albin 1910 Pf.

Der Abend

Erscheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3

Spätausgabe des Vorwärts

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Nr. 245

B 121 45. Jahrgang.

Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297

Nachtsitzung in der Lindenstraße

Politische Finten.

Verhaffung im Falle Jacubowski.

Die Kommunisten haben schwere Gorgen.

Die politische Auswertung des Wahlergebnisses ist begreiflicher­weise Gegenstand des Interesses in allen Parteilagern. Besonders die Deutsch nationalen bemühen sich, den bürgerlichen Mittel­parteien flarzumachen, daß sie in eine Sadgaffe gerieten, wenn sie mit der Sozialdemokratie zusammen eine Koalitionsregierung bilden mürden.

Bei den Kommunisten herrscht Arbeitsteilung auch auf diesem Gebiete. Das tommunistische Morgenblatt schlägt mit lenin­Stalinistischen Keulen auf die sozialdemokratischen Führer" los, die Abendleuchte muß dagegen mit politischem Hintertreppen­flatsch aufwarten, und das Blatt des Urbahns- Bundes erklärt beide für Berräter am heiligen Leninismus! Man hat danach die Auswahl

Die letzte Ausgabe des kommunistischen Abendorgans brachte eine phantastische Geschichte über geheimnisvolle Berhandlungen, die angeblich im sozialdemokratischen Parteihaus in der Lindenstraße" bis abends 9 Uhr unter Mitwirkung des Reichstagspräsidenten Löbe und einiger Minister abgehalten worden seien. Dort find angeblich schon die Ministersitze verteilt worden, und das Kommunistenblatt macht den Sozialdemokraten bitter zum Borwurf, daß sie nicht einmal Das Reichsarbeitsministerium übernehmen wollten. Sie beabsichtigen, so heißt es wörtlich, sich von der Besetzung des für die Ar beiterschaft allerwichtigsten Ministerpostens von vornherein zu drücken". Nun will sich befanntermaßen die Kom­mmistische Partei überhaupt und von allen Aemtern in der Regie­rung Don vernherein drüden", aber das macht in dem Hintertreppenblatt nichts aus....

Tatsächlich find alle diese Nachrichten, als ob der sozialdemo tratische Parteivorstand mit irgend jemand eine Unterhand­lung über die Bildung einer Koalitionsregie

onders die Ammenmärchen des kommunistischen Nachtlichts.

Die Eisstadt auf Spitzbergen.

bus

Blick auf die Grubenstadt Kingsbay auf Spitzbergen mit dem Luftschiff ,, Italia " ( im Hintergrunde links) und der Nothalle( Mitte), von wo aus die ,, Italia" zu dem erfolgreichen Fluge nach dem Nordpol startete. kingsbay, 25. Mai.

rung im Reiche aufgenommen hätte, völlig frei erfunden, bekämpfen." Ihre Ankunft wird gleichwohl hier noch erwartet. Die Italia " hat mit schweren widrigen Winden zu fämpfen. Ihre Ankunft wird gleichwohl hier noch erwartet. Der Rückflug der Italia" vom Nordpol gestaltet sich infolge heftigen Gegenwindes sehr schwierig. General Mobile hat dem Kommandanten der Citta di Milano" mitgeteilt, er fönne nur eine Geschwindigkeit von 40 Kilometern in der Stunde erreichen.

Fritz Rogens verhaftet.

Der Mitwiffer am Palinger Mord auf der Flucht in Bremen

Wie ein Mittagsblatt meldet, ist der flüchtige Hauptzeuge und Mitwisser am Mord von Palingen, Friz Nogens, in Bremen verhaftet worden; er hat bei seiner Bernehmung Aussagen gemacht, die den hingerichteten Jacubowski entlasten.

Wie wir dazu hören, trifft die Meldung zu. Der flüch­tige und steckbrieflich verfolgte Zeuge im Jakubowski- Prozeß, Frih Nogens, ist jedoch bereits vor zehn Tagen in Bremen , wo er arbeitete, verhaftet worden. Er wurde von der Staats­anwaltschaft Neu- Strelik in Bremen selbst vernommen und dann erst vor drei Tagen von einem bremischen Kriminalbeamten in das Untersuchungsgefängnis Schönberg in Mecklenburg gebracht.

Es ist auffällig, daß über diese entscheidende Berhaftung kein Wort in die Oeffentlichteit gekommen ist. Auf Antrag des Neu- Strelitzer Staatsanwalts wurde sämtlichen Behörden da­rüber strengstes Stillschweigen auferlegt, das auch die Bremer Behörden innegehalten haben. Die Untersuchung liegt nach wie vor in den Händen des Oberstaatsanwalts Müller, der die Anklage im Prozeß Jakubowski vertreten hat, mit dem Erfolge, daß dieser zum Tode verurteilt wurde.

Der Aufenthalt am Nordpol habe zwei Stunden gedauert. Der Greenwich durch Nebel in einer Höhe von 1000 Metern. Nobile Rückflug erfolgte anfänglich längs des 25. Meridian westlich von wird heute vormittag gegen 10 Uhr in der Ringsban zurückerwartet. Der starke Nordwind hat erst gegen Morgen etwas nachgelassen, so daß das Luftschiff seine Geschwindigkeit erhöhen konnte. Morgens 3 Uhr war es noch 3000 Kilometer von der Kingsbaŋ entfernt. Auf Spizbergen ist der Himmel bedeckt bei mäßigen Winden.

Ueberfall im Eilzug.

Revolver- Notbremse- und ein flüchtender Räuber.

Ein verwegener Ueberfall, der noch der Klärung bedarf. wurde vergangene Nacht in dem Fernzug Leipzig , der kurz vor 12 Uhr den Anhalter Bahnhof verlaffen hatte, verübt. Ein reifendes Paar wurde von einem etwa 25jährigen Mann mit vorgehaltener Pistole zur Herausgabe des Geldes aufgefordert. Durch die Geiftesgegenwart des Mannes, dem es gelang, die Notbremje zu ziehen, mußte der Räuber fein Heil in der Flucht fuchen. Er sprang von dem haltenden Zug und entfam in der Dunkelheit.

Das überfallene Baar, ein Leipziger Kaufmann und eine Ber­linerin aus der Flensburger Straße hatten in einem geschlossenen Abteil 2. Klasse des Fernzuges Platz genommen. Andere Reisende befanden sich nicht in dem Kupee. Kurz vor 12 Uhr setzte

Festungsstrafen im Kommunistenprozeß fich der Zug zur fahrplanmäßigen Abgangszeit in Bewegung. Die

Das Ende des Braun- Prozesses vor dem Reichsgericht. Leipzig , 25. Mai.

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Jm Kommuniffenprozeß dem fogenannten Braun- Prozeß- wurde heute mittag nach mehrwöchiger Berhandlung das Urteil ver­fündet. Wegen Borbereitung zum Hochverrat und Bergehen nach§ 7 Absatz 4 des Republitschutzgesetzes werden verurteilt: Oldenburg und Dalis dan zu je Jahren Festungs­haft und 150 Mark Geldstrafe und Ganz zu einem Jahr Feftungs­haft und 100 Mark Geldstrafe. Müller wird wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.

Die Geldstrafen und drei bis fünf Monate der Freiheitsstrafen gelten als verbüßt,

Räuber die Aktentasche an sich riß und die Pistole sinken feß, gelang es dem Ueberfallenen, seinem Gegner einen Stoß zu ver­fehen und die Notbremse zu ziehen. In der nächsten Sefunde riß seine Begleiterin das Fenster auf und rief laut um Hilfe. Der Zug fam in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Lichterfelde - Ost zum Stehen, und von allen Seiten eilte das Bahnpersonal herbei. Die augenblickliche Verwirrung benugte der Räuber zu seiner Flucht. Er lief über die Gleise hinweg, den Bahnabhang hinunter und entfam in der Dunkelheit unerkannt. Die fofort aufgenommene Berfolgung durch Beamte der Polizei verlief völlig ergebnislos. Eine genaue Beschreibung des Eisenbahnräubers fonnte nicht ge­geben werden. Er soll 1,75 Meter groß und etwa 25 Jahre alt sein. Er trug einen grünen Hut und war unrasiert.

Die Polizei ist mit der weiteren Aufklärung des felt­beiden Reisenden waren gerade mit dem Ordnen ihres Reisegepäcksamen Vorfalles noch beschäftigt. Ein im Nebenabteil der beschäftigt, als plötzlich, nach ihren Angaben, kurz hinter dem Bahn- 3. Wagentlasse Reisender will plöglich einen Schatten auf dem Tritt­hof Großgörschenstraße,

die Kupeetür aufgeriffen wurde und ein jüngerer Mann mif erhobener Pistole und mit dem Ruf eintrat: Hände hoch, bei dem geringsten Versuch des Widerstandes schieße ich." Geben Sie mir Ihr Geld heraus."

Die Ueberfallenen waren zunächst so überrascht, daß ein Widerstand auch aussichtslos erschien und sie Miene zum bösen Spiel machen mußten. Der Mann überreichte, immer nach seinen An­gaben, dem Täter feine Attenta fche mit dem Bemerken, daß ich darin feine Barichaft befinde. In dem Augenblid, als der

brett gesehen haben, glaubte aber sich getäuscht zu haben und maß feiner Beobachtung deshalb keine besondere Bedeutung bei.

Der Räuber muß in dem großen Laubengelände am Priester." meg entkommen fein. Auch die Berliner Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Mitteilungen zur Auf­flärung nimmt der Leiter des Raubdezernats, Kriminalkommissar Werneburg, im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Der Räuber ist ein Mann in mittleren Jahren und etwa 1,75 Meter groß. Er hat ein unrasiertes Geficht mit schwarzen Bart­stoppeln, sprach aber gutes Deutsch und trug grünen Loden­mantel and t