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BERLIN Dienstag, 19. Juni

1928

Der Abend

Ericheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat.

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Spätausgabe des Vorwärts

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Nr. 286

B 141

45. Jahrgang.

66 Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile

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Zwei Mordfälle in einer Nacht!

Das große Arbeiter- Sängerfest in Hannover .

Die ungeheure Sängerschar im Stadion.

Mord in Tempelhof .

Ein Kapitalverbrechen wurde gestern abend in dem Haufe Berliner Straße 78 in Tempelhof entdeckt. Es fann erst wenige Stunden vorher verübt worden sein. Zum Opfer gefallen ist ihm der 50 Jahre alte Böttchermeister Georg Smigolfti, der mit feiner Frau und zwei Kindern, einer jetzt 22 Jahre alten Tochter Herta und feinem 19jährigen Sohne Georg, seit 22 Jahren im zweiten Stod des Borderhauses

wohnte.

Das alte Haus hat nur zwei Stodwerke. Bis vor zwei Jahren befand sich im Erdgeschoß die Schankwirtschaft Bum tollen Hengft", die durch viele Schlägereien berüchtigt war. Dieser Raum ist für ein Peizgeschäft umgebaut worden. Am Hoje lag früher ein Tanz­saal, hier wird heute eine Druckerei betrieben, daran schließen sich eine Tischlerwerkstatt und eine Milchverkaufsstelle. Die Kellere werkstatt Smigolstis liegt unter dem rechten Flügel des Borderhauses, in einem niedrigen Keller, in den man vom Hof aus hinabsteigt. Smigolski nahm, weil er nicht genug zu tun hatte, noch eine Stellung als Pla 3 mächter bei der Tiefbaufirma Ge­brüder Hein in der Ordensmeisterstraße an. Dorthin begab er sich jeden Morgen um 5 Uhr und blieb bis 3 Uhr nachmittags. Dann arbeitete er in seiner Werkstatt, um die Aufträge zu erledigen. Die Kinder haben beide Beschäftigung. Gestern nachmittag tam der Sohn um 5% Uhr nach Hause und begrüßte seinen Bater, der vor der Werkstatt stand. Dann ging er in die Wohnung hinauf. Gegen 9% Uhr schickte ihn die Mutter hinunter, um nach dem Vater zu sehen. Der junge Smigolffi fand den Vater wider Erwarten nicht bei einem Freunde und sah die Kellertür zur Werkstatt noch offen stehen. Als er jetzt hinunterging und Licht machte, bot sich ihm ein

Schreckliches Bild.

Dicht hinter der Tür zu der eigentlichen Werkstatt lag der Vater mit schweren Berlehungen tot in einer Bluflache. Er lief gleich in die Druckerei und rief durch den Fernsprecher das Ueberfallfommando. Nach kurzer Zeit erschien die Mordkom­mission mit ihren Beamten, dem Erkennungsdienst und dem Gerichtsarzt Medizinalrat Professor Störmer ,. um den Befund auf zunehmen und photographisch festzulegen.

Smigolfti lag in fnieender Stellung, den Oberförper über eine Hobelbant geschlagen, den Kopf herunterhängend, mit aus­gebreiteten Armen da. Der Gerichtsarzt stellte tiefe Schnitte an den Pulsadern beider Hände fest, weiter mehrere Schnitte über den Kehlkopf, die nur die Haut verlegt hatten, und mehrere Siebe auf das Schädelda ch, die die Schabelbede wohl verlegt, aber nicht zertrümmert haben. Der Tod

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Anmarsch der Sänger.

muß durch Berbluten aus den zerschnittenen Pulsadern ein zwei Blutflede, als wenn sich jemand mit blutigen Händen dagegen getreten sein. Die Hals- und Schädelverletzungen waren nicht tödlich. gestützt hätte. Darunter zeigte sich eine große Blutlache, und Unter den Knien fand man in einer großen Blutlache ein Hobel über dem Rohr ist die Wand bis zur Decke hinauf mit Blutspritzern meiser mit zwei Griffen, ein Werkzeug des Meisters, mit dem überfät. Mit letzter Straft muß sich der Schwerverletzte noch einmal ohne Zweifel die Handgelenkschnitte geführt sind. Auf einer Tisch aufgerafft haben, in die Werkstatt hineingetaumelt und dort tot lerband hinter dem Toten lag ein zwei Bfund schwerer achtkantiger zusammengebrochen sein. Von dem Mörder hat niemand Vorschlaghammer, der ebenfalls mit Blut besudelt war, am meisten etwas gesehen oder gehört, auch Hilferufe hat niemand ver= nommen. Was das Motiv des Verbrechens gewesen sein fann, ist am Stiel. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes muß ein Mord vorliegen, weil die Verlegungen nicht anders zu erklären sind. Nach noch völlig dunkel. Geraubt ist nichts, bei der Leiche fand Aufnahme dieses Befundes wurden auch die Nebenräume unter­man noch Uhr und Kette, die Taschen waren nicht durchsucht. Mög­sucht. Der zweite Raum, der zur Werkstatt gehört und hauptsächlich ist, daß es sich um einen Ra che att handelt, obwohl niemand lich zum Unterstellen dient, enthält an der einen Wand in halber weiß, daß der Meister Feinde gehabt hätte. Höhe ein Abflußrohr, daß den ganzen Raum längs durchläuft und auf die Straße mündet. In der Mitte fand man an diesem Rohr

( Siehe auch 2. Seite.)

Um das Panzerschiff A.

Schwierigkeiten bei den Verhandlungen über die Regierungsbildung.

von Bersailles gestattet, sechs alte Linienschiffe der Deutschland­klasse durch neue zu ersetzen, begrenzt aber die Höchstgröße auf 10 000 Tonnen.

Die interfraktionellen Besprechungen von heute vormittag| der Marine gehörten, entschiedene Ablehnung. Der Vertrag endeten bald nach 12 Uhr. Besprochen wurden die Fragen der Amnestie und der Reichswehr , besonders die Frage des neu zu bauenden Panzerschiffes A. Während sich in der Amnestie­frage feine Meinungsverschiedenheiten ergaben, deren Behebung be­sonders schwer scheint, tamen bei der Frage des Panzerschiffes die schon längst bestehenden Gegenfäße zu flarem Ausdruck. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei beharrten ebenso auf ihrem Standpunkt wie die Deutsche Bolkspartei und das Zentrum auf dem ihren.

Die heutigen Verhandlungen bilden gewissermaßen den Ab­schluß der ersten Lesung des fünftigen Regierungsprogramms. Genoffe Hermann Müller beabsichtigt auf Grund der bisherigen Ergebnisse die Grundzüge eines Regierungs­programms zu formulieren, das er bei interfraktionellen Ber­handlungen am Mittwoch nachmittag den Fraktionsführern vor­legen will.

Was den Streit um das Panzerschiff A betrifft, so feien folgende Tatsachen in die Erinnerung zurückgerufen: Im Haushaltsplan für das Jahr 1928 waren als erste Rate für den Bau dieses Panzer­schiffes 9,3 Millionen Mark angefordert. Diese Forderung fand in weiten Kreisen, zu denen besonders auch bedeutende Sachverständige

Die Marinesachverständigen waren vor zwei Jahren einer Meinung darüber, daß der Bau der 10 000- Tonnen- Schiffe voll­fommen unzweckmäßig sei. Jm Reichstag wurde trotzdem die Neu­forderung mit den Stimmen des Bürgerblocks gegen Sozialdemo­fraten, Demokraten, kommunisten und Wirtschaftsparteiler an­genommen. Es ist nicht uninteressant festzustellen, daß diese vier Parteien mit ihren 254 Stimmen jetzt über die Mehrheit im Reichs­tag verfügen.

Jm Reichsral war schon vor den neuen Reichstagswahlen eine starke Mehrheit vorhanden, die gegen den Bau des neuen Panzer­schiffes Einspruch erhob. Das geschah teils aus Gründen der militärischen Unzwedmäßigkeit dieses Schiffsbaues, teils aus finanz­politischen Gründen. Denn die 9,3 millionen Mark sind natürlich nur eine erste Rate und jedes der neu zu bauenden vier Schiffe ist auf über 80 millionen berechnet, so daß man mit einer Ausgabe von rund 400 Millionen rechnen kann.

Formell konnte jedoch der Reichsrot aus Gründen der Ber­faffung nicht gegen eine einzelne Position des Haushaltsplanes