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BERLIN Sonnabend, 14. Juli

1928

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181

Der Abend

Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3

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B 163

45. Jahrgang.

66 Unzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile

Spätausgabe des Vorwärts

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Die Aufnahme der Amnestie:

Politische Gefangene stellen den Hungerstreif ein!

Durchführung der Begnadigung

Der geftrige Reichstagsbeschluß, durch den die weitgehende Am­neffie für politische Straftaten mit überwältigender Mehrheit, nur gegen die paar Stimmen der Bayerischen Volkspartei , aber mit den Stimmen der Hakenkreuzler und der kommu­nisten beschlossen wurde, ist in den Strafanstalten zu Gollnow und Sonnenburg bekanntgegeben worden. In Sonnenburg haben die politischen Gefangenen den Hungerstreit eingestellt; zwar erklären sie, daß das nur für heute geschähe, aber es ist nicht einzu­fehen, warum sie den Hungerstreit wieder aufnehmen sollten.

Was die Entlaffung derjenigen Strafgefangenen anbelangt, die nach der Amnestie einen Strafrest nicht mehr zu verbüßen haben, fondern freizulaffen find, so wird ihre Entlaffung aus der Straf­anstalt so schnell als irgend möglich erfolgen. Die Juftiz­verwaltung bemüht sich nach dieser Richtung, was auch Juffizminifter Dr. Schmidt nachdrüdlich angeordnet hat. Es handelt sich jedoch um die notwendige Affenprüfung bei einer sehr großen 3ahl Personen und es wird daher nicht möglich sein, die Entlassungen noch heute vorzunehmen.

Wenu auch in Sonnenburg die wegen gemeiner Verbrechen ohne politischen Beweggrund Berurteilten den Hungerstreit noch fortfehen, fo werden fie doch einsehen müffen, daß sie von der Amneffie nicht betroffen find und darauf werden sie wohl auch ihr unsinniges Beginnen ein ftellen.

Jm Festungsgefängnis Gollnow i. Pommern haben die dort untergebrachten polifischen Gefangenen bereits gestern abend be­schloffen, den Hungerstreit abzubrechen.

Einige hundert Rechts- und Linksradikale, politische Täter, sind gestern begnadigt worden, die meisten gänz­lich, dem geringen Rest wurde der größte Teil seiner Strafe erlassen. In Preußen wird das Reichsgesetz unmittelbar bei Infrafttreten, d. h. spätestens am Montag, in die Tat umgefeßt sein. Grund genug für die Rote Fahne" einer­seits, die Deutsche Zeitung" andererseits, ihr hysterisches Schimpftheater fortzusetzen.

Während die ,, Rote Fahne" in ihrem Leitartikel ein halb Dugend Mal über sozialdemokratischen Amnestie­Derrat" brüllt, schilt das halb völkische halb deutschnationale Blatt über die Freilassung von Mördern, Plünderern und Mordbrennern", während nationale Männer noch im Ge­fängnis figen müssen. Die ,, Rote Fahne " erzählt, daß Hölz im Zuchthaus gemartert werde, während die Feme­mörder ein Herrenleben führten, aus der ,, Deutschen Zeitung" fann man erfahren, daß Hölz im Zuchthaus alle Ber­günstigungen genieße, daß dagegen die Fememörder einem sadistischen Strafvollzug ausgefeßt seien.

Sieht man von solchen Kleinigkeiten ab, so ließen sich die Artikel der Deutschen Zeitung" und der Roten Fahne" bequem miteinander austauschen. Das Hakenkreuzlerblatt schließt:

,, Niemals werden wir anerkennen, daß dieser Gnadenerlaß das Unrecht beseitigt, das im Namen des formalen Rechts begangen.

wurde."

Das Gegenstück in der ,, Roten Fahne" lautet:

,, Um so einheitlicher und geschlossener muß die gesamte deutsche Arbeiterschaft ihren Kampf um die Bollamnestie als einen Teil des allgemeinen Klaffentampfes gegen Bourgeoisie und Koali­tionsperräter fortsetzen."

Wir nehmen diese tobende Einheitsfront nicht tragisch. Beide Teile dürfen doch schließlich nicht gar zu deutlich ihre Befriedigung darüber zeigen, daß sie sich von der ver haßten Republif ihre Amnestie erminfelt und erbettelt haben, eine Amnestie, wie sie weder das faschistische Italien noch das bolichemistische Rußland je feinen Gegnern gewährt hat, noch gewähren wird.

D- Zug Paris- Aachen entgleift.

Drei Zote.- 15 Berletzte.

Der neu erschlossene Plötzensee.

Der Schnellzug Paris- Belfort- Basel hatte bereits infolge miederholtem Maschinenschadens eine dreiviertelstüne Der D- Zug Paris- Belfort- Aachen ist gestern nach- dige Berspätung. Kurz hinter Bar- fur- Aube bemerkten die Reifen­mittag in der Nähe von Trones, zwei Kilometer von Barden, daß die Bremsen scharf angezogen wurden. Die fur- Aube aus bisher noch unbekannter Ursache ent- Cotomotive entgleifte und stürzte mit dem Tender, dem Gepädwagen gleift. Durch den ausftrömenden Dampf der Lokomotive und einem Personenwagen die vier Meter hohe Böschung hinab. wurden drei Personen getötet und 15 leichter verletzt. Der vordere Teil des zweiten Wagens wurde eingedrüdt, während

Zehntausende von Bewohnern des Berliner Nordens erfreuen sich bei der herrschenden Sommerglut einer Anlage, die erst neuerdings zu einer Erholungsstätte für das arbeitende Volk ausgestaltet wurde. Der Plötzensee ist von der Umzäunung, die ihn von der Umgebung absperrte, befreit und dient heute mit seinem malerischen Ufer und seinem großen Freibad einem schönen Erholungsplatz, wie er inmitten der Stadt leider nur noch selten zu finden ist. Die Ausgestaltung der Anlage ist ein Werk des unter sozialdemo­kratischer Führung stehenden Be­zirksamts Wedding.

der Speisewagen und die restlichen vier Bagen auf den Schienen stehen blieben. Eine durch den Unfall losgeriffene Schiene durch­ftieß den Heizkeffel der Maschine. Durch den ausströmenden Dampf wurde ein fiebenjähriger Schüler aus Paris , der sich in eine Ferien­tolonie begeben wollte, der Heizer und eine Reifende verbrüht. Alle drei find gefforben. Die 15 Berlegten, in der Mehrzahl Amerikaner. Engländer und Schweizer , find außer Gefahr.