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BERLIN Dienstag 14. August 1928

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Der Abend

Erscheint täglich außer Sonntag& Sugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenftr.3

10 Pf.

Nr. 382

B 189

45. Jahrgang.

" anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile

Spätausgabe des Vorwärts

80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dinhoff 292 bis 297

Der Riefenbrand im Hafen.

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5 Arbeiter vom Gerüst geschleudert.- 2 Millionen Mark Schaden.

Das Großfeuer in der kanalstraße in Wilhelms­ burg bei Hamburg fonnte nach äußerster Anstrengung der zahlreichen Feuerwehrzüge heute morgen endlich gelöscht werden.

Gegen 9 Uhr waren die in der Nähe des brennenden Schuppens liegenden Gebäude in der größten Gefahr, da fortgesetzt neue Er­plosionen erfolgen. Die Veringstraße mußte abgesperrt werden. Auch die Straßenbahn hat dort ihren Betrieb ein­stellen müssen. Die Nachricht, daß sich in dem brennenden Gebäude auch zetylen befindet, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Fünf Arbeiter, die von einem Gerüst aus dem Brand zusehen wollten, wurden durch den großen Luftdrud herunterge fchleudert, haben aber teine nennenswerten Berlegungen da­vongetragen. Der Schaden wird auf etwa zwei Millionen Reichsmart geschätzt.

Die Bermutung, daß Brandstiftung vorliegt, wird ver­stärkt durch die Tatsache, daß an der gleichen Stelle bereits por einigen Tagen ein Feuer ausgebrochen war. In der Nähe der Brandstelle fand man abgebrannte Streichhölzer, somie Zigaretten. Ob vorfägliche oder fahrlässige Brandstiftung vorliegt, ließ sich noch nicht ermitteln.

Der Umfang des Schadens.

Harburg , 14. August.( Eigenbericht.)

In dem vollständig ausgebrannten 2agerschuppen be fanden sich 10 Ballen Schafwolle von der Hamburger Woll. tämmerei, 100 Tonnen Mangrove- Mimosarinde, 200 Tennen Roteifenstein, 200 Tonnen Kleie, 100 Tommen Ton und 100 Faß 3infogŋd, 200 Kolli Sperrholz, 100 Tonnen 3udertuchen, 5 Trattoren und außerdem einige Landtraktoren in Kisten verpackt, 400 Tonnen Quebracho­egtratt und 600 Flaschen Ammoniat. Das Baumwollager in unmittelbarer Nähe des Schuppens blieb unversehrt, ebenso die Holz und Terpentinmengen, die noch von einem englischen Dampfer dort lagerten.

3mei Hamburger Löschdampfer beteiligten sich an den Arbeiten zur Bekämpfung des Brandes. Der sozialdemokratische Polizeipräsident von Harburg erschien furz nach Ausbruch des Feuers an der Brandstelle und blieb bis in die Morgenstunden, um persönlich die erforderlichen Maßnahmen anzuordnen. Die 3n­anspruchnahme der Hamburger Feuerwehr erwies sich nicht als not­wendig. Es gelang den Harburger Wehren, ohne die Hilfe der Nachbarstadt anzurufen, des Feuers Herr zu werden.

Die polizeilichen Nachforschungen über die Ursache des Riesenbrandes sind im Gange.

Es war angesichts des Brandes, der in fünfzehn Minuten das ganze Lagerhaus ergriffen hatte, abfolut ausgeschlossen, irgendwelche Versuche zu unternehmen, auch nur einen Teil der Warenbestände zu retten. Vielmehr mußte sich die Harburg - Wil­ helmsburger Feuerwehr im Berein mit den Werffeuerwehren und zwei Löschdampfern darauf beschränken, die umliegenden Werte im Wilhelmsburger Stadtteil zu schüßen. Da weiterhin aus dem Am­moniaflager eine Explosion auf die andere folgte, erschien es voll­fommen unmöglich, an das brennende Lagerhaus her anzu

fommen.

Die Behauptungen, die auch in den Hamburger Morgenblättern barüber aufgestellt werden, daß man die Hamburger Feuer mehr nicht gewünscht und nicht zu Hilfe gerufen habe, sind burch die inzwischen erfolgten amtlichen Feststellungen über die Ur­fache und den Verlauf des Brandes völlig entkräftet.

Die Hamburger 3eitungen geben selbst zu, daß es dem aufopferungsvollen Vorgehen der an der Brandstelle tätigen Feuer. wehren durchaus gelungen sei, die Gebäude der Umgebung vor einem Ueberspringen des Feuers zu bewahren. Ebenso werden die von der Polizei getroffenen Schuhmaß nahmen rückhaltslos anerkannt.

Eine Erklärung der Reichsregierung zum Bau des Panzerschiffes A.

Bericht siehe 2. Seite.

Der Massentag des Reichsbanners.

Bei der Verfassungsfeier des Reichbanners in Frankfurt ( Main ) waren Hunderttausende von Republikanern zu gewaltiger Kundgebung vereinigt. Unser Bild zeigt den Reichs­innenminister Severing als Redner vor den Massen.

Die Schießerei um Frau Uhl.

Ein Fliegeroffizier der Revolverschütze.

Die geheimnisvolle Schießerei, die sich vor einiger Zeit in der achten Abendstunde in der Wohnung der Frau Pussy Uhl in der Grunewaldstraße abspielte, scheint jetzt vor der Aufklärung zu stehen.

Eine neue Hitzeperiode? Beständiges Sommerweiter wahrscheinlich.

Nach den früben Tagen der Borwoche ist feit Sonntag Trotz aller polizeilichen Nachforschungen war es bisher nicht wieder eine Besserung der Wetterlage zu verzeichnen. Wenn möglich, den angeblichen Revolverschützen ,, v. Arnim" zu ermitteln. die Ankündigungen der Wettermacher" eintreffen sollten, ist auch Auch Frau Uhl hatte sich bisher geweigert, den Namen des Täters, für die nächste Zeit eine Fortdauer der augenblicklichen Wenn auch nicht gerade tropische der den Matrosen und Borer Hein niederschoß, zu nennen. Aufwärmegrade, wie in den Hundstagen des Monats Juli Witterung wahrscheinlich. seltsame Art ist jetzt der tatsächliche Name des angeblichen v. Arnim erreicht werden, ist immerhin mit Temperaturen zu rechnen, die herausgekommen.

Gestern ging bei der Staatsanwaltschaft II in Berlin eine Strafanzeige des früheren Fliegers Beese ein, die sich gegen den 25jährigen Alfred Hein aus der Grolmannstraße wegen gefähr licher Körperverlegung richtete. Der Antragsteller behauptet, daß Hein von Frau Uhl in ihre Wohnung bestellt worden sei, um ihm, der zu Frau Uhl Beziehungen unterhalten hatte, einen Dentzettel zu verabfolgen. In der Notwehr habe er dann mehrere Schüsse abgegeben, die versehentlich Frau Uhl getroffen hätten. Unaufgeklärt ist noch, wie Beefe in den Besitz der Waffe gekommen ist, die angeblich Frau Uhl gehörte. Der Täter hat durch seinen Rechtsanwalt der Staatsanwaltschaft erklären lassen, daß er zu weiteren Bernehmungen zur Verfügung stehe.

Beese war längere Zeit Fliegeroberleutnant, und seine Schwester Nelly Beese war übrigens die erste weibliche Fliegerin, die dann im Jahre 1925 Selbstmord durch Erschießen verübte. Es ist anzunehmen, daß Beese sich auch bald der Polizei stellen wird.

3 wifchen 25 und 30 Grad liegen.

Im großen und ganzen ist die Wetterlage, wie der amtliche Wetterdienst mitteilt, wenig verändert. Zurzeit liegt über Nordengland und Schottland eine stationäre Depression, die nicht ganz ohne Einfluß auf das Wetter in Mitteleuropa geblieben ist. Randstörungen dieser Depression zogen in gewissen Abständen nach Mitteleuropa und brachten teilweise Bewölkung und einige unbedeutende Regenfälle, wie sie auch am Montag mittag in Berlin zu verzeichnen waren. Die heutige Wetterlage ist so, daß die über Schottland liegende Depression feine Neigung zur Fortbewegung zeigt und sich dabei weiter verflacht.

Heute früh wurden um 8 Uhr 18 Grad im Schatten gemessen. Die höchste Tagestemperatur schwankte zwischen 25 und 26 Grad im Schatten. Am vergangenen Sonntag erreichte das Quecksilber ziemlich 29 Grad.

Die Prognose für morgen lautet: In Berlin heiter und meiter marm, südwestliche Winde. Für Deutschland auch im Süden Aufheiterung, überall mäßig warm.