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BERLIN Freitag 17. Auguft 1928

Der Abend

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Nr. 388

B192

45. Jahrgang.

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Sowjetkrieg in Ostasien !

Mongolische Truppen ziehen an die Grenze der Mandschurei .

Nach einer Meldung aus London berichtet der Korrespondnf der Morning Post" in Charbin : Die Aeußere Sowjet- Mongolei hat dem Staat Barga den krieg erklärt. Ein von Urga , der Hauptstadt der Sowjet"-Mongolei , gefandtes Ultimatum, in dem ein Wiederzufammenschluß verlangt wurde, ist von dem Herr. fcher von Barga , dem Fürsten Guifu, abgelehnt worden. Eine starte Abteilung mongolische rote Kavallerie, die von Ruffen ausgebildet wurde, hat einer Meldung zufolge die Grenze überschrit. fen. Die Chinesen senden in Eile Truppen in der Richtung auf Hailar. Automobile find für militärische Zwede mit Beschlag be­legt worden. Die chinesische Ostbahn und japanische Bergbau- und Holzintereffen find in Mitleidenschaft gezogen. Mongolische rote Kavallerie hat die Stationen Unur und Barim an der chinesischen Ostbahn befeht und die Strede zerstört. Die telegraphische Verbin­dung ist unterbrochen. Transsibirische Expreßzüge find vorsichts­halber in Charbin angehalten worden. Morning Post" bemerkt dazu, diese Bedrohung Bargas werde möglicherweise eine Wirkung auf die anschließende Mandschurei und somit indirekt auf Japan ausüben, das wichtige Intereffen in dieser Provinz habe. Der Sonderberichterstatter des Wolfffchen Bureaus meldet aus Peting noch folgendes: Die mongolifchen Halha- Truppen haben die oftchinesische Eisenbahn etwa 170 kilometer östlich von Hailar besetzt und die Gleise aufgeriffen, so daß der 3 ugvertehr nach Sibirien unterbrochen ist. Die Bahnlinie weftlich von Hai­lar foll ebenfalls befeht worden sein Der Konflikt ist durch die Ab­lehnung des Ultimatums der Halha- Regierung der Aeußeren Mongolei an den Staat Barga entstanden. Die Barga - Mongolen begrüßen angeblich eine Lostrennung von China und eine Bereinigung mit der äußeren Mongolei . In der Nordmandschurei fieht man die Lage als nur vorübergehend und nicht besorgniserregend an und er­wartet das Eingreifen chinesischer Truppen.

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Mitten in das fommunistische Berrätergeschrei in der Panzer­fchiffangelegenheit plagen diese Meldungen von der Kriegs. erflärung der von Somjetrußland abhängigen Aeußeren Mongolei an einen Nachbarstaat. Barga liegt zwischen der Mongolei und der Mandschurei , der Staat untersteht der chinesischen Oberhoheit. Ein Angriff auf Barga muß als Bedrohung der Mandschurei aufgefaßt werden. In der Mandschurei aber freuzen sich die Intereffen Chinas und Japans , so daß es leicht zu einer neuen und schweren friegerischen Berwicklung in Ostasien tommen fann.

Es scheint, als ob Sowjetrußland in Barga ähnliche Methoden anwendet, wie bei dem Ueberfall auf Georgien Auch da­mals hat man behauptet, daß die Bevölkerung die Sowjettruppen mit Begeisterung empfange. Wenn die Machthaber in Moskau wirk lich so friedliebend sind, wie es jetzt auf dem Kongreß der fommu­nistischen Internationale wieder behauptet worden ist, so hätten sie allen Anlaß, ihre Truppen in der Mongolei von friegerischen Aben­teuern zurückzuhalten und nicht noch durch militärische Unterstützung den Ausbruch eines neuen Kriegsbrandes in Ost= afien zu fördern. Aber die tommunistische Theorie, wie sie von den deutschen Agenten Sowjetrußlands verbreitet wird, steht mit der Sowjetpraxis in schreiendem Widerspruch. Doch das ist nicht nur in bezug auf die Sowjet- Mongolei der Fall.

Die Erklärungen der Sowjetbotschaft. Von einem Staat ,, Barga " weiß hierzulande kein Mensch etwas. Wohl aber hieß die Hauptstadt der Aeußeren" Mon golei, die ein selbständiger republikanischer Staat ist. bis vor furzem Urga. Die Innere" Mongolei ist ein Teil des chinesischen Reiches.

Die Botschaft der Sowjet- Union erflärt uns auf Anfrage, von Unruhen in Ostsibirien oder gar von einer Unterbrechung der Eisenbahn nichts zu wissen, nach den letzten Berichten, die ihr zugegangen sind, sei dort alles in normalem Ruhezustand.

Weiter erklärt die Botschaft, daß die Aeußere Mongolei feineswegs zur Sowjet- Union gehöre, sondern nur gegenseitig durch Gesandtschaften freundschaftliche Beziehungen unterhal­ten würden.

Natürlich hat aber der Sowjetgesandte in Urga das ent­scheidende Wort, wie aus verschiedenen Reisemerken, so dem des Amerikaners Chapman Roy hervorgeht, dessen Erpe­dition in der Wüste Gobi Dinosaurier ei er und wertvolle Stelette des ungeheuren Baluchitherienus und urgeschichtlicher Drachen gefunden hat.

Ein Auto zwischen zwei Straßenbahnen.

An der Kreuzung der Charlotten- und Kronenstraße versuchte am Donnerstag eine mit zwei Fahrgästen besetzte Kraftdroschke zwischen zwei aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnen durchzuschlüpfen. Dies gelang nicht mehr, das Auto wurde von beiden Straßenbahnen erfaßt und vollständig zertrümmert, Chauffeur und Insassen wurden verletzt.

Fünf Mordalarme an einem Tage!

Hochbetrieb bei der Berliner Mordkommission.

Am geftrigen Tage wurde die Berliner Mordkommission

in nicht weniger als fünf Fällen alarmiert. Unweit der Charlottenburger Brücke wurde die Leiche einer Frau aus dem Landwehrkanal geborgen. Strangulationsmale am Halse ließen den Verdacht aufkommen, daß die Frau ermordet worden fei. Die Kriminalpolizei ließ durch Kriminalkommissar Salaw die notwendigen Ermittlungen anstellen. Bisher fonnte noch nicht einwandfrei ermittelt werden, ob die unbekannte Frau Selbst­mord verübt hat oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Tote ist etwa 35-40 Jahre alt. Die Wäsche trägt das Mono­gramm 3. K.-

In seiner Wohnung in der Kleinen Markusstraße 4 wurde der 70jährige Rentner Otto Lampe unter verdächtigen Begleit­umständen schwerverlegt aufgefunden. Der Mann wurde in das Krantenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, st ar b. Da der Berstorbene bei seiner Auffindung furze An­deutungen gemacht hatte, daß er überfallen worden sei, wurde die Reservemordtommission von dem Borfall in Kenntnis gesetzt. Bisher fonnte man noch feine Anhaltspunkte gewinnen, die auf ein Berbrechen schließen lassen.

Volksbetrüger vor Gericht. Munitionsunglück in Norwegen .

Berichte 2. Seite.

Der dritte Alarm lief aus der Lehrter Straße 11 im Polizeipräsidium ein. Der 62jährige Schneider Franz Müller war in seinem Schlafzimmer von Angehörigen tot aufgefunden worden. Der hinzugerufene Arzt konnte die Todesursache nicht genau festellen und ließ die Kriminalpolizei benachrichtigen. Nach den bis­herigen Ermittlungen ist M., der bereits mehrere Tage bettlägerig war, wahrscheinlich einem Herzschlag oder Schlaganfall erlegen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht.

Ein weiterer Mordalarm tam aus der Kleinen Post=

traße 8. In seiner Werkstatt war dort der Kürschner Weiß auf dem Fußboden liegend leblos aufgefunden worden. Verschiedene Umstände riefen auch hier den Verdacht hervor, daß W. den Tod von fremder Hand gefunden hatte.

Neben dem Toten wurde eine Mehrladepiftole vorgefunden. Bei der näheren Untersuchung der Leiche wurde ein Schuß festgestellt, der die Lunge getroffen hatte. Es ist sehr wahrschein lich, daß W., der sich in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben soll, Selbstmord verübt hat.

Schließlich fam noch ein Mordalarm aus Kremmen i. d. Mart. Unter frischem Heu versteckt wurde auf dem Heu­boden seines Grundstücks der 33jährige Schlächter Konrad Walter tot aufgefunden. Man war durch einen üblen Geruch auf den Scheunenboden aufmerksam geworden. Als man das Heu beiseite warf, fand mn die stark in Verwesung übergegangene Leiche. Walter wurde bereits seit etwa 8 Tagen von seinen Angehörigen vermißt. Bor drei Jahren hatte er in die Wirtschaft hineinge­heiratet und wohnte mit seiner Frau und den Schwiegereltern auf demselben Gehöft. In legter Zeit sollen die Geschäfte nicht ganz nach Wunsch gegangen sein. Der Zustand der Leiche machte eine