Der Abend™
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45. Jahrgang.
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Paris , 27. Auguft.( Eigenbericht.)
Der deutsche Außenminister ist am Sonntag nachmittag um 3 Uhr in Paris eingetroffen. Die am Bahnhof weilenden Baffanten bereiteten ihm einen überaus herzlichen Empfang. Schon lange vor der Ankunft des Zuges hatte sich vor dem Nordbahnhof eine beträchtliche Menschenmenge angesammelt. Als Stresemann schließlich erschien, brachen fie in Ovationen aus: Vive la Paix"( Es lebe der Friede).„ Bive Stresemann" erfcholl es in tausendftimmigen Rufen, die einige Dutzend meist halbwüchsiger Burschen mit Johlen und Pfeifen vergeblich zu übertönen versuchten.
Der Reichsaußenminister begab sich sofort nach seiner Ankunft zu dem Wohnsitz des Präsidenten der Republit, um sich dort einzufchreiben und fuhr dann zur amerikanischen Botschaft, der Wohnung des Staatssekretärs Kellogg , wo er seine Karte abgab. Um 6 Uhr ftattete Stresemann dem französischen Außenminister einen Bjuch ab, den Briand im Laufe des Abends in der Deutschen Botschaft erwiderte. Am Montag vormittag um 11 Uhr ist eine Zufammenkunft zwischen Stresemann und Poincaré vorgesehen. Abends beabsichtigt der Reichsaußenminister bereits die Rückreise nach Deutschland anzutreten und fich zur Kur nach Baden- Baden zu begeben. Stresemann hat mit Rüdficht auf seinen Gesundheitszustand die Teilnahme an allen Pariser Festlichkeiten abgesagt. Er wird nur nach der Unterzeichnung des Pattes auf dem im Außenministerium von Briand gegebenen Diner zugegen sein.
Für die deutsch - französische Verständigung! Den französischen Journalisten übermittelte Strefemann eine schriftliche Erklärung, in der es heißt: Das deutsche Volk hat den festen Willen, an der Verwirklichung jener Welt, in der Kriege nicht mehr existieren, mitzuarbeiten. Es ist ein wichtiges Faktum, daß gerade der Abschluß eines entsprechenden Baktes einen deutschen Außenminister seit langer Zeit wieder nach Paris führt. Bir wiffen alle, daß seit Locarno gewisse Schwierigkeiten immer noch die Ausdehnung der deutsch - französischen Be. ziehungen ein Hindernis bilden, aber wir wissen auch, daß diese Hindernisse nicht derartig sind, daß sie die Politik der verantwortlichen Staatsmänner aufhalten fönnen. Sie fönnen beseitigt werden, und folglich müffen sie beseitigt werden. Ich wäre glücklich, wenn die Unterzeichnung des neuen Pattes die Verwirt. lichung eines neuen Fortschrittes in dieser Hinsicht gestattet."
Die Pariser Presse aller Richtungen bezeichnet die Ovationen bei dem Empfang als bedeutsame Rundgebung für den Frieden. Der sozialistische ,, Populaire" schließt seine Betrachtung über den Empfang mit den Worten: ,, Unterzeichnet heute den Kriegs. ächtungspatt und rüstet morgen ab in Genf !"
Der Empfang Stresemanns durch Briand war nur ein Höflich lichkeitsatt. Die Rechtspresse schreibt, daß Stresemann zur Erörte rung der zwischen Frankreich und Deutschland schwebenden Probleme nicht den geringsten Versuch gemacht habe.
Paris , 27. Auguft. Dr. Stresemann verließ furz vor 11 Uhr im Kraftwagen die deutsche Botschaft, um dem Ministerpräsidenten Poincaré programmäßig vorgesehenen Besuch abzustatten. Wiederum hatten fich vor dem Ministerium zahlreiche Zuschauer eingefunden, die dem deutschen Minister ihre Sympathie bekundeten
Als Stresemann vor dem Louvrepalast vorfuhr, verließ der belgische Außenminister Hymans das Gebäude, der gleichfalls Poincaré einen Besuch abgestattet hatte. Die Unterredung zwischen Stresemann und Poincaré , die um 10,50 Uhr begann, dauerte einundeine halbe Stunde. Der Unterhaltung wohnten die Dolmetscher des Reichsaußenministers und des französischen Auswärtigen Amtes bei. Vor dem Finanzministerium hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die Dr. Stresemann bei seiner Ankunft und Abfahrt lebhaft begrüßte.
Auch vor dem Außenministerium hatten sich zahlreiche Personen eingefunden, die Dr. Stresemann bei seiner Ankunft mit den Rufen: Vive l'Allemagne" und" Vive la Paix" begrüßten. Als Dr. Strefemann das Ministerium verließ, wurde er wiederum, wie auch vor dem Gebäude der deutschen Botschaft, außerordentlich leb haft und freundlich von der Menge begrüßt.
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Weitere Berichte siehe 2. Seite)
Der Empfang am Bahnhof.
SORTIE
Reichsaußenminister Dr. Stresemann wurde bei seiner Ankunft in Paris ein begeisterter Empfang zuteil. Die viellausendköpfige Menge brachte Hochrufe auf Deutschland und den Frieden aus.
Das Fest der Gewerkschaften.
Fest der Arbeit, Fest der Erholung! Das war das Zeichen, unter dem das Große Sommerfest der Freien Gewerkschaften, des ADGB . und der AfA stand. Es war fein rauschender Trubel, es herrschte kein Lugus wertvoller Kleider, fein Schlemmen und Prunken, aber es war eine einzige große frohgestimmte Familie, die sich, Taufende von Mitgliedern start, in Treptow eingefunden hatte. Schade nur, daß diese einheitliche Stimmung zuweilen durch fommunistische Entgleisungen gftört wurde!
Es war ein herrliches Bild: Das prächtige Sommerwetter, auf dem Wasser die unzähligen Boote, zum Teil geschmückt mit roten oder schwarzrotgoldenen Fahnen, die von einer frohen Menge durch wogten Gärten, die Kinder, die sich ausgelassen auf den Plägen tollten! Ganz Treptow war eine einzige Feierstätte. In den Straßen herrschte das gleiche Gedränge wie in den Gärten. Nur fchwer gelingt es, in die einzelnen Lokale einzudringen. Jin Restaurant Knappe hatten sich die Gemeinde- und Staatsarbeiter versamnielt. Auf der Bühne fonzertierte der Musikerverband in einem Fahnenwald der verschiedensten Banner. Die Settionen der Straßenbahner, der Arbeiter in den städtischen Gaswerken und die Parteiabteilungen der Sozialdemokratie waren mit ihren Bannern anmarschiert. Im Spreegarten war das Gedränge besonders groß. Dort waren der Deutsche Metallarbeiter verbond, der Zentralverband der Maschinisten und Heizer, der Verband der Kupferschmiede und der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband. Der große Garten war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Kommunisten graubten dort einen günstigen Boden für ihre Hetze gegen die Sozialdemokratie zu haben. In einem Winkel des Gartens, umgeben von 200 mild heulenden RFB.- Leuten, spielten sie ,, Kabarett". In der
Autounglück in Lichterfelde . Der Mord im Schlächterladen. Bluttat im deutschen Osten.
Berichte 2. Seite.
Sonnenwende feierten die Mitglieder des Deutschen Bau gewerksbundes und des Verbandes der Maler. 31 großen Abteigarten waren die Afa, die Verbände der deutschen Buch brucer, der Buchbinder, der graphischn Hilfsarbeiter und der Litho graphen versammelt. Ein buntes Leben und Treiben! Die„ Type graphia" und der Musikerverband wetteiferten, die Gäste zu unter halten. Der Landarbeiterverband und der Nahrungs
mittel- und Getränkearbeiterverband hatten ihr Mitglieder im Paradiesgarten versammelt. Ein luftige Leben herrschte in dem Großen und Alten Eierhaus; dort waren de Deutsche Verkehrsbund und der Deutsche Holz arbeiterverband mit ihren Anhängern beisammen. Der Eir heitsverband der Eisenbahner wies eine ausgezeichnete Br teiligung auf.
Das große Feuerwerk.
Das Hin und Her auf der großen Abteibrüde, w Tausende promenieren, um einen allgemeinen Ueberblick des ganze großen Festes zu gewinnen, wird gegen 9 Uhr abends unter brochen. Ruhig und liebenswürdig, ohne Schärfe, unterbinde die Beamten den Verkehr zur Abteibrücke. Die Feuerwerte finden sich ein und hantieren an ihren aufgestellten Gerätschafter Auf dem Wasser räumt ein Polizeiboot auf, die Paddler müffe weichen. Drei große Zillen gleiten gespenstisch, bestückt mit mer! würdigen Stangen, heran. Eine halbe Stunde müssen sich die Zehr tausende von Zuschauern noch gedulden, dann kündet ein Böller schuß den Beginn des Feuerwerks an. Schon sprühen auf de Schiffen und auf der Brücke Raketen ihr buntes Feuer empor. Gold regen rieselt ins Wasser, Leuchtbomben krachen. Auf der Brüd leuchtet in glühenden Buchstaben in all dem Krachen der Satz:„ Bet bunden sind die Schwachen mächtig". Aus allen Winkeln der lange Ufer flingt begeistertes Händeflatschen über das Wasser. Als Schlu leuchtet die übermannshohe Figur eines Arbeiters auf. Darunter di Mahnung: Abonniert den Vorwärts", auf der anderen Seite for dern flammende Leuchtbuchstaben: Werdet Mitglieder der SPE Wieder ertönt reicher Beifall,