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BERLIN Montag,

3. September

1928

dis

Der Abend

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Nr. 416

B 206 45. Jahrgang.

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Gispad

Gewerkschaftskongreß eröffnet.

Wissell fündet ein neues Arbeitsrecht an.

Hamburg , 3. September. ( Eigenbericht.) Der neu hergerichtete Saal des Hamburger Gewerf­schaftshauses faßte faum die Zahl der Delegierten und Gäste, die zum Gewerkschaftskongreß erschienen sind. Die Tribünen sind voll besetzt, die Bühne schmückt die Büste Carl Legiens. Um 9% Uhr tritt der Bundesausschuß zu einer Sigung zu­sammen. Leipart verkündet eine Viertelstunde später den Beschluß, die Ausweisung der tommunistischen Pressevertreter als Antwort auf den vorbereite= ten Anschlag gegen die Kundgebung der Gewerkschafts­jugend am Sonnabend. Unter dem Beifall des Kongresses sprach Leipart seine Abscheu aus über den wohlvorbereitz­ten Ueberfell der Kommunisten auf die Gewerkschaftsjugend, die mit Messerstichen trattiert wurde. Den An­gehörigen der verwundeten Jugendlichen spricht Leipart namens des Kongresses sein Bedauern aus und die Bereitwilligkeit, zur Wiederherstellung der Gesundheit der verlegten Jugendlichen beizutragen. Den Jugendlichen, die nach Hamburg tamen, um ihre gewerkschaftliche Treue zu befunden, sagt Leipart herzlichen Dank.

Nach der Begrüßung der Delegierten und Gäste gedenkt Leipart der Toten, die die Bewegung beklagt: Silber­schmidt, Sillier, Räppler, Segiz und all der anderen. Bebels Worte von der Waffenschmiede der Ham­burger Arbeiter haben sich erfüllt. Wir haben neue Waffen geschmiedet und unseren Kampf mit gutem Erfolge weiter­geführt. Den Arbeitern in der Herrenkonfektion, wo das alte Elend, wenn auch gemildert, fortbesteht, wo die Ver­faufspreise verdreifacht sind, die Löhne aber noch nicht den Friedensstand erreicht haben, legt Leipart nahe, den Kampf bis auf die Spize zu treiben. Leipart zieht dann eine Parallele zwischen dem Kongreß vor zwanzig Jah­ren in Hamburg und dem jezigen Rongreß: damals 1,8 Millionen Mitglieder, jezt 4,1 Millionen. Er gibt einen furzen Ausschnitt aus der Geschichte der Arbeiter und Ge­werkschaftsbewegung, um dann zu den gewerkschaftlichen Aufgaben der Gegenwart überzuleiten.

Großer Beifall folgte Leiparts Rede, worauf John Ehrenteit vom Drtsausschuß des ADGB . den Reigen der Begrüßungsansprachen eröffnete. Die Ausführungen Wis= sells wurden mit besonderem Interesse aufgenommen, eben­

Th. Leipart,

der Führer des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes .

so die Begrüßungsansprache des Reichswirtschaftsministers Curtius. Bundesvorsitzender Graßmann dankte den beiden Ministern, worauf Saffenbach die Grüße der Amsterdamer Internationale überbringt.

( Rede Wisfells fiehe 2. Seite.)

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Werbung für die Volksbühne.

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VOLKSEN

Die Volksbühne E. V. veranstalte am Sonnabend einen eindrucksvollen Werbeumzug mit nachfolgendem Volksfest. Unser Bild zeigt Ausschnitte aus dem Zuge.

Die Grönlandflieger gerettet!

Nach vierzehntägiger Wanderung.

Die schwedischen Flieger Hassel und Kramer, die Mitte August zum Fluge von Amerika nach Schweden mit einer Zwischenlandung in Grönland starteten und seitdem verschollen waren, sind, wie aus Mount Evans auf Grönland gemeldet wird, gerettet worden.

Nach einer zweiwöchigen außerordentlich be schwerlichen Wanderung durch die Eis. wüste wurden sie von der Hobbs- Expedi tion gesichtet und geborgen. Die Hobbs. Expedition war durch Eskimos auf die Rauch signale der beiden Flieger aufmerksam gemacht worden.

Beide sind wohl auf. Sie wurden mit einem Motorboot von Hobbs nach Mount Evans gebracht.

Wie aus Mount Evans weiter gemeldet wird, teilten Haffel und Kramer nach ihrer Rettung mit, daß sie infolge Brenn­stoffmangels über Suffertoppes auf dem Wege nach Mount Evans notlanden mußten. Während ihres Aufenthalts in der Eiswüfte hätten sie sich von getrodnetem Fleisch ernährt.

Auch der zweite Schwimmer gefunden?

Kurz vor Redaktionsschluß wird aus Oslo gedrahtet: Ja Tromsö find Gerüchte im Umlauf, daß auch der 3 weite Schwimmer der Cath am" gefunden worden ist. Tatsache ift, daß die Mannschaft eines Seglers erzählte, fie habe in der Nähe der Stelle, an der schon der eine Schwimmer gefunden wurde, einen Gegenstand beobachtet, der wie ein Schwimmer aussah, aber fie hätten ihn nicht an Bord genommen, da sie ihn für be­deutungslos hielten.

Die Untersuchung gegen Stinnes. Vorwürfe gegen Reichskommissar Heinzmann.

Wie wir erfahren, hat nunmehr das Reichsfinanzministe­rium der Staatsanwaltschaft Material zur Verfügung gestellt, um die Vorwürfe, die Hugo Stinnes gegen den Reichs­tommissar Dr. Heinzmann im Zusammenhang mit dem Expreffungsversuch des ehemaligen französischen Parlamen­tariers Calmon erhoben hat, aufzuklären.

Die Staatsanwaltschaft wird nunmehr die Untersuchung auch auf diese Dinge ausdehnen, und es wird sich zeigen, ob Calmon wirklich in der Lage gewesen wäre, dant seiner Beziehungen zu deutschen Amtsstellen, das gegen Hugo Stinnes schwebende Verfahren zur Einstellung zu bringen, wie er sich anheischig gemacht hatte. Am heutigen Montag fanden in Moabit wiederum wichtige 3eugenvernehmungen statt, und zwar wurden Angestellte der Berliner Stinnese Filiale sowie andere Persönlih. teiten, die über die Kriegsanleihegeschäfte irgendwie informiert waren, gehört. Die Verteidigung rechnet damit, daß Anfang dieser Woche bereits Hugo Stinnes noch einmal abschließend ver nommen werden wird, und man will dann den Haftprü­fungstermin beantragen, der sicherlich ebenfalls noch im Laufe dieser Woche stattfinden wird.

Hungerstreit der Politischen . Gefängnisunruhen in Polen .

Bor furzer Zeit ist der polnische tommunistische Abgeordnete Lancudi auf Grund der Amnestie freigelassen, bald darauf aber in Warschau wieder festgenommen worden. Dagegen veranstalteten die politischen Gefangenen eine Manifestation, die sich zu einer Re volte auswuchs. Die Manifestanten wurden mit Bertürzung des täglichen Spazierganges bestraft. Das führte zu neuen Tumulten, deren Anstifter Duntelarrest erhielt. Da die Unzufriedenheit

Die französische Flugkatastrophe. der Gefangenen fich immer wieder äußerte, ließ der Juſtizminifter

Der Tod Amundsens .

Berichte 2. und 3. Seite.

26 Gefangene in ein Bosener Gefängnis überführen. Beim Ab­transport leisteten die Gefangenen so heftigen Widerstand. daß sie gefesselt wurden. Die übrigen Gefangenen sind in den Hungerstreit getreten.