Mittwoch,
19. September
#Der Abend
1928
Erfcheint tåg lich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3
Spalausgabe des„ Vorwärts"
10 Pf.
Nr. 444
B 220 45. Jahrgang.
Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezcile 80 Bf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voffcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297
Einheitsfront für Wohnungsnot!
Warum Rechtsparteiler und Kommunisten Wohnungsbau verhindern
Der fleine Mann braucht fein Bad!"
Das Unglaubliche ist geschehen. Im Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben am gestrigen Dienstag die kommunistischen Vertreter Arm in Arm mit Deutschnationalen und Boltsparteilern eine Vorlage des Magistrats, die den sofortigen Bau von weiteren 2080 Kleinwohnungen vorficht, abgelehnt. Trog dringender Befürwortung durch den sozialdemokratischen Berichterstatter und der übrigen sozialdemokratischen Mitglieder des Haushaltsausschusses.
Warum stimmte die Rechte mit den Kommunisten gemeinsam gegen die Vorlage und damit gegen die Absicht des Magistrats, neben den für 1928 bereits beschlossenen 24 000 Wohnungen aus Hauszinssteuermitteln erstmalig weitere zirfa 2000 lein= mohnungen aus städtischen Mitteln durch städtische Baugesellschaften sofort errichten zu lassen?
Die Deutschnationalen, weil die in der Borlage vorgesehenen Kleinstwohnungen zu luguriös" seien, weil jede Wohnung einBad habe und der fleine Mann"( fo fagte der deutschnationale Stadtperordnete Dr. Steiniger wörtlich) kein Bad brauche, man solle nur große Wohnungen mit Bad und sonstigen Bequemlichteiten ausstatten. Er und seine deutschnationalen Parteifreunde ver frochen sich hinter die angeblich unsichere" Deckung der 15- Millionen- Borlage trog mehrmaliger Erflärungen des Stadttämmerers, nur um einen Grund zur Ablehnung zu haben. Nur ja nicht einem sozialdemokratischen Wohnungsdezernenten den Triumph gönnen, der gräßlichen Wohnungsnot in Berlin erfolgreich zu begegnen mit Hilfe diefer Wohnungsvorlage und weiterer von ihm im Ausschuß für die allernächste Zeit angefündigten größeren Projekte zum zusätzlichen Wohnungsbau.
Bolfspartei will privat" bauen!
-
Den Deutschnationalen treu zur Seite standen die Vertreter der Deutschen Volkspartei ganz unter dem Einf'uß des im Haushaltsausschuß anwesenden Baurats a. D. Herrn Dr. Beuster, der natürlich fein Interesse als privater Bauunternehmer daran hat, daß mit städtischen Mitteln durch städtische Baugesellschaften Wohnungen gebaut werden. Hier ist der große Profit in Gefahr, darum in die Wolfsschlucht mit dem Projekt. Laßt Herrn Beufter Woh nungen bauen, dann stimmt die Volkspartei zu.
-
Und dann die Kommunisten...
-
die Kommu Und die Vertreter der ,, einzigen Arbeiterpartei" nisten? Nieder mit den Sozialdemokraten! Nieder mit deren. guten Absichten! Jede Gelegenheit zu benutzen, um dem Wohnungselend zu Leibe zu gehen. Die Rote Fahne " schreit heute morgen: „ Die SPD. stabilisiert das Wohnungselend! Und die KPD. - Vertreter lehnen das brauchbare Wohnungsprojekt des magistrats in der gestrigen Sitzung dees Haushaltsausschusses ebenfalls ab. wollen keine Kleinstwohnungen," sagt ihr Redner im Ausschuß, Herr Leh. Dabei hat er, und seine Freunde ,, pergeffen", daß die Kommunisten im vorigen Jahre mit der Sozialdemokratie im Roten Hause gemeinsam gegen das große Bewoag- Projekt stimmten, hauptsächlich, weil darin feine Kleinstwohnungen vorgesehen waren schadet nichts. ,, Nieder mit den Sozialdemokraten
-
-
ir
Verräter!" Die ,, Rote Fahne " spricht heute auch davon, daß die KPD. - Vertreter das neue Wohnungsbauprojekt im Ausschuß abgelehnt haben, weil die Mieten zu hoch seien, weil die Miete für Stube und Küche 50 M. pro Monat foste". Auch hierbei einige„ Bersehen". Diese Art Kleinstwohnungen umfassen Stube, Kammer, Küche, Bad. Kein Mensch denkt an den Bau von Stube und Küche. Auch die Vorlage sagt nichts davon. Schadet nichts, Kommunisten lieben die Wahrheit. Nieder mit den Sozialdemokraten." Das ist tommunistische Politik, blizlichtartig dargestellt. Das ist das wahre Gesicht der Rommunisten. Keine Politik, die den merktätigen Mossen zugute kommt.
-
Des neuen Zeppelin Probefahrt.
Das neue Zeppelin- Luftschiff hat gestern seinen ersten Probeflug über den Bodensee mit Erfolg bestanden. Unsere Bilder zeigen links das Riesenschiff, wie es aus der Halle transportiert wird, reclls in einer besonders reizvollen Stellung auf dem Vorplatz der Halle.
" Petit Parifien" veröffentlicht einen Artikel des Ministerialdirektors a. D. Seydour über die Schulden- und Reparationsregelung. Seydoux erklärt, die endgültige Regelung der Reparationsfrage werde gewiß eine kürzung der von der Reparations fommiffion festgesetzten 132 Milliarden Schulden Deutschlands um etwa drei Viertel mit sich bringen, selbst wenn Deutschland den Alliierten jährlich 2½ Milliarden Goldmark bezahle, so lange diese an Amerika zur Regelung ihrer eigenen Schulden Zahlungen leisten.
Diese Regelung würde Frankreich einen Ueberschuß von 480 bis 500 Millionen Goldmark jährlich lassen, was etwa die Hälfte der Zinsen für die durch den Wiederaufbau gemachten Ausgaben decke. Unter diese Summe könnte Frankreich nicht heruntergehen. Wenn die Amerikaner ihrerseits ein Opfer brächten und den Betrag der französischen Schulden bei den Bereinigten Staaten her. absetzten, könne Frankreich von Deutschland weniger fordern, aber der Ueberschuß zwischen den zu erhaltenden Reparationsjummen und den zu zahlenden Schuldenbeträgen müsse der gleiche bleiben. Schließlich beschäftigt sich Sendour mit der Frage der Räumung. Er erklärt, die Arbeiten des geplanten Finanzsachverständigenaus
schusses würden nicht so bald zu Ende gehen, aber darauf fomme es wenig an, wenn Deutschland feste Verpflichtungen übernehme und wenn die endgültigen Ziffern festgelegt seien. Es sei niemals ch behauptet worden, daß die Räumung erst erfolgen fönne, na dy dem Deutschland seine gesamte Schuld bezahlt habe.
Amerifa will beobachten.
jeder Konferenz entfenden, die die endgültige Regelung der Repa
Washington, 19. September. Nach Aeußerungen des Staatsdepartements hat sich die Politif Auf diese Weise fonnte feine Mehrheit im Haushaltsausschuß der Regierung der Bereinigten Staaten, die Frage der interfür die Magistratsvorlage zustande kommen und alle Bemühungen alliierten Kriegsschulden und die der Reparationen voneinander der Sozialdemokratie wurden wieder einmal durch die Extreme getrennt zu halten, nicht geändert. Die Washingtoner Regierung Rechts und Links- zunichte gemacht. Die alte traurige Wahrheit, daß werde, wie man allgemein annehme, einen Beobachter zu die Gegensätze sich sehr oft berühren, ist hier wieder zur Tatsache geworden. Immer wieder werden die„ radikalen" Tendenzen der Kommunisten dazu beitragen, daß die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verraten werden. Um„ Gründe" werden die Revolutionäre von Moskaus Gnaden ja nicht verlegen sein. Schwindeln haben fie ja durch jahrelange Uebung gelernt. Wohnungen sollten gebaut werden! Die Sozialdemokratie fezte sich mit aller Kraft dafür ein. Daher muß die KPD. das Projekt ablehnen, mag die Bevölkerung auch weiter leiden.
Reinemachen im Arbeitersport. Wieder ein Avusunglück.
Berichte 2. Seite.
rationsfrage zum Ziele habe, aber dieser Vertreter würde zweifellos Beifung erhalten, sich stillschweigend zu verhalten, sobald sich die Verhandlungen gefährlichen Punkten" näherten. Der Beobachter würde also vergleichsweise die gleiche Stellung einnehmen wie Kellogg als amerikanischer Botschafter in England während der Verhandlungen über den Dames- Plan.
„ Graf Zeppelin " wieder startbereit.
Morgen erste Deutschlandfahrt.
Friedrichshafen , 19. September.! Der Graf Zeppelin " wird bereits wieder startbereit gemacht. Die Werft ist dabei, die Verbesserungen auszuführen, die die gestrige Werkstättenfahrt als wünschenswert gezeigt hat. Es handelt sich aber nur um Kleinigkeiten, die systematisch durchgearbeitet werden sollen. Das Luftschiff wird morgen früh vorausfichtlich zwischen 7 und 8 Uhr wieder aufsteigen, und zwar diesmal zu der ersten gewissermaßen öffentlichen Fahrt mit Gästen an Bord. Auch diese Fahrt wird mit Benzin durchgeführt. Die Fahrt dürfte bis zum Nachmittag dauern.
AMERIKA O
PA
REICHSMARK 2
AMERIKA
REICHSMARK
Luftpostmarken für den Zeppelin.
Aus Anlaß der bevorstehenden Amerikafahrten des Luftschiffes ,, Graf Zeppelin"( L. Z. 127) sind besondere Luftpostmarken zu 2 und 4 M. herausgegeben worden. Mit dem Verkauf wird am 20. September begonnen. Die Postanstalten nehmen schon jetzt Bestel[ ungen entgegen. Die Gesamtgebühr für eine mit dem Luftschiff zu befördernde Postkarte ist auf 2 M., für einen gewöhnlichen Brief bis 20 g auf 4 M. festgesetzt.