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Morgenausgabe

Rr. 475

A 241

45.Jahrgang

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Der Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der bend", Jllustrierte Beilagen Bolk und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen, Frauen. Stimme", Technit"," Blid in die Bücherwelt und Jugend- Borwärts

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

fa: 300

Sonntag

7. Oftober 1928

Groß- Berlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf.

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Kommunistischer Banditenstreich

Genoffe Wolfgang Schwarz im Auto entführt und mit vorgehaltenen Revolvern Inzwischen im Rundfunk fommunistischer Propagandavorirag! Landtagsabgeordneter Schulz- Neukölln Mittäter und Redner.

bedroht.-

Ein ungewöhnlich dreiffer fommunistischer Banditenstreich wurde gestern abend gegen unseren Redaktionsfollegen Genoffen 2o1f­gang Schwarz verübt.

3m Berliner Rundfunk sollte laut Programm und Ber­einbarung am Sonnabendabend in der achten Stunde der Vor­wärts"-Redakteur Wolfgang Schwarz einen Vortrag über Friedensficherung halten. Zahlreiche Berliner Rundfunkhörer waren grenzenlos erstaunt, als dieser Bortrag nach wenigen einleitenden Worten sich als eine propagandarede für das tom­munistische Boltsbegehren und als eine Agitationsrede gegen die Sozialdemokratie und für Sowjetrußland erwies. Es ift bisher unaufgeklärt, wie die mit der Ueberwachung der Bor­träge beauftragten Beamten des Berliner Rundfunks, denen doch das Manuskript jedes Bortrages vorliegt, diefen Mißbrauch zulassen, fonnten. Die Sache selbst hat folgende Auf­flärung gefunden:

Am Sonnabendabend um 27 Uhr wurde Schwarz unter der Firma der Funkstelle angerufen. Es wurde ihm gefagt, es sei ein Auto der Funkstunde gerade in der Nähe seiner Wohnung und würde ihn abholen. Das Auto kam pünktlich; Schwarz flieg ein. Im Auto faßen drei Männer, von denen der eine das Aussehen eines Arbeiters hatte, während die beiden anderen Intellektuelle zu sein schienen. Sie unterhielten sich mit Schwarz über Rundfunk usw. Das Auto schlug zunächst die Richtung zum Potsdamer Play, also zur Sendestation ein, fuhr jedoch alsbald in rafchem Tempo weiter. Als Schwarz das bemerkte,

30gen die drei Revolver

16 m

ein Fünfte I der Zahl von Eintragungen erreicht, die im gleichen Zeitraum bei dem Volksbegehren für die Fürsten enteignung zu verzeichnen waren. Wir geben die Zahlen wieder: 1. Zag .8013 gegen 36 000 Inde( 2..Zag 9 181 50,000 3. Lag 8535 56 000 Zusammen 25 729 gegen 142 000

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P

Die Kommunisten hatten öffentlich geprahlt, sie würden in Berlin allein 850 000 Unterschriften herausholen, das wäre mehr als die Hälfte der vor zwei Jahren erreichten Zahl ( 1 584 082). Man begreift also die Berzweiflung, die sie padte, als fie angesichts der Zahlen den schmählichen Bu­sammenbruch ihrer Attion vor Augen fahen. Und das war der Stimmungsuntergrund, auf dem der Entschluß zum Aben­feuer reifte.

Ueber den Erfolg werden sich die Kommunisten, wie alle Bankrotteure, die zu leßten Mitteln der Berzweiflung schriften für das kommunistische Boltsbegehren hat von heute greifen, sehr gründlich täuschen. Die Zählung der Unter ab einen anderen Sinn bekommen. Wer sich von heute ab noch einzeichnet, befennt sich damit zu den Methoden eines politischen Banditentums, das mit Ent­führungsszenen und vorgehaltenen Revolvern ar­beitet.

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| Deutschlands im Gegensatz zu anderen Parizien von der Benuizung des Rundfunts ausgeschlossen ist und infolgedessen feine Möglichkeit hatte, den Sender des Rundfunks zur Erläuterung des Bollsbe­gehrens gegen den Panzer? reuzerbau zu benutzen, beschlossen einige Kommunisten, sich auf andere Weise den Zutritt zum Sender zu. verschaffen, indem fie einen Redner des Rundfunks aus Berlin ent­fernten und an seiner Stelle den Generalsekretär des Reichskomitees für das Volksbegehren,

N

Landtagsabgeordneten Schulz- Neukölln sprechen ließen. Ihre Wahl fiel hierbei auf den Redakteur Dr. Wolfgang Schwarz, einen Schüler Hilferdings aus der Borwärts"-Redaktion. Schwarz wurde am Tage vor seinem Bortrage von einer angeblichen Photoagentur angerufen, die ihn aus Anlaß feines. Bortrages um Ueberlassung seines Bides und einiger Zeilen bat, worauf. Schwarz bereitwilligst cinging. Ebenjo bereitwillig nahm er am Abend des Vortrages ein angeblich von der Funtgesellschaft ausgehendes Angebot an, ihn zu feinem Bor­trag per Auto, abzuholen. Das Auto fuhr Scharz jedoch in rend der Generalsekretär des Reichskomitees für das Boltsbegehren die buntle Nacht hinaus und nicht zum Ber- haus, wäh­gegen den Banzerkreuzerbau, Landtagsabgeordneter Schulz- Neukölln, an seiner Stelle ungestört seine Rede hielt.

Der tommunistische Landtagsabgeordnete Schulz- Neu­fölln war also Beteiligter an einem Komplott, das mit ver= brecherischen Mitteln ausgeführt wurde.

Die Frechheit dieses Geständnisses ist übermältigend, desto fauler sind die Ausreden, mit denen es verkleidet wird. Die Kommunisten genießen in vollem Maße die demokrati­schen Freiheiten der Republik , die in Rußland , ihrem Breffefreiheit, Versammlungsfreiheit, das alles steht ihnen unbeschränkt zur Verfügung. Der Rundfunk steht aber feiner Bartei für ihre Propaganda zur Verfügung. Daß er einer Partei, die wie die kommunistische arbeitet, am aller­wenigsten zur Verfügung stehen kann, wird man nach dem neuesten Borkommnis begreifen.

Aber auch wenn die Kommunistische Partei ein Recht hätte, sich benachteiligt zu fühlen, fo hätte sie deswegen doch tein Recht, Menschen zu überfallen und sie mit dem Erschießen zu bedrohen.

Schulz- Neukölln ist ein mit schuldiger an dem ver­

übten Verbrechen. Und das ist Landtagsabgeordneter!

Genoffe Schwarz berichtet:

Eine Bewegung, die mit solchen Mitteln zu wirken ver­sucht, ist zum Absterben verurteilt; thr steht heute schon auf die Stirn geschrieben, daß sie den Glauben an ihren Sieg verloren hat. Sie mag durch ihre tollen Streiche bei den und erklärten ihm, daß ihm nichts geschehen würde, daß fie aber einen Efel, bei den andern Gelächter hervorrufen Versozialistischen Vaterlande", vollkommen unbekannt sind. bei dem geringsten Wiederstand von der Waffe Gebrauch machen trauen wird sie nirgends finden, am allerwenigsten bei den Massen der deutschen Arbeiter. Die deutschen Arbeiter müßten. Sie erklärten ihm weiter, daß fie kommunisten tämpfen einen schweren Kampf um eine beffere Bulunft, und feien und er entführt worden sei, damit an Stelle feines Bortrages es ist ihnen bitter ernst um diesen Kampf. Nimmer werden eine tommunistische Propagandare de gehalten werden fie Jünglinge, deren Phantasie durch die Leftüre schlechter fönne. Das Aute schte ihn dann nach dreiviertelstündiger Fahrt auf Kriminalromane verdorben ist, als ihre Führer betrachten, der Landstraße in der Nähe einer Ortschaft ab. Diese Ortschaft nimmer werden fie als Weltrevolution" betrachten, was doch erwies fich, als Schwarz fie erreicht hatte, als Groß- 3iethen im Kreise nichts anderes mehr ist als ein Gemisch von Hans­Teltow. Schwarz ist unverletzt. Er rief abends gegen 81 Uhr die wursterei und Verbrechertum. Borwärtsredaktion an und berichtete über den Borfall. Soviel über die eine Seite der Sache. Nun zur anderen. An Stelle von Schwarz war in der Sendestelle ein Mann Da ist zunächst festzustellen, daß das Verhalten unseres Rol­erfchienen, der sich für Wolfgang Schwarz ausgab. Er konnte un- legen Wolfgang Schwarz vollkommen einwandfrei war. Daß gehindert seinen Bortrag" halten. Als man ihm nach Schluß und arglos das Auto bestieg, wird keinen wunder nehmen. leines Bortrages wie üblich die Honorarquitiung vorlegte, lehnte Im Auto aber stand er dem auf ihn verübten lleberfall voll­et die Unterzeichnung mit der Begründung ab, er fei nicht fommen wehrlos gegenüber: ein Versuch des Widerstandes Wolfgang Schwarz, sondern habe einen kommunistischen hätte den Erfolg des Verbrechens nicht mehr vereiteln können. ich abgeholt werden könnte. Da der Weg in die Stadt ſehr weit Bortrag halten wollen. Das sei ihm gelungen, und damit ver­abichiedete er fich. Die Polizei ist von diesem Vorfall alsbald in funfs. Wäre auch nur eine Spur von Aufmerksamkeit und ist, nahm ich das Angebot an. Darauf erschin um 7 Uhr ein Kenntnis gefeht worden. Geistesgegenwart vorhanden gewesen, dann hätte der Hand- großer Sechsfiger, der am Seitenfenster ein Schild hatte Geistesgegenwart vorhanden gewesen, dann hätte der Hand- mit der Aufschrift: Gästewagen der Berliner Funiſtunde A.-G." den Berliner Rundfunk, daß er den streich nicht gelingen und der dreiste Komplice der Berbrecher Ein anderes Brivatauto begleitete ten Bägen und blieb dann im Auto nicht ungehindert davonspazieren können. nmittelbar nach dem Bortrag verkündet hat: Der Bortrag des Rundfunks geschehen lassen, hat dem Betrüger noch Gelb fammen mit ihnen tätig gewesen sei. Ich nahm Platz auf dem mich geh ihre Namen zu verstehen waren, ertiärten, daß der Wagen zu­des Herrn Wolfgang Schwarz über Friedensicherung ist dafür angeboten und ihm, nachdem er sich bestiert beendet. Auf Wiederhören um 8 Uhr beim Schauspiel." In der hatte, mit Berbeugungen entlaffen! Danach verlor fie völlig Rückfiz, der eine Insasse rechts neben mir wie sich nachher folgenden Zelf von faft zwanzig Minuten hat der Berliner Rund- den Kopf, und erst auf energische Borstellungen hin entschloß herausstellte, um einen Revolver mit der rechten Hand mir vor­en es nicht für nötig befunden, feinen hörern auch nur eine fie sich, die Rundfunkhörer über den Sachverhalt aufzuklären. literaten mit öftereichischem Afzent, ziemlich große Geſtalt mit Mitteilung über das Borgefallene zu machen. Um Jegt erklärt fie, alle Borkehrungen getroffen zu haben, daß großer Raje, dunklem Haar, bartios, dunklem Anzug, weichem 8 Uhr begann planmäßig das Schauspiel.

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Um 6 Uhr rief in meiner Wohnung die Funkstunde A.-G. an und teilte mit, daß in der Nähe ein Auto zu tun hätte, so daß

halten zu tönnen. Er war der Typ eines Kaffeehaus­

ein ähnlicher Mißbrauch unter allen Umständen verhindert Kragen, ohne Abzeichen. Der zweite war ein junger Mann Anfang wird". Diese Vorkehrungen sind vielleicht nicht einmal fo foder

Typ eines Lehrlings, in hellem Sommer­Bon der Weltrevolution" zum Putsch, vom Putsch zum notwendig, denn Dinge gleich dem gestrigen Ereignis werden mantel. Der Dritte war zunächst nicht zu erkennen, meil er fort­Banditentum, das ist der Weg der Kommunistischen der Rundfunkleitung, passiert sind, der hat sich gründlich gesetzt nur nach vorn fah. Nachher stellte sich heraus, daß er das

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Partei. Bon Korruption zerfressen, durch Intrigen und wechselnde Etti- Befehle durcheinandergehegt, durch den bis­herigen Mißerfolg ihrer Boltsentscheid- Attion zur Verzweif Banditenstreich in Szene gesetzt, der als Reflamestreich wirken lolite, aber bei allen anständig denkenden Menschen nur Ent| rüftung und Verachtung hervorrufen wird. Was den Kommunisten in den ersten Tagen ihres Bolts­begehrens entgegentrat, war nicht mehr und nicht weniger

gewöhnlich nicht wiederholt. Wem fie aber einmal, so wie blamiert!

aufgedunsene Geficht eines seelisch schwer franken Men­schen hatte, der mich dann mit großer Bitterkeit anstarrte. Er

Abg. Schulz- Neukölln, einer der Täter! hatte wäfferige Augen, war im Arbeiteranzug und 22anfel, mit

Die Kommuniften erklären es selbst!

In später Nachtstunde teilt die hugenbergsche Telegraphen Union mit: Bon der Redaktion der Roten Fahne" wird zu dem Borfall in

steifem Hut. Es entwickelte sich ein Gespräch mit dem Literaten, der erzählte, daß er in der Technischen Abteilung der Funkstunde wäre und daß fie Versuche gemacht hätten, aus Flugzeugen Ge­fpräche zu übertragen.

Es war sajwierig, etwas zu sehen, da die Seitenvorhänge ge­schlossen waren. Das Gespräch berührte auch die Vortragsreihe über

als ein völliges Bersagen. In Berlin wurde noch nicht der Funfftunde u. a. mitgeteilt: Nachdem die Kommunistische Partei Brobleme der Friedensficherung", die ich im Berliner Rundfunk

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