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Morgenausgabe

Rr. 479

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45.Jahrgang

33chentlich 85 1. monatlich 3,60 2. Im voraus zahlbar, Boftbezug 4.32 DR. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- pro Monat

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Der Borwärts erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen. ftimme. Tehnit"," Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Mittwoch

10. Oftober 1928

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die etnipaltige Ronpareillezetle 80 Bfennig. Retlame eile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das estger brudte Bort 25 Bfennig( zulässige Tettgebrudte sorte), jebes meitere Wort 12 Bfennig. Steñengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jebes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3. wochentäal, von 8 bis 17 Ubr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin

Vorwärts Verlag G.m. b. H.

Einsturz eines Hochhauses in Prag .

Hundert tote Arbeiter und Passanten unter den Trümmern.

Prag , 9. Oktober.

( Eigenbericht.)

Am Dienstag nachmittag hat sich im Innern der Stadt Prag eine Baukatastrophe von bei ipiellofem Umfang ereignet. Nachmittags gegen 3 Uhr stürzte ein siebenstöckiger Eisen beton Neubau in der Bischofsgasse unter fürch terlicher Detonation ein. Nach den bisherigen Mit teilungen befanden sich zur Zeit der Katastrophe etwa 80 Menschen auf dem fast fertiggestell­ten Bau. Der größte Teil scheint ein Opfer der Katastrophe geworden zu sein. Im Verlauf der ersten Rettungsarbeiten wurden 6 Tote und 12 Schwerverlette aus den Trümmern gezogen. Etwa 40 bis 50 Personen lagen abends noch unter den Trümmern; darunter eine Frau mit Kind und ein Baukutscher mit seinem Gespann. Infanterietruppen, Polizei und Feuerwehr sind an dem schwierigen Rettungswerk beteiligt.

Zehntausende von Menschen strömten bis in die späten Abendstunden in die Umgebung der abgesperr. ten Unglücksstätte.

Die Bevölkerung befindet sich in größter Er­

regung.

Die Ratastrophe.

Das Bauunglüd hat die ganze Stadt in wahnsinnige Erregung Derjeßt. Noch immer weiß man nicht, wie viele Opfer noch unter den Trümmern liegen, deren Wegschaffung mehrere Tage in An­spruch nehmen wird. Es erhält sich die Nachricht, daß an fünfzig Menschen unter, den Schuftmassen begraben sind. Auch nach dem bisher ausgegebenen amtlichen Bericht werden vierzig Menschen ver­mißt, nachdem bereits sechs Tote und zwölf Schwerverletzte geborgen find. Nach den Mitteilungen, die uns ein Fachmann machte, ist die Urjade des Unglüds darin zu suchen, daß der Bau mit unfinniger Haft in die Höhe getrieben wurde. Die auf dem Trümmerfeld gefundenen

Betonblöde fielen auseinander, als ob fie aus getrockneter Erde wären Bährend des Baues wurden bereits alle profeffionellen Arbeiten gemacht. Eine ftatische Kontrolle wird hierzulande überhaupt nicht durchgeführt. Die Bauleitung soll übrigens aus Ersparnisrüdfichten im Keller Sand. gefördert haben, und die dadurch bedingte Erschütte rung des Fundaments mußte mit Notwendigkeit zum Einsturz

führen. Arbeiter erzählen, daß schon seit einigen Tagen Sprünge

in der Dede des Kellers zu sehen waren. Außerdem wurden beim liegt aber in dem

Fehlen einer behördlichen Kontrolle

während des Bauens, die schon seit Tagen Sentungen und Ber schiebungen hätte feststellen müssen. Schuld ist auch das Bauförde rungsgeseh, das staatliche Kredite nur für Bauten gibt, die bis zum Ende dieses Jahres fertiggestellt werden.

Bostscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 8

Maffenfremdes Moskauertum.

+ Sechs Spalten Effi./ Zehn Spalten 3K.- tschechische KP Wir haben leßthin einen Auszug aus dem sechs Zeitungsa spalten langen offenen Tadelbrief des Mostauer Etti" an die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei veröffentlicht. Dazu erhalten wir folgenden erläuternden Bericht unferes Brager Korrespondenten:

strebungen des Gerüfts hatten dem ungeheuren Drud nachgegeben. Etwa 40 Arbeiter, die in den unteren Stockwerken und in den ellerräumen beschäftigt waren, find zweifellos von den zu­fammengebrochenen Betonmaisen erdrückt und er­schlagen worden. Es besteht jedoch wenig Hoffnung, aus den Trümmern noch Lebende zu retten, so daß mit einer Zahl von 40 bis 50 Todesopfern gerechnet werden muß. Unter den Ber­schütteten befinden sich auch der Architekt, der Baumeister fo­wie der Cheffonftruffeur des Baues. Die Ursache der Kata­ftrophe ſteht noch nicht fest.

Lebendig begraben.

An der Unglücksstelle arbeiten in den Abendstunden beim Schein großer. Reflektoren größere Militärabteilungen, darunter ein ganzes Pionierregiment. Man versucht, mit schweren Militärtraktoren die Betontrümmer auseinanderzubringen und mit modernen Schweiß apparaten die Traversen und Eisendrähte zu zerschneiden. Die Schuttmassen werden ununterbrohen mit Lastautos abgefahren. Ueber die Zahl der Opfer der Katastrophe ist man noch immer im Ungewissen.

Es steht fest, daß etwa 80 Mann zurzeit des Unglücks auf dem Bau beschäftigt waren, von denen fich nachträglich nur etwa 30 gemeldet haben. Bis 9 Uhr abends hatte man 12 Tote und etwa 16 Schwer­verlegte aus den Trümmern gezogen. Im Augenblick versucht man, verletzte aus den Trümmern gezogen.

Hundert Todesopfer!

Prag , 9. Oktober. ( EP.)

Um 8 Uhr abends wurde angenommen, daß die 3ahl der Todesopfer bei der Einsturskata. ftrohpe des Geschäftshausneubaucs etwa 100 be. tragen dürfte. Nach einem Bericht des Baubureaus hatten um 2 Uhr nachmittags insgesamt 87 Bau arbeiter die Arbeit angetreten. Außerdem ar­beitete eine größere Anzahl von Monteuren und Installateuren in den Kellerräumen. Um 8 Uhr abends wurden insgesamt 16 Arbeiter, die zum Teil schwer verletzt sind, als gerettet gemeldet. Zehn Tote wurden geborgen. Die übrigen Arbeiter werden ver mißt. Sie scheinen verloren zu sein, da der ganze siebenstöckige Bau, darunter drei Stockwerke unter der Erde, in sich zusammengebrochen ist.

Die tschechische KP. hat vor Jahren schon mit ihrem Umbau nach ,, leninistischen " Grundsägen begonnen, hat ein paarmal triumphierend verkündet, daß dieser Umbau vollendet sei, hat rechte und linte Abweichungen forrigiert, opportunistische und trogliftifche Irrtümer liquidiert und nun muß sie fich vom Erti fagen laffen, daß es oben und unten an bolfchemistischer Selbstkritik mangelt, daß der Umbau in be­deutendem Maße rein formell geblieben ist und die Betriebszellen passip blieben, daß in der Leitung der Kämpfe nach mie Dor fozialdemokratische Methoden vorwiegen und daß die Partei im Kampf gegen Kriegsgefahr und Faschismus passiv blieb; sie hat die Verschärfung der Kiaffengegensäge übersehen und sich schließlich von den Massen vollständig isoliert.

Was hat die Partei getan, jo fragt das Efti, als am 16. Mai in Prag die tschechischen Agrarier demonstrierten? ,, hat sie die Arbeiterklasse zu Gegendemonstrationen auf­gefordert? Hat sie sie aufgefordert, die Agrardemonstration zu vereiteln?... Nein, fie tat nichts Derartiges. Sie be­obachtete pafsio die Vorbereitungen zur Demonstration, als märe sie der Auffassung, daß alle Parteien das gleiche Recht auf Beranstaltungen von Straßendemonstrationen haben. Und das Ekki stellt fest, daß das Proletariat nur zu der einen Auffaffung gelangen fonnte: Die Partei hat sich versteckt!"

Die Kommunisten hätten sich eine flägliche Blamage ge­holt bei dem Bersuch, diese Kundgebung zu vereiteln daß einer solchen Parole noch weniger Arbeiter gefolgt wären als am Roten. Tag", der die größte fommunistische Beran­ftaltung fein. follte, die Prag je gesehen, und bei dem die Kommunisten unsichtbar blieben, weil die Polizei ihnen ihre Rundgebung verboten hatte!

die Kläglichkeit, bie Massenfremdheit und Unentschlossenheit Der Rote Tag"! Ihm widmet, weil er die Ohnmacht, eine besonders ausführliche Betrachtung, wenn auch feine der tschechischen P. vor aller Welt geoffenbart, das Etti liebevolle. Der grundlegende Fehler habe darin bestanden, daß diese gewaltige Maffenaktion von den Wassen isoliert ge= plant und vorbereitet wurde. Die Massen wurden einfach nicht befragt, ob sie zur Aktion bereit seien."

Aber das ist doch alte fommunistische Tradition, die Massen nicht zu fragen, sondern sich ihnen aufzudrängen, die Massen in Streits zu treiben, die die Arbeiter selber Da der Fußgängerverkehr an beiden Seis nicht geplant haben, es ist die Methode, die von den pro­ten des Geschäftshauses sehr groß war und der Bür- letarischen Maffen abgelehnt wird! Und nun auf einmal ein Ladel, weil man eine revolutionäre Massenlundgebung Bau auch ungelernte, billige Arbeiter verwendet. Der Hauptfehler gersteig weit in die Straße hinein verschüttet ist, be- anfünbigte, ohne die Massen zu fragen? Das Etti denkt fürchtet man, daß auch etwa 20 bis 30 Paijan wohl nur an die kommunistischen Barteimitglieder, doch die ten getötet worden sind. Gegen 8 Uhr abends sind schon daran gewöhnt, daß die Führer, die alles verstehen, wurde unter einem Schutthaufen einer Betonsäule fie nicht fragen. Das Effi stellt dann fest, daß die die Leiche einer gutgekleideten Frau hervorgezogen, Parolen zum Roten Tag" ununterbrochen wechselten und die vollständig platt gedrückt war. daß er schließlich halb als Protest gegen das Verbot der Spartakiade, halb als Kampf für die Legalität der Partei aufgefaßt wurde und die Massen sich sagten, das sei nicht ihre Sache, sondern Sache der kommunistischen Partei. Und dann wurde nicht der geringste Versuch zur Durch­führung der Demonstration gemacht, die Arbeiter, die sich auf ben Straßen Prags versammelten, standen wie eine im legten Moment von ihren Führern verlassene Truppe da." unter den 6000 revolutionären Arbeitern, besonders unter den leitenden Funktionären, befanden sich aber keine ge­nügend mutigen Genossen, die die Initiative er griffen und selber die Demonstration begonnen hätten. Sechstaufend das ist schon durch eine Moskauer Brille gesehen. Aber daß sich fein mutiger Mensch unter den Kom­munisten befand, die sich überhaupt auf die Straße gewagt hatten, stimmt. Es haben ja nicht einmal die Führer, die den Auftrag zum Reden hatten, diesem Befehl zu folgen gewagt!

Um 8 Uhr abends hat man den gräßlich verstümmelten Leich­nam einer Frau aus den Trümmern geborgen, die, als sie ihr Kind im Kinderwagen vorüberfuhr, verunglüdte. Das Kind ist noch nicht gefunden worden. Man hat aus den Trümmern auch ein bekleidetes Bein gezogen, ohne daß der Unglüdliche, dem es gehörte, geborgen merden konnte. Ein ungeheurer Kordon von Polizei, Militär und

Gendarmerie sperrt alle Zugänge zur Unglücksstätte ab, in beren Umgebung immer noch ungezählte, tausende Menschen in wahn­finniger Erregung warten. Wie uns mitgeteilt wird, haben sich zur Zeit der Katastrophe

die meisten der im Bau beschäftigten Arbeiter in deffen unterften Teilen und im Keller befunden.

Es ist sehr schroer, zu ihnen zu gelangen, da die ungeheuren Maffen des hohen Baues in Stockhöhe kompakt über dem Erdboden lagern. Es besteht nur ganz wenig Hoffnung, daß von den unter den Trümmern Begrabenen noch einige lebend aufgefunden werden fönnten, zumal die Rettungsarbeiten unter unfäglichen Mühen nur fehr langjam vor sich gehen.

Baumeister und Architekt unter den Toten. Prag , 9. Oftober.

Beim Einsturz des Bureauhaufes der Firma Jadesch wurde die Mehrzahl der dort beschäftigten 80 Arbeiter begraben. Die Folgen des Einsturzes waren furchtbar. Die ganze Bauffelle war fofort in ein unübersehbares Trümmerfeld verwandelt, auf dem getnidie Balten und Betonträger wild durchein. ander lagen. Die gesamte Holzverfchalung und die Einfeher­

Das neue Lettlandparlament. Erhebliche Veränderung.

Riga , 9. Oktober.

Auf Grund der Angaben des Zentralwahlbureaus läßt sich jetzt folgendes vorläufige Ergebnis der Barlamentswahl erkennen: Die nationalen Minderheiten gehen aus dem Wahlkampf besonders erfolgreich hervor. Die deutsche Liste wird im neuen Parlament 6( bisher 5) Abgeordnete haben; die ruffischen Parteien voraussichtlich gleichfalls 6( 5), die Juden 5( 4). Die Polen haben bisher zwei Abgeordnete durchgebracht. Die linten Sozial­demokraten haben es nur auf 26( 31) Size gebracht. Die Partei des früheren Ministerpräsidenten Stujeneet hat ihre vier Mandate verloren. Die fommunistischen Gewerkschaftler erhalten voraussichtlich 5 Mandate( bisher feins), die unabhängigen Sozia listen 2( 1). Bon den großen Parteien des Bürgertums hat der Bouernbund seinen Befizsfand von 16 Sigen gewahrt. Die am Bouernbund feinen Befizffand von 16 Sigen gewahrt. Die am weitesten rechts stehenden Christlichnationalen fonnten 4( 2) Abge ordnete durchbringen.

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Heute fein Amerikaflug!

Sturmgefahr über dem Atlantif.

Der heutige Zeppelinflug ist abgesagt worden. Die Wetterkarten zeigen so starke Stürme über dem Ozean, daß Dr. Edener den Aufstieg verschoben hat. ( Näheres fiehe 1. Bellage.)

Aber was soll nun geschehen, um die ramponierte Partei doch noch zu reparieren? Man muß wieder einmal ,, an die Massen heran" und im engsten Zusammenhang mit der Frage der Leitung von Moffenaktionen soll auch die Frage der Bekämpfung der Sozialdemokratie und der Gegenüber­stellung unserer Linie Der Derräterischen Linie der Reformisten stehen." Wenn man nur schon die richtige Linie hätte, um sie der Sozialdemokratie gegenüberzustellen! Die bisherige mar falsch und doch hat man sie als ,, unsere Linie", als die allein richtige, so laut angepriesen! Wahrscheinlich traut das Etti den alten Führern der tschechischen KP. über­haupt nichts mehr zu. Sie find doch zumeist mit einer sozial demokratischen Vergangenheit belastet, haben es also noch nicht ganz verlernt, die Wirklichkeit zu sehen also müssen neue Führer her: Die Hauptaufgabe für die nächste