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Morgenausgabe

πr. 481

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45.Jahrgang

chentlich 85 Bf monatfi 3,60 D im soraus zahlbar, Bostbezug 4,32. eindl Beftellgeld, Auslandsabonne ment&. pro Monat.

Der Bormarts" erscheint machentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend, Illuftrierte Beilagen Ball und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen".. Frauen Stimme". Techni!"," Blid in dis Bügermell" und Jugend- Borwärts

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Donnerstag 11. Oftober 1928

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die eintpalttge Ronparellezelle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart.. Kleine Anzeigen" bas jettge druckte Wort 25 Pfennig( ulällig zmes fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Steuengesuche das erste Bort 15 Bfennig, tedes meitere ort 10 Biennig. Borte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Morte. Arbeitsmarti Beile 60 Pfennig. Famillenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentäal, von 8 bis 17 Uhr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin

Vorwärts: Verlag G. m. b. H.

Die Opfer von Prag .

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Labours Wahlprogramm.

Der Parteitag von Birmingham .

EW. London, 9. Oktober. Bisher 26 Leichen geborgen.- Noch Lebende unter den Trümmern! Der große Aufmarsch hat begonnen. Die Wahlen selbst Die Zahl der Opfer der Prager Einsturzkata| Rechtsjozialisten beim Kammerpräsidenten wegen fofortiger Mai oder Juni des fommenden Jahres stattfinden; die werden zwar aller menschlichen Voraussicht nach erst im strophe steht immer noch nicht fest. Bis gestern Einberufung des Abgeordnetenhauses vorstellig, damit die Re- großen Umrisse des Wahlkampfes beginnen sich jedoch bereits abend wurden 26 Leichen geborgen; wieviel Opfer gierung eine Erklärung über die Ursache der Bauunfälle, zu zeigen. Es wird sich um ein Ringen der Parteipro­noch unter den Trümmern liegen, läßt sich immer die am Dienstag ihren Gipfel erreicht hätten, forvie über die Gegen- gramme und Regierungsziele, nicht um politische Revolver­maßnahmen der Regierung abgebe. Zugleich fprachen fie die fefte taktik und den Versuch, sie zu parieren, handeln. Erwartung aus, daß die Regierung bereits diese Gelegenheit er­greifen werde, um dem Hause eine entsprechende Gesetzesvor­lage zu unterbreiten. Schließlich stellten sie das Ersuchen, den fozialpolitischen Ausschuß in Permanenz zu erklären. Der Kammer­präsident erklärte, er werde alsbald zu diesem Zweck eine Präfidial. fihung einberufen und von dem Schritt der drei genannten foziali ftischen Klubs auch die Regierung in Kenntnis sehen.

noch nicht überschen.

Der Schutthügel ist eine einzig feste Masse. Wahrscheinlich befinden sich auch noch Lebende unter den Trümmern.

Die Aufräumungsarbeiten werden noch eine Woche in Anspruch nehmen.

Klopfzeichen Ueberlebender.

Um 7 Uhr abends waren die Bürgersteige vor dem eingestürzten Hause zum größten Teil freigemacht. Unter den Trümmern in der Nähe des benachbarten Hauses wurde eine Deffnung entdeckt, durch die ein Arbeiter, der auf dem Bau beschäftigt war und sich bei der Katastrophe retten fonnte, einzudringen versuchte. Der Arbeiter fam zwei Meter tief und zwölf Meter weit. Auf sein klopfen wurde ihm aus dem Innern mit viermal drei Schlägen geantwortet. Es ist demnach anzunehmen, daß sich an dieser Stelle noch einige Bermißte am Leben be­finden. Man versucht nun, von dem Nachbarhause aus einen neuen Jugang zu graben.

Politisches Nachspiel. Sozialdemokraten fordern sofortige Parlamentseinberufung Prag , 10. Oftober.

Mittwochvormillag wurden die Fraktionsführer der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten sowie der tschechischen

Rechtsruck in Lettland . Infolge der Arbeiterzersplitterung.

Riga , 10. Ottober,

Die Zählung der Stimmen von der Parlamentswahl ist abge schlossen. In ganz Lettland wurden rund 935 010 Stimmen abge­geben. Nach einer vorläufigen Berechnung erhalten die Sozial­demokraten 26, die Minderheiten 18( und zwar Deutsche 6, Russen 6, Juden 4, Bofen 2), der Bauernbund 16, die lettgallischen Bauern 9, die bürgerlichen Linfsgruppen ebenfalls 9, die lettifchen Rechtsgruppen 8, die kommunistischen Gewerkschaftler 5, die Jung­wirte 4, die Unabhängigen Sozialisten 3, die Sozialistischen Mini­malisten 2 Mandate bei einer Grenzzahl von 100 Mandaten. Die Sozialdemokratie verliert sieben Sie an die Kommunisten und Un abhängigen, die sich zum ersten Male an der Wahl beteiligten. Die Beitungen sehen voraus, daß eine Mehrheit der Linken unmöglich sei, und erwarten eine bürgerliche Koalition von einer gewissen Stabilität,

Ueberfall auf ein Munitionslager.

Riga , 10. Ottober. Um zweiten Wahltage wurde auf das Munitions- und Baffen­lager des Fliegerregiments ein leberfall versucht, wobei ein zufällig mit einer Wahlurne vorbeifahrender Polizeibeamter getötet murde. Die anfänglich aufgetauchte Vermutung, es habe sich um einen Bersuch gehandelt, das Wahlresultat ungültig zu machen, be­ftätigt sich nicht. Es ist der Polizei bisher nicht gelungen, die Schuldigen zu ermitteln, man vermutet fie als Rommunisten.

Foch blamiert Pilsudsti.

Große Aufregung in Warschau .

Warschau , 10. Oktober. Marschall Foch hat die französische Ausgabe des Buches des ehemaligen polnischen Kriegsministers General Sitoriti über den polnisch- ruffifchen Feldzirg 1920,, An der Weichsel und an der Rra" mit einer Vorrede versehen, in der er u. a. die Tätigkeit der polnischen Heeresleitung, also Pilsudskis, tritisiert. Foch spricht von ristanten Entscheidungen und Improvi fationen. Ueberdies hebt Foch die entscheidende Rolle hervor, die der franzöfifche General Weygand bei dem entscheidenden Sieg der Polen über die Bolschemisten gespielt habe. Gegen diese Darstellung richtet sich in ziemlich erregtem Ion der ber Regierungspartei nahestehende Kurjer Boranny"( Morgenfurier), der fich nach einigen höflichen Verbeugungen vor der Persönlichkeit Sachs weniger gegen Foch felbst als gegen bie angeblichen

Polnischen Inspiratoren des französischen Marschalls Membet.

Reine wesentlichen Mißstände."

Prag , 10. Ottober.

In der heutigen Sigung des Senats ergriff der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. Spina das Wort zu einer Erklärung über die Einsturzfatastrophe. Er stellte fest, daß die bisherigen amt­

lichen Untersuchungen noch kein genaues Bild von den Urfa hen der Katastrophe gäben. Das bedauernswerte Unglück habe sich Sei einem Privatbau ereignet, auf den die Staatsverwaltung feinen direkten Einfluß habe, da die Bewilligung und die Aufsicht den autonomen Behörden zustehe. Die von der Gewerbeinspet tion vorgenommene Unterfudyung babe teine wesentlichen Misstände feststellen fönnen. Um in Zukunft ähnlichen Bau­tatastrophen vorzubeugen, merde das Minifterium für öffentliche Arbeiten im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien bestrest sein, die für staatliche Bauten gültigen Vorschriften auch auf andere Bauten auszudehnen. In der porbereiteten neuen Bauordnung jei bereits eine verschärfte Bauaufsicht enthalten.

Dieser Zwischenfall ist ein neues Zeichen für die zwischen den polnischen und den französischen leitenden Militärs bestehenden persönlichen Unstimmigkeiten, die hauptsächlich in dem guten Verhältnis zwischen dem in Frankreich lebenden Gegner Bilfubftis, General Sitorffi, und der franzöfifchen Generalität ihre Ursache haben.

Pilsudski - Flügel der Gozialistenpartei.

Warschau , 10. Oktober( Eigenbericht.)

Am Mittwoch ist in Barschau eine neue 3eitung, Brzedswit" Morgendämmerung") erschienen, die als Organ des aus der Polnischen Sozialistischen Partei wegen seines Eintritts in die Regierung ausgeschlossenen gegenwärtigen Arbeitsministers Moraczem sti anzusehen ist. Gleichzeitig vertritt das Blatt die Ideologie des Teiles der PPS., der auf der legten Hauptvorstands fizung für die Bildung einer parlamentarischen Mehrheit, also für Zusammenarbeit mit dem Regierungsblod, gestimmt hat und mit 5 gegen 37 Stimmen in der Minderheit geblieben ist. Die neue Zeitung bildet einen neuen Bersuch Pilsudskis, die PPS. zur Spaltung zu bringen und fällt in den Rahmen der tonje­quenten Sprengungspolitit des Regierungsblods gegenüber den übrigen politischen Parteien.

Flottenabkommen wird veröffentlicht.

Alle Antworten inzwischen eingelaufen.

Condon, 10. Ottober.( Eigenbericht.) Amtlich wird mitgeteilt, daß mit dem Eintreffen der ita lienischen Note munmehr die Antworten sämtlicher Mächte in London eingelaufen sind, denen das englisch - französische Flotten­fompromiß zweds Rüdäußerung unterbreitet worden ist. Unter diesen Umständen besteht nach amtlicher Auffassung fein Anlaß mehr, die auf das Flottentompromiß bezüglichen wesentlichen" Dokumente der Deffentlichkeit vorzuenthalten. Die Bublitation wird nunmehr erfolgen, sobald die für die Veröffentlichung eines Teils der Papiere notwendige Zustimmung anderer Regierungen in London vorliegt.

Heute Zeppelin- Start!

Falls die Wetterlage günstig ist.

Der Aufstieg des Graf Zeppelin" ist für heute vormittag 8 Uhr vorgesehen, falls die Wetterlage das Herausbringen des Schiffes aus der Salle geftattet.

tischen Arbeiterpartei in Blad pool vom Jahre 1927 aus, Bon dieser Vorausseßung ging der Parteitag der bri als er die Erefutive beauftragte, ein Parteipro­gramm auszuarbeiten, das die Gesamtheit der sozialistischen Gegenwartsforderungen unter einem einheitlichen Gesichts­puntte zusammenfaßt. Dieses Dokument liegt nunmehr vor und stellt für unsere Begriffe mehr ein Wahl- und Attions­als ein Parteiprogramm in dem auf dem Kontinent ge­läufigen Sinne dar. Seiner Erörterung war im wesentlichen der jüngste, in Birmingham zusammengetretene Parteitag gewidmet. Es ist, was immer auch die linksradikalen Gegner dieses Programms sagen mögen, ein ausgesprochen sozia­Listisches Betenntnis. Es legt die Partei auf die Nationalisierung der Bank von England , des Kohlenberg­schaften fest; es fordert die Sozialisierung des Grund und baues, des Verkehrswesens und der Versicherungsgesell­teilung noch in den Händen von privaten Banken bleibt, int Bodens, die strengste Kontrolle der Kredite, soweit ihre Er­Sinne einer sozialen und nicht rein tapitalistischen Verwen dung der Ersparnisse der Nation. Außerdem fordert das Programm eine Reihe sozialpolitischer Maßnahmen, die ant und für sich nicht ausschließlich sozialistische Forderungen, doch nach Lage der Dinge nur von einer sozialistischen Regierung verwirklicht werden dürften: Verbesserung der Fabritgefehgebung, einschließlich strittester Verwirklichung des achtstündigen Arbeitstages die 48- Stunden- Woche als Maximalarbeitszeit für industrielle Arbeiter, Abschaffung des Achtstundentages im Bergbau, Pensionierung überalterter Bergarbeiter, Schuß für den landwirtschaftlichen Arbeiter durch Einführung eines entsprechenden Mindestlohnes und einer entsprechenden Arbeitszeit, Reform des Wohnungs­wesens, Erhöhung des schulpflichtigen Alters auf fünfzehn Jahre und eine Reihe anderer verwandter Maßnahmen. Auf internationalem und außenpolitischem Gebiete verlangt das Programm Berzicht auf die Kriegswaffe auf der Grundlage eines internationalen Bertrages; inter­nationale Regelung der Abrüstung; sofortige Unterzeichnung der sogenannten freiwilligen Schiedsgerichtsbarkeitstlaufel und Anerkennung der Rechtsprechung des Bermanenten Internationalen Schiedsgerichtshofes; internationale ofono mische Zusammenarbeit auf der Basis der Vorschläge der Internationalen Wirtschaftskonferenz, Wiederaufnahme der diplomatischen und Handelsbeziehungen zu Sowjetruß land usw.

Auf to lonialpolitischem Gebiete fordert das Dokument die Herstellung der engstmöglichen Beziehungen zwischen den einzelnen Gliedern des britischen Reiches. An­erkennung des Rechtes der indischen Nationen auf Selbst­bestimmung und Gleichstellung Indiens mit den übrigen sich selbst regierenden Dominions des Empire, Sicherung der unterworfenen Böller gegen europäische Ausbeutung, Stärkung der Befugnisse der Mandatskommission der Bölferbundes ufw.

Aus dieser schlagwortartigen Aufzählung eines Telles der 63 Forderungen des Programms geht hervor, daß es sich hier um ein Aftionsprogramm handelt, das ohne die sozialistischen Endziele selbst zu umreißen darauf abzielt, die bestehende wirtschaftliche und politische Ordnung bis zu jener Grenze umzubilden, in der der Schritt vom Kapitalismus zum Sozialismus zu einer Frage der unmittelbaren politischen Aktion wird. Ein großer Teil der hier aufgestellten Forderungen mar praktisch bereits Barteiprogramm: In einzelnen, von früheren Parteitagen beschlossenen Resolutionen festgelegt, bildeten fie einen festen Bestand der sozialistischen Agitation. Der Parteitag hatte die Aufgabe, ihre programmatische Zusammenfassung gutzuheißen und sie nochmals in aller Form als offizielle Forderungen der Partei zu befräftigen.

"

Diese Aufgabe hat der Parteitag mit feltener Einmütig­feit erfüllt Auch die Opposition focht nicht die ein­zelnen Forderungen an, sondern die Beschränkung des Pro­gramms auf unmittelbar praktisch zu verwirklichende Maß­nahmen, den Mangel an Endzielen". Bon der Voraus­legung ausgehend, daß eine schrittweise Berwirklichung der fozialistischen Forderungen im Rahmen der demokratischen Maschine unmöglich sei, forderte sie für den Zeitpunkt nach Erreichung einer parlamentarischen Majorität die sofortige Einfegung der Macht zur Verwirtlichung eines Boll­fozialisierungsprogramms. Sozialismus nicht Schritt für Schritt, Sozialismus in unserer Zeit", Sozialismus am Morgen nach gewonnener Wahlschlacht. Der Rongres ftimmte die Kritiker nieder, ohne dabei, wie James