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Abendausgabe

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B 244

45. Jahrgang

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Der Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Eonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin and im Handel mit dem Titel Der Abend". Juustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen.. ftimme". Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts"

10

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Mittwoch 17. Oftober 1928

10 Pfennig

Die etntpelttge Ronpareillezetle 80 Biennig. Reflamezeile 5- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge druckte Bort 25 Pfennig( zulässig zwet fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengefuche das erfte Bort 15 Biennig, jebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben aahlen für gmei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Bfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Sauptgeschäft Linde Straße 3, wochentägl. von 8/ 2 bis 17 Uhr.

Rentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Bolfsentscheid gegen KPD.!

Der Zusammenbruch des kommunistischen Entlarvungsmanövers"

Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Endergebnis! des von den Rommunisten veranstalteten Boltsbegehrens betannigegeben werden tann. Aber schon aus den bisher vor­Gegenben Einzelzahlen ist zu schließen, daß die Kommunistische Partei mit ihrer Aftion einen geradezu täglichen Zusam menbruch erlebt hat. Ein Zehntel der Bahl der mahlfähigen Staatsbürger, also etwa 4,1 Millionen Wähler hätte sich einzeichnen müffen, damit der Antrag des Boltsbegehrens zur weiteren Er­lebigung an den Reichstag gelangen tonnte. In der tommunistischen Bresse war vorher zu lesen, daß diese Zahl weit überholt werdan pürde. In Wirklichkeit dürften in ganz Deutschland nur etwa 1 Millionen erreicht worden sein. Man glaubte in der fom munistischen Führerschaft, daß fie mit dieser Attion einen besonders fchmeren Schlag gegen die Sozialdemokratische Bartet merde führen fönnen. Die Gelegenheit für eines der üblichen Ent

Ein Gelehrter spricht:

Der Berliner Universitätsprofessor Julius Wolf schreibt in seiner kürzlich erschienenen Schrift: Die neue Sexual­moral und das Geburtenproblem unserer Tage" auf S. 40: Noch immr würdigt man ja den sozialen Auf­stieg des Proletariats viel zu viel als einen materiellen. Um vieles größer as der materielle ist aber der kulturelle Auistieg gewesen: In seiner Elite hat das Proletariat von heute Sinn und Verständnis für alle Kulturbestrebungen und-errungenschaften, weit hinunter betreibt es alle Arten von Sport mit hohem Können unter auffälliger Beteiligung der weib­lichen Jugend, für die Politik wird fast allgemein ein fanatisches Interesse gezeigt, selbst zu­nehmend von Frauen. Der Arbeiter von heute ist ein wesentlich anderer als der der vor- und früh­kapitalistischen Epoche, ein ganz anderer als der, den Lassalle vorfand, ein anderer auch als der vor zwei oder drei Jahrzehnten. Die paar Mark mehr Wochenlohn allein haben diesen Wandel nicht her vor­gebracht. Ihre Mitwirkung soll nicht in Abrede gestellt werden. Letzten Endes ist aber die Emanzipation des vierten Standes Edukation( Erziehung)."

So schreibt ein bürgerlicher Gelehrter. Wir dürfen stolz hinzufügen: Es war die Sozialdemokratische Partei , die an den arbei enden Klassen ein so gewal­tiges Erziehungswerk geleistet hat! Vom 21. bis 28. Oktober:

Werbewoche der Sozialdemokratie!

laroungsmanöver fchien ihnen so günstig wie noch nie. Um so größer ist aber jetzt der Kazenjammer in den fom­munistischen Reihen.

Die eigenen Anhänger sind davongelaufen! Troß aller Unterstügungen, die die Kommunistische Bartei bei den verschiedenn Arten der immer unzufriedenen gefunden hat, fonnte sie noch nicht einmalihre eigenen Anhänger zur Einzeichnung in die Listen bewegen. In Berlin , mo noch am 20. Mat d. J. 631 000 Wähler für die Kommunistische Bartel ge­stimmt hatten, haben sich noch nicht zwei Drittel davon für das Boltsbegehren eingezeichnet. Noch schlimmer steht es in jenen Be. sirten aus, die die Kommunisten bisher als ihre Hochburgen bezeichneten. In den anderen Wahlkreisen, in denen die Rom munistische Partei immer in hoffnungsloser Minderheit geblieben war, hat sich die Deffentlichkeit noch viel weniger um ihre Aftion gefümmert. Wo sind die Ursachen für diese tatastrophale Nieder­lage? Tragen die bösen Anderen" die Schuld daran, wie man es jetzt in den Kommentaren der kommunistischen Preffe glauben

machen möchte?

Kein Einzelfall, fondern allgemeine Erscheinung. Man darf den Zusammenbruch des fommunistischen Ent­faroungsmanövers" nicht als Einzelerscheinung bemerten, fondern ( Bortlegung auf der 2. Seite.)

Wettkampf zwischen Benzin und Dampf

Eine Ansicht des aus Metall gebauten englischen Luftschiffes ,, City of Glendale", das mit Dampf betrieben wird. Zur Steuerung des Schiffes werden Elevatoren verwendet, außerdem kann sich das Schift durch seine Propeller vollkommen in der Luft halten, wenn Passagiere und Gepäck herausbefördert werden. Unser Bild zeigt die Passagiergondel dicses mit Dampf betriebenen Luftschittes.

Delschalterexplosion in Klingenberg

... und im Umspannwert Rottbuffer fer.- Große Verkehrsstörungen.

Durch eine Delfalteregplofion im Groß­trastwert Klingenberg wurden heute früh amfang­relche Störungen im Straßenbahnverkehr hervor­gerufen. Im Often Berlins sowie in Neukölln und Brih war der Betrieb nahezu eine Dreiviertelffunde lahmgelegt. Rurz vor 7 Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Großkraftwer? Klingenberg in Rummelsburg alarmiert. Vermutlich durch Kurz­schluß in ber Sammelschiene der Delschaltanlage waren zwei Del­schalter explodiert. Während es dem Personal gelang, einen der brennenden Delschalter bald zu löschen, bereitete die Bekämpfung des zweiten Delschalters im benachbarten Schaltraum, der 450 Liter Del enthielt, größere Schwierigkeiten.

Ein Schaumgenerator mußte eingesetzt werden und erst nach halbstündiger Tätigkeit der Feuerwehr, die unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp arbeitete, fonnte das Feuer niedergekämpft werden. Da Angestellte im Augenblick der Explosionen nicht bei den Delschaltern weilten, ift niemand zu Schaden gekommen.

Durch den Brand der beiden Delschalter traten im Stromnet große Spannungsschwankungen ein, die eine Delschaltererplo sion im Umspannwert Kottbusser Ufer zur Folge hatten. Auch hier gelang es der Feuerwehr, den Brand nach kurzer Zeit zu löschen. Bon den Spannungsschwankungen wurden ebenfalls die Umformer. merte Brig, und Lichtenberg in Mitleidenschaft gezogen. Die Schalter wurden durch die plöglich auftretende Ueberspannung her. ausgeschleudert und es traten im Bahnneß der Straßenbahn und im Lichtne große Störungen ein.

Insbesondere wurde der Straßenbahnbetrieb im Often, in Brig

und Neukölln empfindlich gestört. In der Frankfurter Allee ruhte der Berfehr ab 7 Uhr völlig. Die Bahnen blieben mitten auf der Strecke stehen. Die Fahrgäste, größtenteils Arbeiter und Angestellte, mußten ihren Beg zu Fuß fortseßen oder andere Berkehrsmittel be­nuzen. Aehnlich war es in Brig und in einem Teil von Neukölln . Erst nach 45 Minuten waren die Störungen behoben und die Bahnen konnten ihre Fahrt wieder fortseßen. Ebenso waren zahlreiche Fabrikbetriebe, die in den von der Störung betroffenen Stadtteilen liegen, längere Zeit ohne Strom. Die City dagegen wurde von der Stromunterbrechung nicht berührt.

Wie der Störungsdienst der ,, Bewag" hierzu noch mitteilt, follen nach den bisherigen Feststellungen die Delschalter durch starken ,, lleberschlag" in Brand geraten fein. Das hierbei ausfließende Del entzündete sich sofort. Ein Weitergreifen des Feuers fonnte aber durch das tatkräftige Eingreifen des Personals und der Feuerwehr verhütet werden. Die Störung im Straßenbahn- und Lichtnetz war gegen% 48 Uhr wieder behoben.

Wieder ein Eisenbahnbeamter fotgefahren. Die Unfälle im Eisenbahnbetrieb reißen nicht ab. Gestern

wurde wieder ein Eisenbahnbeamter auf dem Schlesi. Der Hilfsweidensteller ichen Bahnhof totgefahren. Wilhelm Gottwald aus der Friedrichsfelder Straße 17 wurde beim Ueberschreiten der Gleise von einem einfahrenden Borortzug erfaßt und überfahren. G. wurde mit einem schweren Shädelbruch und inneren Berlegungen in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er eine Stunde nach seiner Eir­lieferung gestorben ist. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt.