Abendausgabe
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45. Jahrgang
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Donnerstag 25. Oftober 1928.
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Die Unschuld vom Landbund.
Ein Landjägeroberleutnant belastet die Führer.
Anrih, 24. Oftober.( Eigenbericht.)
Es ist eine recht billige Methode der Verteidigung, die sich die Landbund- Helden bei ihrer Bernehmung ausgesucht haben: Mein Name ist Haase, ich meiß von nichts! Nur eins wissen sie, und sie betonen es mit Pathos: daß sie samt und sonders unschuldig wie die Engel sind! Schuld hat ganz allein die Schupo, weil sie, wie. der Angeklagte Kleine betonte, unverschämt genug" war, den Landbündlern unter die Augen zu treten. Das sind dieselben Leute, die fonst bei Arbeiterbemonstrationen nicht genug nach polizeilichem Schug schreien fönnen.
Das Milieu der inftematischen Berheizung, aus dem die Kyritzer Repolie ermudhs, wurde sehr deutlich bei der Bernehmung der Mädelsführer, bloßgelegt. Da ist der Stahlhelm- und Landbundführer Cordes, typischer Militär a. D., der sich wohl aus Langemeile aufs berufsmäßige Aufputschen urteilsloser Landbündler verlegt hat. Die Verteidigungsthese des Majors ist: ich tat alles, um die Ausschreitungen abzubremjen. Im Prozeß merden Zeugen aufIteten, die das Gegenteil befunden. Der Herr v. Jena , nicht so bierfchrötig wie der Stahlhelmhäutling, sondern flein und eher zierlich, sieht wie eine Kopie des Grafen Westarp aus. Auch er meiß nur etwas von der provozierenden Schupo mitzuteilen und glaubte, allen Ernjtes dem Gericht erzählen zu fönnen, daß ohne das Sichtbarirerden der Polizei die Demonstration in Ruhe und Ordnung berlaufen wäre. Es liegen aber Zeugenbefundungen vor, die das Organisierte des Ueberfalls zu beleuchten wissen. Das geschmeidige Ausweichen der Führer erhielt eine treffliche Illustration durch die Bernehmung des Angeklagten Kleine. Kleine hat nicht nur die diensttuenden Beamten in der müstesten Weise beschimpft( dreckiger Sudenjunge, Lump, Blutjauger, Schweinehunde, das waren so die Ausdrücke, mit denen dieser Mann friedlich demonstrierte"), er hat oud) auf die Beamten mit einem Knippel eingeschlagen und den Obermachtmeister Müller schmer verlegt.
Dus meiste, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, leugnei Kleine natürlich doch was an Geständnissen übrig bleibt, genügt, um aufzuzeigen, in welcher Weise man die Mitglieder zu Exzessen gebeizt hat! Ist es nicht ein Widersrpuch, menn der Reichstagsabgeordnete Staffel behauptet, die demonstrierenden Bauern mären„ Die friedlichsten Menschen der Welt ge= mejen", menint ez jelbst in seiner Rede die folgenden ungeheuerlichen Güze gebraucht hot: nur über unsere Leiber geht der Beg zu unserer Scholle".. und ,, Wir müssen unseren Willen durchsetzen, nötigenfalls mit Gemalt!". Die gemiffentoje, um nicht zu sagen zynische Art, mit der die Macher borgegangen sind, zeigte auch die Aussage der Frau von Kliking, die nichts dabei fand, als einige Scheiben flirrten. Wörtlich:„ Die Leute langweilten sich, sie fonnten sich doch nicht wie ein Trauerzug benehmen." Man betätigte sich also friminell, nur um das Gähnen zu vertreiben! Mit derselben furiosen Begründung Mit derselben kuriosen Begründung fönnte man auch einen Mord aus Berlegenheit" rechtfertigen. Das Berhör der Angeklagten ist nunmehr beendet, nur ein einziger, der Angeklagte Schulte, hat eine wichtige Aussage
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gemacht. Schulte hat givei Leute in der Menge beobachtet, die mit den Worten: ,, Nun wollen wir aber fertig machen" Pistolen aus ihren Mänteln holten. Eine Aussage, die den übrigen Angeklagten überaus unangenehm war. Die friedlichsten Menschen der Welt" -mit Pistolen in der Manteltasche! Ber lacht da?
Die heutige Berhandlung.
Die ,, friedliche" Demonstration am 12. März, bei der die Fensterscheiben des Finanzamtes eingeworfen und ein Wachtmeister mißhandelt wurden.
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Der Geschäftsführer des Landbundes, Major v. Cordes, wie er hoch zu Pferde die ,, Parade" abnimmt.
Feuergefecht mit Raubmörder Seidger.
3m Handgranatenkampf schwer verletzt.
Köln , 25. Oftober.( Eigenbericht.)
Heute in den frühen Morgenstunden wurde der Raubmörder Johann Heidger in dem gleichen Häuserblod, in dem er nach dem Kampf in der Dienstagnacht verschwunden war, und zwar in der Oppenheimschen Billa, von der Polizei entdeckt. Die Polizei, die mit Karabinern, Handgranaten und anderen Waffen aus gerüftet war, umzingelte das Haus, und es entwickelte sich ein Feuergefecht, in deſſen Berlauf Heidger, der Mörder, durch eine Handgranate unschädlich gemacht wurde. Er wurde schwer verletzt in das St.- Binzenz- Krankenhaus eingeliefert. Man glaubt faum, daß er mit dem Leben davonkommt. hatte, sondern ein Gastwirt war, der in einem Bordell Streit gehabt hatte und dann geflüchtet war. Der letzte Kampf.
Ueber die näheren Einzelheiten, die zur Auffindung des Raubmörders Heidger führten, erfahren wir noch folgendes:
Das Haus am Niederländer Ufer, in dem Heidger festgestellt wurde, liegt im gleichen Gebäudekomplet, in dem sich auch das schwere Feuergefecht in der Nacht zum Dienstag abgespielt hat Die Bermutung der Polizei, daß Heidger unmöglich aus dem
Zu Beginn des heutigen dritten Verhandlungstages wurde die Beweisaufnahme mit der Vernehmung des wegen Krankheit erst heute erschienenen Angeklagten Landwirt Schneider unterbrochen. Schneider, der dem Vorstand des Landbundes angehört und der der Borsigende der gestern vielgenannten Ortsgruppe Rubbier ist, bestritt entschieden, sich strafbar gemacht zu haben. Auf den Vorwurf, daß er als Mitglied der Kommission im Finanzamt den Regierungsrat Reinholz angeschrien und angebrüllt habe, erflärte er: ch babe gewissermaßen ein lebhaftes Organ in mir. Ich war nämlich Soldat in der alten Garnisonstadt Potsdam . Da ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, laut zu fragen und laut zu antworten. Vielleicht nennt man das heute schreien und brüllen." Werde noch heule
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Der Borsigende hielt ihm darauf vor, daß selbst seine eigenen Kameraden ihm gesagt haben, er solle sich mäßigen. Darauf wurde in der Beweisaufnahme mit der Bernehmung des Land.
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Wir brauchen auch dich!
jäger oberleutnants Dymte grip fortgefahren. Er werde noch heule berichtete zunächst, daß er einige Tage vor der Demonitration erfahren hätte, in der Bersammlung in Brigwalf sei beschlossen worden, ( Fortſegung auf der 2. Geite.)
Gelände herausgefommen sein fönnte, hat sich als richtig ermiesen. Am Donnerstag früh wurde der Berbrecher in der Heizungsanlage eines Hauses am Niederländer Ilser von Hausangestellten entdeckt.
Heidger sprang mit vorgehaltenem Revolver auf die Mädchen zu, die entsetzt flüchteten und Lärm schlugen. Die Polizei wurde sofort
alarmiert und rückte mit einem großen Aufgebot von Beamten und allen Sicherungen, Feuerwehrleitern usw. an. Heidger hatte
fammer des Hauses versteckt. Die Beamten legten eine Feuerwehrsich in der Zwischenzeit bis zum Eintreffen der Polizei in der Dachleiter an und versuchten über die Leiter in das Zimmer einzudringen; bei ihrem Auftauchen wurden sie von Heidger sofort
wieder mit Revolverschüssen empfangen. Ein Schutzpolizeibeamter erhielt einen Kopfschuß und starb wenige Minuten später. Schließ lich gelang es den Beamten, Heidger durch mehrere Schüsse kampfunfähig zu machen.
Der Nahkampf im Fremdenzimmer.
Bon der unerhört todesmutigen und tollkühnen Entschlossenheit
des Verbrechers, der wie selten einer der Polizei zu schaffen gemacht hat, legt der Endkampf Zeugnis ab, der sich wie ein Stück Hinter treppenroman ausnimmt. Danach hatte sich Heidger um 8 1hr
in die unteren Räume des dem Generaldirektors Oertel gehörenden Hauses eingeschlichen, wo er zuerst von dem Küchenpersonal bemerkt wurde, das um Hilfe rief. Er brachte die Leute jedoch durch Bedrohung mit dem Revolver zum Schweigen. Durch die Hilferufe aufmerksam gemacht, gab der im Nebenzimmer wohnende Chauffeur drei Alarmschüsse ab. Eine in der Nähe befindliche Polizeipatrouille benachrichtigte darauf sofort die Beamten dieses Reviers und zwei Minuten später traf das Ueberfallkommando ein. Das Haus wurde umzingelt. Nach den drei Alarmschüssen des Chauffeurs hatte sich der Verbrecher in die oberen Räume des Hauses zurückgezogen. Die Polizei rüdte nach, und im Fremdensozialdemo- zimmer entspann sich ein lebhafter Feuerkampf bei halbgeöffneter Tür. Durch zwei Handgranaten wurde die Tür des Fremden
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