Nr. 298.
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für 1895 unter Nr. 7128.
Vorwärts
12. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
I.
Sonnabend, den 21. Dezember 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Das Königreich Sachsen gehört seit Jahrhunderten zu den ökonomisch vorgeschrittensten Ländern Deutschlands . Das ist nicht das Verdienst seiner Fürsten, sondern das Produkt einer Entwickelung, zu der seine geographische Lage, der Reichthum seiner Bodenschäße an Silber, Erzen und Kohlen und die Intelligenz seiner Bevölkerung ziemlich gleichmäßig mitwirkten.
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Auf dieser vorgeschrittenen ökonomischen Grundlage entwickelte sich frühzeitig ein höheres geistiges Leben und entstanden politische Bedürfnisse, die Sachsens staatliche Gewalten zwangen, mehr und früher als anderwärts dem Strome der Zeit Rechnung zu tragen.
Die unerwartete Unterbrechung und Wendung, die recht auch für die Wahlen zum preußischen dieser Kampf in Sachsen und ganz Deutschland , durch den Landtag eingeführt werde." von Bismarck 1866 provozirten deutschen Bruderkrieg bekam, Ach! wo find sie hin die schönen Tage von Arander mit dem Ausschluß Desterreichs aus Deutschland und juez, wo ein Bennigsen und ein Mann wie Miquel, der Konstituirung des Norddeutschen Bundes unter Preußens der ehemalige Kommunist und Atheist, für die deutsche Präsidium endete, legten der sächsischen Regierung nabe, jetzt Freiheit und das allgemeine Stimmrecht freiwillig auf Einrichtungen zu verzichten, die sie bis- schwärmten? her hartnäckig vertheidigt hatte. War doch das Land eben Aehnlich wie jenen erging es den sächsischen Liberalen mit genauer Noth der Annexion an Preußen und das von 1866. Damals noch halbe Idealisten, sind sie heute Haus der Wettiner seiner Depossedirung durch die Hohen- jammernde Pessimisten, die gleich den Miquel und Konsorten zollern entgangen, und gab es doch im Lande eine einfluß- bis an den Hals im Sumpfe der Reaktion waten und reiche Partei, die sehulichst die Annexion herbeigewünscht die schmutzigsten Handlangerdienste für sie verrichten.. Damals genügte in Sachsen ihrer Ungeduld die allhatte und noch wünschte, und nur durch die freundliche Vorsorge Bismarck's in der Person ihrer Häupter einer gemein gehaltene Zusage der Throurede für ein neues Anklage auf Hoch- und Landesverrath entging. Wahlgesetz nicht, und so brachte ein Theil von ihnen, die So fand die Reformation und die mit der Reformation In dieser Zeit der schweren Noth fand es die Staats- Abgeordneten Koch, Dr. Müller, Walther und Jordan in Hand in Hand gehende revolutionäre Bewegung der Klein- gewalt Sachfens für gerathen, die Folgen des Verfassungs - der Sigung des sächsischen Landtags vom 16. November bürger und Bauern in Sachsen mit den lebhaftesten Widerhall; bruchs von 1850 so gut wie möglich aus der Welt zu 1866 folgenden Antrag ein: Die Kammer wolle beschließen: im Hinblick auf die bekam die in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts im schaffen. Die Thronrede, mit welcher der sächsische Ständedeutschen Bürgerthum sich bemerkbar machende Bewegung Landtag im Herbst 1866 eröffnet wurde, kündigte eine in der Thronrede noch für den gegenwärtigen Landtag angefür konstitutionelle Verfassungs- Einrichtungen und für die Aenderung der Verfassung und des Wahlrechts für die kündigten Vorlagen über die infolge der veränderten Schaffung einer deutschen Nationaleinheit in Sachsen die Stände an mit ausdrücklichem Hinweis auf die veränderte Bundeseinrichtungen nothwendig werdenden Umänderungen träftigste Unterstützung. Alle diese Bewegungen waren Situation, die namentlich durch die Gewährung des all- der Verfassungsurkunde und des Wahlgesetes die Er vorwiegend demokratische. gemeinen gleichen direkten Wahlrechts für die dorals be wartung auszusprechen, daß diese Gesezentwürfe Sachsen trat infolge hiervon mit in die erste Reihe vorstehenden Wahlen zum konstituirenden Norditu.shen den Grundsägen des aus den Berathungen des Norddeutschen Parlaments hervor. der deutschen Staaten, die eine konstitutionelle Verfassung Reichstag geschaffen war. erhielten, die, allerdings nicht ganz im Einklang mit der Innerhalb der sächsischen Liberalen gab es gehenden Wahlgesetes, sowie den be= Entwicklung des Landes, einen ständischen Charakter bekam. eine starke Partei, die bisher stets die Wiedereinführung rechtigten Wünschen des Volts nach freis Das Jahr 1848 sah wieder die große Mehrheit des des Wahlgesetzes vom November 1848 verlangt hatte, und sinniger Erweiterung der Grenzen der fächsischen Voltes auf seiten der revolutionären Bewegung zwar mit dem Hinweis auf dessen Rechts beständig Stimm Berechtigung und wählbarkeit für die Freiheit und Einheit Deutschlands eine Beteit. Jenes Wahlrecht war sowohl allgemein wie direkt. Es und nach zeitgemäßer Zusammensetzung wegung, die sich sturmartig über das ganze Land ver- gewährte jedem männlichen sächsischen Staatsangehörigen, der Boltsvertretung entsprechen werden." Dieser Antrag wurde einer Deputation( im sächsischen breitete und im Dresdener Maiaufstand des Jahres der das 25. Lebensjahr vollendet hatte und selbständig war, 1849 für die Vertheidigung der Reichsverfassung ihren Höhe d. h. einen eigenen Hausstand besaß, das aktive und passive Landtag heißen die Kommissionen: Deputationen) überpunkt erreichte. Wahlrecht. Es kam also dem jetzt für den Deutschen wiesen, die in der Sigung vom 6. Dezember 1866 Bericht Dem Niederwerfen der revolutionären Bewegung folgte Reichstag geltenden Wahlrecht ziemlich nahe und ging erstattete und vorschlug, den Antrag in folgender Fassung die ebenso feige wie grausame Verfolgung ihrer Anhänger weiter als irgend ein Wahlrecht, das zu jener Zeit von der anzunehmen: Die Kammer wolle beschließen: im Hinblick auf die und Vertheidiger, folgte der Staatsstreich, der die Er Regierung und der Kammer zu erwarten war. rungenschaften der Revolutionsjahre mit einem Federstrich Aber auch der Theil der sächsischen Liberalen, der in der Thronrede noch für gegenwärtigen Landtag an auszulöschen drohte und jene Reaktion hervorrief, die mit ber eit war, das früher Geschehene zu vergessen, und sich gekündigten Vorlagen über die Umänderungen der Ver den Namen Beust und Waldheim der Ort für das nicht an das Wahlrecht von 1848 flammerte, forderte fassungsurkunde und des Wahlgesetzes auch ihrerseits der Zuchthaus, in dem die von den Schergen der„ Ordnung" damals ein Wahlrecht, das sich möglichst dem Ueberzeugung von der Nothwendigkeit Ausdruck zu verurtheilten Revolutionäre auf das grausamste behandelt für den norddeutschen Reichstag gelten geben, daß diese Gesezentwürfe den Grundsätzen der wurden für immer verbunden ist. den Wahlrecht anschließe." Man fonnte es in fünftigen Verfassung des Norddeutschen
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Aber scheinbar niedergeworfen erhob sich die Bewegung jener Zeit der nationalen Begeisterung" seitens unserer Bundes, sowie den berechtigten Wünschen sofort wieder, sobald die Zeiten günstiger wurden. Die Liberalen schwer begreifen, daß in den Einzelstaaten auf nach zeitgemäßer Zusammensehung der neue politische Bewegung in Deutschland , die mit dem die Dauer ein Wahlrecht bestehen solle, das sich wesentlich Voltsvertretung entsprechen." Nach längerer Debatte über diesen Vorschlag wurde Jahre 1860 begann, fand in Sachsen ihr stärkstes Echo. von dem für den Reichstag geltenden unterscheide.. Hier hatte der Haß gegen das herrschende Regiment seine So veröffentlichten auch damals die preußischen auf Antrag eines konservativen Abgeordneten über die tiefsten Wurzeln geschlagen, war das Verlangen Nationalliberalen einen Aufruf, der von Bennigsen, Worte: nach nationaler Einheit, dank ungemein vor Gneist, Laster, Miquel, Twesten 2c. untergeschrittenen kapitalistischen Entwickelung, am lebhaftesten, zeichnet war, in dem sie das allgemeine, gleiche, und wurde insbesondere der Kampf gegen die 1850 mit dirette und geheime Wahlrecht für das besonders abgestimmt. Diese Worte wurden mit 42 gegen Hilfe des Staatsstreichs oftronirte Ständeverfassung mit fest est e Bollwerk der Freiheit" erklärten 32 Stimmen angenommen, und zwar stimmten sämmt= wahrer Erbitterung geführt. und verlangten, daß ,, ein ähnliches Wahl- liche liberale Abgeordnete dafür, neben einem
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Clotilde.
der
Roman aus der Gegenwart von
H. W. M. von Walthausen.
Friedrich ging ihr so weit entgegen, daß er zum Hause
"
" Sagt er das? Krank? Desto besser."
Wie?"
"
als
Nun dann reist er bald ab, denn er wird doch nicht Kranter auf Besuch bleiben."
Wenn ich das Trinkgeld dazu rechne, was mir der ( Nachdruck verboten.) zurücksehen und von diesem aus gesehen werden konnte. englische Major giebt, wenn er diesmal fortfährt, dann Er war in seinem Sonntagsstaate. Da sah er sie um habe ich sogar einundfünfzig Thaler." die Ecke biegen, einen schönen Strauß in der Hand. Und wenn wir hundert Thaler zusammen haben, Wie fie daher getänzelt tam, neit und sauber, wird geheirathet, das ist einmal ausgemacht. Also mun los!" Brambach eilte, frohlockend, daß er nun ein reicher frisch und geröthet von dem raschen, weiten Gange, Mann sei, wieder ins Komptoir zu kommen und dabei zu da freute sich Friedrich und war stolz, daß solch ein Mädchen öffnen. seine Liebste war. In wenig Sprüngen war er an ihrer Es war aber niemand an der Thür. Auf der Treppe Seite. begegnete ihm Clotilde. Sie fehrte zurück um vom" Nun, Hannchen, wie gefalle ich Ihnen," redete er sie Vater eingelassen zu werden. Er konnte dem unschuldigen an, das ist der Anzug, in welchem ich Sie auf's StandesKinde vor Scham nicht in die Augen sehen. amt führe." „ Geh zur Mama," rief er im Vorbeigehen ihr zu,„ Ihr Ganz nett," sagte Hanne, indem sie an ihrer neuen müßt Euch dann anders anziehen." Halsschleife zupfte, aber sprechen Sie mir nicht vom StandesClotilde wollte ihm von der schönen Spazierfahrt er- amite, getraut wird man in der Kirche, sonst heirathe zählen und begann: Papa aber schon war Bram- ich nicht." bach verschwunden und die Thür hinter ihr geschlossen.
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" Na meinetwegen auch den Luxus. Sie haben wohl Sie fam Georgine sehr gelegen, die sie zu ver- schon den Strauß für mich dazu geholt?" schiedenen Handreichungen brauchte, und sich fürchtete" Der ist für den König, aber ich habe etwas noch viel allein zu sein. Nun?"
8.
Der Hausbursche Friedrich hatte sein Hannchen zwar aus dem Hause gehen sehen, ihr aber Geschäfte halber nicht nacheilen können. Friedrich verlieh nicht allein den Druckbogen das atlasartige Aussehen als Satinirer, er hatte in bezug auf die Reinlichkeit das Departement des Aeußeren über sich, das heißt er fegte die Straße und war des Nachts Portier.
Hannchen ließ ihm immer aus dem Departement für das Innere, das heißt aus der Küche, etwas Gutes zu fließen.
Beide waren schon lange Zeit Liebesleute. Jm Bram bach'schen Hause wußte jedes um ihr zärtliches Verhältniß. Hanne wollte noch immer nicht zurückkommen.
Schöneres."
" Da sehen Sie nur, was ich vom englischen Major bekommen habe." Alle Wetter! Ein Perlmuttermuschel Portemonnaie mit Goldeinlage. Das laffe ich mir gefallen."
"
Der englische Major hat gesagt, das Portemonnaie soll unsere Sparbüchse sein und die Goldstücke sind für unsere Hochzeit.
Hat er das gesagt. Sehen Sie, ich sage es ja auch immer, wir müssen heirathen."
"
Meine fünfzig Thaler sind nun voll, wie steht es denn mit Ihrem Heirathsgute?"
"
Sie wissen, Hannchen, im Sparen bin ich Ihnen
ftets über."
"
Aber, Friedrich! Wenn er nun ernstlich krant wäre?" Dann müssen wir ohne sein Trinkgeld heirathen."
In diesem Augenblick rollte eine elegante Equipage an den Beiden vorüber und mit den Worten:„ Das sind fie," sprang Friedrich von Hannchen's Seite und kam eben noch zur rechten Zeit vor dem Hause an, um den Kutscherschlag öffnen zu können.
Es stiegen drei Herren in Frack, weißen Handschuhen, Zylinderhut und weißer Binde, aus.
Es war die Deputation des hohen Rathes der Stadt, bestehend aus dem sehr energisch dreinblickenden Bürgermeister Dr. Gräß mit der goldenen Amtskette angethan, dem kugelrunden Bankier, Stadtrath Lilienstengel und dem sehr beweglichen Bürstenbinder- Obermeister Zapf als Vertreter der Stadtverordneten.
Friedrich wollte die Herren führen, aber der Faktor Eichwald und der Maschinenmeister famen ihm zuvor.
Eichwald begrüßte die Spitzen der Behörden sehr unters thänig. Auf Befragen des Bürgermeisters deutete er nach dem Druckereigebäude.
Der Maschinenmeister übernahm die Führung, während Eichwald neben dem Bürgermeister ging.
Friedrich schritt dem Zuge nach und freute sich schon darauf, wie die Herren erstaunen würden, wenn sie im